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Changing Fate

von grantaire
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
09.06.2020
09.06.2020
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Scheherazades Sicht
☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Zwei Jahre waren seit jenem Tag vergangen an dem ich Jafar zum ersten Mal getroffen hatte. Nachdem mir der Sultan mein Ohr abgeschnitten hatte weil ihm mein Gesicht missfiel war es Jafar gewesen der die Wunde genäht und sich um mich gekümmert hatte. Zum ersten Mal schien ein Mann mehr in mir zu sehen als nur ein schönes Gesicht. Jafar interessierte sich aufrichtig für alles, was ich zu sagen hatte und war nun ja, anders als all die engstirnigen Männer im Palast. Er glaubte noch daran dass man mit harter Arbeit und Freundlichkeit alles erreichen konnte. Schon als sich unsere Hände zum ersten Mal berührten und ich tief in seine Augen blickte wusste ich, dass ich diesen Mann näher kennenlernen wollte. Nachdem wir uns wochenlang heimlich im Palast und auf dem Marktplatz getroffen hatten wollte ich endlich einmal seine Wohnung sehen. Vielleicht war es unschicklich so etwas zu wollen doch an Neugierde war nichts falsches oder? Außerdem wusste ich, dass Jafar mich niemals zu irgendetwas zwingen würde was ich nicht wollte. Dafür war er viel zu anständig ja fast schüchtern. In seinem Haus stapelten sich an jeden erdenklichen Ort Dutzende von Büchern die er wie er sagte, bereits alle gelesen hatte. Jafar war wirklich brillant. Er verstand mehrere Sprachen und war ein Meister in allen Wissenschaften dieser Zeit. Mathematik, Geographie, Naturwissenschaften, Heilkunde, Kartographie und Alchemie. Jafar wusste mehr als jeder andere Mann, den ich je getroffen hatte ja, ich wagte sogar zu behaupten dass er einer der gelehrtesten Männer des Königreiches war. Als er einige Monate später um meine Hand anhielt war ich die glücklichste Frau auf Erden. Einzig und allein ein Kind fehlte uns noch zu unserem Glück.


