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Man kann fliehen oder leiden

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rusty
06.06.2020
21.02.2021
15
18.135
4
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Dieses Kapitel
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09.06.2020 1.909
 
„Wir waren nie für eure Welt bestimmt, wir haben unsere eigene. Dort leben wir in Frieden, jedoch gibt es da ebenfalls viele die nichts Richtiges zu tun haben", erklärt die junge Dampflok und knetet dabei seine Hände.
Interessiert mustert Christina ihn, eine andere Welt als diese existiert?

„Als Lok hast du da nichts zu tun, denn im Gegensatz zu hier muss man nur selten Materialien verlagern...", Rusty erinnert sich gut an die Zeit bevor er von seinem zu Hause aus geflohen ist da er endlich einen Job wollte.

„Ich habe die Welt hier und vor allem die Arbeit nie zuvor gesehen, aber mir wurden so viele Geschichten erzählt, dass ich sie sehen wollte", die Augen Rustys glänzen leicht und Christina muss den Drang ihn einfach in den Arm zu nehmen unterdrücken.

Sie bemerkt wie stark die Lok mit sich selber ringt in diesem Moment und legt vorsichtig eine Hand auf sein Knie.

„Wenn du nur wüsstest in was für Schwierigkeiten wir beide stecken...", Rusty blickt auf und Christina seufzt tief.

„Erzähl mir doch zuerst deine Geschichte zu Ende, dann kommen wir auf dieses Thema zurück", sagt sie aufmunternd und die Lok nickt kurz mit dem Kopf.

Angestrengt versucht er sich an alles zu erinnern, was nach Übertritt passiert war.

„Als ich hier angekommen bin, wie genau dies geschieht, kann ich dir nicht mehr erklären, waren wir direkt mehrere die aus Unserem friedlichen Bahnhof geflüchtet sind. Wir waren glaube ich zu dritt, vielleicht zu viert, meine Erinnerungen sind sehr unscharf", erzählt Rusty weiter und war dankbar das Christina ihn nicht plötzlich mit Fragen unterbricht.

„Wir waren natürlich nicht die ersten lebendigen Züge in eurer Welt und es gibt nur einen Ort wo man anscheinend übertreten kann. Als wir den Ort verlassen haben wurden wir angegriffen, die Menschen haben schon längst mitbekommen, dass wir Züge da ankommen und somit standen da mehrere Männer, sie griffen uns an...", Rusty bricht ab, an die nächsten Momente will er sich gar nicht mehr erinnern.

Christina bemerkt wie schwer Rusty sich tut für den nächsten Teil, die Angst an diese Erinnerungen nimmt die Gedanken der Lok ein und er versucht sie mit schütteln zu vertreiben.

„Ich weiß noch wie ich sofort wegfahren wollte, aber die Wagons haben sich nicht festgehalten. Beim Ausgang der Höhle war der Weg sehr eng und weil ich viel mehr Kraft benutzt habe als ich gebraucht hätte hat es mich den Hang hinuntergeschleudert. Schon nach wenigen Sekunden muss ich bewusstlos geworden sein, wahrscheinlich bin ich auf den Kopf gefallen", Rusty ist sehr leise und Christina muss sich anstrengen, um ihn zu verstehen.

„Als ich dann wieder zu mir kam, flüchtete ich nach Deutschland, hier hin, diese Geschichte ist viel zu lang um es jetzt zu erzählen. Ich hatte meine Methode wie ich mich hier einschleusen würde und es hatte funktioniert, kurz darauf wurdest du meine Lokführerin", damit beendet Rusty die Erklärung, er will nicht weiterreden.

Er steht auf und rollt aus der Garderobe raus, nur diese Bruchteile der Geschichte haben ihn vollkommen in seine Gedanken geschickt.

Wie würde nun die seine Zukunft aussehen?
Würde seine Lokführerin ein falsches Wort herausrutschen und beide wären in mächtigen Schwierigkeiten.

Rusty kennt den Chef dieses Betriebs und weiß wie er reagieren würde, wenn Christina es ihn tatsächlich verheimlicht und er es auf anderer Weise rausfinden würde.

„Oh Mann, ich fühle mich ja irgendwie dumm nicht bemerkt zu haben wie speziell du bist", murmelt Christina und lächelt Rusty aufmunternd an, denn sie hat wirklich bemerkt wie viel Kraft ihn dies benötigt hatte.

„Ich habe dir nie meine wahre Form gezeigt und dich beim Fahren vollkommen machen lassen, dann kannst du es gar nicht rausfinden", antwortet die Dampflok darauf.

Ein kleines Lächeln erscheint auf seinem Gesicht, er fühlt sich seltsam befreit.
Endlich konnte er jemanden alles erzählen und vor allem war er froh das seine Lokführerin ihm wirklich zugehört hat.

