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Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.09.2020 1.077
 
Bei Fairy Tail

Es war gerade relativ ruhig in der Gilde. Schließlich waren die drei größten Störenfriede Natsu, Gray und Gajeel auf Aufträgen. Die Ruhe war allerdings nicht von langer Dauer, denn just in diesem Moment stieß Natsu lautstark die Gildentür auf und rief:
„Wir sind wieder da!“
Hinter ihm folgte deutlich weniger laut sein Team. Freudig wurden sie von ihren Gildenkameraden begrüßt, allen voran natürlich Juvia, die ihren geliebten Gray natürlich vermisst hatte. Allerdings kam es, wie es kommen musste, und nur wenige Minuten nach ihrer Ankunft schlugen sich Natsu und Gray, wobei sie weitere Gildenmitglieder in die Prügelei mit hereinzogen und mal wieder die Einrichtung zerstörten.
„Ist es nicht schön, dass sie so lebhaft sind?“, lächelte Mira.
Der Master, der neben ihr auf dem Tresen saß, schüttelte entsetzt den Kopf, als er sich ausmalte, was ihn das wieder kosten würde.
„Woher soll die Gilde nur so viel Geld nehmen?“, jammerte er, „Ständig machen sie alles kaputt! Ich kriege ganze Säcke voller Beschwerdebriefe!“, er zog einen dieser Säcke hinter dem Tresen hervor und kippte ihn aus, so dass die Briefe munter durch die Luft flatterten, „Die Gören bringen mich noch ins Grab!“, völlig erledigt raufte er sich die Haare.
„Ähm, Master, das hier ist kein Beschwerdebrief.“, Mira hatte einen der Briefe aufgehoben und musterte ihn erfreut, „Der hier ist von Freed.“
„Was?“, überrascht sah Makarov auf, dann schnappte er sich den Brief und öffnete ihn eifrig:

Hallo Master Makarov,

ich wollte Ihnen sagen, dass ich bald wieder von Stella abreisen werde. Ich hatte hier eine wirklich schöne Zeit mit meinen neuen Freunden, es hat mir sehr gut getan und ich konnte auch in Ruhe nachdenken. Eines muss ich Ihnen jedoch leider mitteilen: Und zwar werde ich nicht zu Fairy Tail zurückkehren. Ich liebe die Gilde von ganzem Herzen, aber ich könnte es momentan nicht ertragen, ein Teil davon zu sein. Ich weiß nicht, ob ich es je wieder können werde. Es tut einfach zu weh. Ich weiß, ich habe nie verraten, warum ich gegangen bin, und ich möchte es auch jetzt nicht preisgeben. Eines verspreche ich aber, sollte ich meinen Schmerz je überwinden können, werde ich wiederkommen. Vielleicht nicht als Mitglied, aber ich will auf jeden Fall alle wiedersehen eines Tages. Bis dahin suchen Sie bitte nicht nach mir und machen Sie sich auch keine Sorgen. Ich habe eine neue Gilde gefunden, der ich beitreten werde. Sie ist noch relativ klein und ganz neu, ich werde mein Bestes geben, um sie zusammen mit meinen neuen Gildenkameraden bis an die Spitze zu bringen. Ich wünsche Ihnen und Fairy Tail alles Gute. Bitte grüßen Sie die anderen von mir.

