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Zwischen Liebe und abgefahrenen Reifen

GeschichteLiebesgeschichte / P18
DK Han Neela OC (Own Character) Sean Twinkie
08.06.2020
28.11.2020
30
34.597
3
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Dieses Kapitel
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22.10.2020 1.277
 
Sichtwechsel Fiona & Han

Die Auseinandersetzung zwischen dem amtierenden Drift King und seinem (Ex)Geschäftspartner war im vollen Gange. Und selbstverständlich, wie der Teufel es so will, fuhr Fiona im selben Moment am Austragungsort vor. Der Notfall zu dem sie ein paar Stunden zuvor gerufen wurde, stellte sich als harmlos heraus, weshalb sie so früh schon wieder zurück war. Und noch bevor der Wagen um die Ecke bog, konnte sie schon einen Blick durch die massiven Betonbrückenpfeiler hindurch erhaschen, die in die Höhe ragten. Selbst aus der Ferne sah das Ganze nicht nach einem Kaffeekränzchen aus, das war sicher. Also schaltete die junge Polizistin vorsichtshalber die Scheinwerfer aus und reduzierte die Geschwindigkeit, um so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen.

Voll konzentriert und mit ihrer Waffe im Anschlag, schlich sie sich an und positionierte diese letztendlich an Takashis Hinterkopf. Es schien so, als hätte keiner der Beteiligten etwas mitbekommen. Nicht einmal Morimoto der fast mit Sean zu rangeln begann, geschweige denn sein anderer Handlanger der nur dumm aus der Wäsche guckte.

"Du lässt besser die Waffe fallen, bevor ich dir dein verdammtes Hirn von deinem verdammten Hals knalle!", ertönte die weibliche Stimme hart und bestimmt hinter dem Neffe von Kamata.

Der flachnasige Japaner schnaubte verächtlich und verzog das Gesicht, ehe er widerwillig die Pistole zu Boden warf und sich darauffolgend mit erhobenen Händen ergab. Doch dabei blieb es anscheinend nicht, was sich noch herausstellen würde. Die junge Polizistin hatte keinen blassen Schimmer warum das alles hier aus dem Ruder gelaufen war, aber sie würde es noch früh genug herausfinden. Also gab sie ihrer Liebschaft die Anweisung die Schusswaffe an sich zu nehmen, während sie dessen (Ex)Geschäftspartner noch immer im Ziel hatte.

"Ach, jetzt versteh ich was hier läuft. Dann sind die Gerüchte wahr, dass du dich mit einer Polizisten-Schlampe eingelassen hast", stellte Takashi fest, während er Han böse anfunkelte und sich dann langsam umdrehte, um sich selbst davon zu überzeugen.

Durch sein Handeln wurde ihm klar, dass er mit dem Feuer spielte weil die Autoliebhaberin nur den Abzug betätigen musste, um ihm einen tödlichen Schuss zu verpassen. Aber dieses Risiko nahm er ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf. Arrogant und wütend zugleich blickte er an der Waffe vorbei, die ihm jetzt buchstäblich im Gesicht klebte, in die blauen Augen von Fiona. Ihre Mimik hatte sich kein bisschen verändert, da sie als Gesetzeshüterin stets ernst bleiben musste. Jedoch wusste sie nicht, was sie machen sollte. Klar konnte sie ihn festnehmen und dadurch das Problem lösen, aber zur selben Zeit würde ihr womöglich die Mafia auf den Hals gehetzt. Soweit war sie schon in die Sache eingeweiht worden. Da niemand etwas sagte und das Schweigen überhand nahm, ergriff DK erneut das Wort und sprach eine Drohung an den Koreaner gerichtet aus.

"Falls ich hier lebend rauskomme, stell sicher dass mir dein Schoßhündchen nicht noch einmal in die Quere kommt. Ansonsten kann ich für nichts garantieren."

Er konnte den Verräter nicht sehen, da er hinter ihm stand. Aber womöglich hielt er nun ebenfalls die Pistole auf ihn gerichtet. Und ohne auf die gemachte Aussage Takashis einzugehen, bat der hochgewachsene Asiat seine Freundin darum ihn laufen zu lassen. Er würde eine andere Lösung finden, das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Widerwillig gefolgt von einem Schnauben ihrerseits nahm die junge Frau ihre Schusswaffe runter und verstaute diese in ihrem Polizeigürtel, bevor auch sie das Wort erhob.

"Verschwinde und lass dich hier ja nicht mehr blicken!", zischte die Hobbyrennfahrerin wütend, was sich der Japaner kein zweites Mal sagen ließ.

