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Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.06.2020 1.336
 
Freed

„Frosch sieht ein Schiff“, sagte Frosch aus heiteren Himmel.
Tatsächlich lief gerade ein Schiff im Pier ein.
„Fahrt zur Insel Stella. Passagiere, begeben Sie sich jetzt bitte auf das Schiff. Vielen Dank.“, ertönte eine automatische Durchsage.
„Los Freed, aufstehen.“, befahl Sting in einen gespielt strengen Ton.
Ich nickte und hiefte mich hoch. Zusammen gingen wir auf das Schiff, wo wir am Aufgang unsere Tickets vorzeigten.
„Ich wünsche euch eine angenehme Fahrt“, sagte die Frau, die unsere Tickets kontrollierte, freundlich und wir nickten.
Ich ging zum Bug und guckte vom Geländer aus auf das Meer. Als sich das Schiff anfing zu bewegen sah ich nochmal auf den Pier und den Bahnhof.
Ich wäre ja gerne in Fairy Tail geblieben, aber es geht einfach nicht... Ich schaffe es einfach nicht, Tag für Tag an der Seite von Laxus zu sein, wenn er doch jemanden Anderen liebt...
Ich schloss für einen Moment die Augen, dann sah ich nach vorne. Meine grüne Haare flogen im Wind hin und her und wehten mir ins Gesicht. Manchmal waren sie schon unpraktisch. Ich hob eine Hand um sie mir aus dem Gesicht zu streichen, doch dabei berührte ich die kleinen Blitze, die mir wie kleine Antennen vom Kopf abstanden. Ein Tribut an Laxus, ein Ausdruck meiner Bewunderung und meiner heimlichen Liebe. Sofort waren meine Gedanken wieder bei dem blonden Magier und diesem verhängnisvollen Kuss, den ich besser nie gesehen hätte. Tränen stiegen mir in die Augen, doch ich blinzelte sie weg. Nein, das ging so nicht. Ich brauchte definitiv eine neue Frisur! Ob ich sie mir kurz schneiden sollte? Nicht extrem kurz, vielleicht so wie die von Rogue, oder ein kleines bisschen kürzer.
„Hey Freed, worüber denkst du nach?“, fragte plötzlich jemand neben mir.
Ich zuckte zusammen und sah zur Seite. Wenn man vom Teufel spricht, oder in diesem Fall an ihn denkt...
„Ach Rogue, du bist es. Ich hab dich gar nicht kommen hören.“
„Ja, es wirkte als seist du tief in Gedanken.“, antwortete der Schwarzhaarige, „Also, was ist los? Bedrückt dich etwas?“
„Ach weißt du.“, wich ich der Frage aus, „Ich habe darüber nachgedacht, meine Haare abzuschneiden.“
„Warum denn das?“, wollte Rogue leicht überrascht wissen.
„Ich will ein neues Leben beginnen.“, erklärte ich, ehe ich seufzte, „Und außerdem erinnern mich die langen Haare nur an den Grund, warum ich aus Fiore weggegangen bin.“, fügte ich der Ehrlichkeit halber so ruhig wie möglich hinzu.
„Ich verstehe.“, sagte Rogue und zögerte kurz, „Darf ich fragen, was dieser Grund ist?“
„Eigentlich möchte ich nicht darüber reden...“, ich zögerte ebenfalls, aber ich wollte nicht, dass er dachte ich hätte Geheimnisse vor ihm, „Es hat... Mit einer Person zu tun.“
Rogue nickte verstehend und eine kurze Zeit herrschte Stille zwischen uns, in der nur das Rauschen der Wellen und das Kreischen der Möwen zu hören war.
„War es ein Streit?“, fragte Rogue da in behutsamem Tonfall, „Eine Liebesangelegenheit? Oder hat dir jemand was angetan?“
Ich war gerührt über die Sorge in seiner Stimme.
„Ich wurde nicht angegriffen, wenn du das meinst.“, beruhigte ich ihn, „Mir wurde nur das Herz gebrochen...“, ich seufzte und mit einem Mal sprudelte es aus mir heraus:
„Er liebt mich nicht. Ich hab mich nie getraut, es ihm zu sagen, und dann habe ich gesehen, wie er mit jemand anderem... Über einen Streit wäre ich hinweggekommen, aber ich verkrafte es einfach nicht, Tag für Tag in seiner Nähe zu sein, in dem Wissen, dass ich nur ein Freund für ihn bin und nie mehr sein werde.“
Ich krallte mich an das Geländer und versuchte, den schrecklichen Schmerz in meiner Brust zu ignorieren und nicht vor Rogue in Tränen auszubrechen. Ich schaffte es fast. Nur eine einsame Träne löste sich aus meinem Augenwinkel, doch sie wurde sofort vom Wind davongeweht. Eine Weile lang standen wir so da, als ich plötzlich eine Hand auf meiner Schulter spürte.
„Weißt du Freed, du bist wirklich ein netter Mensch.“, sagte Rogue leise, „Was auch immer dieser Typ gemacht hat, er muss wirklich verrückt sein. So jemand verdient deine Liebe gar nicht.“
Ich drehte den Kopf und sah ihn an, sein Blick war ernst und voller Verständnis.
