Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Zwischen Liebe und abgefahrenen Reifen

GeschichteLiebesgeschichte / P18
DK Han Neela OC (Own Character) Sean Twinkie
08.06.2020
28.11.2020
30
34.597
3
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
08.06.2020 1.050
 
Immer wieder heulte der Motor unter Druck aufs Gaspedal auf und der Drehzahlmesser sprang hinauf bis an die Grenze. Voll konzentriert und mit beiden Händen am Lenkrad, fixierte sie durch das Visier des Helms die immer näher kommende Linkskurve des Suzuka Racing Course. Nun hing alles von dem richtigen Zeitpunkt ab, die Handbremse anzuziehen und perfekt um die Biegung zu schlittern. Mit quietschenden und qualmenden Reifen war die letzte Kurve gemeistert.

Voller Freude schlug Fionas Herz ihr bis zum Hals. Endlich hatte sie diese letzte Kurve bezwungen, an der sie immer wieder gescheitert war. Jede andere war ein Kinderspiel gewesen, doch hier machte sie anscheinend immer wieder den selben Fehler. Zwar wusste sie nicht warum, aber das gehörte nun der Vergangenheit an.

"Fiona, du hast einen dringenden Anruf", meldete sich eine weibliche Stimme durch ein Headset zu Wort, das sie unter ihrem Helm trug.

Die Führerin des blauen Sportwagens, ein 2003 Nissan 350z, nahm die Mitteilung zur Kenntnis und unterbrach ihre freie Zeit auf der Rennstrecke. Langsam aber sicher bremste sie ihr Auto runter und lenkte es anschließend in die Boxengasse, wo eine Brünette junge Frau in einem Klappstuhl saß und wartete.

Fiona nahm ihren Helm ab und legte ihn auf den Beifahrersitz, ehe sie sich abschnallte und aus dem tiefergelegten Gefährt ausstieg. Einmal ausgestiegen fuhr sie sich zwei dreimal durch ihre langen dunkelblonden Haare, bevor sie nach dem Mobiltelefon griff.

"Hallo, hier ist Fiona Kinomoto. Wie kann ich Ihnen helfen?"

Normalerweise bekam die Dunkelblonde um diese Uhrzeit keine Anrufe mehr auf ihr Diensttelefon, doch es gab immer ein erstes Mal, was nun der Fall war. Sie hatte keine Ahnung wer er sein konnte, da sie die Nummer auf dem Display nicht zuordnen konnte. Also konnte man nur gespannt auf das Anliegen des Anrufers warten.

"Hey, ich bin's Shinichi. Wie geht es dir?"

Und schon fiel es Fiona wie Schuppen von den Augen. Es war ihr guter Freund, mit dem sie zusammen die Polizei Akademie absolviert hatte. Die beiden waren während den vierzehn Wochen unzertrennlich gewesen, doch dann trennten sich ihre Wege.

"Shinichi, schön von dir zu hören. Mir geht es gut und dir? Was verschafft mir die Ehre?", fragte die Autoliebhaberin, während das Handy hier und da die Seiten wechselte, um aus dem Overall zu steigen. Die zwei unterhielten sich wenige Minuten über beiläufige Sachen, bis das Gespräch bei der eigentlichen Frage angelangt war und Fiona endlich eine Antwort bekam.

Shinichi wollte wissen, ob sie noch immer in ihrer Freizeit Rennen fuhr und ob sie sich vorstellen könnte, der Polizei in Tokio unter die Arme zu greifen. Die Beamten dort waren mit ihrem Latein am Ende, die Raser zu stoppen. Deswegen haben sie ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, um die Raser mit deren eigenen Waffen zu schlagen. Doch dazu brauchte es erst mal einen Gesetzeshüter mit passenden fahrbarem Untersatz, was für die junge Frau mit ihrem Nissan kein Problem war.

"Das klingt gut! Bin dabei", antwortete sie, bevor sie sich fürs Erste verabschiedete und sich anschließend ihrer besten Freundin widmete, die noch immer in dem Klappstuhl saß. Diese sah erwartungsvoll zu ihrem Gegenüber hoch und wartete auf eine Erklärung. Fiona ließ ihr Telefon in der Gesäßtasche verschwinden und faltete anschließend ihren Overall zusammen.

