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Drachenaugen - Das Vermächtnis (Band 1) [Leseprobe]

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
13.06.2020
23.09.2020
5
7.352
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25.06.2020 1.491
 
Kapitel 4

Neugierig betrachtete sie die rote Flüssigkeit und hob ihr Glas, um Freyr zuzuprosten. Sie wusste nicht, ob es angebracht war, aber sie tat es trotzdem.

Der König lächelte und erwiderte den Prost. "Er ist mit Wasser verdünnt", erklärte er, bevor er an seinem Glas nippte.

Fenrir setzte das Glas an ihre Lippen und probierte. Zuerst verzog sie ihr Gesicht, doch nur in den ersten Sekunden. Das Getränk war seltsam, aber gut. Es hinterließ ein leicht brennendes Gefühl in ihrem Rachen und wärmte sie von innen. „Es ist gut", gab sie ihr Urteil ab.

Freyr schmunzelte und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. "Ich freue mich, dass du ihn zu schätzen weist."

„Mir wird sehr warm davon", gestand sie, nachdem sie einen größeren Schluck genommen hatte. Leider verstärkte er die Kopfschmerzen leicht, was ihr nicht gefiel.

"Dann solltest du vielleicht Wasser trinken", schlug er vor. "Und iss etwas."

Da es wie ein Befehl klang, wollte sie zu essen anfangen, doch irgendwie wusste sie mit dem vielen Besteck nicht, wie sie anfangen sollte. Es gab auf jeder Seite Messer oder Gabel, aber auch Löffel, was sie sehr verwunderte. „Nimmt man für jedes Stück ein neues Besteck?", fragte sie leicht verwirrt.

"Man beginnt von außen. Die äußeren sind für die ersten Gänge. Da es aber nicht mehrere gibt, reicht es wenn du die mittleren nimmst", erklärte der König ihr und schien belustigt.

„Warum lacht Ihr?", fragte sie mit hochgezogen Augenbrauen. Was war so lustig daran?

"Es wirkt niedlich", gestand er. "So unschuldig."

Fenrir schnaubte leise, bevor sie zu essen begann. Sie schien zu wissen, wie man Messer und Gabel benutzte und als das Fleisch ihren Gaumen traf, stöhnte sie leise vor Genuss. Was auch immer das war, es war köstlich und ihr Magen wollte mehr davon.

Zufrieden damit ließ Freyr seinen Blick zu Fenster schweifen. Es war durchaus interessant, wie unbedarft die junge Frau war.

Er hob das Glas und lächelte, als er es an seine Lippen setzte. Sicherlich würde sie ihm viel Freude bereiten.

„So hübsch ihr auch seid, aber Ihr wirkt gruselig, wenn Ihr so hinter einem Glas lächelt", bemerkte Fenrir trocken, da sie ihn beobachtet hatte.

"Danke für das Kompliment", erwiderte Freyr lediglich.

Fenrir hatte festgestellt, dass der schwarzhaarige König mit den goldbraunen Augen sehr attraktiv aussah. Sein markantes Kinn und die Kleidung, die er trug, ließen sein Erscheinungsbild eher kalt und hart erscheinen, aber es wirkte in diesem Moment nicht so, da die goldgelben Sonnenstrahlen seine Haut trafen. Der dichte Pelz an seinem Kragen sah sehr warm aus und sie fragte sich, ob es wirklich so angenehm war, das zu tragen. „War es das?", fragte Fenrir verwirrt.

"Du hast mich hübsch genannt", meinte er schulterzuckend.

War das wirklich ein Kompliment? Fenrir aß langsam und bedächtig, weil sie nicht wusste, wann sie wieder so etwas Gutes zu essen bekam. Noch hatte sie nicht herausgefunden, wie das hier ablaufen sollte. "Das seid Ihr auch", gestand sie, während sie mit einem Stück Fleisch die Soße aufsammelte.

"Ich bin aber auch gern gruselig. Das muss man als Herrscher sein können", sagte er und genoss seinen Wein.

Ein leichter Schauer rann ihr über den Rücken, denn die Art, wie er es gesagt hatte, war durchaus merkwürdig. Als würde er ein grausames Gesicht hinter seiner Fassade verstecken. "Verstehe ...", murmelte Fenrir und legte schließlich das Besteck zur Seite.

"Hat es dir geschmeckt?", fragte er neugierig und leerte sein Glas.

„Es war vorzüglich", gestand sie und wollte sich gerne zurücklehnen, doch das fühlte sich nicht richtig an. „Vielen Dank, Eure Hoheit", sagte Fenrir höflich.

Er nickte und erhob sich. "Bereit, weiter das Schloss zu erkunden?"

Auch die junge Frau erhob sich und knickste noch einmal als Zeichen ihrer Dankbarkeit, bevor sie ihren Stuhl zurück an den Tisch schob. „Sehr gerne, solltet Ihr noch Zeit haben", sagte sie mit leichtem Lächeln.

"Heute habe ich Zeit", versicherte er und sagte nicht, dass er sich die Zeit nahm. Es hatte schon seine Gründe, warum er so neugierig auf sie und ihre Reaktionen war.

„Das freut mich", erwiderte die junge Frau und wurde plötzlich verlegen. „Darf ich ... mich irgendwie ansehen? Ich weiß nicht, wie ich aussehe", gestand sie.

