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Mein wahr gewordener Sommernachtstraum

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P16 / Gen
OC (Own Character) Robin "Puck" Goodfellow
09.06.2020
24.12.2020
17
37.333
5
Alle Kapitel
12 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
09.06.2020 2.013
 
Hey, nach einer langen Pause melde ich mich mit einer neuen Geschichte zurück. Vielleicht kennt der ein oder andere bereits einer meiner anderen Werke, falls nicht freue ich mich über jeden, der sie sich anschauen will. :) Ich hoffe euch gefällt diese Story und Kommentare sind herzlich willkommen (Empfehlungen natürlich auch).
Also dann, viel Spaß mit einem neuen kleinen Abenteuer.

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Im Haus herrschte Stille, nur zwischendurch hörte man die Stimmen meiner Familie. Innerlich seufzend nahm ich meine Tasche und verließ mein Zimmer. Unten saß bereits Amanda und unterhielt sich mit Mom und Dad. Sie war überraschend gut gelaunt.
>>Morgen, Schatz.<< Mom lächelte munter.
Ich erwiderte es schwach.
>>Schon aufgeregt?<<, fragte sie.
>>Nur ein bisschen.<<, log ich. In Wahrheit war ich unfassbar aufgeregt. Am liebsten würde ich Zuhause bleiben.
>>Dazu besteht kein Grund. Es wird dir gefallen.<<, versuchte Mom mich aufzubauen.
Leider funktionierte es nicht. Heute war mein erster Tag an einer neuen Schule. Nachdem meine Noten in die schlechtere Hälfte des Durchschnitts gerutscht waren und die Probleme mit den anderen Schülern größer wurden, hielten meine Eltern es für das Beste mich auf eine andere Schule zu schicken. Den einzigen Vorteil, den ich dabei sah, war der kürzere Weg zur Schule.
Mir kroch ein Schauer über den Rücken und ich atmete tief durch. Irgendwie musste ich diesen Tag hinter mich bringen. Im Gegensatz zu den anderen war meine Laune erheblich gesunken. Als es dann zeit war zu gehen biss ich mir fest auf die Lippe bis sie blutete.
Meine Schwester grinste und drückte mich kurz. >>Viel Spaß und hab keine Angst.<<
>>Ich versuch's.<<, murmelte ich.
Mom und Dad wünschten mir das Gleiche und schoben mich dann aus der Tür. Resigniert machte ich mich auf den Weg.
Das Wetter war angenehm und ein leichter Wind strich über mein Gesicht. Unterwegs begegnete ich keinem Menschen, weswegen meine Gedanken immer lauter wurden. Der Drang wieder umzudrehen wurde immer stärker. Besonders als sich die Schule in mein Blickfeld schob. Vor Nervosität schlug mein Herz schneller und meine Beine zitterten. Hoffentlich fiel keinem auf wie nervös ich war. Die Neue zu sein war schon schlimm genug, auch ohne, dass alle wussten wie viel Angst man hatte. Mein Plan sah vor, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen, doch er scheiterte direkt sobald ich vor der Schule stand. Einige Schüler musterten mich neugierig und ich war mir sicher, dass sie auch über mich sprachen. Ohne einen der Blicke zu erwidern betrat ich das Schulgebäude.

