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Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
02.10.2020 887
 
Freed

Die Zeit verging schneller als gedacht und heute was tatsächlich schon der Tag der Abfahrt. Ich war relativ nervös, schließlich würde ich einer ganz neuen und unbekannten Gilde beitreten... Saberthoot. Wie diese Gilde wohl sein würde? Sting hatte mir zwar schon einiges erzählt, zum Beispiel, dass es recht schroff zugeht und dass sie nicht viel Wert auf Teamgeist legen dort, aber andererseits waren er und Rogue ja beinahe unzertrennlich. Vielleicht würde sich das mit der Zeit auch ändern, gemeinsam konnte man schließlich viel mehr Probleme lösen als einzeln.
Diese Mal mussten wir nicht lange auf die Fähre warten, dafür war das Wetter nicht das beste. Es regnete und war allgemein ganz trüb und grau. Fast reflexartig gingen meine Gedanken zu Juvia, aber ich drängte sie energisch beseite, ehe sich mich von meiner ehemaligen Gildenkameradin zu Laxus führen konnten.
Die anderen Passagiere hatten sich alle ins Innere des Schiffs begeben um Regen und Wind zu entkommen, das Deck war also menschenleer.
Ich stand alleine an der Reling und sah nachdenklich in die Ferne. Was mich wohl erwarten würde? Würde ich mich gut mit den anderen Gildenmitgliedern verstehen? Würden sie mich anerkennen? Und wie hatten Ever und Bixlow wohl auf meinen Brief reagiert? Ob sie sauer sind? Wie es ihnen wohl geht? Und ob Laxus...
Ich schluckte und versuchte nicht an den Blonden zu denken, aber zu spät. Laxus... Seinetwegen habe ich Fairy Tail verlassen. Nein, ich schüttelte den Kopf, es war nicht seine Schuld. Schließlich wusste er gar nichts von meinen Gefühlen. Ich allein hatte entschieden, die Gilde zu verlassen. Meine Gefühle für Laxus waren der Auslöser, aber ihn selbst traf keine Schuld. Er hatte ja nichts Falsches getan.
Mit der Faust schlug ich auf die Reling, verdammt, warum musste ich ausgerechnet jetzt an ihn denken?! Allein, vom Regen durchnässt und nervös wegen der neuen Gilde, natürlich drehten sich meine Gedanken sofort wieder um den blonden Dragonslayer, den ich doch eigentlich vergessen wollte. Das Unwetter und die Tatsache, dass ich ihn einfach nicht aus meinem Kopf bekam, trugen nicht dazu bei meine Laune zu heben.
„Hey Freed, was ist los? Du siehst aufgewühlt aus.“
Mit leisen Schritten war Rogue neben mich getreten und sah mich besorgt an. In der Zeit auf Stella sind wir wirklich gute Freunde geworden und ich vertraute ihm.
„Ich... Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll.“, seufzte ich, „Es ist so, in meiner alten Gilde gab es einen ganz besonderen Magier. Wir waren wirklich gute Freunde und ich habe ihn immer bewundert. Er ist... Einfach unglaublich. Einzigartig.“, ich stützte die Unterarme auf die Reling und sah hinaus auf das unruhige Wasser, „Irgendwann wurde aus meiner Bewunderung mehr. Natürlich hoffte ich, dass auch er vielleicht mehr empfinden könnte. Ich blieb immer an seiner Seite, versuchte ihm alles Recht zu machen und immer für ihn da zu sein, in der Hoffnung, dass er eines Tages merken würde, was ich für ihn empfand... Aber eines Abends sah ich zufällig, wie er jemand Anderen küsste. Unsere gemeinsame beste Freundin.“, ich seufzte erneut, es tat immer noch weh daran zu denken.
„Am Tag darauf habe ich die Gilde verlassen. Am liebsten möchte ich ihn nur vergessen, aber meine Gedanken wandern ständig wieder zu ihm hin...“, beendete ich meine Erzählung.
Rogue schwieg. War es vielleicht doch keine gute Idee, es ihm zu erzählen? Nicht umsonst hatte ich es bis jetzt für mich behalten und eigentlich auch nur erzählt, weil ich wirklich deprimiert war und etwas Trost gebrauchen konnte.
„Freed.“, begann Rogue nach einer Weile, „Wenn du ihn wirklich vergessen willst, dann wird dir das eines Tages gelingen.“, sagte er mitfühlend, „Es wird vielleicht lange dauern, denn solche Wunden heilen nur schlecht, aber wenn du es wirklich willst, dann wirst du ihn eines Tages hinter dir lassen können. Davon bin ich überzeugt.“
Seine Worten trösteten mich tatsächlich und ich lächelte ihn dankbar an.
„Eines Tages wird er dann nur noch ein alter Freund für dich sein.“, fuhr Rogue fort, „Und du wirst ihm ohne Schmerz oder Kummer gegenübertreten können. Aber bis es soweit ist, schau nach vorne. Fokussiere dich auf das, was kommt, und schau nicht zurück.“, riet er mir und ich nickte entschlossen.
Genau das würde ich tun. In Rogue hatte ich wirklich einen guten Freund gefunden.
„Wäre ich an deiner Stelle gewesen, hätte ich mich vermutlich genauso entschieden.“, fügte er noch leise hinzu, „Es ist nicht leicht, mit so einem Schmerz zu leben.“
„Nein.“, stimmte ich ihm zu, „Aber ich werde es schaffen. Ich werde nach vorn sehen und nicht mehr an die Vergangenheit denken. Fairy Tail wird immer einen Platz in meinem Herzen einnehmen, aber meine Zukunft gehört Saberthoot.“
Rogue grinste mich schief an und klopfte mir auf die Schulter.
„Ich bin sicher, dass du es schaffen wirst.“
„Klar doch!“, klang es von hinten, „Zusammen schaffen wir alles! Worum geht’s?“
Sting kam mit den beiden Exceeds zu uns herüber geschlendert.
„Um die Zukunft.“, antwortete ich ihm mit einem Lächeln.
„Die wird super! Du wirst schon sehen!“, meinte Sting und legte mir kumpelhaft einen Arm um die Schultern, „Zu dritt werden wir Saberthoot an die Spitze bringen!“
Ich nickte entschlossen und zusammen sahen wir auf das Meer, wo wir in der Ferne die Sonne erblicken konnten, wie sie sich zwischen den dunklen Wolken hervorkämpfte, als wolle sie uns den Weg in mein neues Zuhause weißen...
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