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Somebody help me

Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Sebastian Stan
07.06.2020
18.09.2020
7
12.707
7
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11 Reviews
Dieses Kapitel
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07.06.2020 1.795
 
Hallo ihr Lieben! Da bin ich wieder. Nachdem ich meine erste Geschichte (Man sieht sich immer zweimal im Leben) erfolgreich zu Ende gebracht habe, haben die Plotbunnies nicht lange auf sich warten lassen.
Und jetzt habe ich es endlich geschafft, die ersten Zeilen zu Papier zu bringen.
Viel Spaß beim Lesen!



Es war still. Nur ein leichtes Lüftchen wehte, brachte allerdings keinerlei Erfrischung bei der Hitze.
Mir rann der Schweiß unter der Ausrüstung den Rücken runter, während die Sonne erbarmungslos auf mich und meinen Spotter schien.
Die Hitze flimmerte über dem Boden von Dschalalabad und ließ alles in der Entfernung verschwimmen.
Marc lag neben mir und spähte durch sein Fernglas um mir die Entfernung und Windrichtung anzusagen, während ich alles an meinem Scharfschützengewehr einstellte.
Unser Team war kurz davor einen Gefangenenaustausch mit den Taliban zu machen. Sie hatten einen unserer Agents enttarnt und wir wurden zur Rettung geschickt.
Auf dem Markt im nächsten Ort konnten wir den Sohn des Anführers ausfindig machen und nahmen ihn als Druckmittel mit.
Der Humvee des Teams fuhr vor und blieb am Treffpunkt stehen, genauso der klapprige Jeep der Gegenseite.

Durch das Zielfernrohr sah ich mir die Umgebung an, als plötzlich alles ganz schnell ging. In einiger Entfernung, am Hang einer Bergkette, nahm ich eine Bewegung wahr und registrierte erst zu spät, was es war.
Ein Kämpfer der Gegenseite hatte sich mit einer Panzerfaust gut versteckt gehalten und kam erst im letzten Moment aus seiner Deckung. Mein Finger war schon am Abzug, jedoch zu spät.
Er konnte einen Schuss abgeben. Das Geschoss flog genau auf das Fahrzeug meiner Kameraden zu. Bevor er noch einmal schießen konnte, schaltete ich ihn aus.
Wie in Zeitlupe nahm ich wahr, wie der Humvee getroffen wurde und in die Luft ging. Ich konnte nicht einmal das Team warnen.
Mein Herz pochte mir bis zum Hals und mein ganzer Körper war angespannt. Ich hörte Marc neben mir reden, verstand aber kein Wort.
Die schwarzen Rauchschwaden verdeckten mir die Sicht auf den Feind und ich hatte das Gefühl, den beißenden Geruch von verbranntem Fleisch in der Nase zu haben. Mir wurde schlecht.

Ein erstickter Schrei ließ mich aufschrecken.
Um mich herum war es dunkel. Orientierungslos tastete ich mich durch meine Umgebung. Der weiche Untergrund war eine Matratze. Ich war zu Hause und der Schrei konnte nur von mir kommen.
Meine Lungen brannten, ich hatte nicht einmal gemerkt, dass ich die Luft angehalten hatte.
Zitternd fing ich wieder an zu atmen.
Mit den Händen fuhr ich mir erschöpft über das Gesicht.
„Ich bin zu Hause, das war nur ein Traum.“, murmelte ich beruhigend auf mich selbst ein und versuchte die aufsteigende Panik los zu werden. Leider war es nicht nur ein Traum gewesen. Das alles war wirklich passiert. Vor gut einem Monat. Bei dem Gedanken daran stiegen mir wieder die Tränen in die Augen. Das Leben guter Menschen wurde von dem einen Augenblick auf den nächsten einfach ausgelöscht.
Mit angezogenen Beinen saß ich im Bett und versuchte meinen Herzschlag wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie gerädert. Völlig ausgelaugt warf ich mir eine Aspirin in das Wasserglas und wartete, bis das Sprudeln nach ließ.
Die Wohnungstür wurde geöffnet und ließ mich alarmiert aufschauen.
Als ich erkannte, dass es Jake war, entspannte ich mich wieder etwas. Er kam gerade von seiner Nachtschicht zurück.
„Guten Morgen Schatz.“, er legte die Brötchentüte auf den Tisch und gab mir einen Kuss auf den Scheitel.
Ich brummte ihm nur eine Begrüßung entgegen und zwang mich zu einem Lächeln.
„Du siehst müde aus. Dabei sollte ich es eigentlich sein, der so müde aussieht.“, kommentierte er mein fertiges Aussehen und setzte sich an den Tisch. „Schließlich bin ich derjenige, der arbeiten war.“
Ich nahm mir ein Brötchen und schnitt es auf, seinen Kommentar beachtete ich gar nicht.
Seitdem ich von meinem letzten Einsatz zurück war, hatte ich mir Urlaub genommen. In meinem jetzigen Zustand hätte mein Commander mich sowieso wieder nach Hause geschickt.

