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2020 06 15: Ausgetrickst! [by - Lemmy -]

Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Eddie Jake Tracy
15.06.2020
15.06.2020
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Dieses Kapitel
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15.06.2020 2.288
 
Tag der Veröffentlichung: 15.06.2020
Zitat: „Sie dürfen hier nicht rauchen.“ „Wozu dann dieser Aschenbecher?“ „Das ist eine Obstschale.“ (Remember Me)
Titel der Geschichte: Ausgetrickst!
Autor: - Lemmy -
Hauptcharaktere: Jake, Eddie, Tracy
Nebencharaktere: --
Pairings: --
Kommentar des Autors:
Eine kleine Geschichte aus den Anfängen von Jakes und Eddies Laufbahn als Geisterjäger. Eigentlich ist es ein Abenteuer der besonderen Art, was die beiden Jungs hier erleben. Als ich das Zitat entdeckt habe, hatte ich die dazugehörige Szene bildlich vor Augen, und die Idee für die Handlung um diese Szene herum kam mir fast gleichzeitig in den Kopf. Ich hatte viel Spaß beim Schreiben, und vielleicht ihr ja auch beim Lesen ;-).





Ausgetrickst!

Es war früh am Nachmittag, als plötzlich die Türklingel des Ghost Command ertönte. Jake, der am Schreibtisch saß und an einem seiner ersten Einsatzberichte arbeitete, hob den Kopf. Auch Eddie, der mit Tracy auf der Couch hockte und sich mit diesem bei einem Kartenspiel die Zeit vertrieb, wurde aufmerksam. Wer konnte das denn sein? Vielleicht ein Klient? Ein neuer Auftrag? Wenn ja, könnte das womöglich interessant werden!

Jake und Eddie standen erst seit rund drei Wochen jobmäßig auf eigenen Füßen, nachdem ihre Väter erklärt hatten, dass sie ihre Söhne nun für bereit hielten ohne ihre Hilfe auszukommen. Das hieß im Klartext, dass sie ihre Sprösslinge nicht mehr zu Ghostbusting-Einsätzen begleiteten und sich diese im Job allein zurechtfinden mussten. Natürlich war aber nach wie vor Tracy da. Der erfahrene Gorilla, der schon mit ihren Vätern auf Geisterjagd gegangen war, unterstützte die beiden Jungs und war noch immer das dritte Teammitglied. Dennoch überließ er Eddie und Jake den Hauptteil der Arbeit, schließlich mussten die beiden noch eine Menge lernen und vor allem praktische Erfahrung sammeln!

So fiel nun auch Jake die Aufgabe zu zur Tür zu gehen und nachzuschauen, wer geklingelt hatte. Sollte es wirklich ein Klient sein, konnte der junge Mann das Gespräch führen, was mit Sicherheit eine gute Übung war.

Auch Eddie war nun aufgestanden und folgte Jake in einigem Abstand. Tracy blieb sitzen, sah jedoch über die Rücklehne der Couch hinweg in Richtung Tür.

Jake öffnete. Draußen stand ein hochgewachsener, elegant gekleideter Mann mittleren Alters mit einem Gesicht, das man bestenfalls als ‚unnahbar’ bezeichnen konnte. Mit einem abschätzigen Blick von oben herab maß er den vor ihm stehenden blonden jungen Mann in dem königsblauen Jackett.

„Bin ich hier richtig bei den Geisterjägern?“ fragte er mit einer fast emotionslosen Stimme. Als er ein Nicken erhielt, trat er ein und sah sich in dem Raum um.

Jake schloss die Tür wieder. „Was können wir für Sie tun?“

„Ich habe ein Geisterproblem“, lautete die schlichte Antwort. Sich vorzustellen, hatte der Mann offenbar nicht nötig.

„Dann werden wir Ihnen bestimmt helfen können“, Jake lächelte freundlich und offen.

Daraufhin musterte ihn der Mann auf eine Weise, die keine Freundlichkeit zum Ausdruck brachte, von Kopf bis Fuß. „Du? Du bist Ghostbuster?“

„Ja, und meine Freunde auch“, Jake deutete auf Tracy auf dem Sofa und auf Eddie, der nun näher trat. „Gibt es mit uns irgendein Problem?“ Er räusperte sich ein wenig unbehaglich. „Ich möchte Sie übrigens bitten, mich nicht einfach zu duzen, wir kennen uns ja gar nicht.“