„Wie hast du das all die Jahre durchgehalten?", fragt Christina, tatsächlich interessiert sie sich dafür.

„Der Wille zu leben, ich konnte ja nicht wissen wie freundlich du bist und mich unterstützt...jeder andere würde mich festhalten und die Beamten holen, dieser Bahnhof würde durch mich sehr viel an Aufmerksamkeit bekommen", erklärt die Dampflok und Christina seufzt tief.

„Dann sind wir wieder bei diesem Thema, ich möchte dich auf keinen Fall auffliegen lassen. Ein Leben in Gefangenschaft mute ich niemanden zu, auf keinen Fall möchte ich dich zusehen wie sie dich ruhig stellen! Es muss eine andere Lösung geben", sagt die Frau und sieht Rusty durchdringend an.

Sie würde es wirklich nicht über ihr Herz bringen diese Lok auszuliefern, jetzt wo sie weiß, dass er ein Lebewesen macht sie sich sogar schon wegen Reparaturen und sonstigen Sorgen.

„Aber-", Rusty will protestieren, aber Christina schüttelt sofort ihren Kopf und steht langsam auf, ihre Nase pocht immer noch.

„Wir finden eine Lösung, Rusty!", sagt sie fest entschlossen und der Dampflok huscht ein kleines Lächeln auf das leicht traurige Gesicht.

„Darf ich?", fragt er scheu und die Frau sieht ihn verwundert an, denn sie versteht gar nicht was er meint.

Einladend öffnet er seine Arme und Christina fängt breit an zu grinsen.
Natürlich geht sie einen Schritt auf Rusty zu und legt ihre Arme um ihn.

Der Körper der Dampflok ist hart, er scheint wirklich vollkommen aus Metall zu sein.
Jedoch sieht sein Gesicht recht menschlich aus, als wäre es aus normaler Haut.

„Ich danke dir...", murmelt Rusty und drückt Christina kurz, ehe er sie wieder freilässt.
Sobald dieser ihren Blick sieht, muss er leise lachen, man kann ihr die Fragen förmlich aus dem Gesicht saugen.

„Schieß los", grinst er und Christina muss sich erstmal kurz sammeln um ihre Fragen zusammenzubekommen.

„Wollen wir uns nicht irgendwo bequem hinsetzen?", fragt sie als Erstes nach und die Lok nickt darauf sofort.

„Die Holzbank ist nicht die bequemste, wie geht's deiner Nase eigentlich?", fragt er und nimmt sie jetzt nach der verstrichenen Zeit nochmal in Augenschein.

„Ich wäre froh dieses Ding würde aus meinem Gesicht verschwinden!", sagt sie und blickt zum ersten Mal in den Spiegel.

Sie ist leicht blass im Gesicht und die Nase ist zu hundert Prozent angebrochen, sobald Rusty hier versorgt ist, wird sie sich noch in die Notaufnahme begeben dürfen.

„Du solltest die echt reparieren lassen", meint Rusty und kratzt sich leicht schuldbewusst im Nacken, er hätte noch ein wenig länger warten sollen mit wirklich Feierabend machen.

Christina lacht ganz leicht, sie findet den Ausdruck die Nase reparieren lassen mehr als nur niedlich.

„Ich werde mich, sobald wir hier fertig sind in ein Krankenhaus begeben, versprochen", verspricht sie grinsend und die Dampflok lächelt erleichtert.

„Aber jetzt mal zu dir, ich frage mich echt vieles über dich", Christina mustert ihn von oben bis unten, seine Handschuhe gehen nur bis zur Hälfte seiner Finger und diese sehen auch wie ganz normale Haut aus.

„Du willst nirgends sitzen?", fragt Rusty nach und grinst leicht, nun würden wohl angenehme Fragen folgen.

„Doch, ehm, warte", sie versucht es sich so bequem zu machen wie es geht, auf dem Betonboden ist es nicht so leicht eine angenehme Position einzunehmen.

Rusty lacht und lässt sich ebenfalls wieder auf dem Boden nieder, nur hat dieser gar keine Probleme eine bequeme Stellung zu finden.

„Na dann schieß los, du sollst nicht allzu spät aufbrechen!", sagt die Lok und sieht Christina auffordernd an.

„Du kannst ohne mich fahren, habe ich das so richtig verstanden?", fragt sie als Erstes und Rusty nickt.

„Oh ja, selbst wenn du mich bedienst könnte ich reinpfuschen, aber du fährst angenehm und somit habe ich nie etwas gemacht", erklärt er ihr und Christina versteht.

