Was wirklich zählt

OneshotDrama, Freundschaft / P12
07.06.2020
07.06.2020
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Was wirklich zählt

Disclaimer: Der Cartoon "Schlimmer geht's immer mit Milo Murphy" und seine Charaktere gehören nicht mir. Ich leihe sie mir nur für diesen OneShot aus.

A/N: Also... meine erste "Milo Murphy's Law"-Geschichte. Ich habe sie vor ein paar Jahren auf dem englischen Fanfiction gepostet und jetzt nochmal ins Deutsche übersetzt. Viel Spaß beim Lesen!

~ Was wirklich zählt ~

Dakotas Herz setzte für einen Moment aus, als das Auto sich drehte; er hörte quietschende Reifen, gefolgt von einem lauten Krachen. Dann war da nichts mehr.
Nichts mehr zu hören, nichts mehr zu sehen. Nur stille Dunkelheit.
Waren seine Augen offen oder geschlossen? Er war sich nicht sicher.
Es fühlte sich an als würde Dakota fliegen. Es war ein seltsames Gefühl, trotzdem nicht wirklich unangenehm. Irgendwie gefiel ihm die fehlende Schwerkraft sogar. Keine Grenzen, keine Sorgen. Nicht ein einziger Gedanke füllte seine Gedanken, kein Schmerz durchzog seinen Körper. Es war, um ehrlich zu sein, ein wunderbares Gefühl.
Doch plötzlich durchdrang ein Geräusch die Stille.
"Dakota."
Es war eine Stimme. Dakota kannte diese Stimme, aber er musste zuerst überlegen zu wem sie gehörte.
"Dakota!"
Cavendish? Ja... Ohne Zweifel gehörte diese Stimme zu Balthazar Cavendish, seinem Partner.
Warum rief er Dakotas Namen? War er mal wieder eingeschlafen? Manchmal passierte das während ihrer Zeitreisen. Und dann war Cavendish genervt und wütend. Doch dieses Mal klang die Stimme weder aufgebracht noch erbost. Es klang beinahe so als wäre Cavendish ängstlich und in Sorge, als hätte ihn irgendetwas schockiert. Das war ungewöhnlich.
"Öffne die Augen, Dakota!"
Nun... das war leichter gesagt als getan. Dakota versuchte es mit aller Macht, aber seine Augenlider waren so schwer. Könnte er nicht noch fünf Minuten mehr schlafen? Er war noch nicht bereit diesen dunklen und doch friedvollen Ort zu verlassen.
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Cavendish rief den Namen seines Partners wieder und wieder, aber der Mann wachte einfach nicht auf. Angst ergriff Cavendishs Herz und er ergriff Dakotas Schultern, begann ihn zu schütteln, bettelte, dass er seine Augen öffnete. Es half nichts.
"Bitte, Dakota. Wach auf!"
Verzweiflung erfüllte seine Stimme und sie brach zum Ende des Satzes hin. Er schluckte schwer und versuchte es erneut.
"Bitte."
Warum? Warum war das alles nur passiert? Warum war er nicht einfach weitergefahren? Natürlich... die Antwort war einfach: ihre Mission!
Ein Truck hatte eine Ladung Pistazien verloren und Cavendish hatte versucht sie zu retten, indem er das Steuer nach links gerissen hatte. Er hatte nicht über die Gefahr nachgedacht, dass er aufgrund der nassen Straße die Kontrolle über den Wagen verlieren könnte. Nein... Er hatte nicht daran gedacht bis es schon zu spät war. Das Auto war von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt.
Und jetzt saß er hier, verzweifelt versuchend Dakota aufzuwecken. Die Stirn des Lockenkopfes blutete. Offensichtlich war sie gegen das Seitenfenster geprallt, während des Aufpralls.
"Es... es tut mir Leid", murmelte Cavendish, mehr zu sich selbst als zu Dakota.
