Bad Blood

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
12.06.2020
07.09.2020
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02.08.2020 739
 
Drake Thompson


Verstimmt begutachte ich mein angeschwollenes Auge mithilfe der Frontkamera meines Smartphones. Das wird die nächsten Tage noch um einiges schlimmer, die Erfahrung hatte ich schließlich schon oft genug. Genau aus diesem Grund habe ich auch gewartet, bis meine Eltern aus dem Haus waren, um mich auf den Weg zur Schule zu machen. Wäre ich so erwischt worden, hätte ich mir erst einmal eine zehnminütige Standpauke anhören dürfen, dass ich mit diesem Mist aufhören und ordentlich für die Schule lernen soll, da ich sonst nie was im Leben erreiche. Hatte ich so früh morgens nicht gerade Lust drauf, wie man sich denken kann. So komme ich zwar eine gute halbe Stunde zu spät, aber bocken tut das die Lehrer eh nicht mehr.

Ich betrete gerade den Schulhof, als ein roter Toyota auf der anderen Straßenseite hinter mir mit quietschenden Reifen hält und der Knirps aus dem Auto gesprungen kommt, der mir ernsthaft Kaugummis alt Alternative zum Rauchen anbieten wollte. Klar, das Zeug ist kein schönes Laster, aber in Stresssituationen bringt es mir ein wenig Ruhe. Völlig überladen stolpert der Kleine mir hinterher, um ins Schulgebäude zu kommen, während das Auto, welches ihn abgesetzt hat, zügig weiterfährt.

„Ach, Scheiße!“, wird hinter mir geflucht, woraufhin ich mich interessiert umdrehe. Auf dem Boden verstreut liegen einzelne Blätter, die höchstwahrscheinlich in den Ordner gehören, den der Junge im Arm hat. Mit deprimiertem Gesichtsausdruck versucht er, alles schnell einzusammeln. Schließlich lässt das Wetter nun langsam ebenso zu wünschen übrig und der Wind droht, alles noch weiter zu verstreuen. Meine, nur gelegentlich anwesende, soziale Seite redet mir ins Gewissen und bevor ich meine Meinung ändern kann, hocke ich mich zu dem Kleinen auf den Boden und sammle die Blätter ein, die etwas weiter weg liegen.

Kommentarlos halte ich ihm meinen Stapel entgegen, nachdem wir alle aufgehoben haben. Mit einem leisen „Danke“ nimmt er sie mehr schlecht als recht an und hält sie fest umklammert. „Dafür musst du mir auch keine Gegenleistung anbieten, klar? Sieh es als eine meiner wenigen sozialen Aktionen an.“ Ich laufe langsam weiter, bleibe nach ein paar Schritten aber wieder stehen, als er wieder die Stimme erhebt.

„Könnte mir vorstellen, dass ein Eisbeutel ein gutes Geschenk wäre. So wie dein Auge aussieht, meine ich.“ Man, kann der nicht die Klappe halten? Ich weiß selbst, wie scheiße mein Gesicht in diesem Moment aussieht und brauche niemanden, der er mir erneut unter die Nase reibt. „Hör mal“, beginne ich und bleibe knapp vor ihm stehen. Dabei fällt mir sofort auf, wie sehr er mit einem Mal zittert und seinen Blick panisch in der Gegend umherschweifen lässt. Ich habe doch noch gar nicht viel gesagt?

„Hast du ernsthaft nach zwei Worten schon Angst vor mir?“ Erst antwortet er nicht, presst dann doch ein leises „Ist doch berechtigt“ hervor. Berechtigt? Klar, spätestens jetzt muss auch ihm die Spannung zwischen mir und gewissen anderen Leuten aufgefallen sein. Aber ohne Grund schlage ich doch auf den kleinen Knirps nicht ein? „Du solltest vielleicht deine große Klappe unter Kontrolle kriegen, wenn du so Schiss vor mir hast, Cody.“

Mit roten Wangen sieht er erstaunt zu mir auf. Auf fast jedem der verstreuten Blätter stand sein Name. Denkt der, ich bin blind oder kann nicht lesen?

„D-du könntest auch versuchen, n-nicht alles sofort mit Gewalt zu klären“, wirft er dann stotternd ein und verdammt, vermöbeln kann man dieses naive Kind nun wirklich nicht. „D-du musst niemanden mögen, Drake. Aber wenn du so weitermachst, stehst du irgendwann alleine da.“ Pah, ich lasse mir von einem Jungen, der einen Kopf kleiner ist als ich doch nicht vorschreiben, was ich zu tun habe.

„Leb du doch in deiner eigenen Welt weiter und behalte die rosarote Brille auf. Du hattest scheinbar noch nie Probleme, bei denen du keine Lösungen gefunden hast und versteifst dich darauf, dass Menschen gar nicht grausam sein können und jeder eine zweite Chance verdient hat. Wach auf, Knirps. Das Leben ist kein Wunschkonzert.“ Diese Worte hinterlassen einen wirklich bitteren Nachgeschmack. Die Naivität des Kleinen ist zum Kotzen. Mein Leben und meine Entscheidungen haben ihn absolut nicht zu interessieren.

„Wow. Du musst mich ja besser kennen als ich mich selbst.“

Mit diesen abschließenden Worten lässt mich Cody stehen und rempelt mich beim Vorbeigehen auch noch an. Der Kerl hat enorme Stimmungsschwankungen. Entweder kann er einem durch seine Zitteranfälle nicht in die Augen sehen oder er hält einem ernsthaft Vorträge über das Leben. Was eine Kratzbürste.
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