Überrascht deutete der König auf einen Spiegel. Es gab im Raum mehrere, die jedoch nicht von überallher einsehbar waren. Diese wurden für Lichtspiele genutzt.

Fenrir ging genau dorthin und sah sich im Spiegel an. Eine junge Frau mit silberblonden Haaren, die an den Seiten geflochten waren, und dunkelgrünen Augen, sah ihr entgegen. Diese besaßen eine geschlitzte Pupille und sahen sehr ansprechend aus.

Ihre Haut war hell, aber nicht blass, sondern trug eine gesunde Farbe.

Ihre Hand hob sich, um an ihren Haaren entlangzufahren. Dabei stellte sie fest, dass die geflochtenen Strähnen an der Seite hinten mit den anderen, offenen, Haaren verbunden waren. Auch dort waren einige Strähnen eingeflochten. „Habt Ihr das getan?", fragte Fenrir erstaunt, denn sie sahen fein säuberlich, und nicht zerzaust aus.

"Eines meiner Dienstmädchen hat dir die Haare gemacht. So, wie sie vorher waren", erklärte er. "Sie meinte, dass es nicht gut war, wenn dein Haar zu lange zerzaust ist", informierte er sie mit dieser leichten Belustigung, die er schon die ganze Zeit in seiner Stimme hatte.

Fenrir kraulte die Nase, als sie ihr Spiegelbild betrachtete. Ihre Haare waren schon davor so gewesen? Es frustrierte sie, dass sie nicht wusste, wer sie war und woher sie kam, geschweige denn ihr Alter. „Die Haare sind schön", meinte sie.

"Sind sie", bestätigte Freyr und nahm eine geflochtene Strähne, die er sich an den Mund führte und diese küsste.

Diese Geste beobachtete Fenrir im Spiegel und sie legte ihren Kopf schief. „War das ein Kompliment von Euch?", fragte sie neugierig, ließ ihn aber nicht aus den Augen.

"Natürlich", meinte er und ließ die Haare durch seine Finger gleiten.

Sie drehte sich zu ihm um und betrachtete seine Finger, die ihre eine Strähne noch hielt.

„Macht ein König anderen Komplimente?", wollte Fenrir wissen, da ein König eigentlich derjenige war, dem solche Dinge gesagt werden sollten.

"Nicht oft", versicherte er und führte ihre Haare erneut zu seinen Lippen. Sie dufteten verführerisch und er mochte das seidige Gefühl.

„Dann sollte ich mich wohl geehrt fühlen", meinte Fenrir lächelnd. Ob er das bei den anderen Frauen in seinem Harem auch so tat? Es war sehr interessant, wie dieser König war, doch irgendetwas nagte und ihrem Hinterkopf, was sie nicht greifen konnte. „Möchtet Ihr weitergehen?", fragte sie höflich, da sie nun wusste, wie sie aussah.

Freyr ließ von ihren Haaren ab und reichte ihr einen Arm, damit sie sich einhaken konnte.

Er behandelte sie, als wäre sie eine Adlige, was nicht ganz normal schien.

Leider wusste sie nicht einmal, ob sie wirklich eine war oder nicht. Solange sie ihr Gedächtnis nicht zurückbekam, würde sie es nicht wissen.

Mit einem lieblichen Lächeln hakte sich Fenrir bei ihm ein, sodass sie das Schloss weiter erkunden konnte.

Elegant schritt sie mit nackten Füßen neben dem König her und fühlte teilweise den kühlen, aber auch warmen Boden. Dort, wo die Sonne nicht hin schien, war er angenehm kühl.

Ihre Augen schweiften aufmerksam umher und entdeckte plötzlich etwas, was um die Ecke huschte, auf die sie zusteuerten. Eine schlanke Gestalt, die sehr elegant dahin schritt. War sie menschlich?

Ruckartig blieb sie stehen und blinzelte mehrmals. „Was war das?", fragte sie verdutzt, als konnte sie nickte glauben, was sie gerade gesehen hatte.

"Was meinst du?", fragte Freyr und klang zuerst so, als wüsste er nicht, was sie meinte, bis sie den Unterton erkannte, der durchaus verriet, dass auch er etwas gesehen hatte.

„Da war eine ... schlanke, wunderschöne Frau, die elegant den Gang entlang gegangen und anschließend verschwunden ist", antwortete Fenrir verwirrt. Nicht nur über die Erscheinung, sondern auch über seinen Ton. „Ihr habt sie doch auch gesehen, nicht wahr?"

"Das war vielleicht eine meiner Haremsdamen", sagte er nachdenklich.

Eine Frau mit länglichen Ohren? So ganz glaubte sie es nicht, denn die Person hatte Ähnlichkeit mit einer Fee oder Elfe gehabt.

Fenrir lief los, damit sie um die Ecke sehen konnte, doch dort war der lange Flur gähnend leer. Ob sie sich in einem Zimmer versteckt hatte?

Schließlich zuckte sie mit den Schultern. Vielleicht hatte sie sich getäuscht und es war einfach eine Frau aus seinem Harem. Dennoch fragte sie sich, ob die Frauen dann so unhöflich zu ihm sein durften, wenn sie ihn nicht begrüßt hatte.

"Komm, lass mich dir die Bäder zeigen", schlug Freyr vor.

„Sind Bäder etwas zum Essen?", wollte sie neugierig wissen. Es klang nach etwas Essbarem. Fenrir war sehr aufgeweckt und wollte gerne alles sehen, aber das würde zu viel werden.
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