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Man kann fliehen oder leiden

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rusty
06.06.2020
25.04.2021
16
19.345
4
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14.06.2020 1.389
 
Am nächsten Tag schläft Christina tatsächlich länger als sonst, denn normalerweise wacht sie um sieben Uhr auf.
Langsam locken die Strahlen der Sonne sie aus dem Schlaf und blinzelnd öffnet sie ihre Augen.

In der Notaufnahme ging alles sehr schnell, die Nase ist zum Glück nur stark geprellt und der Arzt konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Christina musste, um Rusty zu schützen lügen und hat natürlich nicht gesagt das sie sich wegen ihrer Lok erschreckt hat.

Bevor ihr Kopf sich auf den Tag vorbereitet hat arbeiten ihre Beine schon und tragen sie in die Küche.

„Morgen Michi", ein verschlafenes Gähnen verlässt ihren Mund und sie lässt sich auf den Stuhl gegenüber von ihm fallen.
„Guten morgen Schlafmütze", begrüßt er sie grinsend und schiebt ihr eine Tasse Tee rüber.

„Ich muss gleich arbeiten, wie sieht's bei dir aus?", fragt er nach und trinkt den letzten Schluck seines Kaffees.
„Ich muss später auch los", sie nimmt einen Schluck und verzieht ihr Gesicht, wenn man Michael etwas nicht machen lassen sollte, dann ist es Zucker in den Tee machen.

„Dann bis heute Abend, hoffentlich ohne einen erneuten Unfall", grinst er und steht auf.
„Ach ich war gestern müde", wie auch beim Arzt hat sie ihrem Mitbewohner einen Bären aufgefunden, um die Dampflok zu schützen.
„Natürlich du Pechvogel", damit verlässt Michael die Küche und Christina trinkt weiterhin ihren, zu süßen, Tee während sie aus dem Fenster der Küche sieht.

Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel, hoffentlich sind alle Schienen freigeräumt.
Auf jeden Fall würde sie mehr Kohle noch mitnehmen, bei diesen Schneestürmen weiß man ja nie.

Als sie zwei Stunden später fertig angezogen ist, packt sie eine Packung Schokolade ein.
Zwar hat sie in der Garderobe des Depots noch eine halbe Packung, aber da sie nun weiß das Rusty sich daran auch schon bedient hat soll er seine eigene Packung bekommen.

„Portmonee, Schlüssel, Handy", sie durchsucht noch einmal ihre Handtasche und schiebt sich danach die schwarze Wollmütze über den Kopf.
Zwar würde sie in ihrer Wohnung keine lebendige Lok finden, worüber sie sehr froh ist, aber sie hätte keine Lust nochmal zurück zu müssen.

Es gäbe einen einzigen Grund warum sie freiwillig in die Wohnung zurück würde und nämlich, wenn sie wüsste, dass ein lebendiger Staubsauger auf sie wartet.

Sobald sie das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses betritt, könnte sie zurück in die Wohnung fliehen, jemand muss mal wieder Fisch gekocht haben und diesen riecht man nun stärker als erwünscht.
Schnell geht sie die Treppen runter, um den Gestank zu entkommen, außerdem sollte ihr Bus schon bald ankommen und diesen zu verpassen wäre nur ein Todesurteil.

Irgendwie hat sie eine gewisse Vorfreude auf ihre heutige Schicht, zum ersten Mal kann sie mit dem Rusty fahren der er ist.
Mal ein kleines Gespräch während der Arbeit ist bestimmt angenehm, niemand anderes kann die beiden stören.

Darüber hinaus würde sie gerne mal sehen, wie es ist, wenn sie ihm die Führung überlässt.
Mitbekommen würde es ja sowieso niemand und die Dampflok sollte durch die Routine der Jahre wissen wie schnell er fahren darf.
Seltsam zu wissen die letzten Jahre nie alleine gewesen zu sein während ihrer Schicht.

Sie schlendert durch den Schnee zu der Haltestelle von der Buslinie und betrachtet verirrte Schneeflocken, der starke Schneefall hat nachgelassen.

Auf dem Gehweg kommt eine kleine Familie entgegen und diese ist gewappnet für einen Tag zum Rodeln.

Ein kleines Mädchen sitzt im Schlitten und lacht vor sich hin, Christina kann nicht anders als zu lächeln.
Als das kleine Kind ihr freudestrahlend zuwinkt, winkt sie freundlich zurück und grinst das Ehepaar an.

Diese grinsen zurück und schon haben sich die Wege von ihnen passiert.
Christina fängt an sich ein wenig zu sputen, denn sie merkt wie die Zeit schon wieder anfängt zu fliegen.

Gäbe es einen Preis für langsames gehen - auf jeden Fall würde sie den ersten Platz belegen.

Sobald sie die Haltestelle erblickt sieht sie den Bus schon auf diese zufahren.
„Verdammt", murmelt sie und fängt an zu rennen, zum Glück ist sie ein fitter Mensch.