"Mir ist deine Freude nicht entgangen. Um was ging es in der Unterhaltung?", fragte ihre Freundin, deren Name Sakura war. Sie war schon immer eine ziemlich neugierige Natur gewesen. Die Hobbyrennfahrerin machte es sich ebenfalls in einem Klappstuhl gemütlich und griff nach einer Dose Cola, die in einer Kühlbox mit vielen anderen lag.

"Die Polizei in Tokio braucht jemanden mit Rennfahrerfahrung, der an den Start für ein Pilotprojekt geht. Und mein Freund Shinichi hat mich dafür vorgeschlagen. Das heißt, dass ich die nächsten sechs Monate in der Hauptstadt verbringen werde", erklärte sie ihrer Freundin, woraufhin Fiona einen großen Schluck ihres eisgekühlten Getränks nahm und die letzten Sonnenstrahlen genoss, bevor sich die Sonne verabschiedete.

*****

Einige Tage später saß die Polizistin bereits in ihrem blauen Nissan 350z auf dem Weg nach Tokio. In den letzten 72 Stunden lag sie alles daran, ihren Papierkram auf dem Revier so gut wie möglich abzuarbeiten, um schnellstmöglich die begrenzte Versetzung wahrnehmen zu können. Eigentlich hatten die Beamten in der Hauptstadt gehofft, Fiona könnte schon einen Tag nach dem Anruf ihren Dienst antreten, aber sie wurde noch gebraucht. Erst als die übriggebliebenen Fälle abgearbeitet waren, konnte ihr Chef ihr grünes Licht geben.

Die Autoliebhaberin war aufgeregt, da sie nie damit gerechnet hatte, ihr Hobby in ihren Beruf einbinden zu können. Deswegen konnte sie es nicht erwarten endlich in der Metropole anzukommen. Von ihrer Heimatstadt Suzuka waren es knappe fünf Stunden Autofahrt, die die junge Frau zurücklegen musste. Aber da die Hobbyrennfahrerin schon ziemlich früh losgefahren war, hatte sie schon über die Hälfte hinter sich. Hier und da legte sie kleine Zwischenstopps ein, um zu essen und den menschlichen Bedürfnissen nachzukommen.

Am frühen Nachmittag erreichte die junge Frau endlich die Dienststelle der Polizei in Tokio. Sie lenkte ihren Wagen auf den Parkplatz und suchte sich eine freie Parklücke. Anschließend schnappte sie sich ihre Handtasche und diverse Unterlagen, die die Autoliebhaberin mitbringen musste, um die begrenzte Versetzung in Kraft zu setzen. Als Fiona zur Eingangstür lief, wurde sie schon von einem großgewachsenen Japaner empfangen. Es war ihr Freund Shinichi, dem sie ihre ungefähre Ankunftszeit bei einem Anruf während der Fahrt mitgeteilt hatte.

"Fiona!", rief er und kam mit offenen Armen auf die dunkelblonde Beamtin zu, die seine Umarmung letztendlich erwiderte.

"Bist du gewachsen? Ich hab dich gar nicht als überdimensionalen Riesen in Erinnerung", scherzte Fiona, als sie an ihm vorbei durch die Tür trat, die Shinichi für sie offen hielt.

Er führte seine Freundin durch das Gebäude, zu seinem Chef, der schon auf die zukünftige Polizeikollegin wartete. Dieser und die neue Kollegin gingen unter vier Augen über all die mitgebrachten Unterlagen, bevor er die Fiona mit dem Pilotprojekt vertraut machte. Ebenfalls teilte er ihr mit, das sie noch heute einen bereits ausgemachten Termin in einer, mit der Polizei unter Vertrag stehenden, Autowerkstatt in Anspruch nehmen musste, um die vorausgesetzten Änderungen an ihrem Sportwagen vornehmen zu lassen. Es waren eine Sirene, eine Sprechanlage und unauffällig verbaute Polizeilichter, da das Projekt selbstverständlich im Geheimen erfolgen sollte.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast