Bad Blood

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
12.06.2020
02.08.2020
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Drake Thompson


Wie von vornherein erwartet, hat meine Geografielehrerin sich nicht großartig über meine anfängliche Abwesenheit aufgeregt. Mittlerweile waren es die meisten Lehrkräfte wohl gewöhnt, dass ich mal später erscheine. Einen entspannten Morgen konnte ich mir trotzdem dann abschminken, als Penny mich praktisch mit ihren besorgten und fragenden Blicken durchbohrt hat und anfing, mein Bein zu streicheln. Zwar habe ich ihre Hand immer mal wieder weggeschoben, hat aber nicht viel geholfen. Ich kann mich mental jetzt schon mal auf ein nervenzerreißendes Gespräch einstellen, das sie mit mir fühlen wollen wird.

Auch Mike, welcher auf der anderen Seite neben mir sitzt, hat mir im Laufe der restlichen Stunde einen Zettel zugeschoben, auf dem „verpennt??“ stand. Auch wenn es nicht der Wahrheit entspricht, habe ich einfach genickt. Damit hatte sich die Sache. Dass ich ein angeschwollenes Auge habe, interessiert ihn anscheinend nicht. Gut, er sieht mich auch jede Woche mit irgendeiner neuen Verletzung und hat gelernt, sich in meine Angelegenheiten nicht einzumischen. Wenn er sich innerlich Fragen stellt oder Sorgen macht, lässt er es sich zumindest nicht anmerken.

Mit der Zeit kommt in mir der Wunsch hoch, eine Zigarette anzuzünden und den vertrauten Tabak einzuatmen. Wird nur schwer, mitten im Unterricht. Auch wenn es nur noch gute zehn Minuten sind, würde ich für so eine Aktion safe einen Schulverweis bekommen. Darauf kann ich dann am heutigen Tag eher verzichten. Augenblicklich schießt mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich doch noch etwas anderes in meiner Tasche liegen habe…

Ergeben seufzend krame ich gefühlte Ewigkeiten am Grund meines Rucksacks herum und ziehe die Packung Kaugummis heraus, die ich letztens geschenkt bekommen habe. Vielleicht lenkt es mich ein wenig von dem Verlangen nach den bekannten Schadstoffen ab. Ich weiß ja immerhin, dass rauchen alles andere als gesund ist und nur zeitweise den Stress wegschiebt. Möglichst unauffällig schiebe ich mir gleich drei Kaugummistreifen nacheinander in Mund.

Mike hält, ohne mich anzusehen, auffordernd die ausgestreckte Hand in meine Richtung. Grinsend stecke ich ihm zwei Streifen zu, von welchen er einen direkt auspackt. Werde ich wohl niemals verstehen. Einen Streifen bemerkt man doch kaum, oder? Ich war schon früher jemand, der direkt mehrere genommen hat. Wenn ich drei im Mund hatte und die Masse den Geschmack verloren hat, habe ich noch einen Kaugummi dazu genommen. Und diese Verhaltensmuster ziehen sich bis heute.

Genervt schiebe ich Pennys Hand zum nun schon vierten Mal von meinem Bein und zische dabei: „Lass das.“ Die Blondine schmollt bloß und dreht sich weg, um weiter die aufgetragenen Aufgabe zu bearbeiten.




Und wie erwartet, zieht mich Penny mit Beginn der nächsten großen Pause mit zu ihrem Spind. Dort lässt sie meine Hand los, sieht mich fragend an und verschränkt ihre Arme vor der Brust. „Du konntest es echt nicht lassen, oder?“ Ich komme nicht einmal dazu, ihr etwas zu antworten, da donnert sie schon drauf los.

„Ich habe schon unzählbar oft gesagt, dass der Streit mit Jordan nicht sein muss. Mittlerweile sollte man denken, ihr seid beide erwachsen genug, um normal miteinander umzugehen, ohne dass die Fäuste fliegen. Aber nein, du musst ja deinen Status aber böser Junge wahren und dich ständig mit ihm prügeln. Ich kann mir bildlich vorstellen, dass du wie sonst auch den ersten Schlag gelandet hast, nicht wahr?“

Und trotz dessen, dass sie recht hat, kann ich sie so nicht mit mir reden lassen. Penny selbst kennt ebenso wenig die Gründe für unsere Feindschaft wie die anderen Schüler. „Du enttäuscht mich immer wieder, Drake. Reicht es nicht langsam?“ Wieso kommt mir diese Situation nur so bekannt vor?

„Du musst niemanden mögen, Drake. Aber wenn du so weitermachst, stehst du irgendwann alleine da.“

Ich lasse mir doch von niemandem sagen, was ich zu tun und zu lassen habe!

„Da sagst du ausnahmsweise mal die Wahrheit. Es reicht jetzt.“

Der Ansatz eines zufriedenen Lächelns schleicht sich in ihr Gesicht, doch meine nächsten Worte sorgen für einen blitzschnellen Stimmungswechsel.

„Du hast mir nichts vorzuschreiben. Du bist weder meine beste noch meine fest Freundin. Misch dich nicht in Situationen ein, von denen du keine Ahnung hast. Du kannst den Hass zwischen Brooks und mir nicht verstehen, das ist eine Sache. Aber eine andere ist es, mir etwas vorschreiben zu wollen in der Hoffnung, ich würde auf dich hören. Vielleicht rächt sich das alles irgendwann mal, aber dann war es meine Entscheidung. Mit Anschuldigungen und Vorwürfen erreicht man bei mir nichts.“

Bevor sie darauf reagieren kann, füge ich noch etwas hinzu.

„Auch wenn ich weiß, dass du mehr haben wolltest, war es für mich nur regelmäßiges Spaß haben. Es war nicht mehr als eine Freundschaft Plus, wenn man das als Freundschaft bezeichnen kann. Such dir jemand anderen zum Zusammenstauchen, denn ich bin raus.“

Mit diesem Statement lasse ich Penny stehen. Sie scheint den Tränen nahe zu sein, aber wenn ich mich darum jetzt kümmere, wird sie das alles nie verkraften und sich nur weiter an mich klammern. Es war an der Zeit, sie aus ihrer Traumwelt zu reißen.


Ich jedoch musste mich auch einigen neuen Gedankengängen stellen, als ich aus einem Fenster im oberen Stockwerk sah und draußen Cody erblickte, welcher sich mitten in einer Umarmung mit meinem Lieblingsfeind Nummer Eins befand, der dabei unnormal glücklich wirkte. Mir selber machte es ein wenig Angst, dass sich ein finsteres Grinsen in meinem Gesicht erschien. Das könnte noch interessant werden…
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