Der Busfahrer scheint es gütig zu meinen, denn als er anhält, öffnet er automatisch die Fahrertür damit er sie hereinlassen kann.

„Vielen Dank", sie lächelt den Mann freundlich an und sucht sich schnell einen Platz.
Jetzt hat sie eine vierzig Minuten lange Fahrt und dann wird sie ihre Schicht antreten.

Sie muss heute unbedingt ein richtiges Gespräch mit Rusty führen, denn beide müssen für ihre Sicherheit sorgen.

Auf jeden Fall darf sie sich nicht verplappern, die Dampflok hat ein angenehmes Leben verdient und nicht eines für die Augen der Menschen.

Rusty will ihr nichts Böses, gestern hat er sich um sie gekümmert und es wäre ihm sogar egal gewesen wenn sie ihn danach direkt gemeldet hätte.

Niemals würde sie diese freundliche Lok den Behörden übergeben.
Für jedes Problem gibt es mindestens zwei Lösungen, also wird sich etwas finden!

Sie lässt während der Busfahrt ihre Gedanken um die Dampflok kreisen und schaut dabei aus dem Fenster.

Fast verpasst sie ihre Haltestelle, als sie einmal für wenige Minuten auf ihr Handy sieht und die neuesten Nachrichten zu lesen.
Im letzten Moment springt sie auf und spürt die kalte Luft um sich.

Auf dem Weg zu den verschiedenen Depots trifft sie auf ihren Arbeitskollegen Sebastian.
„Na hallo meine Maus!", wie immer begrüßt der ältere Mann sie mit seinem Lieblingsspitznamen.

„Hallo Basti", grinst sie und das fast schon obligatorische Küsschen auf die Wange erfolgt.
„Wo geht's heute für dich hin?", fragt Christina interessiert nach, denn ihr Arbeitskollege fährt einen ICE.

„Heute geht's gar nirgends hin, tatsächlich komme ich grade von einer Nachtschicht. Du wirst es nicht glauben, ich hatte heute Morgen nur eine Minute Verspätung", grinst der ältere Lokführer und Christina lacht.

„Ich bin stolz auf dich, dann ruh dich gut aus!", somit verabschiedet sie sich von Sebastian und ihr Weg führt weiter in das Depot von Rusty und den zwei Wagons.

Schnell schließt sie die Tür auf und blickt sofort auf die Dampflok.
Die Tür lässt sie zufallen, ehe sie lächelnd auf Rusty zugeht.

„Guten Morgen", ihre Stimme ist leise und sie mustert die Lok einmal.
Es kommt keine Erwiderung auf ihre Begrüßung und unsicher geht sie in die Garderobe.
So bequem der Hoodie von ihr auch ist, ihre Arbeitskleider sind unverzichtbar während einer Schicht mit Rusty.

Somit zieht sie sich sofort um und auch ihre stylischen Stiefel müssen runter von ihren Füßen und werden gegen ein anderes Paar Schuhe getauscht.
Sobald sie sich fertig umgezogen hat macht sie sich wieder auf den Weg zu der Dampflok und öffnet die Tür der Führerkabine.

„Hat es dir die Sprache verschlagen?", fragt Christina leise und fängt an die Dampflok betriebsbereit zu machen.
Sie sieht auf ihrem Plan nach wo sie die Wagons abholen muss und seufzt leise, leider nur ein paar Frachtwagen zum abholen.

„Also wir haben jetzt gleich mindestens eine Stunde alleine zu zweit", erklärt sie Rusty und öffnet per Knopfdruck die große Hintertür des Depots.

Ob die Dampflok mit ihr gar nicht reden möchte?
Dabei war er gestern noch ein ganz anderer Mensch, eh Zug.

Sie kann sich gar nicht erinnern, dass sie zu Rusty meinte er solle morgen auf keinen Fall sprechen.

Bevor Christina noch etwas sagen kann geht ein kleiner Ruck durch die Lok und ein Pfiff ertönt.
Grinsend lässt sie Dampflok machen, nun kann Rusty mal wieder sich selbst sein und dies will sie auf keinen Fall unterbrechen.

„Komm Rusty, zeig mir mal was du alles kannst. Weißt du wohin?", fragt sie ihn fröhlich und ein erneuter Pfiff, nur noch lauter, erklingt.
Sie nimmt das einfach mal als Bestätigung und somit fangen sie an die Depots zu verlassen.

„Pfeifst du nochmal für mich? Wir passieren da vorne noch eine Kreuzung", zum dritten Mal lässt er einen Pfiff raus und diesmal hält sie sich lachend die Ohren zu.

„Das war schon fast zu heftig!", lacht sie und weiß diese Schicht kann einfach nur witzig werden.

Carpe Noctem!
Das Ende musste einfach sein, ich liebe die neue Version zu ‚Pfeife für mich‘ & finde es immer wieder witzig Rusty zu sehen, der Pearl gefühlt von der Bühne pfeift :D
Ich hoffe ihr hattet eine tolle Woche und euch allen geht es gut, startet morgen gut in den Montag!
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