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Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
05.07.2020 1.374
 
Freed

Als ich mir sicher war, dass ich weit genug von den beiden entfernt war, fing ich an leise nach dem grünen Exceed zu rufen. Aber das Schiff war groß und ich hatte keine Ahnung, wohin der Kleine gegangen sein könnte. Ob ich vielleicht die anderen Passagiere fragen sollte, ob sie Frosch gesehen hatten? Das wäre sicherlich das Beste. Eine grüne Katze in einem rosa Froschlostüm musste doch Jemandem aufgefallen sein. Kurzerhand näherte ich mich dem nächstbesten Passagier, einem kleinen Mann mit orangenen Haaren, der einen weißen Anzug trug.
„Entschuldigen Sie bitte, falls ich störe. Aber haben Sie vielleicht eine kleine grüne Katze in einem rosa Froschkostüm gesehen?“, fragte ich höflich.
Der Mann wandte sich von der Reling ab und drehte sich zu mir um.
„Eine Katze in einem Froschkostüm, men? Was ist das für ein Parfum?“, fragte er und nahm eine seltsame Pose ein. Seltsamerweise schien die Luft um ihn herum zu funkeln und zu glitzern.
„Äh, ja, eine grüne Katze in einem rosa Anzug.“, wiederholte ich etwas irritiert, als der kleine Mann noch mehr seltsame Posen machte und dabei immer wieder „Men!“, sagte, „Sie ist verloren gegangen und ich suche sie.“
„Men! Das Parfum der Kameradschaft! Wundervoll!“, machte der Mann und mir wurde es langsam etwas unheimlich. Was war denn mit dem los?
„Mein Parfum sagt mir, das ich diese Katze gesehen habe! Men!“, verkündete der seltsame Kerl da.
„Wirklich?“, fuhr ich auf, „Wo? Und wohin ist sie gegangen?“
„Men! Sie ist in eines der Rettungsboote geklettert.“, erzählte er und nahm schon wieder eine komische Pose ein, „Dort solltest du sie finden. Men!“
„Danke, haben Sie vielen Dank.“, ich verbeugte mich zum Dank und wollte schon loseilen, als er mich zurückhielt.
„Men! Wie ist dein Name, junger Mann?“
„Ich bin Freed Justine von Fair... Ich meine, Freed. Ich bin Freed.“
„Sehr erfreut, men! Ich bin...“, er drehte eine Pirouette, „Ichiya von Blue Pegasus!“, rief er dann ganz laut und es funkelte und glitzerte noch stärker um ihn herum.
„Ja... Sehr erfreut.“, sagte ich und ging schnell weg, bevor er noch mehr seltsamer Sachen machen konnte.

