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Suche nicht nach mir

von CrazyKid
GeschichteAbenteuer, Schmerz/Trost / P12
Fried Justine
10.06.2020
02.10.2020
15
13.164
3
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.08.2020 996
 
Freed

Nach dem Essen verabschiedete ich mich von den Blue Pegasus Magiern. Sie waren zwar durchaus nette Gesellschaft, aber auf Dauer doch etwas anstregend. Jetzt, nur begleitet von Frosch, konnte ich mich in Ruhe auf Stella umsehen. Die Insel war wirklich wunderschön. Am Ende unseres Rundgangs standen wir an einem Zaun, der die Straße vom Strand trennte und sahen hinaus auf das strahlend blaue Meer, in welchem sich die Sonnenstrahlen spiegelten. Frosch war müde geworden und schlief in meinen Armen.
„Da bist du ja, Freed!“, hörte ich plötzlich Jemanden rufen.
Ich drehte mich um und sah Sting, wie er auf uns zukam. Anscheinend hatte er sich endlich aufgerappelt das Hotel zu verlassen.
„Ich hab dich gesucht.“, verkündete er, als er mich erreicht hatte.
Überrascht sah ich ihn an.
„Wieso, was gibt’s?“, wollte ich wissen.
Er stellte sich neben mich und sah ebenfalls hinaus auf's Meer, ehe er zu reden begann.
„Ich weiß, du willst bestimmt nicht darüber reden... Aber kannst du mir vielleicht doch sagen, warum genau du aus deiner alten Gilde ausgetreten bist?“, er kratzte sich verlegen am Kopf.
Etwas überrumpelt sah ich ihn an, mit dieser Frage hatte ich nicht gerechnet. Er hatte recht, ich wollte nicht darüber reden. Einerseits schmerzte es zu sehr, daran zu denken, andererseits war es mir auch etwas peinlich... Ich seufzte. Aber ich konnte es ja nicht ewig verschweigen. Und mit Sting und Rogue verstand ich mich wirklich gut, ich wollte nicht, dass sie sich am Ende noch unnötig Sorgen machten deswegen. Rogue hatte ich es ja auch bereits erzählt und Sting würde es bestimmt auch nicht weitererzählen.
„Es gab in meiner Gilde einen ganz besonderen Magier...“, fing ich zögernd an, „Wir waren gute Freunde. Eigentlich war es sogar mehr als das, ich war der Anführer seiner persönlichen Leibgarde. Nicht, dass er eine gebraucht hätte... Er ist so unglaublich stark und eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich habe ihn immer bewundert. Und irgendwann wurde aus der Bewunderung mehr.“, ich seufzte tief, „Ich hatte mich in ihn verliebt. Natürlich habe ich mich nie getraut, es ihm zu sagen... Ich war nur für ihn da. Stand Tag für Tag an seiner Seite, habe ihn bei allem unterstützt, egal worum es ging. Sogar, als er einen ziemlich gefährlichen Plan fasste, der nie im Leben gut ausgegangen wäre, habe ich ihm geholfen. Ich wusste, das es falsch war, aber ich bin ihm gefolgt. Irgendwie habe ich gehofft, dass er eines Tages doch mehr in mir sieht, wenn ich immer bei ihm bin. Aber das war dumm von mir.“, ich schloss die Augen und sah jenen Abend wieder vor mir, als wäre es erst gestern gewesen, „Kurz vor meinem Austritt habe ich ihn versehentlich dabei überrascht, wie er eine gute Freundin von uns küsste. Er hat mich nicht bemerkt, aber da wusste ich, dass ich niemals mehr als ein Freund für ihn sein könnte.“, ich öffnete die Augen wieder und blinzelte die Tränen weg, die sich gebildet hatten, „Ich missgönne es ihm nicht, wenn er mit ihr glücklich ist.“, sagte ich leise, „Aber ich konnte es nicht ertragen, weiterhin in seiner Nähe zu bleiben.“
Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ich sah Sting, wie er mich mitleidig, aber auch aufmunternd ansah.
„Tut mir Leid.“, sagte er aufrichtig, „Das war bestimmt nicht einfach für dich.“
Ich nickte ihm zu, dankbar, dass er mich verstand.
„Freed...“, setzte er dann jedoch zögerlich an, „Du möchstest sicher zu Fairy Tail zurück, wenn sich dein Gefühlswirrwar beruhigt hat, oder?“
Ich wollte nicken, zögerte aber. Wollte ich das wirklich? Würde ich es je wieder ertragen können, Laxus gegenüberzustehen? Laxus, der mit Evergreen zusammen war? Er würde auch eine Erklärung für mein Verschwinden haben wollen! Oh nein, das könnte ich ihm niemals erklären, selbst wenn ich irgendwann über meine Gefühle hinwegkommen würde!
„Wenn du das nicht möchtest, oder zumindest nicht so bald, wie wäre es dann, wenn du erstmal einer anderen Gilde beitrittst?“, aufmerksam sah Sting mich an.
„Ich weiß nicht...“, sagte ich unsicher, „Ich hatte es tatsächlich schon überlegt. Einerseits ist Fairy Tail meine Familie, aber ich glaube nicht, dass ich es so bald wieder ertragen könnte, ihm Tag für Tag zu begegnen. Ich weiß nicht, ob ich es überhaupt wieder können werde.“, gab ich zu, „Aber ich muss ja von irgendwas leben. Eine neue Gilde wäre vielleicht tatsächlich nicht so schlecht. Aber welche?“
Sting grinste breit:
„Also ich kenne da eine Gilde, die dich sicherlich aufnimmt.“, er zeigte auf seinen Oberarm, wo sein weißes Gildenzeichen prangte.
„Eure Gilde?“, fragte ich überrascht, „Ihr hattet mir im Zug schon von ihr erzählt, aber ich habe den Namen wieder vergessen.“, murmelte ich beschämt.
„Das macht nichts.“, grinste Sting, „Wir sind eine neue, noch recht kleine Gilde namens Sabertooth. Wir nehmen nur starke Magier auf, wir wollen nämlich irgendwann mal die allerstärkste Gilde sein.“, er grinste stolz, „Es geht zwar relativ streng bei uns zu und Versagen wird nicht geduldet, aber wir müssen ja auch hart arbeiten, wenn wir unser Ziel erreichen wollen. Rogue und ich haben dich zwar noch nie kämpfen sehen, aber deine Magie ist mächtig, und ein Runenmagier würde unsere Gilde gut ergänzen. Also Freed, willst du Sabertooth beitreten?“
Ich starrte ihn an, mein Körper war wie eingefroren. Meinte er das wirklich ernst? Er wollte mich in seiner Gilde, ohne mich jemals kämpfen gesehen zu haben, weil er an meine Stärke glaubte? Die Rührung trieb mir fast Tränen in die Augen. Sting war wirklich ein guter Freund. Und Sabertooth klang nach einer interessanten Gilde. Es wäre wirklich ein Neuanfang. Fairy Tail war eine starke, wenn nicht die stärkste Gilde. Wie es wohl wäre, tatsächlich ganz unten anzufangen und gemeinsam diese Gilde aufzubauen? Es wäre sicher ein Sück Arbeit. Aber wenn wir es gemeinsam schaffen würden, dann hätte ich endlich etwas, worauf ich stolz sein könnte. Etwas, das ich ganz ohne Laxus geschafft hätte. Ja, es wurde Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen und nochmal ganz von vorne anzufangen. Ich sah Sting an und lächelte ebenfalls:
„Ja.“
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