Der Brite und der Buchhändler (Teil 5 oder auch: Ein würdiges Ende)

von chooow
GeschichteRomanze / P16 Slash
Bob Andrews OC (Own Character) Peter Shaw
18.06.2020
03.07.2020
11
12.489
2
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
30.06.2020 1.184
 
Kapitel 9

Familie


Sein Kopf pocht unangenehm, als er endlich den Weg nach unten findet. Seine Haare sind noch feucht und der Bademantel, den er trägt, gehört seinem Mann. Als er die Küche betritt, zieht er eine Augenbraue hoch. Für einen Moment seufzt er. Das hab ich ganz vergessen. Seine Eltern sitzen am Tisch, genauso wie Theo, der nun aufspringt und zu ihm rennt, seine Arme um seinen Bauch schlingt. „Guten Morgen, Papa!“ Bob lächelt zart und küsst seinen Sohn auf die Stirn. „Guten Morgen, Großer.“ Theo zieht ihn auf seinen Platz und setzt sich neben ihn. „Guten Morgen, mein Schatz“, sagt seine Mutter schmunzelnd. „Du siehst aus, als hättest du nicht gut geschlafen“, wirft sein Vater ein und schiebt ihm eine Tasse mit frischem Kaffee hin. „Hab ich auch nicht“, grummelt Bob und versinkt augenblicklich in der tiefschwarzen Flüssigkeit.

„Meine beiden Papas sind süchtig nach Kaffee. Ich bin mir nicht sicher, ob das so gesund ist.“ Bob sieht missmutig zu Theo. „Und du bist süchtig nach Kakao. Ich glaube, dass das noch ungesünder ist.“ Sein Sohn kräuselt seine Nase, bevor er kommentarlos die Tasse mit dem Kakao zu sich zieht und mit sichtlichem Genuss daran nippt. „Das hat er von dir“, murmelt Tom, der bis eben am Herd stand und Eier gebraten hat, die er nun auf sämtliche Teller verteilt. „Was?“ „Das Ignorieren von Tatsachen. Und das Nase kräuseln. Letzteres ist zumindest unglaublich süß.“ Tom zwinkert ihm zu, dann stellt er die Pfanne weg und setzt sich. „Ich ignoriere keine Tatsachen. Ich habe nur meistens keine Lust zu diskutieren“, stellt Bob klar und nimmt sich ein Toast. Dann sieht er seine Eltern an. „Wie war denn euer Tag gestern? Konntet ihr mit Tom alles aufholen, was ihr verpasst habt?“

„Wir mussten wieder einmal feststellen, dass Tom der perfekte Schwiegersohn für uns ist“, erwidert seine Mutter lächelnd. „Und dass wir keinerlei Interesse daran haben, dass sich das ändert“, fügt sein Dad hinzu. Bob starrt ihn an. „Was soll das denn bitte heißen?“ „Wir haben die Nachrichten heute ebenfalls gesehen, Bob.“ Seine Augen verengen sich merklich. „Könnten wir das bitte nicht bereden, während mein Sohn am Tisch sitzt?“ Theo hebt seinen Blick. „Ich hab es auch gesehen, Papa.“ Bob funkelt Tom aufgebracht an. „Wieso zeigst du Theo sowas?“, flucht er. Tom zuckt mit den Schultern. „Er hat sich angeschlichen, als ich mein iPad in der Hand hatte.“ „Große Güte.“ Bob lehnt sich zurück und atmet tief ein. „Dieser Kuss hatte nichts zu bedeuten. Ich hege keinerlei Gedanken, meinen Mann zu verlassen. Auch, wenn ich ihm manchmal in den Arsch treten könnte.“

Sein Vater hebt pikiert die Augenbraue. „Wortwahl, Sohnemann.“ „Verzeihung. Ich könnte meinem Mann manchmal gut und gerne meinen Fuß in den Allerwertesten treten“, formuliert er seine Worte um. Seine Mutter lacht leise, was ihn dazu bringt, schief zu grinsen. Sein Vater schüttelt nur den Kopf und auf Toms Lippen kann er ein viel zu amüsiertes Lächeln erkennen. Theo zupft an seinem Bademantelärmel. „Papa, sowas darf man nicht sagen. Mir verbietest du es immer.“ Er seufzt tief und drückt seinem Sohn einen Kuss auf die Stirn. „Hast ja recht, mein Schatz. Tut mir leid.“ Dann sieht er in die Runde. „Könnten wir nun bitte alle ganz in Ruhe weiter frühstücken?“ Er bekommt ein zustimmendes Nicken von allen. „Wunderbar.“ Er lächelt nun ebenfalls und lenkt seine gesamte Aufmerksamkeit zurück auf seinen Kaffee. Den er heute definitiv en masse brauchen wird.