„Alena?“, fragend sah Jake mich an.
„Hm?“, ich hatte gar nicht mitbekommen, dass er mir eine Frage gestellt hatte.
„Ich sagte, dass nachher ein paar Freunde vorbei kommen werden.“
Ich nickte nur und biss in mein Brötchen. Das würde ein anstrengender Abend werden. Seine Buddys konnte ich zwar ziemlich gut leiden und verstand mich auch gut mit ihnen, allerdings konnten sie auch ziemlich laut werden. Und momentan war es einfach nur Kräfte zehrend alles mit einem Lächeln hinzu nehmen, als wäre nichts los.
Bis jetzt schien es noch gut zu klappen, da Jake noch nichts wirklich mitbekommen hatte. Vielleicht lag es aber auch daran, dass wir uns kaum sahen, da er ziemlich viel arbeiten musste.

„Naja, ich werde mich jetzt hinlegen. Wärst du so nett und bringst die Bude etwas auf Vordermann?“, Jake streckte sich einmal und fuhr sich mit den Händen durch das blonde Haar, ehe er aufstand und ins Badezimmer verschwand.
„Gute Nacht.“, ich widersprach ihm nicht. Er würde wahrscheinlich gleich mit dem Argument kommen, dass ich eh nur Zuhause herum saß und nichts tun würde.
Als er die Tür zum Schlafzimmer schloss, räumte ich die Teller in die Spülmaschine und machte mich daran die Wohnung zu saugen und zu wischen.
Sobald ich fertig war, machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt. Um die Menschenansammlungen und die Enge der U-Bahn zu vermeiden, fuhr ich mit dem Rad.
Auf den Straßen und Radwegen war zwar auch viel los, aber hier hatte ich immerhin nicht dieses Engegefühl in der Brust.
Als ich neulich das erste Mal, ohne darüber nachzudenken, in die Subway stieg, überkam mich eine plötzliche Angst gefolgt von Atmennot. Seitdem vermied ich es gekonnt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Ich schloss meinen Drahtesel am Fahrradständer an und ging in den Supermarkt. Dieser war zum Glück nicht so gut besucht. Schnell erledigte ich den Einkauf, ein paar Bier für Jake und seine Freunde und ein paar Snacks.
Mit vollen Tüten und geleertem Geldbeutel machte ich mich wieder auf den Heimweg. Schwer beladen lenkte ich mein Fahrrad durch die Passanten und war froh, als ich endlich unser Wohnhaus sah.
Unter Menschen zu sein war immer wieder stressig für mich, vor allem nach Afghanistan.
Die Einkäufe stellte ich in den Hausflur, um mein Rad in den Keller zu bringen und brachte danach die Tüten hoch. Wir wohnten zum Glück im ersten Stock.

oOo

Die Türklingel läutete und ließ mich zusammen schrecken. Es war also soweit.
„Alena! Mach mal bitte auf!“, rief Jake mir aus dem Badezimmer zu.
Ich atmete einmal tief ein und wieder aus, um das beklemmende Gefühl los zu werden und öffnete dann mit einem Lächeln die Tür.