Die Rettungsboote waren an der Seite des Schiffs angebracht und leicht zu finden.
„Frosch?“, rief ich suchend, „Frosch, bist du hier?“
Aber niemand antwortete mir und ich konnte den kleinen Exceed auch nirgends entdecken. Suchend sah ich mich um, als ich plötzlich bemerkte, dass das letzte Rettungsboot fehlte! Ich rannte los und stürzte an die Reling. Oh nein! Ein ganzes Stück entfernt vom Schiff trieb das fehlende Rettungsboot im Wasser, und darin konnte ich eine kleine rosane Gestalt sehen!
„Frosch!“, schrie ich erschrocken.
Wie war das nur passiert?! Warum hatte sich das Boot gelöst, die sollten doch gesichert sein! Aber für solche Fragen blieb keine Zeit, denn das kleine Boot trieb immer weiter und weiter weg von der Fähre. Wenn ich mich nicht beeilte, würde es bald verschwunden sein und Frosch mit ihm.
„Dark Ecriture: Flügel!“, wollte ich rufen, doch siedendheiß fiel mir ein, dass ich ja meinen Degen für die Reise im Gepäck verstaut hatte. Oh nein, wie hatte ich nur so dumm sein können?! Ohne meinen Degen konnte ich kein Dark Ecriture nutzen, nur meine Runenmagie. Aber das Boot war zu weit weg, auf diese Entfernung konnte ich keine Runen darauf schreiben!
„Kann ich dir helfen?“, fragte da jemand neben mir.
Überrascht drehte ich mich um und sah einen jungen Mann mit gebräunter Haut und dunklen Haaren neben mir stehen.
„Eins der Rettungsboote hat sich gelöst und treibt jetzt davon, aber die Katze eines Freundes sitzt noch darin!“, erklärte ich schnell.
„Dann helfe ich dir natürlich.“, nickte der junge Mann im Anzug und hob die Hand.
„Luftmagie: Levitation!“, rief er und ein magischer Zirkel bildete sich vor ihm.
Im nächsten Moment spürte ich, wie meine Füße den Boden verließen und ich in die Luft gehoben wurde. Mein Helfer und ich schwebten in einer Sphäre aus Luft, die er jetzt rasch vom Schiff weglenkte und hin zu dem Rettungsboot.
„Beeindruckend.“, staunte ich, „Du bist also Luftmagier?“
„Ja.“, nickte er, „Ich bin Ren von Blue Pegasus.“
Blue Pegasus? Er gehörte also zu derselben Gilde wie dieser komische Kerl, der dauernd Parfum und men sagte. Aber egal, gerade gab es Wichtigeres zu tun.
Denn inzwischen hatten wir das Boot fast erreicht und was ich sah, jagte mir erneut einen Schrecken ein. Denn das kleine Boot tanzte wild auf den Wellen hin und her und Frosch taumelte hilflos darin herum.
„Frosch, halt still, sonst fällst du raus!“, rief ich besorgt, aber der Exceed hörte mich nicht.
Kurzentschlossen hob ich die Hand und schrieb ein paar Runen in die Luft. Wie ich es wollte legten sie sich augenblicklich auf das Wasser rings um das Boot und ein Bannkreis leuchtete auf. Zeitgleich erstarrten Frosch, das Boot und sogar das Wasser innerhalb meiner Runen.
„Was?“, rief Ren, „Was ist denn da plötzlich passiert?“
„Ich habe einen Bannkreis aus Runen auf das Wasser geschrieben.“, erklärte ich ihm, „Alles, was sich innerhalb der Runen befindet, erstarrt und kann sich nicht mehr bewegen.“
„Wow.“, beeindruckt sah Ren mich an, „Du bist also auch ein Magier. Aber wie kriegen wir das Boot jetzt zurück zum Schiff?“
„Kannst du es mit deiner Luftmagie hochheben?“, fragte ich.
„Ja, aber geht das denn trotz der Runen? Es kann sich doch nicht bewegen.“
„Achso, nein, keine Sorge.“, ich schüttelte den Kopf, „Ich habe die Runen so geschrieben, dass Magie von außen nicht betroffen ist. Du kannst es einfach hochheben.“
Das tat Ren dann auch und im Nu waren wir wieder auf dem Schiff. Ich hatte zusätzlich noch einige Runen auf den Rand des Beibootes geschrieben, damit Frosch auch während des Fluges nicht rausfiel. Doch als wir jetzt gelandet waren und Ren mir mit seiner Magie Frosch in die Arme fliegen ließ, löste ich schnell die Runenmagie auf.
„Freed?“, der Kleine sah mich mit großen Augen an, „Was war das?“
„Ich habe einige Runen auf dich gelegt, damit du nicht aus dem Boot fällst.“, erklärte ich dem verwirrten Exceed.
Der sah mich nur mit großen Augen an. Anscheinend hatte er keine Ahnung, in was für einer Gefahr er gewesen war.
„Nicht so wichtig.“, sagte ich deshalb und lächelte, „Am besten vergessen wir das einfach und erzählen auch Rogue und Sting nichts davon, okay?“
Kurz überlegte der Kleine, dann lachte er und hob eine Pfote.
„Frosch denkt das auch!“
Erleichtert lachte ich auch und drehte mich um, um mich bei Ren zu bedanken. Doch der war nirgends zu sehen. Hatte er sich einfach in Luft aufgelöst? Ich zuckte mit den Schultern. Er war immerhin aus derselben Gilde wie dieser komische Ichiya, da wunderte es mich nicht. Egal, ich musste Frosch jetzt schnell zurück zu Rogue bringen, bevor der etwas bemerkte.

Mit Frosch auf dem Arm ging ich zurück zu den beiden Dragonslayern. Sie standen immer noch an der Reling, aber der Dunkelhaarige wirkte ziemlich aufgebracht. Oh nein, ob er doch etwas gemerkt hatte?
„Ich in wieder da.“, sagte ich zögernd und sah zwischen Sting und Rogue hin und her.
Beide drehten sich zu mir um, auch wenn Sting mir nur eine Gesichtshälfte zuwandte.
„Frosch!“, rief Rogue und riss mir den Exceed förmlich aus den Armen. Weinte der etwa?
„Gott sei Dank, du hast ihn gefunden!“, schluchzte er tatsächlich, nur um eine Sekunde später total wütend auszusehen, „Ich werde ihn den Rest der Reise nicht mehr aus dem Augen lassen, verstanden, Sting?!“, fauchte er seinen besten Freund an, der nur stumm nickte und immer noch eine Hälfte seines Gesichts abwandte.
Ich ließ den Schattendrachen mit seinem Exceed stehen und gesellte mich zu Sting.
„Rogue hat es also gemerkt?“, fragte ich neugierig.
Sting drehte sich nun ganz zu mir und überrascht sah ich, dass ein roter Handabdruck auf seiner linken Wange prangte.
„Ich hab mich versprochen.“, seufzte er, „Rogue ist fast ausgerastet vor Sorge. Außerdem war er ziemlich wütend, dass ich Frosch aus den Augen verloren habe...“, er rieb sich die Wange.
Ich musste mir krampfhaft ein Schmunzeln verkneifen. Rogue hatte Sting also geschlagen. Das hätte ich dem sonst so ruhigen und besonnenen Magier gar nicht zugetraut, aber wenn es um seinen Exceed ging verstand er wohl überhaupt keinen Spaß. Inzwischen schien er sich aber beruhigt zu haben und so standen wir nun alle drei da und sahen wieder hinaus auf das Wasser.
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