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Eingeschneit

von Agnar
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
Crap Dero Flux
14.06.2020
21.11.2020
9
20.408
 
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21.11.2020 3.018
 
Obwohl Miro immer noch vor Ärger kochte, bereute ein hässlich vernünftiger Teil von ihr, Ivar geschlagen zu haben. Er hatte sie nicht einmal berührt, und sie hatte ihm das Knie in die Genitalien gerammt. Nun hatte er einen Vorsprung.
Sie war auf einmal zur Schurkin in der Geschichte geworden. Und das, obwohl er es doch gewesen war, der sie verraten hatte.
Frustiert verkrampften ihre Finger sich um den Knauf ihrer Zimmertür. Allein der Gedanke daran, dass er in ihrem Refugium auf sie wartete, machte sie innerlich rasend.
Es hatte sie nie gestört, dass er ohne dass sie es wusste, vor ihr in ihrem Zimmer war.
Seit zehn Jahren nicht. Opa Wlad hatte ihn oft zum Warten dorthin geschickt, solange sie noch  in der Schule war. Das war normal.
Schließlich waren sie Freunde. Es war herrlich unkompliziert gewesen. Mit Jungen befreundet zu sein, war ihr Erfolgsrezept seit sie denken konnte. Jungen lästerten nicht, wenn man sich ärgerte, dann verprügelte man sich, bis keiner von beiden mehr wütend war. Wenn man etwas auszusetzen hatte, sagte man das einfach. Und vor allem gab es keine zimperlichen Hühner, die zu heulen begannen, wenn sie sich verletzt fühlten.
Und nun? Nun war alles anders. Jetzt war Ivar, der große starke Ivar, dem man ins Gesicht sagen konnte, dass er aussah wie Scheiße und er nicht einmal mit den Wimpern zuckte... von einer Sekunde auf die Andere… ein verletzliches, gefühlvolles Weichei geworden.
„Miro?“ Verdammt. Er hatte sie gehört. Nun hatte sie keine Entschuldigung mehr.
„Ich weiß, dass du vor der Tür stehst und mich hasst. Warum kommst du nicht rein? Es macht mir nichts aus wenn du wütend bist.“
Fluchend riss Miro die Tür auf, passierte sie und schlug sie hinter sich zu. Ivan Stepanov, genannt Ivar, saß mit nassen Haaren und zusammengesunkenen Schultern auf ihrer Bettkante, wo er sie schon hundertmal zu Tode gekitzelt hatte. Er sah Mitleid erregend aus. Sie hatte ihm ein Veilchen zugefügt. Bleich vor Ärger kämpfte sie gegen das schlechte Gewissen an. Wenn er so verletzlich aussah, war es schwer, wütender auf ihn als auf sich selbst zu sein. Wütend war die Welt einfacher.
„Miro, es tut mir leid. Ich hätte wissen müssen, dass du nicht so reagierst, wie ich mir das vorgestellt hatte.“ „HALT DEIN BESCHISSENES MAUL!“
Sie wollte ihn nicht anbrüllen, aber es ging einfach nicht anders.
Er entschuldigte sich. Entschuldigte sich. Verdammt nochmal, er hatte sich entschuldigt! Dafür, dass sie eigentlich diejenige war, die das tun sollte. Aber sie konnte es nicht.
Wann war das Leben so kompliziert geworden? Warum konnte er nicht einfach gemein sein und sie in jedem zweiten Satz beleidigen, sowie sie es immer getan hatten? Warum hatte er anfangen müssen, darüber zu reden, welche Gefühle er hatte? Warum konnte das Leben nicht einfach unkompliziert bleiben? Sie krallte ihre Finger in ihren Haarwurzeln fest und ließ sich rückwärts in ihren Sessel fallen, damit sie nicht mit ihm auf der Bettkante saß. Doch nun war sie ihm gegenüber und musste sie ihm direkt in die Augen sehen.
Verflucht. Miro warf stöhnend den Kopf in den Nacken, wartete, dass Ivar wieder zu reden begann. Aber er tat es nicht.
Wie sie es ihm ins Gesicht geschrien hatte, hielt er den Mund.
So sollte es nicht sein. Er sollte nicht Rücksicht auf das nehmen, was sie wollte.
Das war nicht der rücksichtslose, unsensible Haudrauf, den sie wie einen großen Bruder gehasst und geliebt hatte.
Sie hielt sein Schweigen nicht länger aus. „Kannst du nicht einfach aufhören, zu versuchen, es mir rechtzumachen? Kann es nicht sein wie vorher?“
„Ich habe dir gesagt, dass sich nichts ändern muss. Ich war nur ehrlich zu dir, wie wir es ausgemacht hatten.“
Der Schwur. Dieser gottverdammte Schwur. Sie, Ivar, Alexej, Andrej, Konstantin und Michail, damals sechs, elf, und zehn Jahre alt. Sie hatten sich wie eine verschworene Bruderschaft gefühlt, als sie ihre mit Schrauben blutig gestochenen Fingerkuppen aneinandergepresst hatten. Miro war so stolz gewesen, dass die Jungen sie aufgenommen und akzeptiert hatten, obwohl sie ein kleines Mädchen war. Fast fünf Jahre jünger wie alle anderen. Aber sie hatte sich bewiesen. Die Inhalte der Abmachung hatten von Ehrlichkeit über Zusammenhalt bis hin zu Pausenbrot teilen gereicht.
„Wir hatten auch ausgemacht, dass wir nichts untereinander anfangen würden!“
Ivar seufzte. „Du weißt genau, dass wir das damals gesagt haben, weil es für uns minderjährige Idioten keine schlimmere Vorstellung gab, als schwul zu sein. Wärst du damals nicht so gut darin gewesen, uns vergessen zu lassen, dass du ein Mädchen bist, hätten wir dabei sicher etwas anderes gedacht. Aber jetzt… sind wir eben älter. Und du bist nicht mehr die von damals…“
„Sondern?“
„Naja. Du bist… hübsch.“
Miro hätte ihm am liebsten ins Gesicht geschlagen.
„Trotzdem hattest du es so gesagt.“
„Hör zu Miro, ich weiß, dass du es hobbymäßig leugnest, auch nur im Ansatz so etwas wie Gefühle zu haben… Aber nur weil du das so unbedingt lassen willst, heißt es nicht, dass es mir genauso geht. Ich mag dich nun einmal. Und ja, mehr als früher. Ich wollte es dir doch nur sagen.“
In diesem Fall hätte Miro eine Lüge vorgezogen. Und die Tatsache, dass er ihr gesagt hatte, dass es ihm nichts ausmachte, trotzdem einfach weiter Freunde zu sein, hatte es nicht besser gemacht. Das machte es nur noch schwerer, wütend auf ihn zu sein.
Er war zu nett.
Und genau das war das Problem.
„Kannst du… mir nicht einfach weiter sagen, dass ich wie ein Kuhstall rieche, keine Brüste habe und ein Hohlkopf bin? Konstantin, Michail und die Zwillinge haben auch nie damit aufgehört. So schwer kann das doch nicht sein.“
„Es wäre aber nicht die Wahrheit, Miro. Ich mag deine Figur, und wenn du nicht gerade absichtlich stur bist, kannst du auch schlau sein.“
Sie konnte es nicht hören. Diese Komplimente, seine Versuche, ihr zu erklären, warum er sie jetzt mit anderen Augen als früher sah. Die Art, wie er sie dabei anschaute. Sie fühlte sich dabei wie eine dieser Stadtmädchen mit dunklem Lidschatten, mit denen Alexej und Andrej so häufig anbandelten. Die ihnen hier und da Hoffnungen machten und sie regelrecht im Kreis tanzen ließen.
Bei diesem Gedanken hielt Miro plötzlich inne. Die Idee, die ihr kam, gefiel ihr nicht und widerte sie an. Aber gerade… hatte sie sowieso nichts zu verlieren. Ivar war seit seinem Gefühlsgeständnis an diesem Morgen wie ausgewechselt, egal wie sehr sie ihm sagte, dass sie wollte dass es blieb wie es war und sie würde ohnehin für einige Tage mit ihm hier festsitzen.
„Weißt du, Ivar…“, langsam, um nicht allzu offensichtlich zu lügen, rang sie sich nicht vorhandene Manipulationskünste ab: „versteh mich nicht falsch, eigentlich mag ich dich schon gerne… aber ich kann es einfach nicht ausstehen… so verhätschelt zu werden, okay?“
Er wirkte sichtlich überrascht, aber nicht abgeneigt. Das schlechte Gewissen, das Miro schon den ganzen Tag wurmte, war auf einmal schlimmer als je zuvor. Aber es würde sowieso nie etwas so sein wie davor.
„Habe ich das gerade richtig verstanden, Miro?“ Ivar schien es kaum fassen zu können.
Was tue ich hier nur, dachte Roskva Miroslava Smirnov.
„Wärst du bereit… es zu versuchen?“
Der Gedanke, der in ihr aufkeimte, fühlte sich zuerst befremdlich an. Sie hatte Ivar nie mit solchen Augen betrachtet. Aber nun, das sie es bewusst tat… musste sie einräumen, dass Ivar sehr gut aussah. Ob sie es bereuen würde?
„Es wäre nicht ganz so abwegig“, begann sie vorsichtig, „Wenn du aufhören könntest, mich mit diesem Gefühlsdusel zuzutexten. Und aufhören würdest… so… so NETT zu sein.“
Ivar straffte seine Haltung und wirkte auf einmal wieder etwas wie der unnahbare Hühne, der Miro vertrauter war als dieser Welpe, der seit heute Morgen versuchte, ihr weiszumachen, wie „hübsch“ er sie fand.
„Dann“, sagte er mit ausgestreckter Hand, „lass es uns doch einfach versuchen. Ich versuche, weniger Gefühle zu zeigen… und du kannst versuchen, herauszufinden, ob du vielleicht doch welche hast.“
Miro wusste nicht, was sie sich dabei dachte, als sie einschlug. Womöglich dachte sie sich gar nichts.

---------------Gleichzeitig im Gästezimmer--------------------

Deros Hand schloss sich fester um den Hörer, als das Knacken am Ende der Leitung aufhörte und abgenommen wurde.
„Bei Musiol, ja?“
„Maja?“
„Scheiße, Dero, bist du das?!“
„Ja.“
„Gott, bin ich froh! Und ich dachte schon…“, sie verstummte.
„Was dachtest du?“, versuchte er sie mit gedämpfter Stimme zu beruhigen.
„Ich habe auf deinen Anruf gewartet, und die Unwetterwarnungen… Ich konnte dich einfach nicht erreichen…“
„Es war nur der Empfang, keine Sorge.“
„Geht es euch gut? Was ist das für eine Nummer, von der du anrufst? Was ist denn passiert?“
Er hörte, wie sie nach Luft schnappte. „Maja.“
„Was?“
„Es ist alles gut.“
Langsam wurde ihr Atem ruhiger.
„Uns ist nichts Schlimmes passiert. Ruhig Blut.“ Er wartete, bis ihr Atem wieder ein normales Tempo angenommen hatte.
„Es tut mir so leid, Dero, es ist mit mir durchgegangen. Es ist einfach nur… alles.“
„Schon gut, Kleines. Willst du reden?“
Sie holte tief Luft.
