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Black & White

von Una Mia
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Het
Blackwall Cullen Inquisitor (weiblich) Josephine
18.06.2020
30.03.2021
23
49.299
8
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18.06.2020 1.529
 
Blackwall und Cullen!

Auch wenn es die Beiden möglicherweise gar nicht wissen: Ich brauche sie!
Sie haben in schwierigen Situationen, in denen ich nicht weiterwusste oder am Verzweifeln war, immer den richtigen Rat für mich. Wenn ich manchmal kurz vorm Durchdrehen bin, oder wieder einmal alles hinschmeißen will, brauche ich ihre beruhigende, ausgleichende Art, wie einen Bissen Brot zum Überleben. Aber genauso vermögen sie mir ungeahnte Kraft und neuen Mut zu spenden, wenn mir alles zu viel wird, ich erschöpft oder am Boden zerstört bin!
Sie sind Labsal für meine Seele. Was würde ich nur ohne sie tun?
Ich weiß es nicht. Denn ich kann mir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen!
Obwohl diese Männer unterschiedlich sind wie Tag und Nacht, wie warme Milch mit Honig und schwarzer, starker Kaffee.
Sie verwirren mich einerseits und andererseits kann ich nicht ohne sie sein! Diese Zwei bringen mich noch gänzlich um meinen Verstand!

Cullen mit seinem unwiderstehlichen Geruch nach Eichenmoos und Holunder, gemischt mit seinem eigenen männlichen Duft, der mir die Sinne raubt und mich all das Schlechte in der Welt vergessen lässt. Dessen gefühlvolle, samtige Stimme in mich dringt, mich umschmeichelt und mir ein Gefühl von Trost vermittelt, wie warme Milch mit Honig, die mich behaglich von innen wärmt. Mit seinen immer korrekt gekämmten, kurzen, blonden Locken, die ich ihm so gerne in Unordnung bringen würde, oder mit seinen sanften bernsteinfarbenen Augen, in denen ich mich endlos verlieren könnte. Nicht zu vergessen sein Dreitagebart und seine feine Narbe an der Oberlippe, an der mein Blick wiederholt und länger hängen bleibt und meine Gedanken in Richtungen treiben, die sich keineswegs ziemen. Wenn er diese wüsste, würde ihm sicher die Röte in sein sonst so blasses Gesicht steigen. Sein seltenes schiefes Lächeln, das er mir öfter als jedem anderen schenkt, jagt mir Schauer über den Rücken. Bei ihm fühle ich mich immer verstanden. Ich kann mich fallen lassen, muss keine Rolle mehr spielen und kann so sein wie ich bin, ohne schlechtes Gewissen, ohne Angst, absolut sicher und geborgen.
Der Mann kann aber auch sehr impulsiv sein und verfügt über eine ausgeprägte, feurige, dominante Seite. Nicht nur als Kommandant. Man nennt ihn nicht umsonst den Löwen Fereldens. Jeder bemerkt es, wenn er ein Zimmer betritt, dann ist seine Aura so stark und raumfüllend, bis in jeden noch so versteckten Winkel, dass es nicht nur ich spüren kann.

