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Bad Blood

GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
12.06.2020
07.09.2020
28
23.908
4
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01.08.2020 919
 
Jordan Brooks


Als sportlicher Mensch wird mir zuhause schnell langweilig. Meine Eltern sind arbeiten, die Hausaufgaben habe ich erledigt und mir fällt keine Serie und auch kein Film ein, den ich jetzt auf Netflix schauen kann. Meine grandiose Idee ist es also, zu dem kleinen Feld zu fahren, das seit Jahren von Kindern als provisorischer Fußballplatz benutzt wird und dort ein wenig zu trainieren. Ich hatte nicht vor, mich großartig anzustrengen, sondern nur ein wenig meine Zeit zu vertreiben.

Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, war die Anwesenheit von Drake Thompson und einem seiner treuen Anhänger, die mit ihm in den Pausen meistens hinter der Schule abhängen und rauchen. Und ich wäre nicht ich, wenn ich nicht trotzdem vom Fahrrad gestiegen und auf ihn zumarschiert wäre.


Schon von weiter weg kann ich die Bierflaschen erkennen, die neben ihnen auf dem Boden stehen. Drakes Anhängsel hat auch schon die nächste in der Hand, während der Möchtegern Bad Boy selbst abwesend in den Himmel starrt und den Rauch aus seinem Mund pustet, verursacht durch seinen besten Freund; die Zigarette.

"Jetzt plant ihr also auch noch, eure schlechten Gewohnheiten kleinen Kindern vorzuleben, ja?“, rufe ich ihnen zu, bevor ich überhaupt bei der Bank angekommen bin, auf welcher sie sie niedergelassen haben. Sofort liegt Drakes Blick auf mir, während sein Kumpel James nur misstrauisch zwischen uns beiden hin und her sieht. Gerade an so einem öffentlichen Platz, wo täglich Kinder spielen, müssen die beiden sich nachmittags betrinken? Und ich dachte, das Absurditätslevel könnte schon gar nicht mehr steigen.

„Brooks, du hast mir gerade noch gefehlt.“

Drake nimmt James die halbvolle Bierflasche aus der Hand, wirft seine Zigarette dort hinein und stellt sie neben die anderen auf den Boden. Dann steht er auf und läuft auf mich zu. Wir beide wissen, wie die Sache hier vermutlich wieder ausgehen wird. Wir sind nicht in der Schule. Weit und breit keine Lehrer und Kinder sind in diesem Moment auch nicht anwesend. Auch James scheint an unseren Blicken erahnen zu können, was in den nächsten Minuten geschehen wird und rennt schnurstracks seinem Kumpel hinterher, um ihn kurz vor meiner Nase am T-Shirt festzuhalten.

„Lass mich los!“ Angepisst versucht sich Drake aus dem Griff zu befreien, schafft es jedoch nicht. „Eigentlich ist mir egal, was ihr beide treibt. Wenn mich jemand fragt, habe ich nichts gesehen“, beginnt James seine Erklärung und sieht warnend sowohl zu mir als auch zu Drake. „Aber am Freitagabend hat der werte Jordan ein Spiel und wenn der Trainer merkt, dass er sich kaum bewegen kann, war es das für dich. Die ganze Schule weiß doch, wer an blauen Flecken oder Blutergüssen die Schuld hätte!“

„Dann breche ich ihm eben die Hand! Die braucht er beim Fußball doch sowieso nicht!“ „Versuch’s doch, Arschloch“, entgegne ich daraufhin wütend. Der Typ scheint heute noch schlimmer drauf zu sein als sonst. „Meine Güte, ihr verhaltet euch wie Kindergartenkinder! Ist es so schwer, sich einfach aus dem Weg zu gehen?“

Niemand aus unserer Schule weiß, warum Drake und ich uns hassen. Natürlich kursieren viele Gerüchte, ganz vorne mit dabei sind Eifersuchtsgeschichten wegen irgendwelchen Mädchen, die nie existiert haben und Traumata aus der Kindheit. Alles völlig aus der Luft gegriffen. Selbst wenn die Leute es wissen würden, ihre Reaktion wäre trauriges Kopfschütteln – sie würden es nicht verstehen.

„Ja, verdammt! Ich kann seine Fresse einfach nicht ertragen und jetzt lass mich gefälligst los, ich will Stress abbauen!“ Drake schafft es, sich aus dem Griff seines Freundes zu befreien und boxt mir auf der Stelle mit voller Wucht in den Bauch. Das Ausweichen nach hinten ging in diesem Fall nicht schnell genug und ich atme tief durch, um mir nicht wie ein Schwächling an den Bauch zu fassen. Scheiße, das gibt einen schönen Fleck.

Revanchieren tue ich mich allerdings. Ich stürme auf diesen Mistkerl zu und schlage ihm ins Gesicht. Wenn ich einen fetten Bluterguss auf dem Bauch habe, kriegt er ein blaues Auge. Wegen ihm darf ich mich nun ausruhen und kontinuierlich meinen Bauch kühlen. Hoffen wir, dass ich mich bis zum Spiel anständig bewegen kann, sonst hat unser Team nicht allzu gute Chancen auf den Sieg. Keine Frage, meine Teamkameraden haben auch etwas drauf, aber ich bin nicht umsonst von Spielbeginn an auf dem Feld. Der Trainer hat sich dabei schon was gedacht…

„Es reicht! Ich will hier kein Blut fließen sehen!“

James geht dazwischen und hält Drakes Arm fest umklammert, mit welchem er gerade wieder ausholen wollte. „Wir gehen jetzt. Die anderen werden sich eh das Maul darüber zerreißen, wenn dein blaues Auge zum Vorschein tritt. Penny wirst du dann nicht mehr los.“ Mit diesen Worten gibt Angesprochener sich geschlagen.

Er sieht weiterhin wütend zu mir rüber, ehe er sich abwendet und vorausläuft, ohne seinen Dreck mitzunehmen. James seufzt erschöpft, fährt sich mit der Hand durch die Haare und zieht einen Beutel aus seinem Rucksack, in welchen er die verbleibenden Flaschen stopft. Das alles macht er, während er meine Anwesenheit praktisch ignoriert. Nur kurz bevor er losgehen möchte dreht er sich zu mir um.

„Ich mag dich nicht besonders, Brooks. Meiner Meinung nach bist du ein verzogener Junge, der seine Nettigkeit der gesamten Welt nur vorspielt“, beginnt er und steigert in mir nur das Verlangen, auch ihm ein Veilchen mitzugeben. Schmeichelnd sind diese voreingenommenen Worte nämlich nicht gerade. „Aber anders als dieser Idiot schaffe ich es, mich ohne Prügeleien durch die Schulzeit zu schleifen. Kriegt das auf die Kette. Irgendwann geht es zu weit und vor allem du kannst deine strahlende Zukunft vergessen.“
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