„Danke.“, lächelte ich, ich fühlte mich tatsächlich etwas getröstet.
„Du und Sting, steht ihr euch auch nahe?“, fragte ich dann, zum einen, um ein anderes Gesprächsthema anzufangen, aber zum anderen, weil ich neugierig war.
„Nicht auf diese Art.“, verneinte Rogue, „Wir kennen uns schon ewig. Und obwohl wir so gegensätzlich sind, sind wir beste Freunde. Fast schon wie Brüder. Und auch wenn wir uns häufig streiten, kriegen wir uns immer schnell wieder ein und lachen dann darüber, das wir gestritten haben...“, erzählte er und ich nickte.
„Das klingt ein wenig nach meiner alten Gilde.“, seufzte ich wehmütig, „Wir waren auch mehr eine Familie als nur eine Gilde. Meine Teamkameraden standen mir näher als sonst jemand. Natürlich ist es immer noch so, nur...“, ich stoppte und sah bedrückt zu Boden.
Wie hatten Ever und Bixlow wohl auf mein Verschwinden reagiert? Ich hatte Laxus zwar eine Botschaft dagelassen, aber an meine beiden besten Freunde hatte ich bei meinem überstürzten Aufbruch gar nicht mehr gedacht. Bestimmt waren sie tief verletzt, dass ich sie einfach so im Stich ließ, ohne einen Ton zu sagen. Verdammt, was hatte ich nur angerichtet? Ich hatte doch nur von Laxus weggewollt, nicht meinen Freunden wehtun...
„Nur was?“, fragte Rogue, der meinen Stimmungswechsel bemerkt hatte.
Ich schüttelte den Kopf, darüber wollte ich jetzt nicht sprechen. Zum Glück kam genau in diesem Moment Sting zu uns an die Reling.
„Na ihr zwei, ihr scheint euch ja gut zu verstehen.“, grinste er gut gelaunt, „Da haben wir ja echt Glück, dass wir einen so guten, neuen Kameraden kennengelernt haben.“
„Als wäre es Schicksal gewesen...“, murmelte ich abwesend, „Und in der Hand des Schicksals liegt auch, wie lange diese Kameradschaft währen wird.“
Das brachte beide zum Lachen.
„Da hat wohl jemand ein Posiebuch gegessen?“, grinste der Blonde.
„Ich? Nein.“, anwortete ich verwirrt und tauchte aus meinen Gedanken auf.
„Oder bist du der Dragonslayer der Posie?“, fragte Rogue schmunzelnd.
„Nicht das ich wüsste.“, verwundert sah ich zu Rogue, hatte er gerade wirklich einen Scherz gemacht?
Offensichtlich, Sting lag zumindest schon vor Lachen auf dem Boden, was ihm ein paar skeptische Blicke der anderen Passagiere einbrachte. Rogue sah meinen überraschten Blick, zuckte nur kurz mit den Schultern und wandte sich dann wieder der Aussicht zu. Jetzt schmunzelte ich auch. In den beiden steckte wohl mehr, als man auf den ersten Blick erahnen konnte. Es würde wohl noch eine sehr interessante Fahrt werden.
Sting hatte sich inzwischen beruhigt und ich reichte ihm eine Hand zum Aufstehen. Er ließ sich hochziehen, doch da bemerkte ich, dass Rogue inzwischen allein an der Reling stand.
„He, wo ist denn Fro..?“, wollte ich fragen, doch mitten im Wort presste Sting mir plötzlich eine Hand auf den Mund.
„Shhh!“, machte er panisch und verwundert sah ich, dass sein Gesicht ganz blass geworden war, „Bitte, du musst ganz leise sein!“, flehte er.
Ich nickte und er nahm seine Hand weg.
„Rogue ist Frosch gegenüber ziemlich überbesorgt.“, erklärte Sting mir flüsternd und mit ordentlich Panik in der Stimme, „Wenn er mitbekommt, dass Frosch weg ist, nimmt er das ganze Schiff auseinander, mindestens!“
Erschrocken sah ich ihn an, doch er schien es wirklich ernst zu meinen.
„Frosch wird nicht weit sein, er ist sehr neugierig, bestimmt hat er nur was Spannendes gesehen.“, wisperte Sting, „Könntest du ihn bitte, bitte schnell suchen? Ich lenke Rogue ab, damit er nichts merkt, oder halte ihn davon ab, alles zu zerstören, wenn er es doch merkt, okay?“
Ich war noch immer etwas verwundert von seiner heftigen Reaktion, nickte aber schnell. Wenn Rogue wirklich so überbesorgt war, dann wollte ich es nicht darauf ankommen lassen. Ich wusste aus Fairy Tail nur zu gut, was ein aufgebrachter Dragonslayer anrichten konnte. Mitten im Meer auf einem Schiff wollte ich das nicht erleben.
„Ich geh mal eben nach meinem Gepäck sehen.“, verkündete ich eine Ausrede und machte mich dann so schnell es ging auf den Weg.
Wo bist du, Frosch?
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