Bei Blackwall ist dieses Gefühl seiner Präsenz ähnlich, nur allmählicher, nicht ganz so intensiv und anfangs etwas kühler. Genau wie seine graublauen Augen kälter und durchdringender wirken, die mich aber trotzdem immer nur liebevoll ansehen. Dieses Graublau, das mich an einen wolkenverhangenen Tag auf stürmischer, tosender See erinnert und seine verborgene Leidenschaft erahnen lässt. Aber manchmal ist sein Blick so traurig, dass ich ihm in die Arme nehmen möchte um zu sagen: “Alles wird gut!” Sein warmer Geruch nach Leder, Heu und Pferd mit einem Hauch von Waffenöl ist mir so vertraut und wirkt beruhigend und schützend auf mich. Trotzdem fühle ich mich in seiner Nähe aufgeputscht, wie nach einem starken, schwarzen Kaffee. Am Lagerfeuer kann ich alles Mögliche mit ihm besprechen, aber ich höre ihm auch gerne zu, wenn er eine seiner Geschichten zum Besten gibt.
Seine längeren dunkelbraunen Haare und sein dichter buschiger Bart sind sogar auf Reisen so gut wie möglich gepflegt und glänzend. Als wir uns letztens in einem Bach wuschen und er den Oberkörper für einen Heiler frei gemacht hatte, ist mir seine gebräunte Haut und die ausgeprägte Muskulatur mit seiner dunklen Brustbehaarung noch sehr lange im Gedächtnis geblieben. Genau so wie der Wunsch einmal darinnen mit meinen Fingern zu wühlen. Blackwall ist ein Gentleman, immer. Egal in welchem Loch wir gerade festsitzen oder wie dreckig und blutverschmiert ich auch sein mag, jederzeit gibt er mir ein Gefühl, als wäre ich eine Königin.

Bei gemeinsamen Missionen genieße ich es immer wieder aufs Neue den Wächter in Aktion zu sehen. Wenn er durch die Reihen der Gegner pflügt und ihnen mit seinen gekonnten, starken Schlägen keine Chance lässt. Oder einfach mit seinem Schild dasteht, wie eine unüberwindbare Mauer, um mich vor Angriffen abzuschirmen.
Das würde ich mir auch von Cullen wünschen, dass wir Seite an Seite stehend, gemeinsam kämpfen, als unbesiegbares Duo. Leider begleitet er mich nicht. Nicht weil er es nicht will, seine Pflichten lassen es einfach nicht zu. Nur in groß angelegten Einsätzen, wo ganze Einheiten aufmarschieren, wo er als Kommandant unverzichtbar ist, ist auch er an vorderster Front mit dabei. Aber da bekomme ich ihn fast nicht zu Gesicht, denn wir haben immer unterschiedliche Aufgaben.
Aber ich weiß genau, dass Ser Cullen Stanton Rutherford von Honneleath ein mindestens genauso ausgezeichneter, herausragender Kämpfer ist, wie der graue Wächter Blackwall. Da aber Cullen leider hinter seinem Schreibtisch in der Himmelsfeste gebraucht wird, ist es immer Blackwall gewesen der mir schon dutzende Male das Leben gerettet, oder mich zumindest vor Verletzungen bewahrt hat. Ohne zu zögern, würde er sich in eine Klinge stürzen um mich zu schützen. Ich glaube aber, dass es nicht nur sein Pflichtbewusstsein ist, das ihn immer wieder antreibt, besonders auf mich aufzupassen. Seit kurzem, seit diesem flüchtigen Kuss, den er mir überraschend gestohlen hat, bin ich mir fast sicher, dass er mich liebt.

