Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Streets of London

KurzgeschichteAbenteuer, Familie / P18 / Gen
07.06.2020
14.06.2020
4
7.555
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
09.06.2020 1.589
 
Im Stadtteil Holborn schien es, als sei niemand mehr wach oder unterwegs, der Regen hatte unentwegt an die Scheiben des Taxis geklopft. Mariannas Haus lag etwas zurückversetzt da, mit Vorgarten.
"Soll ich warten?" bot der Taxichauffeur an.
"Nein, dass wird doch länger dauern," Rory drückte ihm einen Schein in die Hand.
"Danke Sir! M'am," er nickte mir kurz zu. Der Wind rüttelte an den Bäumen, ich zog meine Jacke eng um mich.
Rory stiess das Gartentor auf, aber kaum waren wir auf dem dunklen Gartenweg, ging urplötzlich die Beleuchtung an, welche den Weg säumte, über der Türe wurde es Taghell und ein Hund bellte los.
Ich mag keine Hunde, erschrocken fuhr ich zurück und hielt mich an Rory fest.
"Es ist bloss ein Fake. Sie besitzt keinen Hund, kommt bloss von einem Tonband."
"Bist du sicher?"
"Na ja... als ich das letzte Mal..."
Weiter kam er nicht, die Türe wurde aufgerissen, eine Frau mit einem Golfschläger stand im Eingang.
"Wer da!? Verdammtes Pack, verschwindet! Und raubt andere Leute aus!"
"Frieden!" Rory hab die Hand. "Ich bin's Rory."
"Ach je! Was willst du denn hier?"
Rory sprang den Weg entlang, bis zur Türe, ich stand immer noch auf meinem Platz.
"ich will zu May."
"Und wenn sie nicht hier ist?"
"Sie hat mir aber gesagt, sie wäre bei dir."
"Ich könnte es einfach abstreiten... "sie sah an Rory vorbei, zu mir. Er nutze den Augenblick: " Das ist meine Cousine Nora," und drängte sich an Marianna vorbei.
Ich trat langsam näher. Mays Mutter trug Lockenwickler und sah bei näherer Betrachtung eigentlich ganz nett aus.
"Es tut mir leid, das wir noch stören, aber... " aus den Büschen kam etwas angesprungen und versuchte, an mir hoch zu kommen. Ein Hund, ein Yorkshire Terrier, soviel ich sehen konnte, war ganz ausser sich und drehte sich wie närrisch im Kreis.
"Rufus, aus!" rief Marianna, worauf sich der Hund beruhigte , aber an mir herumschnüffelte.
So was kann ich gar nicht leiden und hastig zog ich den Fuss zurück, was neuerliches Gebell auslöste. Marianne nahm Rufus unter den Arm.
"Ja, du bist ein guter Wachhund, aber das hier sind Freunde. Kommen sie rein," sie winkte mir.

Während wir draussen gewesen war, war Rory schnurstracks ins Schlafzimmer im ersten Stock marschiert. (Das erzählte er mir später).
Daraufhin hatte May, die wirklich da drin war, einen Schrei ausgestossen und ihn anschliessend wüst beschimpft. Was weiter ging bekam ich nicht mit den Marianna schob mich in die Küche und schloss die Türe zu. Sie legte Rufus in sein Körbchen, aber er sprang wieder hinaus und blieb vor mir stehen.
"Sie mögen keine Hunde?"
"Nicht besonders. Ja, ja, die Besitzer sagen mir immer, sie seinen harmlos, aber ich kann es nicht leiden, wenn einer an mir rumschnüffelt."
Darauf hin wurde Rufus wieder ins Körbchen gepackt.
"Platz!" befahl Marianna und er legte den Kopf zwischen die Vorderpfoten.
"Ich lebe meist alleine hier und dachte, so ein Hund wäre ganz praktisch. Aber er ist noch total verspielt."
Ich dachte an den Hund der Baskervilles , sagte aber nichts. Plötzlich kam ich mir dumm vor, mich von Rory einfach hier her schleppen zu lassen! Was musste seine Schwiegermutter bloss von mir denken? Oben ging das Gekeife scheinbar in eine neue Runde. Verlegen sah ich mich in der Küche um. Sie war etwas altmodisch noch mit Gasherd, und anstelle eines Wasserkochers stand ein Wasserkessel neben dem Herd.
"Möchten sie einen Tee? Sie sehen halb erfroren aus!" Marianna sah mich an, ich nickte. Ich hatte immer kühl, sobald es unter 20 Grad ging. Während Marianna den Gasherd andrehte, kam Rufus wieder zu mir, legte mir eine abgebissene Socke hin und begann zu winseln.
"Hund, du bist unmöglich!" murmelte Marianna, aber ich hatte die Socke schon aufgenommen, und überlegte mir, was ich am besten tun sollte. Sie zu werfen erschien mir in einer Küche fehl am Platz. Doch Rufus war aufgesprungen hielt die Socke am unter Ende fest und ich konnte ihn praktisch mit einer Hand daran hoch ziehen. Er knurrte, wohl aber aus Wonne.
"Halten seine Zähne das aus?" frage ich ängstlich, nachdem ich Rufus wohl zehn mal so hochgezogen hatte. Marianna hatte inzwischen den Tee fertig.
"Na und ob! Das kann er den ganzen Tag spielen, meist kommt er, wenn ich Fernsehen will oder lese. Dann legt er die Socke immer auf den Sesselrand und knurrt solange, bis man Zeit für ihn hat."
Ich lachte, wurde aber gleich wieder ernst. Marianna reichte mir eine Tasse, fragte nach Zucker oder Milch. Sie setzte sich mir gegenüber, musterte mich.
"Eigentlich hätte ich Rory nicht herein lassen dürfen, meine Tochter..." sie seufzte. " Ich denke, sie wissen, um was es geht." Es war keine Frage.
"Erst seit... seit etwa anderthalb Stunden."
"Nun, sie sind ja seine Cousine, nicht seine Schwester. Ist trotzdem anständig von ihnen, mitzukommen."
"Falls sie glauben, ich ergreife Partei für Rory..."
Sie unterbrach mich.
"Das wist nicht wichtig. Aber als seine Cousine dürften sie ihn sicher gut kennen."
"Nicht, was sein Privatleben angeht. Und May kenne ich kaum. Als wir Klein waren...
Marianna sah mich an.
"Aber dies gehört nicht hierher. Und auch nicht zudem, was jetzt passiert ist."
"Es gehört nicht zu meiner Tochter, wollten sie sagen. Da mögen sie recht haben. Andererseits, war auch Rory nicht Teil ihrer Kindheit. Ich kenne meine Tochter. Sie kann ein schwieriger Mensch sein. Ihr Vater... er verlangte immer von ihr, gut in der Schule zu sein. Er starb früh, ich dachte, nun könnte sie ein "normales" Mädchen sein, aber ihr Ehrgeiz war geweckt. Das war für mich zuweilen nervtötend. ich glaube, sie ist auch heute noch so."
"Ich verstehe nicht, was meiner Tante daran nicht passt!" platze ich heraus. Ehe Marianne mich unterbrechen konnte, fuhr ich fort:" Als wir Kinder waren, sagte sie einmal  sie wünsche sich eine ehrgeizige Frau für Rory, das hätte er verdient. Jemanden, der ihn vorwärts bringt. Es war an einem seiner Geburtstage, wir waren draussen und hörten sie durch das Fenster. Natürlich blieben wir stehen und horchten. Ich glaube, Rory wurde danach ganz traurig..."

