Ich werde dich hassen

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Gajeel Redfox Levy McGarden Metalicana
14.06.2020
11.09.2020
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14.06.2020 2.562
 
Der Tag war grau, dass wusste Levy auch ohne einen Blick aus der Kutsche zu werfen. Die Luft hatte bereits bei ihrem Aufbruch nach Regen gerochen und jetzt konnte sie hören, wie er auf das Dach der Kabine pladderte.
Als die Hufe der Pferde den Waldweg verließen und auf das harte Steinpflaster trafen, zog die Prinzessin die Vorhänge in der Kutsche noch enger zu. Sie wollte bloß keinen Blick auf die Menschen werfen müssen, an die man sie praktisch verkauft hatte. Als sie die Musik und den Jubel der Menschen vernahm, die trotz den Regens ihre Ankunft feierten, wurde Levy plötzlich ganz schlecht. Sie wollte diese Menschen so gerne hassen, doch konnten diese ja nichts für die Armut die Levy hier her gebracht hatte.

In ihrem Königreich hatte es schon lange keine Feste mehr gegeben. Ihr Vater und ihre Mutter hatten große Sorge, nach zwei misslungenen Ernten waren die Kornspeicher des Königreiches leer und bald wäre kein Volk mehr da, welches ihr Bruder in einigen Jahren hätte regieren können. Daher wandte sich ihr Vater an die benachbarten Reiche, doch keines konnte ihnen helfen. Das Reich im Süden lebt selbst mehr vom Handel mit Rubinen, als von ihren Kornkammern. Das Reich im Osten sandte ihnen Saat und Wasser aus den reichen Flüssen und Seen, jedoch kein Essen für dieses Jahr. Und diejenigen, die mehr als genug in ihren Speichern hatten, verlangten unmenschliche Preise dafür.
So kam es, dass Levys Vater sich an ein Königreich weit im Norden wandte. Dies erklärte sich bereit, ihnen aus der Not zu helfen. Der Preis dafür? Nur ein kleiner Tausch, um ihnen aus der eigenen Not zu helfen. Und so sollte das Königreich im Norden zu einer Königin kommen, während Levys Volk überleben sollte.

Sie war ihrem Vater nicht böse, dass dieser den Handel annahm. Doch dass er danach nicht mehr unter ihre Augen treten konnte hatte ein kleines, aber schmerzhaftes Loch in ihr Herz gerissen.
Seufzend richtete sie sich auf und strich ihr wildes, blaues Haar aus ihrem Gesicht. Dann schob sie die Vorhänge etwas zur Seite und spähte aus dem Fenster der Kutsche. An ihnen zogen verregnete Straßen voller Menschen vorbei. Männer spielten auf ihren Instrumenten, Kinder und Frauen tanzten barfuß im Regen und lachten der Kutsche zu. Vorsichtig schob Levy den Vorhang noch weiter zur Seite und konnte nun einen Blick auf die silbergrauen Häuser der Stadt werfen, durch die sie fuhren.
Die Häuser waren, wie in ihrer Heimat, aus Stein gebaut. Doch der Stein hier war heller und schimmerte im Regen fast wie edles Metall. Es zauberte ein kleines, versöhnliches Lächeln auf das Gesicht der Prinzessin und sie öffnete das Fenster um die wunderbare Musik und den Duft der Blumenkränze, die die Mädchen trugen, hinein zu lassen.

Doch ihr Lächeln verschwand, als sie das große, dunkle Tor zum Innenhof der Burg im Herzen der Stadt durchquerten. Die Pferde vor der Kutsche waren deutlich nervös und der Kutscher brauchte eine extra Runde im Hof, bis er die Tiere zum Stehen bekam. Nach ein paar Sekunden, in denen Levy versuchte sich zu sammeln, öffnete sie die Tür ihrer Kutsche und lugt hinaus. Eine Wache mit Haut so dunkel, dass Levy sich kurz wunderte warum dieser Mann so weit im Norden lebte, hielt ihr charmant eine Hand hin und half ihr aus der Kutsche. Als sie endlich auf dem festen Boden stand legte sie den Kopf in den Nacken und lächelte der Wache dankend zu. Der nickte bloß und wies ihr mit einem Wink seiner Hand den Weg die wenigen Stufen hinauf ins innere der Burg.
Erst als Levy ihren ersten Schritt machte merkte sie, wie still es im Innenhof war. Als sie die oberste Stufe erreichte zuckte sie erschrocken herum und beobachtete, wie die Kutsche unter lautem Klappern davon fuhr. Da verschwand ihr Ticket nach Hause und ließ sie allein in diesem Fremden Land, voller fremder Leute. Kurz durchfuhr sie ein Stich, dann legte die Wache ihr die Hand auf die Schulter.
„Ihr solltet reingehen Prinzessin. Bevor der Regen wieder einsetzt.“ Getröstet von dem Laut ihrer Sprache, wenn auch sehr gebrochen, nickte sie und schenkte der Wache ein weiteres Lächeln, bevor sie mit gerafftem Rock in der Burg verschwand.