Beim Laufen atmete ich so ruhig wie möglich. Meine Finger gruben sich in den Gurt meiner Tasche, damit sie nicht zitterten. Zum Glück fand ich das Sekretariat schnell und ohne peiniche Zwischenfälle. Wenn ich nervös war, neigte ich zur Tollpatschigkeit.
Im Sekretariat gab mir eine ältere Frau einen Stundenplan, ohne mir zu erklären wo die Räume waren. Mit gesenktem Blick und leisem Danke ging ich auf die Suche nach dem richtigen Raum. Nach ein paar Minuten klingelte es und alle Schüler begaben sich in ihre Räume. Mein erstes Fach war Geografie, was nicht zu meinen Lieblingsfach zählte. Als ich endlich den Raum fand, hielt ich vor der Tür inne. Es kostete mich einiges an Überwindung, die Hand zu heben uns zu klopfen. Ein paar Mal atmete ich tief durch und tat es schließlich. Drinnen wurde alles still und jedes Augenpaar fiel auf mich, als ich eintrat. Nur flüchtig schaute ich zu den Schülern und zwang mich dann, den Lehrer anzuschauen. Er lächelte freundlich, was ich versuchte zu erwidern. Ich nickte nur, als er fragte ob ich die neue Schülerin sei. Mit gesenktem Kopf setzte ich mich auf den einzigen freien Platz am mittleren Fenster. Die Blicke auf mir brannten und richteten sich nur langsam wieder nach vorne. Mühsam folgte ich dem Unterricht und schaute nur zwischendurch kurz auf. Dabei beäugte ich flüchtig meine Mitschüler. Die Meisten sahen sogar sympathisch aus.
Am längsten verharrte mein Blick bei einem rothaarigen Jungen, vermutlich weil er der einzige Rotschopf im Raum war. Schätzungsweise war er etwas älter als ich und offensichtlich gelangweilt, denn er formte aus einem Blatt Papier unzählige kleine Papierkügelchen. Diese reihte er hinter dem aufgestellten Buch auf, was dem Lehrer nicht auffiel. Ich hatte ihn wohl zu lange angestarrt, denn plötzlich schielte er zu mir herüber. Rasch heftete ich meine Augen wieder auf den Block vor mir.
Kurz bevor die Stunde endete, prüfte ich den Stundenplan. Die Zeit bis zur nächsten Stunde konnte ich nutzen um mein Schließfach zu nutzen. Sobald es klingelte schnappte ich mir meine Sachen und verließ den Raum. Angestrengt las ich die kaum erkennbaren Ziffern auf den Metalltüren und fand schließlich meines. Es war nicht sonderlich groß, reichte für die Schulbücher aber vollkommen aus. Da fiel mir ein, dass ich mir ja noch die Bücher besorgen musste. Die nächste Stunde fand im gleichen Raum statt und etwas sicherer kehrte ich zu meinem Platz zurück. Wieder ruhten alle Blicke auf mir und neugierig hob ich den Kopf. Ein paar lächelten, was ich schüchtern erwiderte. Der Rotschopf war einer von ihnen.
Plötzlich durchschnitt eine fröhliche Mädchenstimme die Stille.
>>Wie heißt du?<<
Ich riss den Blick vom Rotschopf los und richtete ihn auf das blonde Mädchen mit den Sommersprossen auf der Nase. Sie saß auf ihrem Tisch, schräg vor meinem, und ließ ihre schlanken Beine von der Kante baumeln.
>>Melissa.<<, antwortete ich leise.
>>Ich bin Jenny.<<, stellte sie sich vor und lächelte breiter. >>Von wo kommst du?
>>Von hier. Ich hab nur die Schule gewechselt.<< Hoffentlich fragte sie nicht nach dem Grund.
>>Hat's dir an deiner alten Schule nicht mehr gefallen?<<
Innerlich seufzte ich und nickte nur. Es musste keiner wissen wieso es mir dort nicht gefallen hatte. Wenn ich Pech hatte, würde ich das Selbe auch hier erleben. Nochmal die Schule wechseln konnte ich nicht. Denn es gab nur diese Zwei hier in der Stadt. Und umziehen kam für meine Familie nicht in Frage. Neben Jenny saß ein weiteres Mädchen, mit dunkelbraunen Haaren und Brille. Sie waren vermutlich Freundinnen. Ein Teil von mir hoffte, wie würden sich mit mir anfreunden. Die letzten Erfahrungen zerstörten jedoch diese Hoffnungen.
>>Das ist übrigens Dianne.<< Jenny deutete auf die Brünette.
>>Hi, freut mich.<<, sagte diese und winkte.
>>Mich auch.<< Zu lächeln fiel mir leichter als gedacht.
Im nächsten Moment erschien der Lehrer und der Unterricht begann. Zwischendurch drehten sich die zwei Mädchen zu mir um und rollten die Augen. Ihnen gefiel der Mathe-Unterricht genauso wenig wie mir. Erstaunlich schnell ging Mathe vorüber, was hoffentlich jedes Mal passierte. Jenny und Dianne packten zügig ihre Sachen eine und blieben an ihren Tischen stehen. Offenbar warteten sie auf mich. Hastig stopfte ich meinen Block in meine Tasche und ging zu ihnen. Die anderen schlenderten aus dem Raum, wobei ich noch einige neugierige Blicke bekam. Nur der Rotschopf nickte mir schief grinsend zu, bevor er verschwand. Unwillkürlich lächelte ich, was er nicht mehr sah. Jenny kicherte verhalten und ihre Augen glitzerten amüsiert.  Ich wollte nicht nachfragen. Auf dem Flur herrschte eine ausgelassene Stimmung, weswegen ich das Gespräch der beiden Mädchen kaum mitbekam. In ihrer Gesellschaft ließen sich die Blicke leichter ertragen. Erst als eine von ihnen lachte, beschloss ich ihnen zuzuhören.
>>Ihr teures Kleid war total ruiniert.<< Jenny lachte wieder, woraufhin Dianne eifrig nickte.
>>Aber irgendwie hat sie es nicht anders verdient.<<
>>Wer hat es nicht anders verdient?<<, fragte ich verunsichert.
>>Ein Mädchen, das mal hier auf der Schule war. Sie hat mit dem Geld ihres Vaters ständig angegeben und auf einer Party ist sie mit ihren High-Heels gestolpert und in einer Schlammpfütze gelandet.<<, erzählte mir Jenny.
>>Selbst Schuld, wenn sie mit solchen Schuhen über eine nasse Wiese läuft.<<, fügte Dianne schulterzuckend hinzu.
Kurz bezweifelte ich, ob sie wirklich so nett waren wie sie vorgaben, oder nur ausnutzten, dass ich die Neue war. Damit hatte ich genug Erfahrung. Sie schienen meine Gedanken erraten zu können, denn sofort wirkten sie peinlich berührt.
>>Wir sind keine hinterhältigen Lästermäuler oder sowas, nur sie hat die ganze Schule wie ihre Bediensteten behandelt. Keiner konnte sie leiden.<<, beeilte sich Jenny zu sagen.
Ich glaubte ihr. Trotzdem empfand ich Mitleid für dieses reiche Mädchen. Wenn auch nur gering. Meine Gedanken drohten wieder dunkler zu werden, was ich energisch versuchte zu verhindern.
>>Oh je, du hast jetzt sicher einen ganz schlechten Eindruck von uns.<< Dianne biss sich auf die Lippe und riss die Augen auf.
Bevor ich darauf etwas erwiderte, betrachtete ich ihre Gesichter auf der Suche nach etwas Listigem oder etwas ander anderem, das sie verriet. Als ich davon nichts finden konnte, lächelte ich sie zuversichtlich an.
>>Keine Sorge, hab ich nicht.<<
Erleichtert begannen sie wieder fröhlich zu lächeln. Wohin wir gingen wusste ich nicht, aber da wir Pause hatten war es vermutlich der Schulhof. Ich hörte mir noch einige Geschichten über die Schule, Lehrer und Schüler an, dann halfen sie mir mit meinem Stundenplan. Glücklicherweise hatten wir jede Stunde gemeinsam, was mir direkt mehr Sicherheit gab. Als nächstes zeigten sie mir wo ihre Schließfächer waren. Leider nicht so nah an meinem, wie ich gehofft hatte. Wenigstens lagen sie auf demselben Flur. Sie rieten mir, direkt meine Bücher aus dem Sekretariat zu holen, wobei sie mich nicht begleiten konnten, weil sie noch zur Toilette wollten. Also machte ich mich alleine auf den Weg.

