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Zwischen Liebe und abgefahrenen Reifen

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Het
DK Han Neela OC (Own Character) Sean Twinkie
08.06.2020
02.03.2021
56
74.008
5
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Dieses Kapitel
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23.02.2021 1.498
 
Zωιѕcнєи ℓιєвє υи∂ αвgєfαhяєиєи яєιfєи

55. Willkommen auf der Welt


Wie vorausgesagt ließ das kleine Mädchen lange auf sich warten, obwohl sich die Fruchtblase schon seit geraumer Zeit verabschiedet hatte. Mittlerweile konnte man durch das Fenster des Kreißsaals sehen, wie es draußen mit jeder weiteren Minute heller wurde. Das Zifferblatt an der Wand zeigte bereits 7:18 Uhr an, als Fiona sich leicht im Raum bewegte. Ihr Stirn lag an Han's Brust gelehnt mit dem Blick nach unten gerichtet, während ihre Hände auf seinen starken Schultern ruhten und er ihre Hüften hielt, die mit einem üblichen Krankenhausnachthemd bedeckt waren.

Immer wieder stöhnte die werdende Mutter unter den jetzt regelmäßig kommenden Wehen auf und krümmte sich teilweise vor Schmerzen, die ihr auch die ein oder anderen Tränen in die Augen drückten. Ebenso musste der werdende Vater des Öfteren eingreifen, dass sie nicht wie ein nasser Sack unter ihm zusammen klappte. Dieses Erlebnis brachte so viele Gefühle mit sich, die sich kaum in die richtige Kategorie einordnen ließen. Es waren alles neue, emotionale Kombinationen die man vorher nicht kannte und erst kennenlernen musste.

"Wie geht es dir?", fragte Kelly, als sie nach einer kleinen Stärkung zurück in den Raum kam und ihr fürsorglich über den Rücken strich.

"Es geht, bis die nächste hinterhältige Wehe daherkommt", gab die Dunkelblonde sarkastisch zurück, als sie die schmerzfreie Zeit genoss und anschließend zum Bett übersiedelte.

Im Moment war ihr danach sich hinzulegen und das Ganze aus dieser Position über sich ergehen zu lassen.

"Han, wenn du willst übernehme ich solange. Du siehst nämlich ganz danach aus, als könntest du einen Kaffee vertragen", scherzte die in Japan stationierte Leutnantin, weil ihr seine Augenringe nicht entgangen waren die sein Gesicht zierten.

"Klar, wenn mich Fiona gehen lässt schon", meinte er grinsend und sah herausfordernd in ihr Gesicht, das durch die natürlichen Strapazen der Geburt auf Krawall gebürstet war.

"Geh und hol dir deinen blöden Kaffee!", keifte sie und bekam schon gleich den nächsten Schub der Wehen, den der hochgewachsene Asiat hören konnte, obwohl er bereits aus und fernab der Tür war.

*****

Einige Stunden später war es schließlich soweit: die schwangere Hobbyrennfahrerin hatte in der vergangenen Zeit große Fortschritte gemacht und stand nun kurz davor ihr erstes Kind in den Armen zu halten. Im Kreißsaal herrschte gleichzeitig Hochbetrieb und der Koreaner wurde von der Hebamme auf unbekannte Zeit zu ihrem Assistent erklärt. Er sollte das Bein seiner Freundin halten, während Fiona ihren Teil leistete und wie blöd presste. Ihr Kopf war durch die Anstrengung knallrot, was sich aber durch das nachlassen der Presswehe sofort wieder legte. Die wenigen Sekunden zwischen den abartigen Schmerzen waren Gold wert, aber nur solange bis sich die nächste Kontraktion einschlich und ihr Flüche und Tränen abverlangte.

Zwischendrin tupfte Kelly ihrer Tochter immer wieder mal die Stirn mit einem erfrischenden Tuch ab und sprach der Autoliebhaberin gut zu, um nicht die Kraft zu verlieren. Jedoch war das einfacher gesagt als getan.

"Kann man die Wehen nicht irgendwie stoppen. Ich will nicht mehr", jammerte die Halbjapanerin, nachdem sie sich erneut erschöpft in die Kissen sinken ließ.

Daraufhin bekam sie nur verdutzte Blicke und einige belustigte Kommentare der Anwesenden, welche aber durch eine erneute Pflicht zu pressen sofort weggefegt wurden.

"Noch ein - bis zweimal pressen, dann hast du das schlimmste überstanden", meinte die Hebamme und sah zwischen ihren Beinen auf, um ihre Verfassung zu analysieren. "Du schaffst das!"

Auch der werdende Vater verließ kurzzeitig seine Position, sodass er ihr gut zusprechen konnte. Doch alles was er bekam waren böse Worte wie 'das ist alles deine Schuld!', weil erneut die Schmerzen einsetzten und die Dunkelblonde alles und jedem in ihrem Umfeld verfluchte, während sie mit aller Kraft versuchte ihre Tochter ein für alle Mal aus ihr herauszuquetschen. Zwar hatte sie dadurch Linderung verspürt, doch das kleine Ding steckte immer noch in ihr drin. Die Geburtshelferin machte ihr aber mit der euphorischen Aussage Hoffnung, es sogleich geschafft zu haben.

"Da, das Köpfchen schaut schon raus!", flötete sie und wies Fiona an, noch einmal alles zu geben.

"Oh mein Gott", kam es flüsternd von Han, nachdem er auf die gesagten Worte der Hebamme hin einen kurzen Blick zwischen die Beine seiner Freundin riskiert hatte und nun die gedehnte Öffnung sah, die plötzlich mittig durch dunkle Haare geschmückt wurde.

