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Die Säuberung - Episode 2 der "The Becoming Trilogy"

von kuroo-kun
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12 / MaleSlash
Data Geordi LaForge
08.06.2020
13.07.2020
8
17.718
2
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08.06.2020 1.868
 
Willkommen zu Episode 2 der "The Becoming Trology" (auf deutsch klingt es bescheuert, deshalb englisch). Ihr könnt sie auch lesen, ohne Episode 1 "Die Verlorenen" gelesen zu haben, es gibt genug Hinweise darauf in dieser Episode. Ich würde allerdings für den Spaß an der Geschichte empfehlen, einfach einmal alles zu lesen.

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Logbuch des Zweiten Offiziers, Sternzeit 48411,4
Die Enterprise wurde beauftragt, den vor 168 Jahren besiedelten Planeten Kargasius zu besuchen. Die letzten Lebenszeichen wurden vor 19 Jahren registriert, Versuche der Kommunikation von Seiten der Föderation blieben erfolglos.
Nachdem auch wir mehrfach versuchten, mit der Oberfläche in Kontakt zu treten, stellte Commander Riker auf Captain Picards Befehl hin ein Außenteam zusammen. Zuvor ausgeführte Scans zeigten auf dem Planeten weder humanoide Lebenszeichen noch sich in Betrieb befindliche Technik. Der Planet wirkt gesund und bereit für eine menschliche Neubesiedlung.

»Passen Sie auf, wohin Sie treten, meine Herrschaften«, rief der Commander seinem Team zu, als er bis zum Knöchel in etwas versank, das wie Moos aussah, sich aber überhaupt nicht so verhielt. »Die Flora hier scheint recht trickreich zu sein.«
Data war auf einen kleinen Hügel gestiegen, dessen Grasbewuchs ihm bis über die Hüfte reichte. Aus zehn Metern Höhe sah er, was sie bislang überall gesehen hatten, seit sie auf Kargasius gebeamt hatten. Grün, so weit das Auge reichte.
Riesige Bäume, größer noch als die der geretteten Regenwälder auf der Erde, kopfgroße Blumen an zwei-finger-dicken Stängeln, mannshohes Gras. Data erinnerte sich nicht, solche Dimensionen in den Beschreibungen des Planeten gelesen zu haben.
Doch zwischen all dem Grün erkannte er in etwa 250 Metern Entfernung auf der anderen Seite des Hügels etwas, das nicht natürlich zu sein schien.
»Commander, ich sehe etwas, das menschlichen Ursprungs sein könnte.« Er deutete in die besagte Richtung. Seine Kameraden stiegen zu ihm hinauf. Commander Riker nahm sein Fernglas und sah sich um.
»Interessant, das könnte wirklich etwas sein. Lassen Sie uns gehen.«
»Aber seien Sie nach wie vor aufmerksam«, sagte Doktor Crusher mit Blick auf ihren Tricorder. »Fassen Sie nichts unnötig an, verletzen Sie sich nicht an den Pflanzen und halten Sie sich von Pflanzensäften, Pollen und ähnlichem fern. Irgendetwas stimmt mit der Botanik auf diesem Planeten überhaupt nicht. Data, das gilt auch für Sie.«
Er nickte und sie machten sich auf den Weg. Sie liefen hintereinander, Lieutenant Worf, als Sicherheitschef und mit Klingonischen Instinkten gut auf Gefahren eingestellt, voran, dahinter Commander Riker, Doktor Crusher, Data sicherte den Schluss ihrer kleinen Expeditionsgruppe.
Er fühlte leichte Anspannung in sich, konnte sie aber als positiv identifizieren. Nachdem die Ausbildung seines Emotionszentrums vor zwei Monaten einen ungewollt heftigen Schub erhalten hattei
Siehe „Die Verlorenen“, er kurz vor einem Kaskadenausfall seiner positronischen Matrix gestanden hatte und Geordi wegen einer unbekannten Entität in seinem Körper fast gestorben wäre, hatte er Zeit gebraucht, um sich zu erholen und wieder zu sich zu finden, wie Geordi es ausdrückte.
Data hatte in dieser Zeit nicht auf der Brücke gearbeitet, wo er in seiner Position Verantwortung für das Schiff und seine Mannschaft übernehmen musste, sondern im Maschinenraum an Geordis Seite. Dort konnte er sich entspannen und lernte nach und nach seine Gefühle kennen und zu bewerten. Er war noch immer weit davon entfernt, sie zu verstehen. Aber immerhin brachten ihn emotionale Aufwallungen nicht mehr aus der Fassung.
Zu Beginn war bei jeder stärkeren Empfindung die Angst dazu gekommen, wieder die Kontrolle zu verlieren. Wie Geordi ihm versicherte, war dies eine durchaus menschliche Sorge. Es hatte Data viel Energie und Konzentration gekostet, sich mit diesem neuen Bereich in sich auseinanderzusetzen. Und es war häufig unangenehm gewesen. Er wünschte sich zwar nicht mehr, diese Gefühle nicht zu haben, dafür war er zu neugierig und wissbegierig und konnte sich selbst als Experiment sehen. Aber oft wünschte er, sie wären weniger plötzlich und heftig.
