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2020 06 08: Auf schnurkischem Terrain [by - Leela -]

Kurzbeschreibung
OneshotAbenteuer, Angst / P12 / Gen
Boo Galger Zino
08.06.2020
08.06.2020
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Tag der Veröffentlichung: 08.06.2020

Zitat: "Du kommst, um mich zu retten?" "Na ja, ich war grad in der Nähe ..." (Inu Yasha)

Titel der Geschichte: »Auf schnurkischem Terrain«

Autor: - Leela -

Hauptcharaktere: Zino, Galger, Boo

Nebencharaktere: -/-

Pairings: -/-

Kommentar des Autors: Als ich dieses Zitat gesehen habe, wußte ich sofort, mit welchen Charakteren ich es schreiben würde. Und hier folgt die Geschichte dazu. Ich wünsche euch eine angenehme Lesezeit in dem Ergebnis dazu. (Die Geschichte hat übrigens genau 2019 Worte. ^^






Auf schnurkischem Terrain

Es gibt nicht nur ungeschriebene Gesetze bei uns, sondern auch in Gaya. Und eines davon ist: Zino und Galger können sich nicht ausstehen! Der Unterschied zwischen beiden ist, Zino würde Galger trotzdem retten, weil es seine Nationalheldenehre von ihm verlangte. Galger hingegen würde eher noch nachtreten, um seinen Widersacher loszuwerden.
      Das vorgenannte war keine gute Grundlage für die Geschichte, die nun folgt.

