Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.07.2020 1.033
 
Freed

Schlussendlich fanden wir dann doch noch ein Hotel. Zwar nicht dieses Polaris, das die beiden eigentlich eingeplant hatten, sondern ein kleineres, gemütliches und auch günstigeres Hotel ein paar Häuser weiter. Es war kein großes Luxushotel, aber es gab alles, was man brauchte und das zu einem vernünftigen Preis. Das kam mir sehr gelegen, denn obwohl ich all mein Geld aus Magnolia mitgenommen hatte, geplant oder gar gespart hatte ich für dies Reise ja nicht. Mein Erspartes war zwar eine ordentliche Summe und würde gut und gerne für einige Wochen Urlaub und noch eine Zeit danach reichen, aber irgendwann musste ich mir dann eine neue Möglichkeit suchen, meinen Lebensunterhalt zu verdienen.
„Sag mal Freed, auf der Fähre meintest du zu mir, dass du dir die Haare schneiden willst.“, fragte Rogue, als wir nach dem Einchecken zusammen in seinem und Stings Zimmer saßen. Sting war mit Lector auf der Suche nach etwas zu Essen und Frosch schlief auf dem Bett.
„Willst du das immer noch?“
„Ja.“, nickte ich entschlossen.
Ich wollte ein neues Leben beginnen, was könnte das deutlicher machen als eine neue Frisur? Einer neuen Frisur, die mich nicht mehr an Laxus erinnern würde.
„Ich kann dir dabei helfen, wenn du magst.“, bot der Schwarzhaarige an und ich nickte erfreut.
Dann könnte ich mir den Besuch beim Friseur sparen. Ohne viel Zeit zu verlieren ließ ich mich auf einem der Stühle nieder und Rogue, der von irgendwo eine Schere hergezaubert hatte, trat hinter mich.
„Wie hättest du es gerne?“, fragte er und löste meinen Zopf.
„Der Pony soll bleiben, vielleicht ein bisschen kürzer.“, antwortete ich, „Der Rest soll so lang.“, ich hielt die Hand in die Mitte meines Nackens, „Den Pony vielleicht genauso lang. Und vor allem, schneid bitte die Blitze ab.“, die Strähnen waren zwar nur gestylt und würden sich sicher mit der Zeit wieder anlegen, aber ich trug sie schon so lange, dass sie selbst nach dem Baden noch ihre Form behielten. Ich wollte nicht warten, bis die widerspenstigen Strähnen irgendwann ihre Blitzform vergaßen, ich wollte sie hier und jetzt loswerden.
„Alles klar.“, sagte Rogue, ohne meinen ungewöhnlichen Wunsch zu kommentieren, „Dann fang ich mal an.“

Strähne für Strähne schnitt er ab und ich sah, wie die Haare zu Boden fielen und eine Art grünen Teppich um mich herum bildeten. Seltsamerweise war ich weder traurig noch beklommen, im Gegenteil. Mit jeder Strähne, die fiel, fühlte ich mich leichter und freier. Bald hatte Rogue meine lange, grüne Mähne zu einem kurzen Wuschelkopf zurückgestutzt, nun machte er sich ans Pony. Als letztes fehlten noch die Blitze. Ich sah, wie er die Schere hob und mit einem Mal fühlte ich mich richtig elend. Die Blitze drückten meine Bewunderung für Laxus aus, nicht nur meine Liebe. Und auch, wenn ich meine Gefühle am liebsten vergessen würde, so würde Laxus immer ein starker, bewundernswerter Magier und mein Vorbild bleiben. Auch wenn ich ihn vergessen wollte, konnte, durfte ich dieses Symbol meiner Bewunderung wirklich abschneiden?
Rogue sah meinen gequälten Gesichtsausdruck und hielt inne.
„Sicher, dass ich sie abschneiden soll?“, fragte er leise.
Ich zögerte. Sie erinnerten mich am Laxus, ich würde ihn nie vergessen können, wenn jeder Blick in den Spiegel mich an ihn erinnern würde. Aber war es wirklich in Ordnung? Ich seufzte, dann riss ich mich zusammen und nickte. Die Blitze abzuschneiden hieß ja nicht, dass ich Laxus verachtete. Ich wollte nur nicht mehr so oft an ihn denken müssen.
Zweimal hörte ich die Schere schneiden. Dann verkündete Rogue stolz:
„Dann bin ich fertig.“
Ich ging zum Spiegel, um mir das Ergebnis anzusehen. Ich drehte den Kopf hin und her und musste zugeben, dass Rogue sich wirklich selbst übertroffen hatte. Der zweite Schritt zu einem neuen Leben. Wie sollte der dritte aussehen? Kurz entschlossen ging ich zurück zu Rogue.
„Danke, es sieht toll aus.“, bedankte ich mich bei meinem neuen Freund, „Darf ich doch um noch was bitten? Könntest du mir vielleicht ein paar Klamotten leihen?“
Auch diesen ungewöhnlichen Wunsch kommentierte Rogue nicht weiter, sondern nickte nur und kramte in seinem Koffer. Ich musterte mich ein letztes Mal im Spiegel und nickte mir entschlossen zu. Mit dem langen Haaren war ein großes Stück von meinem alten Ich verschwunden, mit den Klamotten würde der Rest gehen. Für heute würden es die geliehenen Sachen von Rogue tun, aber morgen könnte ich einkaufen gehen und mir einen ganz neuen Stil zulegen.
„Hier, die passen vielleicht.“
„Danke.“, sagte ich und nahm ihm den Stapel Kleidung aus den Armen.
Es waren nur schwarze Sachen, scheinbar trug Rogue keine anderen Farben. Im Badezimmer musterte ich die einzelnen Teile, dann entledigte ich mich meiner alten Sachen und schlüpfte schnell in die neuen. Sie passten erstaunlich gut, das hätte ich nicht gedacht. Ich musterte mich kritisch im Spiegel. Rogue hatte mir ein einfaches, schwarzes Tshirt gegeben und eine schwarze Hose, die ein paar Risse hatte und mit ein paar Nieten und Ketten verziert hatte. Meine weißen Stiefel hätten überhaupt nicht mehr dazu gepasst, aber Rogue hatte mir sogar ein paar schlichte, schwarze Turnschuhe dazugelegt. Die waren ein bisschen groß, aber es würde schon gehen.
Erstaunt musterte ich mich im Spiegel, erst die neue Frisur und jetzt die schwarzen Sachen, ich war nicht wiederzuerkennen. Ob es Laxus wohl gefall- Nein, nicht an ihn denken! Ich ermahnte mich selbst und schüttelte den Kopf. Viel wichtiger war doch, ob es mir gefiel. Und ich musste zugeben, ja, das tat es. Vielleicht könnte mein neuer Stil ein klein wenig mehr sein als nur Hose und Tshirt, aber das Schwarz gefiel mir wirklich gut. Mal sehen, wa sich morgen so finden könnte. Ich nahm meine alten Sachen und ging zurück zu Rogue. Frosch war inzwischen aufgewacht und die beiden saßen auf dem Boden und spielten ein Spiel. Der Schattendrache hob den Kopf, als er mich hörte und musterte mich kurz. Dann lächelte er mir kurz zu, ehe er sich wieder auf das Spiel konzentrierte. Ich musste ebenfalls lächeln, dann legte ich die Klamotten zur Seite und ließ mich neben den beiden nieder.
„Darf ich mitspielen?“, fragte ich und Frosch stimmte sofort begeistert zu.
Im Nu vertieften wir uns zu dritt in das Spiel und tatsächlich gelang es mir, den ganzen Abend nicht mehr an Laxus zu denken.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast