Wie Malou Eaton zu Em wurde - Divergent

GeschichteAllgemein / P18
Eric Marcus Eaton OC (Own Character) Tobias "Four" Eaton Uriah
07.06.2020
23.06.2020
10
9.877
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
07.06.2020 1.045
 
Tobias Sicht
Vorsichtig schob sich eine Hand in meine. Ich schaute zu meiner kleinen Schwester runter, konnte ihre Angst förmlich spüren und auch ich spannte mich automatisch an. Wir wussten beide, was uns jetzt erwarten wird. Noch ein letztes Mal schaute ich sie aufmunternd an und drückte ihre schmale Hand, bevor ich die Tür zu unserem Haus bei den Altruan öffnete. Insgeheim hoffte ich, Vater wäre noch nicht wieder zuhause, aber natürlich wurde ich enttäuscht. Noch bevor ich einen Schritt ins Haus machen konnte, hörte ich seine Stimme durch den Flur schallen: “Na endlich, ich verhunger schon, Malou wo bleibt das Essen?” “Ich bin schon unterwegs, Vater”,rief meine Schwester zurück und sprintete in die Küche. Ich seufzte. Wie kann ein Mensch seine eigene Tochter so rumkommandieren, als wäre sie sein persönliches Dienstmädchen? Grausam. Ich zog meine Schuhe aus und stellte sie, gemeinsam mit Lou’s, ordentlich in ein Regal neben der Tür. Als ich wieder aufschaute, stand mein sogenannte Vater im Türrahmen und schaute mich an: “Wie war dein Ergebnis?”, fragte er. Mein Ergebnis, was sollte ich sagen? Heute war der Eignungstest für alle 16 jährigen. Seit dem letzten, verheerenden Krieg, ist unsere Gesellschaft in fünf Fraktionen Fraktionen aufgeteilt. Nach einem Eignungstest kann jeder Jugendliche wählen, zu welcher von ihnen er künftig gehören will: zu den Altruan, die Selbstlosigkeit als den wichtigsten Wert erachten, das Gemeinwohl über ihre eigenen Bedürfnisse stellen und deshalb die politische Führung bilden; zu den Candor, den Freimütigen, denen Wahrheit über alles geht; den Ken, den Gelehrten, die Wissen und Erkenntnis über alles stellen; den Amite, den Friedfertigen, die die menschliche Aggression für die Ursache allen Übels halten; oder den Ferox, den Furchtlosen, die Mut und Tapferkeit für die höchsten Tugenden halten. Eben jener Test soll uns helfen zu entscheiden, in welcher Fraktion wird zukünftig leben möchten. Dafür hätte ich persönlich den Test allerdings nicht machen müssen; ich wusste bereits in welcher Fraktion ich leben wollte und ganz nebenbei hat der Test mir auch kein eindeutiges Ergebnis geliefert. Ich war unbestimmt und damit laut den Ken eine Gefahr für unsere Gesellschaft, da Unbestimmte, im Gegensatz zu Fraktionslosen, die in gar keine Fraktion passen, in alle Fraktionen passen, was aber wiederum bedeutet, dass sie sich keiner Fraktion richtig anpassen können. Wie auch immer, Unbestimmte wurden nicht gerne gesehen, daher durfte ich mein Ergebnis niemanden verraten, erst recht nicht meinem Vater. “Wie dein Ergebnis war, habe ich gefragt!”, hörte ich Marcus schreien und spürte gleichzeitig seine Hand auf meiner Wange. „Wie zu erwarten“, gab ich wütend zurück und ging damit vorbei an meinem Vater zu meiner Schwester, die immer noch in der Küche stand und das Essen zubereitete. Ich ging ihr ein bisschen zur Hand und keine zehn Minuten später stand das Essen auf dem Tisch. Wir aßen schweigend, wie bei den Altruan üblich und Malou begann den Tisch abzuräumen, als alle fertig waren. Auf dem Weg zur Küche allerdings, hielt mein Vater