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Eigentlich war Sport ja noch nie Mord. [Working Title]

GeschichteLiebesgeschichte / P18
OC (Own Character) Paluten
18.06.2020
05.10.2020
19
37.130
4
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01.08.2020 2.001
 
PLANÄNDERUNG

Wir haben tatsächlich eine Chance.
Wir müssen sie nur ergreifen. Und das haben wir.

Mein Wecker reißt mich am nächsten Morgen aus meiner Traumvorstellung. Es ist 8:30 Uhr und ich fühle mich, als hätte ich bereits ein ganzes Leben gelebt. Einerseits, weil das in meinem Traum tatsächlich geschehen ist, andererseits, weil ich einfach schon so müde und erschöpft bin. Offensichtlich war unser Telefonat gestern doch zu lang. Diesen Schlafmangel lässt mein Körper mich jetzt spüren.
Ich hebe langsam meinen Arm unter der Decke hervor und greife nach meinem Handy, auf dem der Wecker klingelt, und klicke auf Snooze. Währenddessen sehe ich, dass ich drei neue WhatsApp Nachrichten in zwei verschiedenen Chats habe. Eine von Patrick und zwei von Flo.
In meinem Bauch entsteht wieder dieses warme und kribbelnde Gefühl, als ich auf die Nachricht von Patrick drücke.
‚Guten Morgen, ich hoffe, du hast gut geschlafen. Scheinbar ist mein Buch ja auch gute Einschlaf-Lektüre‘, beendet mit einem lachenden Smiley.
Schnell antworte ich ihm mit einem ‚Guten Morgen‘ und erkläre ihm, dass sein Buch nicht langweilig ist, ich nur einfach müde war.
Nachdem ich das abgeschickt habe, schaue ich mir auch die Nachrichten von Flo an.
‚Wie liefs?!‘ und ‚Loouu, ich bin doch neugierig!‘. Die erste Nachricht ist sogar noch vom gestrigen Abend, da war ich aber scheinbar schon am Schlafen.
Auch ihm antworte ich, dass es gut lief und wir uns ausgesprochen haben. Ich entscheide mich aber unsere Entscheidung der „Fast-Beziehung“ in einer Audio zu erklären, statt das irgendwie in eine Nachricht zu pressen.
„Hey, Sorry für die Audio, ich muss dir jetzt aber mal erklären, wie wir uns entschieden haben. Auch sorry für meine Stimme, ich bin gerade aufgewacht. Also wir haben gestern bestimmt noch ne Stunde miteinander telefoniert haben. Wir haben uns vertragen und er hat mir erklärt, warum er mich so rausgeschmissen hat. Er hatte tatsächlich einen Termin und war in der Situation wohl einfach unter Druck und hektisch, sodass er etwas unüberlegt reagiert hat. Naja, auf jeden Fall haben wir jetzt beschlossen Kontakt zu halten. Wir haben uns jetzt dafür entschieden eine Beziehung auf Probe zu führen… Jetzt wo ich das laut ausspreche, merke ich erst, wie verrückt diese Idee eigentlich ist. Wir kennen uns nur einfach zu schlecht um direkt in etwas ernstes zu springen und haben ja auch keine Ahnung, wie das mit der Distanz und so laufen soll… Aber wir sind uns auch beide sicher, dass wir nicht einfach Freunde werden können. Es ist jetzt schon so viel zwischen uns passiert und scheinbar geht es ihm auch ähnlich, wie mir, dass er mich nicht so ganz… naja, aus dem Kopf bekommt. Daher wäre so eine reine Freundschaft irgendwie keine Option mehr, aber eine Beziehung wäre halt auch viel zu viel und voll überstürzt. Also schweben wir jetzt so ein bisschen in der Luft? Und gucken, ob da was geht? Man Flo, das hier ist alles so abgedreht und jetzt laber ich dich auch schonwieder eine Minute voll und habe eigentlich selber keine Ahnung, was hier passiert. Das klingt einfach alles so verrückt, jetzt wo ich darüber nachdenke, aber ich freue mich? Ach flo, Hilf mir!“
Verwirrter als vorher beende ich die Audio und es hat mich wie einen Schlaf getroffen, wie sinnlos und komisch unsere Idee eigentlich ist. Eine Beziehung auf Probe? Also haben wir eigentlich nichts und hängen im Nichts zwischen Beziehung und Fremde? Ist das nicht alles eh überstürzt? Ich weiß ja eigentlich immer noch kaum über ihn, aber eigentlich haben wir ja auch nichts Verbindliches, oder?
Viel zu viel eigentlich und vielleicht für mittlerweile 8:34 Uhr. Mein Kopf dröhnt immer noch vor Müdigkeit und jetzt kommen auch noch so viele Gedanken dazu.