Die Halle in die Levy schritt war kühl, kühler als sie erwartet hatte. Fröstelnd beschleunigte sie ihre Schritte und durchschritt die Halle. Es wunderte sie etwas, dass die Wache ihr nicht ebenfalls hinein gefolgt war. Auch sah sie keine weiteren Wachen auf ihrem Weg zum Empfangssaal. Doch sie war zuversichtlich, sich an die neue Etikette gewöhnen zu können. Sie wusste, dass Frauen hier in jedem Stand allein zurecht kommen mussten. Die Hilfe eines Mannes war keine Selbstverständlichkeit, sondern geradezu ein Geschenk.
Dieser Gedanke ließ sie mit einem Lächeln an die Wache denken. Es war schön zu wissen, dass es trotzdem einen Mann gab der ihr aus der Kutsche geholfen hatte. In den Röcken, die ihre Mutter für die Reise gewählt hatte, hätte sie es nie allein heraus geschafft ohne das Gleichgewicht zu verlieren.

Mit diesem Lächeln auf dem Gesicht betrat sie den Empfangssaal und sah dem Mann entgegen, der sie dort erwartete um sie zu begrüßen. Beunruhigt stellte sie fest, dass auch dieser größer war als sie zuerst angenommen hatte. Die Leute in ihrem Landen wurden nicht groß, dafür waren sie ausdauernd und strotzten allen Wettern, besonders der Hitze des Sommers.
Doch der Mann vor ihr überragte sie genauso wie die Wache am Eingang der Burg, sogar noch etwas mehr. Seine Schultern waren so breit dass Levy in seinem Schatten verschwand und kurz erschauderte. Doch dann breitete sich ein Lächeln auf dem grimmigen Gesicht aus das warm und beinahe einladend erschien. „Prinzessin, ich hoffe Ihr habt die Reise gut überstanden.“ Levy sank in einen tiefen Knicks und senkte den Kopf. „Es ist mir eine Ehre, hier bei Euch zu sein Metalicana.“ Der Mann vor ihr lachte und bot Levy eine seiner Pranken an und half ihr, sich wieder aufzurichten. „Da habt Ihr ja einige Bücher zu unserer Kultur gewälzt.“ Die Prinzessin wurde rot und krallte die Hände in ihren Rock. Langsam gingen ihr die Worte in dieser Sprache aus, die für sie noch so neu und fremd war. Sie hatte nicht viel Zeit zum lernen gehabt.
„Ich war sehr bemüht, Euren.... Erwartungen gerecht zu werden.“ Metalicana lächelte nachsichtig und wechselte fließend in Levy Muttersprache, während er mit einer Hand auf den Gang wies. „Ich habe nichts anderes von Euch erwartet, Prinzessin. Lasst mich euch zeigen wo Ihr die erste Zeit leben werdet.“

Erleichtert folgte Levy dem König und erfreute sich an dem angenehmen Gespräch mit diesem. Er beantwortete ihr jede ihrer Fragen auf dem Weg zu ihrem Zimmer bereitwillig. „Warum waren die Menschen alle auf den Straßen, trotz des Regens?“ Der König grinste und hielt kurz an einem Fenster, um selbst einen Blick auf die feiernde Stadt zu richten. „Eure Ankunft erfreut die Leute, Ihr haltet zusammen mit dem Frühling Einzug. Das ist ein zweifacher Grund zum Feiern.“ Levy blickte geschmeichelt aus dem Fenster und freute sich, dass dieses Volk trotz der Wolken den Frühling so ausgelassen feiern konnte.
Als sie sich ihrem Zimmer näherten blickte Metalicana sie entschuldigend an. „Es tut mir sehr leid, aber mein Sohn hat sich dazu entschieden Euch heute nicht zu begrüßen.“ Er zögerte, bevor er grinste. „Ihr werdet wohl mit mir, den Wachen und dem Volk vorlieb nehmen müssen.“ Levy zog kurz die Augenbrauen hoch. Jemanden so offen abzuweisen galt sogar hier als unhöflich, doch sie würde damit leben müssen. Um ehrlich zu sein war sie alles andere als scharf darauf, ihren zukünftigen Ehemann zu treffen. Sie wollte nicht daran erinnert werden, warum sie hier war. Dann lächelte sie. „Das ist nicht so schlimm, ich würde sehr gerne die Feierlichkeiten in der Stadt besuchen. Dürfte ich mir eine Eurer Wachen dafür ausleihen, ich beherrsche die hiesige Sprache noch nicht so umfassend wie ich gerne würde und einer Eurer Männer beherrscht etwas von der meinen.“, meinte sie und Metalicanas Gesicht erhellte sich. „Ihr meint Lily! Nehmt ihn mit, er wird von heute an Euer persönlicher Begleiter wenn Ihr das wünscht. Aber natürlich steht euch auch jede weitere Wache in diesem Schloss zur Verfügung, schließlich ist es nun auch Euer Zuhause.“
Levy nickte und es herrschte eine kurze Stille, bis Metalicana eine Tür öffnete und sie Levy aufhielt. „Dies sind Eure Gemächer. Ihr solltet vielleicht ein einfacheres Kleid anziehen, bevor Ihr in die Stadt geht.“, lächelte Metalicana und beobachtete, wie Levy staunend in den warmen Raum schritt und sich einmal im Kreis drehte.