"Liebling, ich bin Zuhause" rief Jafar eines Abends als er wie so oft, erst nachdem es draußen längst dunkel geworden war nachhause kam. "Dieser verdammte unfähige Mann!" Regte er sich wieder einmal über den ersten Wesir des Sultans auf der Jafars Worten nach nur an sich selber dachte, Gold hortete wie eine Elster während draußen auf den Straßen Menschen verhungerten und sich verhielt als wäre der Sultan. Allein für sein letztes Bankett waren Lebensmittel in solch einer Masse weggeworfen worden die allen Bewohnern der Stadt tagelang einen vollen Magen beschert hätte. "Meine Vorschläge um die Missstände zu beseitigen und dem Land Frieden und Wohlstand für jedermann zu ermöglichen wird sich niemals durchsetzen" sagte er entmutigt. "Haben die Wesire schon wieder abgelehnt sich deine Idee wenigstens anzuschauen?" Fragte ich Jafar sanft obwohl ich die Antwort schon kannte. "Wenn ich doch nur mit dem Sultan sprechen könnte. Ich bin sicher, er würde erkennen, dass meine Vorschläge gut und notwendig für die Zukunft unseres Landes sind". "Komm, Liebster trinke eine Tasse Tee mit mir. Danach wird es dir besser gehen" bat ich ihn lächelnd. Nach einem Jahr Ehe wusste ich genau, was mein Geliebter brauchte wenn er aufgebracht war. Ich nahm Jafar an der Hand und führte in in die Küche wo ich meine besondere Teemischung aufsetzte dich Jafar am liebsten trank. Die Kräuter für den Tee waren ein uraltes Rezept meiner Familie. Angeblich hatte sich bereits mein Urgroßvater beim Genuss dieses Tees in seine zukünftige Frau verliebt. Auch bei Jafar wirkte dieser Tee jedesmal Wunder. Tatsächlich kehrte das Lächeln schon nach wenigen kleinen Schlückchen auf Jafars Gesicht zurück. "Jetzt wo du wieder lächelst, habe ich ein Geschenk für dich. Schließ deine Augen, Geliebter" bat ich ihn lächelnd und eilte ins Nebenzimmer um sein Geschenk zu holen von dem ich hoffte, es würde ihn erfreuen. "Dass ist ein wunderschöner Vogel" sagte Jafar aufgeregt als er den kleinen roten Papagei in seinem Käfig entdeckte. "Schöner Vogel" krächzte der kleine Papagei. An dem liebevollen Glanz in seinen Augen erkannte ich, dass ich Jafar mit meinem Geschenk eine riesige Freude gemacht hatte. "Er heißt Jago und spricht alles nach was du ihm beibringst" ergänzte ich noch. "Ich habe ihn heute auf dem Marktplatz entdeckt und wusste, dass er dir gefallen würde. Er ist eine gute Übung für uns beide sich um etwas lebendiges zu kümmern". Jafar schaute mich verständnislos an. Sanft legte ich meine Hände auf meinen noch flachen Bauch und wartete darauf dass er verstand was ich damit meinte. Als ihm der Sinn meiner Worte klar wurde sank Jafar ergriffen auf die Knie und berührte vorsichtig meinen Bauch. "Wie ist dass möglich? Der Medicus sagte doch du könntest nicht... es ist ein Wunder" jubelte er aufgeregt und küsste mich mit all der Liebe die er für mich empfand. Schon packte ihn die Leidenschaft da klopfte es plötzlich an der Haustür. Vor der Tür stand ein Botenjunge aus dem Palast der berichtete dass der Sultan die Vorschläge von Jafar angeschaut hatte und jetzt mit ihm sprechen wollte. Der heutige Tag schien wahrlich unser Glückstag zu sein. "Komm mit mir zum Palast, ich möchte dich an meiner Seite haben wenn der Sultan erkennt wie wichtig meine Ideen für die Zukunft des Landes sind". Ich wollte ihm schon folgen, doch irgendetwas hielt mich davon ab. Wie eine Art dunkle Vorahnung. "Scheherazade ist alles in Ordnung?" Fragte Jafar dem mein zögern nicht entgangen war. "Ja, es geht mir gut. Geh nur allein zum Palast ich bin ein wenig müde und möchte mich etwas hinlegen". "Ist gut, mein Herz. Aber ich werde meine Schwester zu dir schicken damit sie ein wenig auf dich achtgibt. Mir ist nicht wohl dabei dich hier ganz alleine zu lassen. Besonders jetzt, wo du unser Kind unter dem Herzen trägst". In der Nacht hatte ich einen furchtbaren Albtraum.


Ich sah mich selbst und Jafar vor dem Sultan knien der jedoch garnicht vorzuhaben schien, sich Jafars Ideen überhaupt anzusehen. Sein Interesse galt mir. "Sie ist jetzt meine Frau" hörte ich ihn sagen. "Sie wird meinem alten Löwen ins Leben zurück rufen". Der erste Wesir, ein unerträglicher Speichellecker stimmte seinem Sultan natürlich zu. "Diese Frau wird gebadet und rasiert und sofort in euren Harem gebracht werden". Jafar stellte sich schützend vor mich in seinen Augen laß ich Unglauben ob dem Wunsch des Sultans und Sorge um mich. "Sie ist meine Frau und ihr werdet sie nicht anrühren!" Eine der Palastwachen packte meinen Geliebten und stieß ihn zu Boden. Eine andere Wache packte mich und zog mich unbarmherzig von Jafar fort. In den nächsten Minuten waren die einzigen Geräusche im Raum das Zischen der Peitsche die auf nackte Haut traf und Jafars Schmerzensschreie. Dann zog mich die Wache aus dem Raum. Jafar blieb regungslos in einer Lache seines eigenen Blutes auf dem Boden liegen. Kurz bevor sich die Tür hinter mir schloss sah ich noch, wie der Sultan ihm sein Schwert in die Brust rammte. Schweißgebadet und mit Tränen in den Augen wachte ich auf. Für den Rest der Nacht fand ich keinen Schlaf mehr und betete, es möge meinem Geliebten dessen lange Abwesenheit anfing mir Sorgen zu machen, gut gehen.


Jafar kam erst am nächsten Morgen zurück und an seinem Gesichtsausdruck erkannte ich sofort, dass seine Audienz beim Sultan alles andere als gut gelaufen war. Hatte mein Traum mir etwa gezeigt was geschehen wäre wenn ich meinen Geliebten zum Palast begleitet hätte?
 
 
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