Ich versuchte, mir jenen Augenblick wieder zu vergegenwärtigen, aber Rory platze herein.
Vor Schrecken liess ich beinahe die Tasse fallen und Rufus war natürlich wieder ausser Rand und Band.
"Du hast tatsächlich eine Wachhund?" fragte Rory und küsste Marianna kurz auf beide Wangen.
"Entschuldige meinen Überfall, aber es ging nicht anders. Wenn deine Tochter Rücksicht nehmen würde, wäre sie in ein Hotel gegangen."
"Das hältst du für schlauer?"
Ich wollte mich entfernen, aber Rory winkte mir, zu bleiben.
"Wir gehen wieder. May will nicht mitkommen," ich bemerkte, wie sehr er sich beherrschte, aber seine Hände zuckten.
"Nun, es ist ihre Entscheidung. Ausserdem wird sie morgen sicher anders darüber denken."
Marianna sah Rory an, aber er schüttelte den Kopf.
"Sie sagt, sie will keinen gewalttätigen Vater für ihr Kind. Lieber würde sie es alleine gross ziehen... nun gut, wenn sie es so haben will."
"Ihr seid beide reichlich dumm," bemerkte Marianna da. "Ich glaube, du hast kurz die Beherrschung verloren, das geht jedem mal so. Aber du musst um sie kämpfen."
"Wozu denn?"
"Weil eine Frau es gerne sieht, wenn ein Mann..."
"... sich zum Affen macht, ich verstehe schon!"
"Gar nichts verstehst du!"
Schritte waren auf der Treppe zu hören, eine Stimme: "Mutter, wo sind den die Wärmflaschen? Ich habe..."
Rory war in den Flur getreten, als wir ebenfalls dort waren, sahen wie May, welche sich am Geländer festhielt, ihre Knöchel traten weiss hervor. Sie war im Nachthemd und Morgenrock und bot ein ausgesprochen liebliches Bild. Ihr gelocktes, dunkles Haar hing offen über den Rücken. Warum stand Rory nur da wie ein Ölgötze und nahm sie nicht in die Arme?
Ich stupste ihn an, aber im gleichen Moment sagte May:" Was tust du immer noch hier?"
"Ich bin schon weg!"
Er wollte mich wegzerren, aber machte mich los.
"Was?"
"Die Tasse," ich reichte sie Marianna, während Rory die Haustüre aufzog und hinaus lief.
"Danke für den Tee;" sagte ich zu Marianna. "Und verzeihen sie den Überfall."
"Gute Nacht. Und es hat mich gefreut," erwiderte sie. "Ich weiss, sie werden es für sich behalten, was ich gesagt habe."
Ich nickte und sah May, die immer noch dort stand.
"Nora, richtig? Du musst entschuldigen, es läuft gerade nicht so...egal.." sie kam herunter, küsste mich auf beide Wangen. In diesem Moment geschah etwas und ich fasste ihre Hände.
"Ich werde Rory umstimmen," versprach ich ihr fest.
Sie sah mich traurig an.
"Das nütz doch nichts!"
"Hast du eine Ahnung!" knurrte ich und ging ebenfalls zur Türe. Wenn ich etwas wollte oder mir ganz fest vornahm, erreichte ich mein Ziel auch! Ich drehte mich noch einmal um.
"Mach's gut, Rufus!" ich winkte und verschwand in der Dunkelheit, während Rufus mir klagend hinterher winselte.

+++Danke noch für das erste Sternchen!+++
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast