Tödliche Wahrheit

KurzgeschichteKrimi / P16
18.06.2020
03.07.2020
8
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30.06.2020 893
 
Kapitel 7 - Tödliche Wahrheit

Beide blickten schockiert in die Schuhschachtel und hielten, vor Schreck erstarrt,den Atem an. Beide wünschten sich, dass sie diese Schachtel nie geöffnet hätten.Beide wünschten sich, dass sie diese Schachtel nie gefunden hätten.

Die Schuhschachtel war leer, bis auf 6 kleine, silberne, längliche und spitz zulaufende Zylinder. „Patronen?", flüsterte Lion entsetzt. „Aber...aber wer...wessen...Es hat doch keiner eine Pistole hier, oder? Oder?!", stotterte Luana anfangs, und wurde zum Ende hin lauter und panisch.

„Vielleicht Papa?", gab Lion seine Meinung preis. „Papa? Das glaub ich nicht. Wieso sollte er eine Pistole haben?", widersprach Luana und fuhr sich durch ihre blonden Haare. Doch Lion blickte sie nur vielsagend an und sie wusste, an was er dachte. „Nein! Das kann nicht...Das glaubst du doch nicht wirklich?", sprach Luana, während sie ihren Bruder fassungslos ansah.

„Ich will es doch auch nicht glauben. Aber es würde passen", erklärte er gequält. Er hatte Recht und genau das machte Luana und auch Lion Angst. „Vielleicht finden wir ja in dem Antworten", meinte Lion und holte den Brief von ihrer Mutter Verena an sie heraus. Mit leicht zitternden Händen öffnete Lion den Briefumschlag und holte den Brief hervor.

„Meine lieben Kinder, wenn ihr dies lest, bin ich schon tot, aber das heißt nicht, dass ich für immer fort bin, denn ich werde immer bei euch sein. Und ich werde euch immer lieben, vergesst das niemals. Ihr habt immer gefragt, warum ich mich von eurem Vater getrennt habe, und auch wollt ihr sicher wissen, wieso ich gestorben bin und auch wer es getan hat. Und darauf möchte ich euch antworten.

Vor mehreren Jahren ist euer Vater in kriminelle Machenschaften geraten und hat vor drei Jahren mit drei anderen eine Bank ausgeraubt. Und als ich das herausgefunden habe, wollte ich auch zur Polizei gehen, doch er hielt mich davon ab. Er meinte euch würde etwas passieren, sollte ich ihn und seine Komplizen verraten. Ich konnte nicht riskieren, dass ihr da mit hinein gezogen werdet. Also reichte ich die Scheidung ein.

Denkt aber bitte nicht, dass euer Vater schon immer ein schlechter Mensch war. Er hatte sich einfach auf die falschen Personen eingelassen. Jedoch wird er es vermutlich oder einer seiner 'Kollegen' gewesen sein, der...es getan hat. Aber vergesst bei all seinen Taten nicht, dass euer Vater euch liebt...", weiter kam Lion nicht.

Seine Schwester Luana, die während dem Vorlesen stumm geweint hat, sprang auf. In ihr war etwas zusammengebrochen und die Wut hatte sie gepackt. Ihre Wut auf ihren Vater, die Person, der sie immer vertraut hat, und die Enttäuschung stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Auch wenn Lion das gleiche fühlte, bevorzugte er es den letzten Rest an Selbstbeherrschung zusammenzukratzen und den Brief bis zum Ende zu lesen.

Doch Luana stürmte aus dem Zimmer die Treppe nach unten, ihr Bruder dicht hinter ihr. Den Brief ließ er achtlos auf dem Boden im Zimmer zurück. Unten saß Thilo am Esszimmertisch und starrte gedankenverloren an die Wand, jedoch erhob er sich als er hörte, wie jemand die Treppe hinunter polterte. Verwirrt sah er seine Tochter an, die mit roten Augen und verheultem Gesicht, wütend, die Hände zu Fäusten geballt, auf ihn zu schritt.

Erst wollte er sie in den Arm nehmen, um sie zu beruhigen, aber sie stoß ihn weg und schrie: „WARUM?!?!", „Luana, was...", fing er an, doch sie ließ ihn nicht ausreden: „WARUM HAST DU DAS GETAN?!?! WARUM?!?!", schrie sie ihn aufgelöst an. Thilos Miene zeigte kurz Verwirrung, dann verstand er. Sein Blick verfinsterte sich und er baute sich vor seiner Tochter auf. „Luana, ich wollte euch...", versuchte er sich zu rechtfertigen, wurde aber wieder unterbrochen. Dieses Mal jedoch von der Haustür, die eingetreten wurde.

Vier Polizisten und die beiden Kommissare Brenner und Anderson stürmten mit gezogenen Dienstwaffen herein und richteten diese auf Thilo. Lion zog unterdessen seine Zwillingsschwester an der Schulter zurück und drückte ihre Hand, während sie neben den Polizisten standen. „Thilo Kieninger, sie sind verhaftet wegen des dringenden Tatverdachts ihre Ex-Frau Verena Merz ermordet zu haben", sagte Brenner. Zwei Polizisten gingen auf ihn zu und forderten ihn auf seine Hände zu heben.

Thilo bekam Panik sah sich nach einen Ausweg um. Plötzlich zog er einen Revolver hervor und zielte mit zitternder Hand in die Richtung der Zwillinge. Diese sahen, dass er mehr auf Lion gerichtet war und hielten sich noch fester an den Händen, als wäre die Hand des jeweils anderen ein Brett, welches sie vor dem Ertrinken retten würde.

„Kommen Sie keinen Schritt näher!", rief Thilo den Polizisten zu, doch er konnte seine Nervosität nicht verstecken. „Herr Kieninger, nehmen sie die Waffe runter. Sie wollen doch nicht Ihre Kinder umbringen!". „Bleiben Sie weg!", warnte Thilo. „Herr Kieninger. Nehmen Sie die Waffe runter oder wir schießen!", sagte Anderson mit Nachdruck. „Papa...", flehte Luana, ihre Angst unüberhörbar. Die Angst der Kinder war groß und der Herzschlag beider, hatte sich schon lange beschleunigt. Beide zitterten. Mit einer Mischung aus Entsetzten, Enttäuschung und Angst starrten die Zwillinge ihren Vater an.

Draußen lief der Nachbar pfeifend mit seinem Hund spazieren. Er blieb verwundert vor dem Grundstück, in dessen Einfahrt ein fremdes Auto und ein Streifenwagen parkten stehen. Als er plötzlich aus dem Haus seiner Nachbarn einen Schrei und zwei Schüsse hörte.
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