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14. Juni: ertrinkend [by tasto777]

OneshotSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Newt Scamander Percival Graves
14.06.2020
14.06.2020
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14.06.2020 1.210
 
Tag der Veröffentlichung: 14. Juni 2020
Zitat: "Ich liebe dich, wie ein ertrinkender Mann die Luft liebt. Und es würde mich zerstören, dich weniger zu haben." (Das Schicksal ist ein mieser Verräter)
Titel der Geschichte: ertrinkend
Autor: tasto777
Hauptcharaktere: Newt Scamander, Percival Graves
Nebencharaktere: Dougal, Grindelwald (erwähnt)
Pairings: Newt x Graves
Kommentar des Autors: Ich hatte ursprünglich nicht geplant, diese kleine Geschichte so düster und verwirrend zu machen. Ich hoffe ihr könnt trotzdem ein wenig Freude daran haben. Lg Tasto


ertrinkend


Er schaut ihn an. Das Mondlicht verfängt sich in den grünen Augen und lässt sie bläulich strahlen. Die Bewegung, die er beim Sprechen macht, lassen Wellen entstehen und Percival fühlt sich im Meer versinken. Im blau-grünen Meer von Newts Augen und er vergisst was dieser eigentlich sagt.

„Percival?“ Entfernt hört er Newts Stimme, dumpf wie Unterwasser. Er versucht sie als Anker zu benutzen, um wieder zurückzukommen. Heraus aus diesem Zustand der Schwebe. Aber der Ton entgleitet ihm und verliert wieder den Halt.

„Newt –“ Wie ein ertrinkender verstummt er, bekommt kein Wort mehr heraus und krallt sich an Newt fest. Nur am Rande bekommt er mit, wie dieser ihn zum Sofa führt und sie sich beide setzen. Seine Wahrnehmung lässt ihn seit Grindelwalds Entführung oft im Stich. Er driftet irgendwie ab. Newt hat das als erster mitbekommen und angeboten sich um ihn zu kümmern.
Es ist keine einfache Aufgabe, da diese Momente nur schwer zu beenden sind. Percival so zu erleben fällt ihm sehr schwer, doch umso mehr freut er sich über die Erfolge. Über die immer länger werdenden Zeiträume der Klarheit, in denen alles irgendwie normal ist und sie nur zwei Mitbewohner sind. Zwei Mitbewohner, die außer der Wohnung noch mehr verbindet. Newt hat viel über Percival gelernt Und über sich selbst, wenn er ganz ehrlich ist. Auf den ersten Blick würde sie wohl jeder für komplett unterschiedlich halten, doch diese Verschiedenheiten sind nur konkrete Ausprägungen gleicher Charakterzüge. Das hat er noch nie jemandem erzählt. Nur Queenie weiß von diesen Erkenntnissen, denn er hält sie wie einen Schatz in sich verschlossen. Er mag es Zeit mit Percival zu verbringen, die dunklen Haare zu richten, wenn der andere gerade nicht in der Lage dazu ist. Er mag die Stille, wenn jeder in seiner Arbeit vertieft ist und sie still in der Küche am Tisch arbeiten.
An all diese Dinge denkt Newt, während er Percival vorsichtig ans Sofa lehnt und aufsteht, um ein Glas Wasser und Dougal zu holen. Der Demiguise hat sich als Hilfe bewährt. Er hilft Percival, die Verbindung zur Realität wiederzufinden, wenn dieser durch das weiche silbrige Fell streicht. Das lassen sich nur wenige Tierwesen so gefallen.

Alles um ihn herum ist in blauen Nebel gehüllt. Er erinnert sich an das Licht in Newts Augen, dieses wunderbare blau, die grünen Flecken. Der Nebel wird zu Wasser und die Wellen verschlucken wieder jeden sinnvollen Gedanken. Er versucht irgendetwas zu fassen, einen Funken der Realität zu erhaschen, doch da ist nichts. Hilflos treibt er umher, unfähig irgendetwas zu tun. Das Wasser um ihn ist kalt und er will doch nur zurück an die Luft.

Eine Träne rollt Percivals Gesicht herunter, als Newt wiederkommt und Dougal vorsichtig neben ihn setzt. Der Demiguise begutachtet ihn kurz und greift sich dann eine Hand. Als diese sich ein wenig bewegt, klettert Dougal weiter auf Percivals Schoß und rollt sich dort zusammen. Newt betrachtet das ganze zuerst besorgt, doch dann schleicht sich ein kleines Lächeln in sein Gesicht. Er setzt sich zunächst neben Percival, steht dann jedoch wieder auf und holt eine Decke. Dann wartet er einfach.