Diese Mission! Sie machte ihn wahnsinnig. Er hatte die Sicherheit einer unwichtigen Nuss vor die Sicherheit seines Partners gestellt... seines Freundes. Was war nur in ihn gefahren? War Dakotas Leben nicht wichtiger als die Mission? Was für eine Frage war das? Natürlich war Dakota wichtiger! Er war eine lebende, atmende Person. Und - was noch viel wichtiger war - er war der wichtigste Mensch für Cavendish, auch wenn dieser das nie wirklich zugeben würde.
Also warum war Cavendish nicht einfach weitergefahren? Wie hatte er nur so dumm sein können?
Ein Stöhnen erweckte seine Aufmerksamkeit und er sah zurück zum Gesicht seines Partners. Dakotas Augenlider flatterten und öffneten sich schließlich.
"C-Cavendish?", fragte er, seine Stimme heiser.
Eine Welle der Erleichterung überschwemmte Cavendish und ein Lächeln zog sich über sein Gesicht.
"Oh, Gott sei Dank, du bist wach."
Dakota hob seine Hand, um seine schmerzende Stirn zu reiben, aber Cavendish hielt ihn auf, indem er seine Hand nahm.
"Nicht", sagte er und Dakota sah ihn fragend an. Nicht nur, weil Cavendish ihn gestoppt hatte, sondern auch weil er sich fragte, was geschehen war.
"Wir- wir sollten einen Arzt die Wunde untersuchen lassen", stammelte sein Partner, während er Dakotas Hand los ließ.
"Wunde?", fragte dieser verwirrt und plötzlich überkamen ihn die Erinnerungen.
Der Truck. Die Pistazien. Der Baum. Der Knall.
"Wir... hatten einen Unfall. Richtig", murmelte er in Gedanken.
Dann schoss ihm eine Frage durch den Kopf und er richtete sich sofort auf, nur um von einem Gefühl des Schwindels übermannt zu werden und sich wieder zurück zu lehnen.
"Bist du okay? Bist du verletzt worden?"
Cavendish schüttelte nur den Kopf, lächelte sanft.
"Mir geht's gut. Du solltest dir mehr Sorgen um dich selbst machen."
Da hatte er es. Dakota dachte zuerst an ihn, zeigte Cavendish wie sehr er sich um ihn sorgte. Nicht so wie er selbst es getan hatte.
Dakota nickte langsam und machte ein schmerzverzerrtes Gesicht als er den Schmerz in seinem Kopf wieder spürte.
"Guter Hinweis", scherzte er, während Cavendish aus dem Auto stieg, um es herumlief und die Beifahrertür öffnete.
"Ich denke nicht, dass unser Gefährt uns in diesem Zustand weiterreisen lassen wird. Also müssen wir hier nach einem Arzt suchen."
Der größere Mann half dem kleineren aus dem Auto und stützte ihn. Dakota akzeptierte die Hilfe dankend; obwohl seine Beine in der Lage waren zu laufen, hatte er Angst, dass der Schwindel ihn wieder übermannen würde.
"Danke für die Hilfe", sagte er und Cavendish konnte ihm einfach nicht ins Gesicht sehen.
"Du sollest dich nicht bei mir bedanken. Ich war derjenige, der diesen Unfall verursacht hat. Und all das wegen ein paar kleinen, irrelevanten Pistazien."
Dakota konnte das Schuldgefühl in der Stimme seines Partners hören. Diesmal gab er nicht Dakota die Schuld wie sonst immer. Cavendish gab sich selbst die Schuld.
"Hey, sie sind nicht irrelevant. Es ist unser Job sie zu retten, erinnerst du dich?"
Dakota versuchte ihn aufzuheitern, aber Cavendish schüttelte den Kopf.
"Aber nicht um jeden Preis."
Er erinnerte sich wieder an seinen früheren Gedanken. Dass Dakota wichtiger war als die Mission und dass er für ihn der wichtigste Mensch war.
"Wir müssen erkennen was wichtig ist und was wirklich zählt."
Und obwohl Cavendish es nicht laut aussprach, wusste Dakota, dass er ihn meinte. Er war das, was wirklich für seinen Partner zählte. Lächelnd erwiderte Dakota:
"Was wirklich zählt, ist dass wir okay sein werden."
Ja... sie würden okay sein. Denn sie hatten den jeweils anderen an ihrer Seite.
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