»Commander, sehen Sie dort drüben.« Worf deutete zu einer Ansammlung von drei Meter hohen Büschen. Doch darüber lugte noch etwas anderes hervor.
»Sind das Mauerreste?« Der Commander setzte sich bereits in Bewegung, als Data vortrat.
»Commander, lassen Sie mich und Lieutenant Worf vorgehen. Meine dem menschlichen Organismus überlegenen Eigenschaften sind in dieser Umgebung äußerst nützlich und Lieutenant Worf kann Gefahren schneller erkennen als jeder von uns.«
Der Commander nickte. »Gehen Sie.«
Mit aufmerksamen Schritten liefen sie voran. Bereits seit sie auf der Oberfläche angekommen waren, hörte Data kein Zeichen von Fauna. Zumindest Insekten hätte es geben müssen. Ohne sie war eine derart grünende Umwelt kaum denkbar. Doch nur das Rascheln der Pflanzen war zu hören, wenn die Blätter und Gräser aneinander rieben.
»Diese Stille macht mich nervös«, sagte Lieutenant Worf und sah sich argwöhnisch um. »Und diese Pflanzen … es fühlt sich an, als würden sie uns beobachten.«
In dieser Hinsicht musste sich Data auf die Instinkte des Sicherheitschefs verlassen, da er selbst noch kein sogenanntes Bauchgefühl ausgebildet hatte. »Was halten Sie hiervon?«, fragte er und nickte zur Mauer, die Büsche hatten sie bereits hinter sich gelassen.
Roter Backstein, stabil, auch nachdem sie beide mit ganzer Kraft dagegen gedrückt hatten, etwa vier Meter hoch, das Ende konnten sie von ihrem Standpunkt aus nicht sehen.
»Gut erhalten, die Pflanzen scheinen sich davon fernzuhalten«, sagte Lieutenant Worf und Data nickte. Er bemaß alle nötigen Werte und lief dann zurück.
»Wo wollen Sie hin?«
»Ich muss Schwung holen.«
»Schwung? Wofür?«
»Um auf die Mauer zu springen«
»Springen? Sie sind keine Katze.«
»Das ist leider korrekt, für eine Katze meiner Größe wäre diese Höhe aus dem Stand kein Problem. Ich brauche Anlauf.« Und damit lief er los, er brauchte exakt acht Schritte. Dann sprang er ab, nutzte den Schwung, um an der Mauer hinaufzulaufen und bekam wie berechnet den Mauervorsprung zu greifen, an dem er sich hinaufzog. Etwas schmutzig stand er auf, klopfte sich den Staub von der Uniform und sah sich um.
Die Mauer schien unbeschädigt, soweit seine Sicht reichte. Hinter der Mauer sah er überall aufgeschichtete Steine auf einer Lichtung.
»Was sehen Sie, Commander?«
»Ich bin nicht sicher. Die Mauer führt bis zu dem Gebäude, das ich bereits gesehen hatte. Aber auf dieser Seite liegen … Steinhaufen.«
»Steinhaufen im Sinne von in Haufen gelagert oder nach einem Muster aufgeschichtet?«
Das war eine gute Frage. Data hockte sich hin und versuchte die Bilder vor seinen Augen zu vergrößern. »Ich kann es leider nicht erkennen, es ist beides möglich.« Er lief auf der Mauer entlang, Worf am Boden an seiner Seite. Es war unnötig und er wusste es. Aber hier oben zu laufen löste ein Gefühl von Freiheit in ihm aus, das er unter Emotion neu kategorisieren abspeicherte und später analysieren würde.
»Lassen Sie uns zu den anderen zurückkehren«, sagte er, sprang von der Mauer und landete sicher und ohne Anstrengung neben dem Lieutenant. »Es ist nicht mehr weit.«
Sie kamen an einem Ende der Mauer an, das in eine Art Eingangsportal überging. Dahinter befand sich Innenhof und dahinter ein Haus im Stile eines hübschen, alten Landhauses im England des 18. Jahrhunderts. Alles sah recht unbeschädigt aus, selbst das Glas in den Fenstern war noch vorhanden. Ohne Tiere und mit Pflanzen, die den Bauten nicht zu nahekamen, waren sie vor vorzeitiger Destruktion geschützt.
»Ich sehe überall technische Ausstattung«, sagte Lieutenant Worf und deutete umher. »Abwehrmechanismen mit Bewegungsmeldern, getarnte Beleuchtung, Sensoren zur Erzeugung elektrischer Felder, um das Portal bei Bedarf abzusichern.«
»Fehlt nur noch eine automatische Schusseinrichtung«, sagte Commander Riker.