Zino war eigentlich guter Dinge, als er auf dem Weg zum Hafen war. Die Strecke kürzte er zwar durch Schnurkgebiet ab, aber die Gegend kannte er von seinen Touren, schließlich mußte man sich in feindlichem Gebiet erst recht auskennen.
      Auf seinem Weg sah der große blonde Gayaner sich um. Es war eine schöne Umgebung, mit viel Wald, aber auch Steinformationen, hohen Felswänden, zum Teil in der gayanischen Flora verborgen und mit vielen Flucht- oder Versteckmöglichkeiten. Es war kein Wunder, daß dieses Gebiet für die Schnurks so attraktiv war. Hier konnte man in Ruhe irgendwelchen krummen Machenschaften nachgehen, ohne daß einem jemand darauf kam. Das war wohl auch der Grund, warum sich die Schnurks hier regelrecht eingenistet hatten, auch wenn sie nur inoffiziell die Hand auf diesem Stück Land hatten. Die Leute mieden Gegenden automatisch, in denen sich Schnurks herumtrieben, daher brauchten sie keinen rechtmäßigen Besitzstand. Zino lächelte vor sich hin. Er würde sich nicht davon aufhalten lassen.
      Er dachte noch darüber nach, als er ein Geräusch hörte. Ein Knacken im Unterholz ließ ihn abrupt stehen bleiben und aufmerksam die Ohren drehen. Hier mußten Schnurks in der Nähe sein! Mußte er sich etwa auf einen Kampf einstellen, oder konnte man mit den Konsorten reden?
      Wie falsch er lag, bemerkte er, als das Zeldon zwischen dem Buschwerk in Sicht trat. Zino spürte, wie er in der Bewegung erstarrte und ihm das Blut in den Adern gefror. Das geschmeidige Raubtier mit dem schlanken, getupften Körper ließ seine langen Fangzähne sehen, und an den Pranken, die fast lautlos den Waldboden berührten, blitzten die scharfen, vergleichsweise riesigen Krallen auf. Die Augen fixierten den Nationalhelden mit einem gefährlichen Glanz, so daß das Opfer unwillkürlich schauderte, und das Grollen, das sich der Kehle des Tieres entrang, klang wie eine Drohung.
      Zino sackten die Ohren ab. Es gab nicht viel wovor er Angst hatte. Vor Zeldons hatte er deutlichen Respekt! Er wußte, dem Angriff eines ausgewachsenen Zeldons konnte selbst er allein und ohne Hilfsmittel nichts entgegensetzen. Es waren aber auch noch nie Zeldons hier in dieser Gegend gesehen worden.
      Automatisch rief sein Gehirn alle Informationen ab, die er bei einer Zeldon-Begegnung brauchte. Zuallererst: Keine hastigen Bewegungen! Das bedeutete, wegzulaufen wäre das fatalste, was ihm einfallen konnte. In dem Moment, wenn er anfing zu rennen, würde das Zeldon ihm nachsetzen, und dann hatte er verloren. Er konnte es weder mit der Schnelligkeit, noch mit der Wendigkeit der Tiere aufnehmen. Das bedeutete aber auch, daß er keine Chance hatte, bald aus dem Visier dieses Zeldons zu entkommen. Und er wußte, stehenzubleiben war eine genauso unattraktive Idee wie die, wegzurennen. Es hätte nur die Servierplatte und die Zitronenscheibe gefehlt!
      Das Zeldon kam langsam auf ihn zu. Zino schluckte und zog sich ganz langsam mit bedächtigen Bewegungen zurück. Während dessen sah er sich in der Umgebung um. Die Idee, auf einen Baum zu klettern, verwarf er sofort wieder. Das Zeldon war schneller als er, und würde ihn vermutlich oben bereits erwarten, wenn er ankam. Er mußte sich vielmehr die Steinformationen zunutze machen, die versteckten Passagen, die labyrinthartigen Wege durch das Gestein und die verborgenen Gänge in den Felsen. Auf diese Weise mußte er das Zeldon verwirren, ablenken und vor allem abhängen, bevor er eine konkrete Flucht planen konnte.
      Diesem Grundgedanken folgend wandte er sich mit rasendem Puls den hohen Steinwänden in seinem Rücken zu und folgte dem Kurs, während weder er das Zedlon, noch das Zeldon ihn aus den Augen ließ.
      Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und übertönte fast die Geräusche des Waldes, als er die erste schmale Passage in den Steinen erreichte. Erleichterung durchströmte ihn. Vielleicht gelang es ihm bereits hier, sich der Aufmerksamkeit des Tieres zu entziehen. Er schlüpfte durch den Durchlaß, lief ein paar Schritte in der vermeintlichen Sicherheit, sich aus dem Sichtfeld des Zeldons gezogen zu haben und erstarrte in Entsetzen. Er war in einer Sackgasse gelandet! Er stand auf einem kleinen Platz, der von den hohen Felswänden gesäumt wurden, die an ihrem oberen Ende auf ein Plateau führten – viel zu hoch und zu steil allerdings, als daß er dort hätte hinaufklettern können. Als er sich umdrehte, schloß das Zeldon gerade durch den Zugang zu ihm auf. Es war ein utopischer Gedanke gewesen zu glauben, es würde die Verfolgung nicht weiter aufnehmen!