Bevor ich mich aber bereit fühle, aufzustehen, drehe ich mich noch einmal um und will noch nicht in den Tag starten müssen. Auch, wenn ich weiß, dass mein Tag heute so durchgetacktet ist, dass ich mir das eigentlich kaum leisten kann. Schließlich geht diese Zeit eigentlich nur von der Zeit, die ich mit meinen Eltern verbringen kann, ab, statt der lästigen Bahnfahrt.
Bevor mein Wecker also ein zweites Mal klingeln kann, hebe ich mich schwerfällig aus dem Bett. Als ich gerade auf meiner Bettkante sitze, vibriert mein Handy, ich habe eine Antwort von Flo.
‚Das ist doch eigentlich ganz gut! Ich kann mir gut vorstellen, dass du gerade ganz schön verwirrt bist, aber die Idee ist doch das Beste, was ihr hättet machen können.‘
Eine weitere Nachricht ploppt auf dem Display auf: ‚Und Lou, er bekommt dich nicht aus dem Kopf?! Freu dich doch, du hast dich in sein Herz geschlafen!‘
Ich muss lächeln, während ich gleichzeitig seufzen muss. Das werde ich wohl nie wieder los, warum musste ich Flo auch erzählen, dass wir Sex hatten?!
Gleichzeitig hat er ja recht, Patrick bekommt mich nicht aus dem Kopf, er mag mich? Er kann mich nicht vergessen? Es basiert ja zumindest auf Gegenseitigkeit und wenn er zu dieser Test-Beziehung bereit ist, dann ist er ja auch zu einer Beziehung bereit, oder? Also ist er quasi gerade dabei sich in mich zu verlieben?! Wieder ist da dieses Pochen in meiner Brust, als würde sich das kleine Pflänzchen, stärker denn je, alle Hindernisse brechen. Nichts kann sich dem noch in den Weg stellen und es will wachsen. Es will blühen.
Langsam stehe ich auf und bewege mich mit Klamotten für den neuen Tag uns Badezimmer. Ich stelle mich wieder unter die Dusche und ziehe mich anschließend an. Immer noch müde schlürfe ich aus dem Badezimmer und gehe in die Küche, wo meine Eltern bereits gut gelaunt am gedeckten Frühstückstisch auf mich warten.
„Guten Morgen, mein Schatz!“, begrüßt mich meine Mutter gut gelaunt. Mein Vater tut ihr gleich und auch Bonnie, die Katze, läuft miauend auf mich zu und schmiegt sich an mein Bein.
„Du siehst müde aus, hast du schlecht geschlafen?“, fragt nun auch mein Vater.
„Nein, ich habe gut geschlafen, bin aber wohl etwas zu spät eingeschlafen.“, erkläre ich, während ich nach einem Brötchen greife und mein Frühstück beginne.
Gemeinsam sitzen wir an unserem Esstisch und besprechen meine weitere Reise, mein Studium, aber auch, was meine Eltern heute machen. Klassische Frühstücksgespräche eben.
Während des Essens läuft Radio im Hintergrund. Hautsächlich blenden wir das immer als, als jedoch jetzt eine Durchsage kommt, werden wir hellhörig. Der Bahnverkehr im Umkreis Frankfurt werde bis voraussichtlich heute Nachmittag eingestellt, aufgrund von Vandalismus in der Nacht und damit einhergehende Beschädigungen der Bahngleise, deren Maße zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeschätzt werden können. Daher auch die vage Prognose, wie lange der Bahnverkehr ausgesetzt wird. Alle bestehenden Reisen würden verlegt oder erstattet.
Für mich bedeutet das also, dass ich hier heute nicht wegkomme. Ohne den Zug von Frankfurt aus, kann ich meine Anschlusszüge vergessen.
Sehen wir es positiv, so kann ich den Tag noch mit meinen Eltern verbringen.
Nach dem Frühstück fahren mein Vater und ich also noch einmal zum Hauptbahnhof in Frankfurt, um meine Reise zu verlegen. Der Service-Schalter war natürlich maßlos überfüllt. Vor uns standen bereits viele Personen, die sicherlich mit ähnlichen Intentionen da, wie ich auch. Tatsächlich geht es schneller, als zunächst erwartet, bis nur noch eine andere Person vor uns am Schalter steht. Ohne zuhören zu wollen, bekommen wir die Diskussionen mit, die die etwas ältere Dame vor uns mit dem ca. 30-Jährigen Herrn am Schalter führt. Die Dame möchte unbedingt ihren Enkel zu ihrem Geburtstag besuchen, und kann nicht verstehen, dass das einfach nicht möglich ist. Sie wird nur aufgeregt und möchte nicht akzeptieren, dass es schlicht nicht geht. Der Herr am Schalter wird von Satz zu Satz genervter und möchte die Dame offensichtlich abwimmeln. Erst, als ein Polizist am Bahnhof auf das Gespräch aufmerksam wird, löst sich die Situation auf. Der große, kräftige Polizist kommt auf uns zu und mischt sich in das Gespräch ein und begleitet die Dame vom Schalter weg zum Eingang des Bahnhofes. Scheinbar versucht er jetzt dort, die Frau zu überzeugen oder zumindest eine Aufstauung zu vermeiden.