~

Ein paar Stunden später sitzt Bob in seinem Büro auf dem Sofa, hat seinen Laptop auf dem Schoß liegen und schaut sich im Internet an, welche Auswirkungen sein Kuss mit Peter hat. Seine Eltern haben es sich seit dem Frühstück im Garten in der Sonne bequem gemacht. Theo ist auf seinem Zimmer und spielt mit einem Freund, den er aus der Nachbarschaft kennt. Und sein Mann ist mit einem guten Buch auf dem Sofa versunken.

Stille herrscht im Haus. Viele der Fenster sind geöffnet, damit die laue Luft von draußen hereinweht. Er war noch nie ein Fan von Klimaanlagen. In London haben sie keine, also wird sie auch hier kaum eingeschaltet.

Leise seufzt er, als er liest, wie eines der Magazine in dem Artikel schreibt, dass er Tom betrügen würde – und das wahrscheinlich schon seit Jahren. „So ein Schund“, sagt er zu sich selbst, während er den Laptop zuklappt und ihn auf den Beistelltisch schiebt. Er zieht die Beine an und lehnt sich gegen das Sofakissen. Als die Tür aufgeht, sieht er auf, lächelt, da sein Mann mit einem Paket in der Hand reinkommt. „Das ist für dich abgegeben worden.“ Tom stellt es auf seinem Schreibtisch ab. „Scheint von Randall zu kommen.“ „Ach ja?“ Neugierig steht er auf, holt sich eine Schere und öffnet es. Irritiert zieht er einen Batzen Unterlagen heraus. „Sind das Drehbücher?“ Bob runzelt die Stirn, legt die Papiere auf den Tisch und nimmt sich das erste Skript, blättert es durch. „Ja. Das ist... für eine Fortsetzung.“

„Ich wusste nicht, dass eine geplant war.“ „Randall hat das mal beiläufig erwähnt. Aber mir war nicht klar, dass die so schnell eine zweite Staffel drehen wollen.“ Er setzt sich im Schneidersitz aufs Sofa, schlägt die Titelseite um und beginnt zu lesen. Er kommt nur wenige Sätze weit, als sich Tom neben ihn setzt. „Steht eine zweite Staffel wirklich zur Debatte?“ Er blickt ihn an. „Natürlich, wieso denn auch nicht? Die erste Staffel war ein riesiger Erfolg.“ „Das meinte ich nicht. Bob, du warst das letzte Jahr fast die ganze Zeit alleine hier. Wir mussten vorübergehend unser Leben in London aufgeben, weil du von Reportern verfolgt wirst. Willst du das denn auch weiterhin? So leben wie gerade?“

Bob blinzelt mehrmals. Seine Nase kräuselt sich unbewusst. Tom streicht ihm zärtlich über die Nasenspitze, lächelt liebevoll. „Ganz im Ernst, Schatz. Ich stehe hinter allem, wofür du dich entscheidest. Aber... bitte bedenke, wie unser Leben vor der Serie war. Und wie es jetzt ist.“ „Du willst zurück nach London.“ „London ist unser Zuhause. Auch, wenn Los Angeles toll ist. Die Sommerferien sind bald zu Ende und du weißt, was das bedeutet.“ „Theo könnte hier unterrichtet werden.“ „Könnte er, ja. Aber was ist mit mir, Bob? Ich kann nicht von hier aus arbeiten. Die Auszeit, die ich mir gerade nehme, sollte nicht länger sein als diese paar Wochen.“ Bob lehnt sich nach vorne und küsst seinen Mann sanft. „Ich muss ja zurzeit erstmal nichts entscheiden. Aber darüber nachdenken werde ich. Und glaub mir, ich will auch zurück nach London. Aber das geht eben nur, wenn die Reporter an mir wieder das Interesse verlieren.“ „Mit einer zweiten Staffel wären wir noch jahrelang dem ausgesetzt.“ Bob seufzt leise und nickt zerknirscht.

Tom drückt ihm einen Kuss auf die Schläfe und steht auf. „Irgendwelche Wünsche für das Abendessen?“ „Nein... Richte dich da ganz nach meinen Eltern. Die finden es toll, dass jemand für sie kocht.“ Sein Mann lacht leise. „Wir könnten auch essen gehen.“ „Sicher“, murmelt er, hat seinen Blick dabei wieder auf das Drehbuch gerichtet. „Ich schau mal, was sich am besten einrichten lässt“, hört er noch von Tom, dann schließt sich die Tür und er bleibt alleine zurück.
Review schreiben