Levy war hin und weg. Würde durch das offene Fenster nicht immer noch die Musik der Feste zu ihr dringen, so wäre sie einfach in diesem Zimmer geblieben. Die Wände waren mit einem weichen, weißen Stein verkleidet und den Boden bedeckte ein dicker, gelber Teppich. Alles war so warm und freundlich... Levy fühlte sich fast wie Zuhause und wurde wie aus einem Traum gerissen, als sie ihren Kleiderschrank betrat und die Kleider begutachtete. Nicht das diese ihrem Geschmack nicht entgegen kamen, doch es war für sie einfach nur so seltsam. Nur wenige Kleider, die ihrem glichen, konnte sie finden. Die meisten waren einfacher. Gedeckte Erdtöne und Blau beherrschten die Kleider, die man für sie beschafft hatte. Sie nahm ein himmelblaues Kleid vom Haken und erschrak sich beinahe als sie sah, wie kurz es doch war. Es endete knapp unter dem Knie! Erleichtert stellte sie jedoch fest, dass das Kleid zumindest Ärmel besaß und so beschloss sie, dass dieses wohl das richtige wäre um in die Stadt zu gehen.
Es dauerte eine Ewigkeit, sich aus dem dicken Kleid zu schälen. Bei ihrem Korsett scheiterte Levy und warf sich frustriert auf das Bett, als es an der Tür klopfte. Sofort schnellte sie wieder hoch und hastete zur Tür, um diese um einen Spalt breit zu öffnen. Vor ihr Stand ein Mädchen, nicht ganz so groß wie sie und lächelte freundlich. „Ich bin hier um dir aus deinem Kleid zu helfen. Ich habe gehört du willst mit Lily in die Stadt.“ Levy ließ das Mädchen hinein und schloss hinter ihr die Tür. Ohne zu zögern begann das Mädchen das Korsett zu öffnen und plapperte dabei fröhlich vor sich hin. „Ich weiss wie es ist, wenn alles neu ist. Aber keine Angst, dir wird es hier gefallen. Die Menschen sind so nett, du wirst Lily mögen! Und das Essen ist so gut! Das hatten wir in meiner Heimat nicht, Edolas ist lange schon Ödland. Aber hier ist es schön!“ Ohne Punkt und Komma redete sie, bis die Levy endlich aus dem Korsett geholfen hatte. „Dankeschön.“, lächelte Levy und das Mädchen grinste breit, bevor es den blonden Haarschopf neigte und wieder aus dem Zimmer wuselte.
Levy war überrascht wie einfach es war, das neue Kleid anzuziehen. Das erste mal in ihrem Leben brauchte sie dabei keine Hilfe! Kurz stand sie, ihre offenen Haare in wilden Locken ihre Schultern herabfallend, vor den Schuhen. Dann beschloss sie, dass diese genauso wie die Haarnadeln ruhig hier bleiben konnte und trat barfuß auf den Flur, wo sie in die Wache lief die sie dort erwartete. „Verzeihung.“, murmelte Levy und rappelte sich wieder auf, bevor sie den Mann erkannte der ihr zuvor aus der Kutsche geholfen hatte. „Du bist Lily!“ Der Mann nickte und lächelte leise. „Ihr wolltet eine Begleitung?“, fragte er in der Sprache, die Levy langsam immer besser meisterte und sie nickte. „Ja, sehr gerne! Ich wollte in die Stadt, aber ich brauche Hilfe da ich noch nicht alle Wörter euer Sprache verstehe.“ Er nickte erneut, bevor er ihr bedeute voran zu gehen.