Nachdem die Frau nun nicht mehr vor uns steht, sind wir an der Reihe und der weiterhin genervte Mann fragt uns direkt, ob auch wir eine Zurückerstattung des Geldes wollen. Offensichtlich gehört dies zu seinen Hauptaufgaben heute. Wir entscheiden uns auch für die Rückerstattung der Reise, statt einem alternativen Termin. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welchen Zug ich nehmen möchte und dann kann ich ein Ticket auch später noch online kaufen.
Nachdem ich nun knapp 40 Euro reicher den Bahnhof verlasse, klingelt mein Handy. Ein Anruf von Patrick. Ich wundere mich zwar, warum er anruft, gehe aber nicht ran. Ich bin schließlich mit meinem Vater unterwegs und Patrick kann auch mal eine Stunde warten. Ich werde ihn gleich zu Hause zurückrufen.
„Willst du nicht rangehen?“, fragt mein Vater, als ich mein Handy wieder wegstecke.
„Nein, das ist nur ein… Freund.“ Ich mag es nicht, meine Eltern anzulügen. Aber ich weiß nicht, wie ich das mit Patrick erklären soll, das verstehe ich ja selbst nicht. Genaugenommen lüge ich auch nicht. Wir sind ja in gewisser Weise Freunde, ich verschweige nur, dass wir probeweise mehr als Freunde sind.
„Achso, hast du etwa jemanden kennengelernt?“. Ich seufze kurz auf. Meine Eltern kennen mich zu gut, beide können mich sofort durschauen, egal worum es geht.
„Du musst uns gar nicht alles erzählen, alles gut. Du weißt schon, wann es Zeit ist. Falls du allerdings jemanden kennengelernt hast, dann freue ich mich wirklich für dich, und deine Mutter sich auch!“, wechselt mein Vater das Thema. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, mit solchen Eltern. Die beiden unterstützen mich immer schon bei allem und vertrauen mir. Natürlich sind sie auch mal besorgt, aber lassen mich entfalten und auch mal meine dummen Ideen ausprobieren. Ich darf selber lernen und ausprobieren, weiß aber immer, wo ich Rat oder Hilfe bekomme. Auch aus Situationen, in die ich mich ganz alleine reinmanövriert habe, muss ich mich nicht alleine herauskämpfen.
„Danke, Papa. Ich habe tatsächlich jemanden getroffen, aber wir sind noch dabei uns etwas kennenzulernen. Vielleicht stelle ich ihn euch ja mal vor“. Auch wenn Papa das Thema gewechselt hat, ist er weiterhin neugierig und diese Neugier nehme ich ihm auch gern. Es ist mir wichtig offen zu sein.
„Das würde uns freuen. Was wollen wir eigentlich heute Abend essen? Hast du Lust auf Pizza?“, fragt er nun wieder.
Freudig nicke ich und setze mich gleichzeitig ins Auto, an dem wir mittlerweile angekommen sind. Auf der Rückfahrt unterhalten wir uns weiter darüber, ob wir Pizza selber machen oder bestellen, aber auch darüber, wie es meinem Bruder geht oder über das allgemeine Geschehen hier in meiner Heimatstadt.
Wieder in unserem schönen Einfamilienhaus am Rande Frankfurts, erzählen wir meiner Mutter von unserem Plan. Auch sie, freut sich schon auf die Pizza.
Direkt danach entschuldige ich mich kurz und gehe auch mein Zimmer. Ich möchte Patrick zurückrufen, denn es lässt mich nicht los, was er von mir wollte, oder ruft er einfach so an, um sich nach mir zu erkundigen? Das wäre schon sehr süß und er geht ja auch davon aus, dass ich schon im Zug sitze.
Ich suche also seinen Kontakt und drücke auf die Nummer.
Das altbekannte Tuten ertönt, es geht allerdings niemand ran.
Kurz gewinnt meine Paranoia die Überhand. Was ist, wenn er überfallen wurde und versucht hat, mich anzurufen, damit ich die Polizei rufen kann und er mittlerweile schon verprügelt in einer Seitengasse Münchens liegt oder noch schlimmer?! Mein Magen zieht sich etwas zusammen und mir wird unangenehm war. Zumindest bis sich mein Kopf wieder anschaltet. Warum sollte er dann mich und nicht direkt die Polizei angerufen haben und ich glaube auch, dass Patrick sich durchaus wehren kann, oder weiß, wie man bei einem Überfall zu handeln hat. Das gehört ja eigentlich zum Allgemeinwissen oder man sollte es zumindest zum Selbstschutz wissen. Vermutlich ist er einfach nur duschen oder so.
Ausnahmsweise bin ich also mal glücklich, dass mein Kopf mich aus meinen Vorstellungen gerissen hat. Mein Körper entspannt sich auch wieder und die Hitze kann ich auch nicht mehr verspüren.
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