Das Wasser ist kalt und überall ist nur Wasser. Auf einmal spürt er Wärme. Sie ist zuerst an seiner Hand. Er versucht sie zu fassen, doch sie ist nicht greifbar. Dann verteilt sie sich weiter auf seine Beine und kurz darauf ist sie um ihn herum. Er spürt weiches Fell zwischen seinen Fingern hindurch gleiten und den rauen Stoff des Sofas an seinem Arm. Er ist zu Hause. „Alles ist gut.“ Das ist zwar noch schwer zu glauben, doch er vertraut der Stimme. Er wiederholt die Worte für sich selbst, damit sie mehr Substanz bekommen. Damit sie wirklich real werden. Er sieht Dougal auf seinen Beinen liegen und Newt neben sich sitzen. „Alles ist gut.“ Er lächelt Newt an, und dieser nickt ihm freundlich zu.
Percival bleibt noch eine Weile sitzen, während Newt das Abendessen vorbereitet. Er hat eine Schallplatte aufgelegt und ruhige Musik zieht durch die Wohnung. Percival streicht durch Dougals Fell bis Newt mit dem Essen auftaucht und alles wieder wie immer ist.

„Newton?“ er schaut von seinem Teller auf, „warum machst du das eigentlich? Hier kannst du die Studien für dein Buch nicht fortsetzen. Du kannst nicht reisen, keinen Tierwesen helfen. Warum hast du dich hier so angebunden?“

Newt legt seine Gabel beiseite und trinkt einen Schluck Wasser, dann erst sieht er Percival an: „Du hast recht, ich habe mich bereit erklärt hierzubleiben für die nächste Zeit. Und du hast auch Recht, dass ich hier keinen Tierwesen helfen kann. Aber es gibt hier einen Menschen, der Hilfe braucht und dem ich helfen kann. Außerdem kann ich an meinem Buch schreiben und heimische Wesen untersuchen.“

„Aber du musst das nicht machen. Ich will dich nicht von deinem Leben abhalten. Das steht mir gar nicht zu. Wir kannten uns vor Grindelwald gar nicht.“ Grindelwald. Er hat sein Leben in ein davor und ein danach geteilt. Keine andere Ordnung macht mehr Sinn als diese. Es tut ihm leid, Newt da mitreingezogen zu haben. Gleichzeitig ist er ihm für die Hilfe unendlich dankbar.

„Das hier ist mein Leben, Percy. Ich mache das gern. Ich verbringe gern Zeit mit dir. Wenn das heißt, dass ich dir manchmal helfen muss, ist das nicht schlimm. Es zwingt mich niemand hier zu sein.“

„Ich will aber nicht abhängig von dir sein. Ich will dich nicht brauchen, wie ein Ertrinkender die Luft. Weil das bedeutet, dass wir nur so funktionieren. Ich –“, er schaut zu Boden, dann hebt er wieder den Kopf zu Newt, „Ich liebe dich, Newton. Aber ich kann nicht unterscheiden, ob ich dich nur liebe, weil du meine Luft bist, mein Anker, meine Rettung, weil ich ohne dich kaum klarkommen kann, oder ob ich wirklich dich liebe. Ich weiß es einfach nicht, es tut mir leid.“ Er schaut weg. Und Newt schaut hin.
Er nimmt Percivals Hand und hält sie fest in seinen.
„Es ist mir egal, Percy. Du brauchst mich nicht, um zu funktionieren. Ich bin mir sicher du würdest es auch allein schaffen. Es ist nur einfacher so. Und – ich mag dich auch. Was weiß ich, ob das Liebe ist. Ist doch auch egal. Wir finden das schon alles raus. Wir sind frei.“





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine tolle Geschichte, die gut zum Zitat passt. Das kam alles sehr gut rüber, auch wenn ich von Phantastische Tierwesen noch nicht mal den ersten Teil ganz gesehen habe.
Das Kapitel von gestern kommt noch (sobald Anni mir den Text nochmal zugeschickt hat. Sie war wohl bisher noch nicht wieder online). Das ist jetzt zwar ein bisschen blöd, aber was will man machen? Geschehen ist geschehen.

Eure lula-chan
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