Levy befand, dass Lily eine sehr angenehme Gesellschaft war. Er blieb die gesamte Zeit hinter ihr, lachte ab und zu leise wenn Levy begeistert von einem Stand zum anderen huschte und nicht wusste, wo sie zuerst hinschauen sollte. Die Stadtbewohner hatten Stände aufgebaut und die Feier war im vollen Gange. Überall gab es köstliche Speisen und Getränke und Musik drang aus allen Gassen. Levy wusste gar nicht wie ihr geschah als der Abend plötzlich vorbei war und ein Donner, der ein aufziehendes Gewitter prophezeite, ihr Signal war um wieder zur Burg zurück zu kehren.
Lily beobachtete grinsend wie die Prinzessin mit Blumen im Haar und nassem Kleid vor ihm her zur Burg hüpfte und war ärgerlich, dass sein Freund zu Feige gewesen war heute das Zimmer zu verlassen.
„Das war großartig!“, strahlte Levy ihn an und strich sich eine nasse Strähne aus dem Gesicht. Nach einem Abend unter den Leuten hatte Lily schnell bemerkt wie einfach Levy die neue Sprache fiel und war nur wenige male als Wörterbuch gebraucht worden. „Ihr habt heute Abend schnell gelernt.“, meinte er und schloss zur Prinzessin auf, die am Torbogen zum Innenhof wartete. Sie lächelte bloß verlegen und ging weiter. Sie hatte noch zu Beginn des Abend geklagt, dass ihr Wortschatz bei weitem nicht groß genug war und nun konnte sie sich sicher in der neuen Sprache bewegen. Sie wollte Lily gerade antworten, als sie einen Schatten sah der schnell aus der Burg zu ihnen kam. „Lily!“ Die Stimme durchschnitt die kalte Luft und wie fest gefroren hielt Levy an. Lily Reaktion viel entspannter aus, mit verschränkten Armen wartete er, dass die Gestalt zu ihnen kam. Sofort versank Levy in einen Knicks und senkte das Gesicht. Der war ja beinahe so groß wie Lily! Warum waren alle Männer hier so groß?! Durch den gesenkten Kopf konnte sie nicht sehen wie Gajeel beinahe über seine eigenen Füße stolperte, als er die kleine Gestalt neben seinem Freund sah. Sie war so klein... Was hatte sich sein Vater nur dabei gedacht?! Schnell fing er sich wieder und starrte Lily an, der lächelte seelenruhig zurück. „Ich brauch dich.“
Levy zuckte zusammen, als Lily ihr eine Hand auf die Schulter legte und hob den Kopf. Die Wache lächelte sie ruhig und freundlich an, bevor er den Kopf kurz neigte. „Prinzessin, es war ein sehr angenehmer Abend. Solltet Ihr mich erneut brauchen, so werde ich Euch gerne erneut begleiten.“, sagte er und Levy Gesicht hellte sich auf. „Vielen Dank Lily.“ Dann neigte sie hastig den Kopf vor dem Prinzen, der in seiner schwarzen Kleidung einen riesigen Schatten warf, und verschwand in der Burg.

„Wo warst du?“, fragte Gajeel entnervt Lily, als sie zusammen zu den Stallungen gingen um diese auf das Gewitter vorzubereiten. „Die Prinzessin brauchte eine Begleitung für ihren Ausflug in die Stadt. Da habe ich mich verpflichtet gefühlt ihr zu helfen.“, antwortete Lily und warf einen spöttischen Seitenblick auf Gajeel. Der zog bloß verstimmt die Schultern hoch und begann die Fenster zu sichern. Wäre Lily nicht in der Stadt gewesen wären die Sicherungen am Schloss bereits fertig. Die riesige Wache war einer der wenigen denen Gajeel genug vertraute um ihm zur Hand gehen zu können. Und die Prinzessin hätte bestimmt auch ohne Lily überlebt, schließlich hatte sein Vater ihm doch gepriesen wie klug sie war. Und bestimmt hätte ihr jeder geholfen, sie hätte einfach nur lächeln müssen!
Sie waren nicht ganz fertig, als der Regen noch einmal zunahm und Lily kurz innehielt, er warf einen Blick auf Gajeel. „Ich weiss, es passt dir nicht dass sie hier ist. Aber sie ist ebenfalls nicht freiwillig hier, das war nicht ihre Idee. Und ich hoffe, dass du dich morgen zusammen nimmst und sie zumindest begrüßen wirst!“ Gajeel hielt unter Lilys Blick inne, bevor er ihm antwortete und selbst den Blick hob. „Wieso sie begrüßen wenn dieses Königreich weder eine Prinzessin, noch eine Königin braucht?“
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