Bad Blood

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
12.06.2020
07.09.2020
28
23.908
4
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02.08.2020 821
 
Cody Malone


Mit wenigen Blicken überfliegt Jordan die Blätter, die ich ihm in die Hand gedrückt habe. Wir sind gerade bei ihm zuhause angekommen und somit habe ich offiziell die erste Nachhilfestunde bei ihm.

„Also auf eine Drei bekommen wir dich definitiv. Dürfte nicht allzu schwer werden. Aber wir streben natürlich noch mehr an als das.“ So schätzt er die Situation um meine Noten in Spanisch ein. Ich finde die Sprache schön, aber auswendig lernen und Vokabeln waren noch nie meine Stärke. Ich sitze gerade mit ihm in seinem Zimmer und habe die Mitschriften der letzten Stunden mit, dazu noch meine letzten Testergebnisse von der alten Schule.

„Ich stelle für die nächsten Stunden ein paar Aufgaben zusammen, die wir dann gemeinsam durchgehen. Und du fragst sofort nach, wenn du was nicht verstehst, ja?“ Ich nicke bestätigend. „Dann fangen wir heute mit den aktuellen Vokabeln aus dem Unterricht an.“ Daraufhin nehme ich Stift und Block zu Hand und schreibe das auf, was Jordan mir vorsagt. Die nächste Dreiviertelstunde gehen wir die Worte durch und merzen jeden kleinsten Fehler aus, der mir beim Niederschreiben oder der Aussprache widerfährt.


Danach folgt eine kurze Pause, in welcher wir uns einen Snack in Form von Chips und Schokolade genehmigen, während auf Jordans Laptop die Folge eines Anime läuft. Erschrocken zucke ich zusammen, als plötzlich wenige Minuten später im Erdgeschoss die Haustür zugeknallt wird und wütende Stimmen nach oben dringen. „Na wunderbar“, murmelt mein Nachhilfelehrer und klappt den Laptop zu. „Beachte das bitte nicht. Lass uns die letzten Worte durchgehen und das Geschrei ignorieren.“

Stumm komme ich seiner Bitte nach und versuche die Geräusche von unten auszublenden. Zwar versuchen wir die Konzentration aufrecht zu erhalten, das scheitert allerdings spätestens dann kläglich, als klare Beleidigungen herauszuhören sind, die mich vor die Frage stellen, ob das hier in diesem Haushalt immer so ist. Jordan schlägt mit nicht gerade wenig Kraft sein Spanischbuch zu und meint, dass wir lieber das nächste Mal weitermachen sollten. „Die beiden werden bis heute Abend so streiten, da wird uns das nur ablenken.“ Verzweifelt legt er den Kopf auf die Arbeitsplatte seines Schreibtisches. Irgendwie tut mir das leid.

„Hey, kein Problem. In jeder Familie gibt es mal Streit. Das legt sich wieder, da bin ich mir sicher.“ Ich versuche offensichtlich, ihn ein wenig zu trösten und lege unterstützend meine Hand auf seine Schulter. Er sieht mich überrascht an und ich kann als Reaktion darauf nicht anders als rot zu werden und auf meiner Unterlippe zu kauen. „Danke“, sagt er und hält nun meine Hand mit seiner umklammert. Das macht die Situation für mich nur noch peinlicher.

„Wollen wir noch ein wenig weitergucken? Lernen wird jetzt sowieso unmöglich und ich habe vor dem Spiel noch Zeit.“

So kommt es also, dass wir uns mit den Snacks und einer Flasche Fanta auf sein Bett setzen und weiterhin Netflix gucken. Die Stimmung ist nicht unbehaglich, doch trotzdem bemerke ich, wie oft er zu mir schaut und mich scheinbar beobachtet. Wenn ich nicht so enorm schüchtern wäre, würde ich auch mal zu ihm sehen. Aber leider fange ich schon dann an zu zittern, wenn ich nur daran denke.

„Wenn ich nicht wüsste, dass du so unnormal schüchtern bist, würde ich jetzt glatt versuchen dich zu küssen.“

Diese Aussage bringt mich dann doch dazu, mich zu ihm zu drehen und überrascht in seine Augen zu sehen. Habe ich das gerade richtig verstanden? Oder mir möglicherweise nur eingebildet? „Ä-ähm…“

„Keine Sorge“, winkt er ab, „Mache ich nicht.“ Innerlich komme ich wieder runter und will mich dem Laptop zuwenden, sein nächster Satz lässt mich aber wieder so rot anlaufen wie eine Tomate.

„Vorher lade ich dich selbstverständlich noch zu einem Date ein.“

Er lacht, vermutlich wegen meines Gesichtsausdrucks, tut so, als hätte er nichts gesagt und steckt sich ein Stück Vollmilchschokolade in den Mund. Während er amüsiert weiter den Bildschirm betrachtet versuche ich, mein schnell klopfendes Herz unter Kontrolle zu kriegen. Kommt das nur mir so vor oder wird er tatsächlich immer selbstbewusster in diesen Momenten?

Ich packe nach zwei weiteren Episoden langsam meine Sachen zusammen. Jordan klickt auf Pause und sucht offenbar etwas bestimmtes in seinem Kleiderschrank. Meine Stifte stopfe ich zurück in die fast brandneue Federtasche und bemerke erst relativ spät, dass mir die ganze Zeit von einem grinsenden Jordan ein Kleidungsstück entgegen gehalten wird.

„Meine Trainingsjacke. Meine Spielernummer steht hinten drauf und keine Sorge, ich habe sie extra gewaschen.“ Ich nehme sie entgegen und obwohl ich mir denken kann, worauf er hinaus will, sehe ich mit großen Augen zu ihm hoch. „Ich möchte, dass du zum Spiel kommst und sie für mich trägst.“

„Warum?“

„Ich glaube, die Antwort kannst du dir denken“, antwortet er mit einem schüchternen Lächeln. „Machst du es? Für mich?“

„O-okay.“

Und obwohl ich mir selbst innerlich verspreche, dass das einmalig ist und nur ein Dankeschön für die Nachhilfe, würde es mich nicht wundern, wenn ich sie beim nächsten Spiel auch trage.
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