      Zino schob sich auf dem kleinen Platz so weit nach hinten wie möglich. Sein Atem ging flach, als er die Lage sondierte. Er spürte seinen Kreislauf kollabieren und zwang sich, gegen das Gefühl anzukämpfen. Er brauchte jetzt einen klaren Kopf und… an der Stelle wäre Boo sehr stolz auf ihn gewesen! … einen Plan!
      Das Zeldon hatte sich in den Zugang zu dem Platz gesetzt und den Gedanken an eine Flucht unmöglich gemacht. Zino wußte aber, sobald das Zeldon sich wieder bewegte, und nicht die Möglichkeit in Betracht zog, den Ort aus Langeweile einfach zu verlassen, mußte er alle Möglichkeiten nutzen, um an ihm vorbei und zum Ausgang zu kommen. Er mußte das Tier genau beobachten, jede Bewegung förmlich vorausahnen, um selber darauf reagieren zu können und sich den Weg zu bahnen, der ihn aus der Misere herausführte.
      Es dauerte eine Weile, die Zino wie eine Ewigkeit vorkam, in der sich der Gayaner und das Raubtier nur beobachteten, ohne sich von ihren Plätzen zu bewegen. Dann machte das Zeldon den ersten Zug. Zino stellte aufmerksam und angespannt die Ohren auf, fixierte das Tier und versuchte gleichzeitig, einen Weg vom Platz herunter zu planen. So, wie sich das Zeldon gerade bewegte, mußte er versuchen, rechts an ihm vorbeizuziehen!
      Den Gedanken gefaßt, erstarrte er schon in der Bewegung, da hatte er noch keine zwei Schritte getan. Sein Blick ruhte in Horror auf dem Zugang, in dem gerade ein zweites Zeldon aufgetaucht war. Wenn er eines sofort begriff, dann, daß er in der Falle saß! Ein Zeldon streifte über den Platz auf ihn zu, das andere blockierte ihm den Fluchtweg.
      Ein unangenehmes Schaudern ging durch den Körper des Nationalhelden. Wie hatte er nur in solch eine ausweglose Situation geraten können? Gerade fehlte ihm Boo mehr denn je. Der Erfinder hätte jetzt sicher etwas hilfreiches bei der Hand gehabt, was sie hätten nutzen können. Dem großen, kräftigen Gayaner wurde gerade bitter bewußt, daß man mit Stärke und Mut nicht immer weiter kam. Im Augenblick ging es um das nackte Überleben! Und er hatte vor, daran so lange zu arbeiten, wie es ihm möglich war!
      Als sich auch das zweite Zeldon in Bewegung setzte, wagte Zino kaum zu atmen. Würde es ihm gelingen, an beiden vorbeizukommen? Den Gedanken legte er ad acta, als sich das dritte Zeldon in den Zugang setzte. An dieser Stelle hatte seine Courage ein Ende. Er wußte, aus dieser Situation würde er nicht mehr herauskommen! Er schickte ein Stoßgebet zum Dalamiten und schloß mit allem ab, was ihm das Leben bis jetzt gegeben hatte. Mit mindestens zwei Zeldons in Aktion wäre es nur eine Frage der Zeit, bis er nichts weiter als eine Erinnerung im Zeldonmagen war. So endete also die Existenz des gayanischen Nationalhelden, als Menü für eine Zeldonfamilie…
      In seine Resignation hinein hörte er mit einem Mal ein Geräusch über sich, und plötzlich rollte sich neben ihm eine Strickleiter ab. Der blonde Gayaner hatte noch gar nicht ganz begriffen, was geschah, als er schon einen Pfiff hörte, und kurz darauf eine drängende Stimme, die einen vertrauten Klang hatte. „Hierauf! Nun mach schon!“
      Von einer zur anderen Sekunde schaltete Zino um, griff nach den Sprossen und kletterte, was das Zeug hielt! Kaum hastete er die Leiter hinauf, sprang das erste Zeldon auf ihn zu, bekam aber nur noch die unteren Sprossen der Leiter zu fassen. Das ganze Konstrukt kam ins wanken, und Zino klammerte sich bald panisch an der Leiter fest, um nicht postwendend wieder herunterzufallen.
      Jeden Moment, den die Leiter zur Ruhe kam, nutzte er zum Klettern, bis er Galgers Hand erreichte und er sich von dem Schnurk auf das Felsplateau ziehen ließ. Keuchend versuchte der gerade aus dem sicheren Untergang gerettete Gayaner sich zu fassen. Er sah auf, in die Miene des Schnurks, der geduldig wartete, bis er wieder ansprechbar war. „Du kommst, um mich zu retten?“ Den Unglauben hatte er nicht aus der Stimme verbannen können.