Und Cullen? Cullen erweckt einen starken Beschützerinstinkt in mir. Ich weiß, es klingt lächerlich, doch ich habe Angst um ihn! Angst, dass ich ihm nicht helfen kann. Angst, ihn zu verlieren. Und dass, obwohl er ein erfahrener Stratege und einer der mutigsten und stärksten Krieger ist, die ich kenne. Ich weiß, dass er von seinen Männern respektiert wird, weil er stets korrekt ist. Dieser große durchtrainierte Mann ist ihnen ein guter Anführer, ein Vorbild und ein Idol. Für die allermeisten Bewohner auf der Himmelsfeste, ist er noch viel mehr als mein geschätzter Berater und Kommandant. Ich habe schon mehrfach von seiner Hilfsbereitschaft gegenüber dem einfachen Volk, egal ob Magd, Bauer oder Händler, gehört. Bei all diesen vielen Qualitäten hat er doch eine entscheidende Schwäche. Ich meine damit nicht, das verbliebene Lyrium in seinen Adern, das ihn regelmäßig quält. Oder den kräftezehrenden Kampf gegen diese Sucht, den er still duldend austrägt. Sondern Sturheit! Seine verdammte Sturheit gepaart mit Stolz, die ihn dazu zwingen, dass er die Entzugserscheinungen und auch die Nachwirkungen seiner Folter im Cirkel von Ferelden, nicht nur vor seinen Männern oder Untergebenen zu verbergen versucht, sondern sogar vor MIR! Wie immer denkt er, es wäre seine Pflicht alles alleine zu erledigen und es wäre Schwäche, wenn er seinen, nie kleiner werdenden, Berg von Arbeit und die damit verbundene enorme Verantwortung nicht mehr alleine schaffen kann. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ihn seine Schmerzen, die mitunter unerträglich sein müssen und sogar zu gelegentlichen Fieberschüben führen, und der permanente Mangel an Schlaf wegen seiner fürchterlichen Alpträume, ihn fast umbringen. Trotzdem würde er nie um Hilfe bitten. Ich sollte ihm mit viel mehr Nachdruck sagen, wie gerne ich ihm beistehen und ihn jederzeit unterstützen würde. Ich könnte ihm sogar befehlen, mehr auf sich zu achten und mehr Pausen zu machen. Aber in Wahrheit sollte ich endlich den Mut aufbringen und ihm sagen, dass ich alles für ihn tun würde, weil ich ihn liebe!


Blackwall ließ das Tagebuch sinken, in dem er gerade noch gelesen, und das er auf dem Schreibtisch des Inquisitors gefunden hatte. Er hatte gehofft, darin etwas über ihren derzeitigen Aufenthalt zu erfahren. Zu der Mission, zu der sie mit Leliana alleine aufgebrochen war. Dieser “geheime Auftrag” mit der Nachtigall dauerte für seinen Geschmack schon viel zu lange, aber niemand konnte ihm sagen, wo er beginnen sollte zu suchen. Deshalb hatte er versucht, hier in ihren Gemächern eine Spur zu finden.
Jetzt aber stand er wie vom Donner gerührt da und versuchte krampfhaft seinen Impuls, etwas kaputt zu schlagen, zu unterdrücken. Wie konnte er nur so blöd und blind sein. Wieso hätte der Kuss neulich auch mehr bedeuten sollen? Nun für ihn hatte er mehr, nein, alles hatte es für ihn bedeutet! Blackwall hatte geglaubt, endlich eine Frau gefunden zu haben, die seine Liebe auch erwiderte. Aber jetzt verstand er endlich! Ihre Zurückhaltung auf seine Avancen war keine Schüchternheit, sondern die Liebe zu einem anderen. Cullen. Natürlich Cullen! Was hatte dieser arrogante Kerl, dieses kaputte Wrack nur an sich, dass ihm reihenweise die Frauen verfielen. Zwar hatte er den Kommandanten noch nie mit einer dieser vielen Verehrerinnen verschwinden gesehen, möglicherweise war der eitle Schönling ja sogar schwul. Oder er hatte von den Folterungen, die sie in diesem Tagebuch erwähnte, einen Makel davongetragen, der es ihm unmöglich machte mit jemandem zusammen zu sein...
Egal!

Blackwall las am Anfang der Seite nochmals nach: “Sie verwirren mich einerseits und andererseits kann ich nicht ohne sie sein! Diese Zwei bringen mich noch gänzlich um meinen Verstand!”

Nun denn, der Wächter fasste einen Entschluss! Anscheinend war noch nichts entschieden und sie ahnte ja schon, dass er sie liebte. Und wie hier, in ihrem Büchlein geschrieben stand, war er ihr keineswegs egal. Im Gegenteil!  Deshalb würde Blackwall jetzt alles daran setzen um gegen Cullen zu gewinnen. Immerhin war er doch "der schwarze, starke Kaffee!" und nicht "die laue Milch!"
Er würde, verdammt noch Mal, alles geben und um seine Liebe kämpfen!
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