„Nein, erzähl du zuerst. Der Mist hier drüben kann noch warten.“
„Okay. Ich hatte einen mehr oder weniger kleinen Unfall.“
„Fuck…“
„Es ist nicht schlimm, nur ein verstauchter Knöchel und ein paar Kratzer.“
„Wie fühlst du dich?“
„Beschissen. Die Harley ist am Arsch, der Roadtrip ist soweit im Eimer. Aber fürs Erste haben wir es ins Trockene geschafft. Flux ist voraus gefahren, um Hilfe zu holen. Er hat eine Einheimische getroffen, die uns netterweise aufgelesen hat. Wir sind dann in dem Autohof von ihrem Großvater untergekommen. Nen Verband am Fuß hab ich auch schon.“
„Wie ist es dort?“
„Besser als man es sich je erhoffen kann. Die Leute hier sind unglaublich gastfreundlich, Wlad besteht darauf, dass wir bleiben, bis der Sturm vorbei ist. Mittlerweile ist es physikalisch auch gar nicht mehr möglich, das Haus zu verlassen.“ Dero war sich sicher, dass das Heulen des Windes vor dem Fenster bis ans andere Ende der Leitung zu hören war.
„Wlad?“
„Der Hausbesitzer und der Großvater von Miro – die, die uns aufgesammelt hat. Lustigerweise sprechen sie alle fast fließend Deutsch.“
„Also Glück im Unglück.“
„Eindeutig.“, erwiderte er, erleichtert, dass sie leise lachte.
„Und wie fühlt sich dein Fuß an?“
„Es wird von Minute zu Minute erträglicher. Jana, Wlads jüngere Enkelin hat etwas draufgetan und alles verbunden, sodass er ruhiggestellt ist.“
Maja seufzte. „Ich wünschte, ich könnte jetzt für dich da sein.“
„Du bist es gerade, Kleines. Mach dir keine Sorgen um uns. Hier ist alles gut.“
„Okay.“
„Maja?“
„Hm?“
„Was ist los?“
„Was meinst du?“
„Das, was du am Anfang weggeschoben hast.“
„Ach das.“
„Tu nicht so, als würde ich dich nicht kennen. Das Letzte Mal, als du so aufgelöst geklungen hast, hattest du gerade erfahren, dass dein Vater mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde.“
Lautes Ausatmen.
„Komm schon, Kleines. Wie geht es dir?“
„Versteh mich nicht falsch, Dero… es ist alles in Ordnung.“
Pause.
„Aber irgendwie auch wieder nicht.“
„Ich höre dir zu.“
„Ich… ich weiß es doch auch nicht. Seit ein paar Tagen steht die Welt Kopf. Erst zerfetzen sich alle das Maul über die ECHO-Absage und die Kontroverse um Nichts, dich kann ich nur noch wenig erreichen, Matthi ist noch etwas erkältet und Hannah ist völlig aufgelöst…“
„Hat sie sich nicht ablenken können?“
„Anfangs ja. Aber als Jochen gestern Abend hier aufgekreuzt ist…“
„Er ist WAS?“
„Das war auch meine Reaktion. Ich bin gerade erst nach Hause gekommen, da stand er mit ihr im Flur und hat ihr weiß Gott noch was gesagt. Sie war schon völlig tränenverschmiert und dabei, ihm zu sagen, dass alles ihre Schuld ist, dass sie alles tut, wenn er ihr nur verzeiht und wenn ich nicht gekommen wäre… Vermutlich hätte er sie wieder mit zu sich genommen.“
„Ich bring ihn um.“
„Ich war kurz davor, es zu tun. Aber ich habe mich darauf beschränkt, ihn hochkant rauszuwerfen. Seine Telefonnummer ist auf unserem Festnetz mittlerweile gesperrt und nach anderthalb Stunden konnte ich Hannah schließlich davon überzeugen, dass sie kein abgrundtief schlechter Sünder ist, der auf Knien dafür danken sollte, dass so ein großmütiger Mensch wie er sie trotz allem weiter liebt und noch eine Chance geben will. Achja und sie von dem Gedanken abzubringen, dass sie ohne ihn ein elendiges Garnichts ist.“
Dero konnte ein Knurren nicht zurückhalten. „Der letzte Mensch, von dem ich so etwas zu hören bekommen habe, war der Pfarrer im Beichtstuhl vor der Firmung. Widerlicher Kerl. Wie geht es ihr jetzt?“
„Ich habe sie dazu überredet, endlich mit Boxen anzufangen… Erst hat sie sich quergestellt, weil Jochen es ihr so lange ausgeredet hat… Aber als ich sie vorhin vom Probetraining abgeholt habe, war sie überglücklich. Jetzt gerade ist sie im Bad, Matthi konnte ich mit Hustensaft doch noch zum Schlafen bringen. Gestern Abend hat er so oft gehustet, dass er nicht schlafen konnte.“
„Maja…“
„Es ist schon gut, wie du siehst, ist es alles nicht so schlimm und ich bin darin fertig geworden. Es zerrt nur so an den Kräften, für jeden stark zu sein, wenn man sich überhaupt nicht so fühlt.“
„Niemand ist so stark wie du, Kleines.“
„Das ist im Moment schwer zu glauben… Wenn das bisschen Alltagswahnsinn, ein Mann, der in Russland feststeckt, und die paar Hormone mich schon aus der Fassung bringen, zweifle ich schnell daran.“
„Wie war das gerade?“
„Was?“
„Die Hormone.“
Maja blieb einige Sekunden still, dann seufzte sie. „Das ist sicher nur wieder ein Irrtum wie die letzten beiden Male auch.“
„Hör auf damit, alles runterzureden und sag schon, was los ist.“
„Also gut. Meine Tage sind seit zwei Wochen im Verzug. Mein Magen spielt verrückt… Und wie ich wiederwillig zugeben muss, liegen meine Nerven beinahe blank.“
Dero fühlte kaum, wie seine Finger sich um die Armlehne des Bürostuhls gruben. Die Hoffnung, die er auf beiden Seiten der Leitung hochkeimen spürte, hatte ihn schon mehrmals bitter enttäuscht. „Hast du schon einen Test gemacht?“
„Nein, eigentlich wollte ich auf dich warten.“
„Vergiss es, in weniger als einer Woche schaffen wir es nicht zurück. So lange lass ich dich nicht warten. Mach ihn, ich überlebe es schon, dieses eine Mal nicht dabei zu sein.“ Er war sich sicher, dass Maja schwach lächelte. Wenn ihre Lippen sich zu einem Lachen verzogen, war es fast schon hörbar.
Einen Moment lang fühlte er beinahe, wie sein fünfundzwanzigjähriges Ich sich beim letzten Versuch, diese Lippen zu vergessen, schlaflos umdrehte, bevor es endlich seinen Stolz überwand und ihr die mitternächtliche SMS schickte, dass er sie vermisste. Vier Tage später waren sie zusammen gewesen. Bis heute.
„Bist du dir sicher, Stephan?“
„Lass das.“ Seine Stimme war sofort zu einem Zischen geworden.
Diesmal lachte sie tatsächlich hörbar. „Ich liebe dich.“
„Und ich liebe dich, Kleines.“
„Ich weiß. Und ich höre es verdammt gerne.“
„Versprich mir, dass du morgen den Test machst.“
„Sonst was?“
Pure Provokation. Dero vergötterte sie.
„Sonst werde ich dafür sorgen, dass die Hormone dich noch verrückter machen, wenn ich nach Hause komme. Abstinenz hat dir da noch nie weitergeholfen.“
„Das hast du schon einmal gesagt. Du hast es nicht mal einen halben Abend durchgehalten.“
„Das war animalischer Instinkt.“
„Nein. Ich war einfach nur großartig im Überzeugen.“
Dero hasste es halb, ihr rechtgeben zu müssen. Aber nur halb. Ihre erotischen Überzeugungskünste waren wirklich großartig.