Freed

Makarov schluckte und starrte teils entsetzt, teils resigniert auf das beschriebene Papier. Er hatte geahnt, dass Freeds Schmerz tief ging, aber das er Fairy Tail tatsächlich dauerhaft den Rücken zukehren wollte? Was war bloß vorgefallen?!
„Master?“, fragte Mirajane vorsichtig, „Ist alles in Ordnung?“
Bedrückt senkte Makarov den Kopf.
„Nein.“, murmelte er leise, dann stand er auf und pfiff einmal gellend.
Sofort verstummte der Lärm in der Gildenhalle und alle sahen zu ihm hin, bis auf Natsu und Gray, die sich immer noch prügelten. Erza brauchte jedoch nur einen einzigen Schlag, um auch die Aufmerksamkeit dieser beiden Chaoten auf den Meister zu lenken.
„Hört mal alle her, ihr Gören!“, rief Makarov, „Freed hat geschrieben!“
Sofort erklang Jubel.
„Na endlich, kommt er jetzt zurück?“, rief Jemand.
„Wurde aber auch Zeit, er war ja lang genug weg!“, sagte jemand anderes.
„RUHE!“, donnerte Makarov und das erfreute Jubeln verstummte, „Er kommt nicht wieder! Im Gegenteil! Er ist einer neuen Gilde beigetreten.“
Statt des Jubels hörte man jetzt entsetzte und ungläubige Zwischenrufe.
„Aber das würde er doch nie tun!“
„Freed ist doch ein Teil von Fairy Tail!“
Alle Magier machten ihrer Verwirrung und ihrer Traurigkeit lautstark Luft, nur einer nicht. Laxus saß wie versteinert da, kein Muskel zuckte in seinem Gesicht, während seine Augen scheinbar ausdruckslos auf seinem Großvater lagen. In seinem Inneren jedoch tobte ein Sturm. All seine Gedanken kreisten um seinen grünhaarigen Freund. Sorge, Angst, Unverständnis, und vor allem die Frage: Wieso? Wieso tat Freed das? Was um alles in der Welt hatte ihn nur dazu getrieben? Das ergab doch alles keinen Sinn!
„Ich weiß nicht, was Freed zu diesem Schritt bewogen hat.“, ergriff der Meister da wieder das Wort, „Aber er scheint es sich sehr genau überlegt zu haben. Er bittet uns, ihn nicht zu suchen, bis er dazu bereit ist, wieder Kontakt aufzunehmen.“, empörte Zwischenrufe erfolgten, aber der kleine Mann ignorierte sie, „Wir werden den Wunsch unseres Familienmitglieds respektieren!“, befahl er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete, „Wir werden ihm den Raum geben, den er braucht, und wir werden daran glauben, dass er seinen Weg findet!“
Laxus wandte sich ab und stand auf. Ohne ein Wort zu sagen oder einen Blick zurück verließ er die Gilde. Inzwischen war ihm das endlich wieder möglich, nachdem Levy mit Freeds Hilfe den letzten Bannkreis aufgehoben hatte.
Ziellos stapfte er durch die Straßen Magnolias, die Kopfhörer über den Ohren und die Hände tief in den Taschen vergraben. Er begriff nicht, warum Freed das getan hatte, und egal wie lange er darüber nachdachte, ihm fiel einfach kein Grund ein. Wieso ließ er ihn im Stich? Was war nur geschehen? Und wie konnte er ihn zurückbringen? Denn eines war sicher, er würde keine Ruhe finden, ehe er wusste, was Freed zu all dem gebracht hatte. Außerdem vermisste er den Runenmagier, der bis vor kurzer Zeit immer an seiner Seite gewesen war.

In der Gilde hatte sich die Stimmung inzwischen etwas beruhigt. Der Master saß wieder auf der Theke und trank sein Bier, der Brief lag neben ihm, aufgefaltet auf dem Umschlag. Mirajane warf einen Blick darauf und stutzte, als sie sah, dass in dem Umschlag noch etwas drin war. Neugierig griff sie danach und zog tatsächlich ein Foto daraus hervor.
„Master, sehen Sie.“, sie hielt ihm das Bild hin.
Es zeigte Freed mit zwei anderen Jungen und zwei Exceed, die gemeinsam an einem Strand standen und in die Kamera lächelten. Freed war kaum wiederzuerkennen, seine Haare waren kurzgeschnitten und seine Kleidung war komplett schwarz. Aber er lächelte zufrieden und schien entspannt und glücklich zu sein.
„Es scheint ihm gut zu gehen mit seiner Entscheidung.“, lächelte Mira froh.
Der Master nickte. Das stimmte, und das war schließlich das Wichtigste. Nichts anderes wollte er für seine Gören, und auch all seine Freunde und natürlich auch Laxus wünschten sich das für Freed. Er sollte glücklich sein.
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