Der Mann sah Jake und Eddie misstrauisch an. Tracy ignorierte er. „Ich bin wohl an der falschen Adresse. In der Anzeige stand nicht, dass es sich hier um einen Dumme-Jungen-Streich handelt und ein paar Teenies sich einen infantilen Spaß erlauben.“

Jake seufzte tief. Großartig. Das war nun schon der zweite Klient, der Eddie und ihn aufgrund ihres noch jungen Alters für unfähig und unqualifiziert hielt. Der andere Auftraggeber war jedoch nicht so arrogant gewesen und hatte ihnen dann doch eine Chance gegeben sein Geisterproblem zu lösen. Nach erfolgreicher Arbeit hatte er ihnen herzlich gedankt und sich für seine vorherige Skepsis entschuldigt. Doch dieser Typ hier ... der wirkte nicht, als würde er von seiner Meinung, die er sich schon beim ersten Anblick der beiden jungen Leute gebildet hatte, abweichen!

Jake warf einen Blick zur Couch, auf der Tracy saß, doch der Gorilla schüttelte nur den Kopf, was so viel hieß wie: Da müsst ihr beiden jetzt allein durch, Jungs!

„Unsere Anzeige ist ernst gemeint“, meldete sich Eddie zu Wort, der sich, ebenso wie Jake, missverstanden und beleidigt fühlte. „Wir sind Geisterjäger mit einer abgeschlossenen Ausbildung. Außerdem haben wir schon einige Aufträge erfolgreich durchgeführt.“ Dass er erst wenig Berufserfahrung hatte, verschwieg er wohlweislich, ebenso, dass vor drei Wochen noch ihre Väter dabei gewesen waren.

Jake schmunzelte, als er hörte, wie stolz Eddie bei diesen Worten klang. Zwar hatte sein korpulenter, bester Freund Angst vor Geistern und war nicht der Mutigste, doch er hatte mit Jake zusammen die Ausbildung durch ihre Väter absolviert und stand zu seinem Job. Und wenn jemand seine Qualifikation als Ghostbuster anzweifelte, so ging das auch ihm gegen den Strich!

„Sollen wir Ihnen nun helfen oder nicht?“ fragte Jake geradeheraus. „Wollen Sie uns vertrauen oder lieber darauf, dass der Geist Sie von allein in Ruhe lässt? Das tun Geister nämlich meistens nicht, wenn sie sich erst mal irgendwo wohlfühlen.“

Der Mann überlegte. Schließlich nickte er. „Schlimmer kann es ja kaum kommen.“

„Dann schlage ich vor, dass wir uns hinsetzen und Sie uns erzählen, was los ist“, Jake deutete auf die Sitzecke mit den zwei Sofas.

„Großartig“, murmelte der Besucher. „Wenn das hier ein Kaffeekränzchen wird, gehe ich.“ Er ließ seinen Blick über die Einrichtung des Ghost Command schweifen. „Eine komische Bruchbude habt ihr hier. Ich weiß ja nicht, was für ein Spielchen ihr spielt, aber normal ist das nicht.“ Im nächsten Moment musterte er argwöhnisch den auf der Couch sitzenden Gorilla, der einen Fedora-Hut und khakifarbene Shorts trug und ihn mit breitem Grinsen begrüßte.

Wer Tracy näher kannte, wusste, dass das scheinbar freundliche Lächeln in diesem Fall eher eine Art Zähnefletschen war, denn der Affe war ungehalten darüber, wie Jake und Eddie von diesem unsympathischen Kerl behandelt wurden. Aber er wollte auch, dass die Jungs damit allein zurechtkamen, denn sie sollten lernen, auch mit solchen Situationen umzugehen. Dass er von dem Mann für einen Menschen im Affenkostüm gehalten und schlichtweg ignoriert wurde, ärgerte Tracy im ersten Moment zwar, dann aber beschloss er, die Ignoranz am besten einfach zu erwidern.

Kaum hatten alle Platz genommen, holte der Besucher eine Zigarettenschachtel hervor, zog eine Zigarette heraus und wollte sie sich anzünden.

„Verzeihen Sie, aber Sie dürfen hier nicht rauchen“, informierte ihn Jake höflich. Das fehlte gerade noch ...

Der Mann, dessen Namen sie immer noch nicht kannten, deutete auf ein Objekt, das auf dem Tisch stand. „Wozu dann dieser Aschenbecher?“

„Das ist eine Obstschale“, Eddie rollte mit den Augen. Wie konnte man das nicht sehen?