„Du machst es nicht gerade besser, ohne dich im Schnee festzusitzen.“
„Danke. Das nehme ich als Kompliment.“
„Versprichst du es mir jetzt?“
„Es stört dich wirklich nicht, dass du nicht dabei bist?“
„Ich werde nicht immer dabei sein können. Wenn du willst, werde ich dich wieder anrufen. Aber Kleines… Wenn du dir keine Sicherheit verschaffst, wird es dich nur noch mehr beschäftigen.“
Sie seufzte leise. „Du hast ja Recht. Ich mache es.“
„Braves Mädchen.“ Er konnte genau hören, wie sie in sich hineingrinste.
„Du spielst nicht mit fairen Mitteln, Dero.“
„Kleines…“ Er lehnte sich gedehnt zurück, „Wann habe ich das jemals getan?“
„Nie.“
„Und genau das ist der Grund, warum du mindestens einmal eins meiner Kinder im Unterleib hattest.“, stellte er triumphierend fest.
„Hör auf.“ Es war ihr peinlich. Sie würde es nie zugeben, aber es war ein sadistisches Vergnügen, wie gut er sie damit aufziehen konnte.
„Nein, das gedenke ich nicht zu tun.“ Wäre er nicht alleine im Raum gewesen, hätte es nun garantiert eine Bemerkung über sein zähnefletschendes Grinsen gegeben.
„So schlimm war ich nun auch wieder nicht.“  
„Oh doch, das warst du, Kleines. Du hast mich angeschaut, den Kopf schiefgelegt und mit glänzenden Augen verkündet, dass du ohne zu zögern meine Kinder austragen würdest.“
„Nachdem du mich abgefüllt hast, du Mistkerl.“
„Das macht es nicht weniger wahr. Am nächsten Morgen hast du das Gleiche gesagt, und da warst du nüchtern wie eine Klosterschülerin.“
„Also schön, du hast gewonnen. Ich war ein grauenhafter Fan. Ein besessenes Fangirl war ich.“
„Nicht so besessen, dass man keinen Spaß mit dir haben konnte. Die Wenigsten können bei diesem Alkoholpegel noch teifgründige Gespräche führen.“ Ein liebevoll spöttisches Grinsen konnte er sich nicht verkneifen.
„Das ist sehr schmeichelhaft für einen Groupie.“
„Das hast du gesagt. Ich habe dich nie als solchen bezeichnet.“
„Um mir die Schande zu ersparen.“
„Ich würde es nicht als Schande bezeichnen, als Neunzehnjähriger Mensch einen anderen Menschen auf sexueller Ebene attraktiv zu finden. Das ist der Motor der Evolution.“
„Wie du siehst, funktioniert er tadellos.“
„Unser biologischer Daseinszweck auf Erden dürfte bald für vollbracht erklärt werden.“
„Wir werden es morgen herausfinden.“
„Aufgeregt?“
„Nicht so sehr, dass ich es nicht bis dahin durchhalten werde. Ruf mich ab fünf Uhr an und ich werde bereit sein, okay?“
„Versprochen. Ich bin für dich da.“
Es gab eine kurze Pause.
„Kleines? Alles in Ordnung?“
„Ja.“, erwiderte sie. „Ich bin nur so froh, dich zu haben. Und zu wissen, dass ihr im Trockenen seid.“
„Niemand kriegt uns tot. Und schon gar kein Schneesturm.“
„Willst du noch mit Hannah reden? Ich glaube, sie dürfte mittlerweile aus dem Bad raus sein.“
„Dann gib mich an sie weiter. Ich bin gespannt, herauszufinden, wie du das vollbracht hast, was ich nie geschafft habe.“
„Sie zum Boxen zu überreden?“
„Exakt. Und jetzt gib mir Hannah. Etwas Geschwisterbeef könnte jetzt keinem von uns schaden.“  


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Ich hätte nie gedacht, dass ich dies einmal auf dieser Plattform von mir geben würde. Dennoch bin ich bereit, schonungslose Rückmeldungen jeder Art anzunehmen. Keine Zurückhaltung. Keine Gnade.
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