Zaghaft klopfte ich gegen das Holz und trat ein. Drinnen roch es nach Kaffee und Parfüm, was mir vorhin gar nicht wirklich aufgefallen war. Diesmal sah ich mich genauer um. Hinter dem Thresen saß immer noch die ältere Frau am Schreibtisch. Ihre Brille saß viel zu tief und das Geräusch ihrer künstlichen Fingernägel auf der Tastatur war unangenehm. Ich räusperte mich, woraufhin sie aufsah und eine schmale Augenbraue hochzog.
>>Wie kann ich die helfen?<< So wie ihre Stimme klang, rauchte sie seit vielen Jahren.
>>Ich bräuchte Bücher.<<, sagte ich und legte meinen Stundenplan auf den Thresen.
Die Sekretärin stand auf und nahm den Zettel. Stumm ging sie damit in einen Nebenraum. Als sie mit einem Stapel Bücher zurückkehrte, schluckte ich. Ich steckte den Zettel in meine Jackentasche und hob den Stapel vom Thresen, der sogar noch schwerer war, als er aussah. Leise bedankte ich mich und verließ das Sekretariat wieder. Hin und wieder musste ich einigen Schülern ausweichen, wobei der Stapel gefährlich ins wanken geriet. Zum Glück gelang es mir jedes Mal das Gleichgewicht wiederzufinden. Meine Arme begannen weh zu tun, obwohl sie es gewohnt waren. Bücher zu tragen tat ich häufig, jedoch kamen mir diese Schulbücher viel schwerer vor, als normale Bücher.
Das Stück bis zum Spind schaffte ich noch, stockte aber, als ich davor stand. Seufzend verlagerte ich das Gewicht der Bücher auf einen Arm und drückte ihn an mich. Vorsichtig zog ich eine Hand zurück und öffnete das Schließfach mit der Zahlenkombination. Klickend öffnete sich die Tür. Möglichst ruhig nahm ich das oberste Buch und stellte es ins Fach. Da es problemlos geklappt hatte, griff ich direkt das Zweite und stellte es zu dem anderen, als die restlichen wankten. Bevor ich es verhindern konnte rutschten sie mir aus der Hand. Der Knall hallte durch den gesamten Flur. Mit angehaltenem Atem wartete ich auf das Gelächter. Doch es tat sich nichts. Zwar schauten mich einige amüsiert an, lachen tat aber niemand. In meiner alten Schule hätten mich alle ausgelacht. Meine Zuversicht wuchs und ich bückte mich um die Bücher aufzuheben. Diesmal fiel keines mehr zu Boden und ich sortierte sie alphabetisch. Das tat ich mit allen Büchern.
Danach schaute ich wieder auf meinen Stundenplan. Da die Pause jede Minute vorbei war, nahm ich das Physikbuch und suchte den Raum.
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