„Hallo Alena.“, begrüßte mich Thomas, ein groß gebauter Mann mit Dreitagebart.
„Hi, komm rein. Jake kommt gleich.“, mit einer Handbewegung zeigte ich in Richtung des Wohnzimmers mit der großen Sofagarnitur, die einen anthrazitfarbenen Bezug hatte. Mit einem Sixpack Bier ging er an mir vorbei.
Ich kam gar nicht dazu die Tür zu schließen, da kam schon der nächste die Treppe herauf.
Es war Marcus. Er, Thomas und Jake sind Freunde seit er Highschool. Marcus ging danach auf die Rutgers University in New Jersey, an der er Sebastian kennen lernte, der Vierte im Bunde.
„Hi.“, begrüßte er mich lächelnd, was ich erwiderte. Marcus war mit der lauteste der Freunde, wobei er der Kleinste war.
Ungefähr zehn Minuten später klingelte es erneut. Das musste dann wohl Sebastian sein. Er bildete etwas den Ruhepol der Gruppe und egal wo er hin kam, er wurde immer freundlich aufgenommen. Er hatte so was an sich.
„Hey Alena, du bist also wieder zurück.“, begrüßte er mich freundlich und umarmte mich kurz.
„Seit einem Monat schon.“, erwiderte ich knapp und wich seinem Blick aus. Von Jakes Freunden verstand ich mich mit Seb am besten.
Er musterte mich kurz, bevor er an mir vorbei ins Wohnzimmer ging. Unsicher schloss ich die Tür. Hatte er etwas gemerkt?
Mit gestrafften Schultern folgte ich ihm ins Wohnzimmer, aus dem schon Gelächter drang.

Ich zuckte unmerklich zusammen, als Jake brüllend los lachte und mich dabei anstieß. Ein unbehagliches Lächeln wanderte über meine Lippen, während ich meine Finger knetete um Spannung abzubauen.
Die Männer ließen ihre Highschoolzeit wieder aufleben, indem sie die lustigsten Ereignisse erzählten.
Mein Blick wanderte zu Sebastian, der mir gegenüber saß. Er verhielt sich auch etwas ruhiger, was vermutlich daran lag, dass er zu dieser Zeit noch nicht dazu gehörte.

Mit voranschreitender Stunde wurde der Geräuschpegel lauter, je mehr Bier floss.
„Kannst du noch mal ein Sixer holen, Schatz?“, Jake zog mich auf seinen Schoß und drückte mir einen feuchten Kuss auf die Wange.
Ich befreite mich aus seinen Armen und war froh das Zimmer verlassen zu können. In der Küche erlaubte ich mir kurz meine Maske fallen zu lassen. Ich hatte geahnt, dass es anstrengend sein würde, aber das war jetzt doch etwas mehr als gedacht. Hinzu kam auch noch, dass ich furchtbar müde war.
„Alles in Ordnung?“, Sebastians Stimme ließ mich herum fahren. Ich hatte nicht mitbekommen, dass er mir gefolgt ist.
Ich musste mich kurz sammeln, bevor ich antwortete. „Ja, ich bin nur etwas geschafft.“ Das war nicht einmal gelogen.
„Das habe ich gemerkt.“, er lächelte leicht und lehnte sich gegen den Türrahmen.
„Ist es nicht etwas langweilig für dich, während die anderen über ihre Schulzeit reden?“, wechselte ich das Thema.
„Deswegen bin ich dir gefolgt. Vielleicht brauchst du ja Hilfe beim tragen.“, ein Grinsen zierte seine Lippen.
„Danke, aber sechs Flaschen kann ich schon noch alleine tragen.“
„Darf ich ehrlich mit dir sein?“, sein Blick wurde ernst.
Ich schluckte, hatte Angst vor seinen Worten, aber nickte dann.
„Du siehst echt nicht fitt aus und wenn mich nicht alles täuscht, hast du dich auch etwas verändert.“, Seb kam einige Schritte auf mich zu und versuchte meinen Blick einzufangen.
„Ich habe nur schlecht geschlafen, das ist alles. Außerdem haben wir uns fast ein halbes Jahr nicht mehr gesehen, was erwartest du?“, schnell nahm ich die Flaschen aus dem Kühlschrank und wollte sie ins Wohnzimmer bringen.
„Okay. Aber falls doch mehr dahinter steckt oder du einfach nur so reden willst, dann melde dich gerne.“
Ein Schauer lief mir den Rücken runter und meine Augen fingen an zu brennen. Das war kein gutes Zeichen, meine Maske drohte endgültig zu fallen.
Er war der Erste, dem auffiel, das irgendwas nicht stimmte. War Jake wirklich so blind, nicht zu sehen, wie es mir ging? Immerhin war ich jetzt schon ein Monat wieder hier und er hatte mich noch nie wirklich auf mein Befinden angesprochen. Sebastian hingegen sah mich zum ersten Mal nach sechs Monaten wieder und erkannte gleich, dass etwas nicht stimmte.
„Danke.“, ich presste die Zähne aufeinander und blinzelte ein paar Mal, bevor ich die Flaschen an den Tisch brachte.


Lasst mich wissen, wie ihr das erste Kapitel so fandet :)
Schönen Sonntag noch!
Marvelsuchti
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