Keine Frage: ihm gefiel der normale Anblick der weiblichen Genitalien mehr, als während der Geburt. Der Schwarzhaarige konnte augenblicklich spüren wie ihm die Farbe aus dem Gesicht wich und sein Magen sich zeitweilig umdrehte.

"Wenn Sie jetzt umfallen müssen Sie liegen bleiben. Ich hab jetzt keine Zeit", meinte die Frau neben ihm beiläufig, die gerade versuchte das Kind auf die Welt zu holen.

Die junge Polizistin gab nämlich gerade nochmal alles und innerhalb weniger Sekunden erfüllte das erlösende Babygeschrei den hell erleuchteten Raum. Endlich war die Erlösung der Wehen eingetreten, auf die solange hingearbeitet wurde.

"Herzlichen Glückwunsch. Es ist ein Mädchen", flötete die Hebamme und verfrachtete das kleine Bündel augenblicklich auf die Brust der frischgebackenen Mutter.

Sie schaute das kleine zerknautschte Wesen an und strahlte auf der Stelle über beide Ohren, mit glitzernden Tränen in den Augen.

"Das hast du gut gemacht", flüstere Kelly, ehe sie ihrer Tochter einen Kuss auf die Stirn gab und letztendlich für den Vater des Kindes beiseite trat, da sie den einzigartigen Moment des frischgebackenen Elternglücks nicht zerstören wollte.

Sie als Oma des kleinen Mädchen würde noch genügend Zeit haben ihr Enkelkind zu begutachten und im Arm zu halten.

"Sie ist perfekt", sagte der Koreaner und strich sanft über das bläuliche Bäckchen seines Kindes.

Ihre Augen waren weit aufgerissen und bewegten sich in alle möglichen Richtungen, um die neue helle Umgebung auszukundschaften, in der sie sich jetzt befand.

"Sie hat deine Augen", stellte Fiona lächelnd fest, bevor sie 'Ich liebe dich' sagte und ihrem Freund einen Kuss abverlangte, welcher die Liebeserklärung erwiderte, aber dann kurzzeitig gerufen wurde um die Nabelschnur seines neugeborenen Kindes durchzuschneiden.

Anschließend wurden von dem anwesenden Kinderarzt diverse Untersuchungen durchgeführt, während die Hobbyrennfahrerin einige Stiche in ihrem Intimbereich über sich ergehen lassen musste.

"Na hoffentlich nähen die dich sauber zusammen, dass du wieder schön eng bist", scherzte der Schwarzhaarige kaum hörbar, als seine Stirn die ihrige berührte und er ihr einen sanften Kuss auf die Nase gab.

"War ja klar, dass du gleich wieder an Sex denkst. Nur blöd, dass du sechs bis acht Wochen warten musst bis du deinen Freund wieder gegen die Wand klatschen kannst, solange bis er sich übergibt", kicherte die junge Mutter und funkelte ihren Partner frech an, nachdem er sich etwas von ihr entfernt hatten.

In seinem Gesichtsausdruck spiegelte sich Enttäuschung und Belustigung zugleich, was man ihrer Wortwahl zu verdanken hatte. Dennoch war er selber Schuld, da er im Geburtsvorbereitungskurs nicht aufgepasst hatte.

*****

Etwas später war die kleine Familie wieder vereint. Die Dunkelblonde stillte ihre Tochter zum ersten Mal und entschied gleichzeitig zusammen mit dem Koreaner darüber,  welchen Namen die kleine Maus mit den pechschwarzen Haare nun endlich haben sollte. Die Entscheidung war in die letzten Wochen nicht eindeutig gewesen, weshalb es auf den Tag der Geburt verlegt wurde, welcher der 14. Februar 2007 war.

"So und wenn wir uns einfach auf einen Doppelnamen einigen? So haben wir beide unseren Willen", meinte die junge Polizistin und schielte halbwegs zu ihrem Nachbar hinüber, der noch immer zu überlegen schien.

"Maja Naoko Lue?", schlug er kurz darauf vor und wartete ihre Antwort ab, die nicht lange auf sich warten ließ.

Denn im selben Moment, als die wenigen Silben seinen Mund verließen hatte sich das kleine Bündel von der Brustwarze seiner Mutter gelöst und breit angefangen zu strahlten. Das war Grund genug, diesen Vorschlag als genehmigt einzustufen.

"Klingt gut – Maja Naoko Lue", wiederholte sie den Namen, der augenblicklich perfekt in ihren Ohren klang, ehe sie weitersprach. "Jetzt da sie hier ist können wir sagen, dass wir im Teilelager gute Arbeit geleistet haben. Meinst du nicht auch?" lachte Fiona, als sie an ihren ersten gemeinsamen Sex zurückdachte, welcher bombastisch gut gewesen war, obwohl sie zwischenzeitlich durch die Schulkinder gestört worden waren, der hochgewachsene Asiat aber dann nochmal einen drauf gelegt hatte.  

"Auf jeden! Nicht auszudenken, wenn du deinen Willen nicht durchgesetzt hättest und wir total altmodisch miteinander geschlafen hätten", gab der Vater mit gespielter Erleichterung zurück und stimmte ebenso in das herzliche Lachen seiner Freundin mit ein, bevor die Oma des Kindes zurück in den Raum kam.

Diese erkundigte sich auf der Stelle, ob sie nun endlich einen Namen ausgewählt hatten, welcher nach Verkündung auch sofort gefiel.

Mutter und Kind wurden letztendlich dann noch für ein paar Tage im Krankenhaus betreut, bevor Han seine zwei Mädels nach Hause holen und das Familienleben beginnen konnte, wo dann auch der frischgebackene Opa seine Enkelin zum ersten Mal sehen durfte.
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