»Das meinte ich mit Abwehrmechanismen.« Er deutete an die Innenseiten des Portals und im Hof zu den seitlichen Mauern, die das ganze Grundstück umgaben. »Phaser in den metallenen Verzierungen der kleinen Dächer auf der Mauer.«
»Wie gastfreundlich«, murmelte Commander Riker. Eine sarkastische Anmerkung, wie Data erkannte. »Die Löcher hier überall im Boden und die Absplitterungen dort in den Mauern sehen sehr danach aus, als wäre irgendjemand oder irgendetwas vertrieben worden.«
»Aktuell sind alle Geräte außer Betrieb, Commander«, sagte Data mit seinem Tricorder in der Hand und sah sich weiter um, während er auf den Hof lief.
»Es gibt auch keine Lebenszeichen«, sagte Doktor Crusher. »Die Kolonisten sollten wir erfassen können, wenn noch jemand lebt. Im Grunde jedes Lebewesen, das sich bei Besiedlung auf diesem Planeten befunden hat, wenn die Datenbanken vollständig sind.«
»Tja, wenn«, murmelte der Commander. »Lassen Sie uns reingehen.«
Sie betraten das Haus und standen in einer marmornen Halle, die zu einer riesigen Treppe in die obere Etage führte. Nur der überall in dicken Schichten liegende Staub trübte das Bild ein wenig. An der rechten Seite war eine moderne Arbeitskonsole eingelassen, allerdings war sie offline. Data ging hinüber und wischte über die staubige Oberfläche. »Computer, initiiere Start.« Wie erwartet tat sich nichts.
»Data, Doktor, gehen Sie rechts weiter, Mr. Worf und ich nehmen die linke Seite. Rufen Sie uns, wenn Sie uns brauchen.« Commander Riker deutete auf seinen Kommunikator und sie trennten sich.
Data betrat den hinter der Treppe liegenden Raum. Es handelte sich um die Küche. Sie war sowohl mit den üblichen Replikatoren ausgestattet als auch mit richtigen Küchengerätschaften zur Aufbewahrung und Verarbeitung von Lebensmitteln. Data hatte so etwas noch nie direkt vor sich gesehen. Als Android musste er nicht essen, auch wenn er es konnte, und was er brauchte, bekam er aus dem Replikator. Alle Geräte waren offline.
»Data.« Doktor Crusher sah mit gerunzelter Stirn auf ihren Tricorder. »Hier ist etwas Organisches, es könnte menschlich sein.«
»Wo genau, Doktor?«
»Direkt unter uns. Ich erkenne nur nicht, wie weit unter uns.«
»Hm.« Data schritt in die Küche, vorbei an dem mittigen Tresen auf eine völlig freie Fläche. Warum stand hier nichts? Die ganze Küche war sorgfältig eingerichtet, es ergab keinen Sinn, ausgerechnet den Platz vor einer großen Fensterfront leerzulassen.
Im nächsten Moment gab der Boden unter ihm nach und er stürzte in die Tiefe. Nach fünf Metern landete er hart, aber sicher auf beiden Beinen, obwohl er nichts sehen konnte und die Tiefe nicht vorher hatte abschätzen können. Sein Puls beschleunigte.
»Data!« Doktor Crusher erschien über ihm an dem Loch, das sich im Boden aufgetan hatte. »Geht es ihnen gut?«
»Ich bin unbeschädigt, Doktor.« Wenn er genau darüber nachdachte, war er weicher gelandet, als bei dieser Tiefe und steinernem Fußboden möglich war. Unter seinen Füßen knirschte es organisch und metallisch.
»Was ist passiert?« Commander Rikers Kopf lugte über den Rand des Lochs, neben ihm Lieutenant Worf. »Data, alles okay?«
»Haben Sie eine Taschenlampe bei sich, Commander? Die Suche nach einem Lichtschalter dürfte sich erübrigen.«
Commander Riker warf ihm ein Multifunktionswerkzeug hinunter. Als Data die Lampe einschaltete, hörte er das Keuchen von oben. Er selbst spürte Ekel in sich aufsteigen gepaart mit etwas, das er nicht benennen konnte, ihm aber sicher den Magen umgedreht hätte, wenn er zu dieser Reaktion fähig wäre.
Data stand bis zu den Knöcheln in Skeletten und Schrott. Die Wände waren bedeckt mit Arbeitsstationen und Steuerkonsolen, somit war er wohl in der Hauptsteuerzentrale gelandet. Offene und gesplitterte Wunden klafften in den Monitoren und Eingabeeinheiten. Fast alles war zerstört. Es schmerzte ihn genauso sehr, die vielen skelettierten Leichen zu sehen, wie die zerstörten Maschinen.
»Die Bewohner haben wir gefunden«, sagte Lieutenant Worf mit angestrengter Stimme. »Zumindest einige von ihnen.«
»Aber was um alles in der Welt ist hier passiert?«, fragte Doktor Crusher.
»Nichts anfassen, Data«, sagte Commander Riker und tippte an seinen Kommunikator. »Riker an Enterprise.«
Nichts geschah.
»Enterprise, hören Sie mich?«
Jeder von ihnen versuchte es, keiner hatte Erfolg.
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