      Galger gab sich gelassen, fast schon unbeteiligt. „Na ja, ich war grad in der Nähe…“
      „Mit einer Strickleiter?!“ implizierte Zino zweifelnd.
      „Was glaubst du, was wir hier überall für Hilfsmittel hinterlegt haben?!“ erklärte der Schnurk tiefgründig. Anschließend sah er sich pauschal zu verschiedenen Seiten um. „Seit einiger Zeit wurden hier immer wieder Zeldons gesichtet. Die Gegend hier ist nicht mehr sicher!“
      „Das habe ich gemerkt!“ stellte Zino fest. Er fixierte den Schnurk mit einem skeptischen Blick. „Das war doch nicht nur pure Nächstenliebe, weswegen du mich gerettet hast!“
      „Mir kam während der Rettungsmission ein Gedanke!“ Der kleine Schnurk grinste von einem Ohr bis zu dem anderen, und die Betonung auf dem »Rettung« war dem gayanischen Nationalhelden nicht verborgen geblieben. „Morgen wird ein ausführlicher Artikel in der Zeitung stehen: »Schnurk rettet gayanischen Nationalhelden«! Das ist meine Bedingung! Auf der ersten Seite, exklusiv, mit Namen, und am besten noch mit Bild!“
      Zino lachte auf. Er war gerade froh, mit dem Leben davongekommen zu sein, da war ihm alles recht, insbesondere so eine Kleinigkeit wie ein Zeitungsartikel. „Das kriegen wir hin! Wenn das alles ist…“
      „Für dich mag es keine Bedeutung haben!“ erklärte ihm der kleine, blauhaarige Anführer seines Schurk-Clans. „Aber für mich ist es ein Imageaufpolierer ersten Ranges! Das hier ist eine Chance, die man sich als Schnurk nicht entgehen lassen darf! Auf die Resonanz auf den Artikel bin ich jetzt schon gespannt! Was meinst du, warum ich diesen Aufwand betrieben habe!“
      „Na, herzlichen Dank!“ kommentierte Zino mißmutig.
      „Also, nicht vergessen: Morgen steht ein Artikel in der Zeitung! Und zwar nicht »Zeldons in den gayanischen Wäldern gesichtet« mit einer Randnotiz auf die Rettung, sondern »Schnurk rettet gayanischen Nationalhelden« mit einer Randnotiz auf die Zeldongefahr, verstanden? Sonst befördere ich dich ruckzuck in die Lage zurück, aus der ich dich gerade befreit habe!“
      Zino senkte die Ohren und ließ jedes Lächeln vermissen. „Soll ich das auch mit in den Artikel schreiben lassen?“
      Galgers breites Lächeln gefror auf eine verbissene Art. „Ich warne dich! Keine Mätzchen! Oder du wirst so eine Heldentat wie heute kein zweites Mal von mir erleben!“ Der Blick des Schnurks huschte kurz zu dem Abgrund, und Zino wurde sich bewußt, daß er noch immer zu nah an der Kante zu der Grube saß, in der sich mittlerweile sechs Zeldons tummelten, die sich um ihre Mahlzeit betrogen fühlten. Der Nationalheld wußte, daß Galger ihn nur ungünstig über die Kante zu schubsen brauchte, um den Zeldons eine ordentliche Mahlzeit zu servieren, und er war sich auch darüber bewußt, daß der Schnurk keine Skrupel haben würde, das zu tun.
      „Keine Sorge, du bekommst deinen Artikel. Verdient ist es allemal.“ sagte der gerettete Gayaner, der sonst eigentlich für gewöhnlich der Retter Gayas war, zu.
      Galgers Lächeln wurde wieder ein bißchen zufriedener. „Na, also! Nichts anderes wollte ich hören. Na, dann…“ Der Schnurk grüßte noch einmal, nahm die Strickleiter, die er zwischenzeitlich ordentlich aufgerollt hatte, und so trennten sich die beiden Widersacher wieder.

Und Zino hielt Wort! Am nächsten Tag stand auf der ersten Seite des »Gayan Express« ein großer Artikel über die spektakuläre Rettung, in der Galger als der Held dargestellt wurde, der er für Zino am Vortag auch gewesen war, mit Archivfotos von Galger und Zino.
      Als Zino und Boo sich trafen, hatte der Erfinder gerade den Bericht gelesen, und war mehr als entsetzt. „Hast du das gelesen, Zino? Die haben alles durcheinander gebracht! Hier steht, Galger hätte dich gerettet, anstatt daß du Galger gerettet hast!“
      Zino maß seinen besten Freund mit einem überraschten, aber auch mit einem nachdenklichen Blick. So langsam wurde ihm klar, warum Galger auf diesen Artikel bestanden hatte…





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Wieder mal eine tolle Geschichte, die perfekt zum Zitat gepasst hat. Leela erzählt sie mit viel Witz, aber auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit. Ich bin echt begeistert.

Eure lula-chan
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