sie zurück, packte sie an der Hüfte und zog sie auf seinen Schoß. Vor Schreck ließ sie alle Teller fallen, doch das schien Markus überhaupt nicht zu stören. Mit großen Augen sah sie ihn an, er hatte ein teuflisches Grinsen im Gesicht und streichelte ihr über die Wange. Wieso diese Zärtlichkeit? „Wollen wir doch mal nicht hoffen, dass dein Bruder uns morgen verlässt, sonst wird das wohl ernsthafte Konsequenzen für dich haben, mein Schatz“, flüsterte er ihr ins Ohr, schaute mich aber dabei an und stellte klar, dass ich es verstand. Er schubste Malou hart von seinem Schoß, sodass sie strauchelte und auf den Knien auf dem Boden aufkam. Das nutze Markus aus und ließ seinen Fuß zwischen ihre Rippen schnellen. Sie stöhnte auf und fiel auf die Seite, nur um den nächsten Tritt in den Bauch zu kassieren. „Das reicht“, ich springe auf und schubse meinen Vater von Malou weg. Er macht keine Anstalten etwas zu sagen, sondern begibt sich stattdessen ins Wohnzimmer. Ich schaue ihn grimmig hinterher und helfe Malou auf die Beine. Sie schmiegt sich an mich und ich schließe vorsichtig meine Arme um sie. Sie stützend gehen wir die Treppe hoch in ihr Zimmer. „ Ich werde dich nicht mit ihm alleine lassen, keine Angst“,  sage ich nach einer Weile. „Quatsch.“ Sie schaut mich an. „Was würde das ändern, er verprügelt uns doch so oder so.“ Sie hat recht, ja. Aber ich kann sie einfach nicht hier zurücklassen. Ich war mir so sicher, dass ich die Altruan morgen verlassen werde. Ich bin kein Altruan, bin nicht immer selbstlos und aufopfernd. Für mich sind die Altruan die, die keinen Spaß im Leben haben. Ich meine, was ist falsch daran Geburtstag zu feiern, Alkohol zu trinken oder ein Haustier zu halten? Wieso sollte man seine Speisen nicht würzen, wenn sie doch dann besser schmecken und wieso nicht einfach mal mit einem Freund über Gott und die Welt reden? Nein, die Altruan sind wirklich nichts für mich. Der einzige Grund zu bleiben, wäre meine Schwester... „Tobi, bleib nicht, ich flehe dich an. Verlass diesen grausamen Ort und ich komme in ein paar Jahren nach. Ich schaff das. Weißt du, ich würde nicht gehen, wenn ich wüsste, du wärst wegen mir hier geblieben und dann würden wir beide noch dieses jämmerliche Leben leben bis Markus endlich stirbt, verstehst du? – Bitte geh, Tobi. Für mich.“ – Ich sitze immer noch regungslos auf dem Bett und denke über ihre Worte nach. Ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Letztendlich gebe ich ihr einen Kuss auf die Stirn und beschließe in mein Zimmer zu gehen, um das ganze einfach noch mal zu überdenken. „Ich liebe dich, meine Kleine Lou. Vergiss das nicht.“ „Niemals, ich liebe dich auch Tobi!“  Damit verlasse ich ihr Zimmer endgültig.


Die meisten Jugendlichen haben schon gewählt; dieses Jahr werden wir alle in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge aufgerufen. Schließlich höre ich meinen Namen; langsam stehe ich auf und gehe nach vorne. Wirklich entschieden habe ich mich immer noch nicht. Ich nehme das Messer von Marcus, der mich mit eindringlichen Blick anschaut; die Zeit scheint still zu stehen, während ich das Messer über meine Handfläche gleiten lasse; und dann trete ich an die Schalen. Was will ich? Was bin ich? Stein oder brennende Kohle? Altruan oder Ferox? Und dann fällt der Tropfen und ich höre meinen Vater: „Ferox!“
Review schreiben