„Na von mir aus“, der Mann steckte die Zigarette wieder weg. „Macht euch mal nicht gleich ins Hemd.“

„Wir haben uns noch gar nicht vorgestellt“, Jake streckte seine Hand aus. „Ich bin Jake Kong, und das sind Eddie Spenser und Tracy.“

„Blackfield“, erwiderte der Mann kühl, erwiderte Jakes Geste jedoch nicht, sondern wischte sich seine Hände stattdessen demonstrativ an seiner Hose ab.

„Mr. Blackfield, möchten Sie uns jetzt erzählen, warum Sie uns aufgesucht haben?“

„Ich weiß zwar nicht, was das für einen Sinn haben soll, aber von mir aus.“

Als nächstes erfuhren die Ghostbuster in knappen Worten gerade das Nötigste, das sie wissen mussten, um sich ein ungefähres Bild der Situation im Hause ihres Klienten zu machen. Jake und Eddie erhielten auf nähere Fragen nur ausweichende Antworten und konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie auch weiterhin nicht ernstgenommen wurden. Nein, dieser Blackfield war ein echter Unsympath!

Aber da mussten sie nun durch, zum einen, um zu beweisen, dass sie im Job etwas auf dem Kasten hatten, zum anderen, weil Tracy von ihnen bestimmt erwartete, keinen Rückzieher zu machen, schließlich sollten sie ja – auch nach Ende ihrer Ausbildung – noch immer etwas lernen! Der Gorilla beobachtete alles schweigend.

„Ich würde ja lieber andere Geisterjäger beauftragen, aber leider seid ihr wohl die einzigen“, schloss Blackfield seine dürftigen Ausführungen schließlich in höhnischem Tonfall. „Okay, macht euren Job. Aber solltet ihr versagen, kriegt ihr keinen müden Cent von mir, und außerdem werde ich euch dann anzeigen, weil ihr ahnungslose Leute veralbert.“ Er seufzte übertrieben. „Dass ich hier überhaupt meine kostbare Zeit verschwende, ist schon unglaublich. Einfach lächerlich ist das.“

Jake klappte der Mund auf, und Eddie stieg die Zornesröte in die Wangen. Tracy lächelte in sich hinein und schwieg auch weiterhin.

Jake erhob sich von der Couch. „Okay, gehen Sie schon mal raus und warten Sie draußen, wir kommen dann zu Ihnen.“

Ohne ein weiteres Wort verließ Blackfield das Ghost Command, während sich Eddie und Jake zur Umkleidestrecke begaben. Vermutlich war das diesmal ein vergebener Aufwand, denn wahrscheinlich war der unhöfliche Typ gar nicht mehr da, wenn sie mit dem Ghostbuggy aus der Garage fuhren. Egal, Jake hatte trotzdem seinen Spaß auf der Umkleidestrecke.

Blackfield war jedoch entgegen den Erwartungen der drei Ghostbuster noch da und wartete an seinem Auto auf sie, einem teuren Sportwagen. Offensichtlich konnte er sich einiges leisten und machte daraus keinen Hehl. Nur war ihm gutes Benehmen offenbar zu teuer.

Gleich darauf zischte er mit seinem Sportschlitten davon, und die Geisterjäger, die sich die Adresse notiert hatten, folgten in ihrem Oldtimer. Hoffentlich schafften sie es den Geist zu finden und zu erledigen ...


Blackfields Haus war zwar in jeder Hinsicht protzig, jedoch zum Glück übersichtlich, und nach dem, was die Ghostbuster den spärlichen Informationen hatten entnehmen können, handelte es sich nicht um einen Poltergeist.

Jake bemühte sich so professionell wie möglich zu wirken, als er mit seinen beiden Freunden eine Begehung der Örtlichkeiten vornahm, die Lage sondierte und dann die Vorgehensweise festlegte, immer unter dem wachsamen Blick von Blackfield, der jederzeit bereit schien, wieder mit beleidigenden Bemerkungen über sie herzufallen.

Mit den von Tracy entwickelten Geisterscannern gelang es bald den Spuk ausfindig zu machen, und nach der Anzeige der Geräte zu urteilen, war es tatsächlich kein mächtiger Geist, sondern einer der Art, wie man ihn meist antraf. „Standardtypen“ hatte Jake sie getauft. Geister im klassischen Sinn, nebelhafte Schemen, die an Menschen erinnerten, die sich ein Bettlaken übergeworfen hatten. Natürlich konnten auch solche Gespenster Ärger machen oder schwer zu erwischen sein, doch meist waren sie harmlos und taten niemandem etwas. Man bemerkte sie natürlich, wenn man Pech hatte, oder sie foppten die Menschen, in deren Haus sie sich eingenistet hatten. Blackfield jedenfalls hatte bemerkt, dass er unerwünschten Spukbesuch hatte.

Die Ghostbuster schafften es schließlich, den Geist zu stellen, als er sich gerade in einem der beiden Badezimmer aufhielt. ‚Musste wohl mal auf die Toilette', hätte Eddie beinahe gesagt, sich den Spruch aber noch rechtzeitig verkniffen, weil ihr Auftraggeber offenbar ein absolut humorloser Mensch war.

In einer gemeinsamen Aktion gelang es Eddie und Jake das Gespenst zu erwischen, indem sie die Tür aufstießen und gleichzeitig ihre Waffen abfeuerten, Eddie den Ghost Gummer, der den Geist mit einer kaugummiartigen Masse einkleisterte, so dass er gefangen war und nicht einfach verschwinden konnte, und Jake mit dem Dematerialisator, der den Geist in einem Funkenregen auflöste und ins Spektralreich zurückschickte. Tracy, der sich bewusst zurückgehalten hatte, nickte anerkennend.

Jake und Eddie waren heilfroh, dass der erste Versuch geklappt hatte, so dass sie sich keine Blöße gegeben hatten oder gar gescheitert wären. Freudestrahlend klatschten sie sich ab und ignorierten absichtlich den Blick, den ihr Kunde ihnen zuwarf. Wenn er sie nun wieder für kindisch hielt, war ihnen das herzlich egal! Sie hatten ihm gezeigt, was sie draufhatten und dass sie fähige Geisterjäger waren.

Dass Blackfield sich kaum zu einem ‚Danke’ durchringen konnte und dann auch noch versuchte, den Preis für die erfolgreiche Geisterbeseitigung, den Tracy ihm nannte, bei dem Gorilla herunterzuhandeln, waren Dinge, die Jake und Eddie zwar ärgerten, sie aber letztlich nicht belasteten, denn die Freude, es diesem arroganten, unhöflichen Typen gezeigt zu haben, überwog bei Weitem.

Als die drei das Haus wieder verlassen hatten und im Ghostbuggy saßen, atmete Eddie hörbar auf. „Ich bin unendlich froh, dass es ein unproblematischer Geist war und wir gleich beim ersten Versuch Glück hatten“, gestand er. „Ich hätte mich vor diesem Kerl ungern blamiert. Das hätte ich nicht ertragen.“

„Ging mir genauso“, auch Jake wirkte erleichtert. „So ein Widerling.“ Er sah Tracy an, der wie immer hinterm Steuer des Autos saß und vor sich hingrinste. Der Gorilla hatte die beiden jungen Menschen schon ausgiebig für ihren Erfolg gelobt. „Was hast du denn, Tracy?“

Der Affe zwinkerte ihm zu. „Habt ihr beiden denn nicht bemerkt, dass ich dem Kerl einen viel zu hohen Preis genannt habe? Selbst wenn er es geschafft hätte, ihn herunterzuhandeln, hätte er dann immer noch den Normalpreis bezahlt. Aber das Herunterhandeln hätte er nicht geschafft. Nicht bei mir.“

Jake und Eddie prusteten vor Lachen los. Tracy hatte es manchmal faustdick hinter den Ohren! Er hatte den ahnungslosen Blackfield ausgetrickst und abgezockt.

Als sie sich wieder beruhigt hatten, fuhr Tracy los. Er war hochzufrieden mit den Jungs – und mit sich selbst, dass er rechtzeitig diesen Einfall gehabt hatte, um es dem Kerl heimzuzahlen, dass der so mies mit Jake und Eddie umgesprungen war.

„Weißt du, was cool wäre, Tracy?“ Jake wischte sich Lachtränen aus den Augen. „Wenn es eine Möglichkeit gäbe, den Geist zurückzuholen und ihn wieder bei Blackfield abzusetzen. Dann müsste er uns erneut rufen. Und das Ganze würden wir dann ein paar Mal machen, natürlich geheim.“

„Und ich würde die Gebühr immer mehr erhöhen“, der Gorilla nickte schmunzelnd.

„Tracy, du bist wirklich ein Genie“, Eddie lehnte sich auf dem Rücksitz zufrieden zurück. „In jeder Hinsicht.“

„Ich weiß“, erwiderte der Affe nonchalant, und in das erneute fröhliche Lachen stimmte nun auch der Ghostbuggy mit ein.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine sehr lustige und unterhaltsame Geschichte. Das Zitat ist wirklich klasse eingebaut.

Eure lula-chan
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