„Warte du bekommst alles, was ich da anstelle mit?!", augenblicklich wird sie knallrot, wie oft hat sie während der Fahrt über ihren Ex-Freund geschimpft.

„Oh ja, aber keine Sorgen deine Geheimnisse sind sicher bei mir", grinst er leicht, seine Lokführerin konnte manchmal wirklich schimpfen wie ein Rohrspatz.

„Oh Mann, ihr Männer müsst auch immer einfach lauschen, dabei horcht man nicht bei fremden Türen!", sie kann ein kleines Grinsen nicht verkneifen und Rusty lacht los.

„So fremd bin ich ja nicht, eigentlich sind wir Arbeitskollegen", grinst die Dampflok und Christina grinst.

Leider schmerzt ihre Nase weiterhin unangenehm und da der Schrecken bin tatsächlich vergangen ist und sie die Anwesenheit ihrer Lok sehr schätzt bemerkt sie diese stärker.

„Okay so gerne ich noch weiter plaudern würde, meine Nase macht mir grade die Hölle heiss“, Christina grinst schief und die Dampflok nickt verstehend.

„Schaffst du es alleine?“, fragt er unsicher, denn sie macht nicht einen sehr klaren Eindruck. Die Schmerzen müssen ihr mehr zusetzen als gedacht.

„Ich glaube schon“, erklärt sie und steht langsam auf, ihr Körper ist müde und trotz ihrer Schmerzen grinst sie.

„Du gehst erst, wenn ich höre, dass du morgen pünktlich hier erscheinst“, Rusty fühlt sich immer noch verantwortlich für seine Lokführerin.

„Ja, Rusty, wir werden uns morgen pünktlich hier sehen. Jedoch solltest du als komplette Lok vor mir stehen und auf keinen Fall sprechen, aber morgen werden wir Zeit haben um zu reden“, bis dahin hat Christina Zeit sich einige Pläne zu überlegen.

„Na dann, gute Nacht, bis morgen“, Rusty lächelt und sie erwidert dieses.

„Schlaf gut Rusty, bis morgen“, Christina nimmt ihr Portmonee aus der Garderobe und erschrickt leicht als ihr Handy, aus dem nichts klingelt.

Rusty erschrickt ebenfalls, lässt deswegen einen leisen Pfiff aus und Christina grinst blöd.

„Sei kurz still“, sagt sie zu der Dampflok und nimmt den Anruf an, ihre einzige Hoffnung ruft grade an.

„Chrissy du hast mich angerufen? Wo steckst du?“, fragt Michael verwundert nach und Christina atmet froh auf.

„Oh Michi, du bist meine Rettung! Ich hab mir vermutlich die Nase gebrochen auf der Arbeit, könntest du mich abholen und ins Krankenhaus fahren?“, fragt sie und die Dampflok sieht verwundert zu wie sie telefoniert.

„Natürlich, bist du denn immer noch bei den Depots?“, fragt er besorgt nach, ihr Mitbewohner ist ein Goldengel...naja manchmal.

„Ja, ich warte auf dich, danke“, sie hängt auf und lächelt die Dampflok an.
„Somit wäre dieses Problem auch geklärt...“, murmelt sie und Rusty lächelt nun auch wieder.

„So muss ich mir keine Sorgen um dich machen“, sagt er ehrlich und Christina lacht leise.

„Mach dir keine Sorgen, ich bin gesund“, lächelt sie und Rusty bewegt sich zum Depot-Innern.

„Okay...aber trotzdem find ich es gut, dass du in pflegende Hände kommst“, sagt er während er langsam in die Halle rollt.

„Ich glaube ich sollte mich schonmal umwandeln...noch eine zweite Überraschung heute vertrage ich nicht“, erklärt Rusty und Christina nickt verstehend.

„Ich setze mich wohl draußen hin, vielleicht tut die frische Luft den Rest, um meinen Kreislauf wieder auf Vordermann zu bringen“, lächelt sie und verabschiedet sich nochmal von ihm.

„Tschüss“, Rusty wartet bis sie sich umgedreht hat und Richtung Ausgang geht.
Während sie läuft, hört sie leises quietschen und sie dreht sich ganz leicht nach hinten.

Dort steht die Dampflok, die sie kennt, kaum vorstellbar, dass ein Lebewesen dahinter steckt.

Lächelnd geht sie aus dem Depot und würde ihre Nase grade nicht so schmerzen wäre sie bis zu den Morgenstunden hier gewesen um zu reden.

Carpe Noctem!
Ich will auf die ersten Kapitel garnicht lange warten lassen, aber ab jetzt möchte ich Sonntag eigentlich zu meinem ‚Upload Tag‘ machen!
Natürlich hoffe ich euch hat das Kapitel gefallen!
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