Mit einem Rempler gegen ihre Schulter, stürmte er gefolgt von seinen zwei japanischen Komplizen durch das komplett geöffnete Tor hinaus in die kühle Abendluft. Anschließend heulten die Motoren auf und die getunten Spielzeuge rollten von dannen. Han eilte währenddessen zu Fiona und nahm sie in den Arm, als sich auch andere dem Paar näherten und sich erkundigten, ob alles in Ordnung war.

*****

Nach dem ganzen Vorfall stand Han noch immer unter Strom, weshalb er alle Beteiligten bat zu gehen. Er wollte für heute die Werkstatt dicht machen, um auf andere Gedanken zu kommen. Er wollte mit der Frau zusammen sein, die ihm mehr oder weniger den Arsch gerettet hatte. Was wäre gewesen, wenn sie nicht zufällig aufgetaucht wäre? Womöglich wäre er jetzt ein toter Mann. Der Koreaner schuldete ihr eine Erklärung. Das war das Mindeste, was er tun konnte. Und er konnte froh sein, wenn sie ihn dafür nicht ins Gefängnis warf. Also hatte er ihr vorgeschlagen im Anschluss bei ihr im Hotel vorbeizukommen, nachdem er sich um den Rest gekümmert hatte.

Die junge Polizistin hatte zu diesem Zeitpunkt eher gleichgültig auf den Vorschlag seinerseits reagiert, wenn auch nur weil sie ebenfalls mit dem Gedanken zu kämpfen hatte 'was wäre wenn?'. Zwar hatte sie ihre Tränen unterdrückt, während er seine starken Arme um sie geschlungen hielt. Doch sobald sie in ihrem blauen Nissan 350z saß und außer Sichtweite war, konnte sie die aufgestaute Flüssigkeit nicht mehr zurückhalten.

Die ganze Fahrt über bis zum Hotel und sogar noch als sie im Zimmer angekommen war, konnte sie nicht aufhören zu weinen. Doch als es plötzlich an der Tür klopfte, versuchte sich die Hobbyrennfahrerin so gut es ging zusammenzureißen, weil sie nicht als Heulsuse abgestempelt werden wollte.  Also wischte sie mit dem Handrücken über ihre Augen und öffnete ihrem Gast letztendlich die Tür.

"Komm rein", kam es leise über ihre Lippen, während sie seitlich hinter der geöffneten Tür wartete, bis der Koreaner eingetreten war.

Er ging an ihr vorbei und blieb auf der Höhe des Bettes stehen, bis die Tür zurück ins Schloss gedrückt wurde und die junge Beamtin sich zu ihrem Freund gesellte. Der hochgewachsene Asiat passte seine Größe an, indem er etwas in die Knie ging, ehe er ihre Oberarme beidseitig berührte und ihr tief in die Augen sah. Es war nicht schwer zu erkennen, dass sie geweint hatte.

"Es tut mir leid, dass du mich aus dieser Misere ziehen musstest, die ich mir selbst eingebrockt habe. Aber wärst du nicht gewesen, würde ich wahrscheinlich jetzt nicht hier stehen. Dafür steh ich in deiner Schuld."

Seine Stimme klang ernst und schuldbewusst, doch das hielt die Autoliebhaberin nicht davon ab, der ganzen Sache auf den Grund zu gehen. Klar, sie wusste dass dieser DK der Neffe des Mafia-Bosses Kamata war. Das erklärte aber noch lange nicht, warum Han so tief in der Scheiße stand. Aber das würde Fiona schon gleich herausfinden. Am besten ehrlich und ungeschnitten, um nicht noch mehr in Schwierigkeiten zu geraten, wie er ohnehin schon war. Doch bevor sie ihn zur Rede stellte, nahmen beide auf dem großen weichen Möbelstück Platz, um es bequem zu haben.

"Dann mal raus mit der Sprache", fing Fiona an und wartete erwartungsvoll auf eine ehrliche Erklärung seinerseits.

"Kurz und knapp: ich habe meinen Geschäftspartner beziehungsweise die Yakuza, wofür Takashi den Laufburschen spielt, um ihr Geld beschissen."

Jetzt war es raus und die Dunkelblonde musste erst einmal die Worte auf sich wirken lassen. Eigentlich war sie auf mehr gefasst gewesen, aber im Nachhinein machte seine Aussage doch Sinn. Zwar hätte sie gehofft zu hören, das Han nicht der Schuldige war aber sie konnte die Zeit nicht zurückdrehen und alles ungeschehen machen. Dennoch war es eine Straftat und er konnte froh sein, dass sie ihn nicht an die Beamten auf dem Revier auslieferte. Er musste definitiv eine Lösung finden, aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen, ohne sein Leben erneut zu gefährden. Denn tief in ihrem Herzen konnte sie spüren, dass dort das ein oder andere Gefühl für ihn keimte.
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