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Man kann fliehen oder leiden

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rusty
06.06.2020
21.02.2021
15
18.135
4
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
06.06.2020 2.239
 
Disclaimer: Ich besitze keine Rechte an den Charakteren von Starlight Express & ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte! Wir sehen uns Ende Kapitel nochmal ;)

„Guten Feierabend, Christina!", damit verlässt der hochgewachsene, immer zu Hemden tragende, Mann den Depotplatz und lässt die junge Dame alleine.
Sobald die Schritte auf dem Betonboden draußen verklungen sind seufzt sie auf, der Chef ist alles andere als eine Schmuse-Katze und in seiner Gegenwart versucht sie keine falsche Bewegung zu machen.

Mit geübten Griffen kontrolliert sie nochmal alles nach, denn einen Fehler zu übersehen kann man sich nicht leisten.
Doch alles scheint in bester Ordnung zu sein, weswegen sie zufrieden lächelt und die Lokführer-Kabine verlässt.

Es war mal wieder ein anstrengender Tag, es ist kalt und in der klapprigen Dampflok wird es mittlerweile auch nicht mehr sehr warm.
Manchmal wünscht sie sich zu einem Diesel oder einer E-Lok zu wechseln, vor allem diese E-Loks haben viel mehr Komfort für den Lokführer.
Natürlich hat die Dampflok aber auch seine Reize, auch wenn sie hauptsächlich im Umkreis der nächsten hundert Kilometer unterwegs ist.

Mit achtzehn Jahren fing die junge Frau an bei Personenfahrten die Tickets zu kontrollieren und wenig später war sie schon Kellnerin im Speisewagen.
Doch so ganz reichte ihr das nicht, lieber wollte sie in der Kabine stehen und dafür sorgen, dass der Zug problemlos fährt.

Somit fing sie mit zwanzig mit der Ausbildung zur Lokführerin an und hat diese drei Jahre später bestanden.
Nun ist sie vierundzwanzig und hat ihre eigene Lok, mit der sie mindestens fünfmal die Woche fährt.

Müde packt sie ihre Sachen zusammen, eine warme Dusche, wenn es zeitlich noch reicht einen Happen zu essen und dann will sich Christina einfach nur noch ins Bett hauen.
Niemand hat gesagt der Job wäre leicht, aber an manchen Tagen ist jegliche Energie aus ihrem Körper gezogen und heute ist so einer.

Da sie die einzige im Depot ist, löscht sie das Licht direkt als sie durch die Tür schreitet, denn das Depot ihrer Dampflok und von zwei alten Kastenwagen wird hauptsächlich nur von ihr besucht.
Selten kommt ihr Chef in dieses, heute war eine Ausnahme um ihr wichtige Dokumente in die Hand zu drücken.

Es ist kurz nach einundzwanzig Uhr und deswegen schon dunkel, wie gerne würde sie den Sommer zurückhaben.
Sie hasst die dunklen Abendstunden und ist immer froh, wenn sie ihre Haustür hinter sich verschlossen hat.

Ihre Schritte führen zu der Busstation, die sich nur fünf Minuten von dem Depotplatz befindet.
Unter ihren Füßen knirscht der Schnee und wenige Autos fahren der Straße entlang, die Gegend hier ist kaum bewohnt und neben dem Depotplatz befindet sich nichts Wichtiges hier.

Wie fast immer wartet niemand anderes an der Station, denn die meisten Arbeiter kommen mit dem Auto.
Seufzend lässt sie sich auf die kühle Bank nieder und verflucht sich selbst, sie muss den Führerschein unbedingt machen.

Doch nun würde sie erstmal auf ihren Bus warten dürfen und dabei fällt ihr ein das sie ihr Ticket noch gar nicht gelöst hatte.
„Zum Glück war heute Morgen kein Kontrolleur im Bus", murmelt sie und kramt ihn ihrer Tasche nach dem Portmonee.
Im spärlichen Licht des Wartehäuschens geht sie ihre Tasche ab, aber das Gesuchte bleibt verschollen.

Genervt stellt sie fest, dass ihre Geldbörse in der Garderobe des Depots liegen muss und stöhnt genervt auf.
Heute ist irgendwie nicht so ihr Tag, wenigstens ihr Handy hat sie schon bei sich.

Schnell geht sie auf den Kontakt ihres Mitbewohners und hofft inständig das dieser sie abholen könnte, da er einen Wagen besitzt.
Daumen drückend nähert sie sich dem Depot und hält das Handy an ihr Ohr, er ist ihre letzte Hoffnung nach Hause zu kommen ohne tausend Stunden Fahrzeit.

Hier spricht der Anrufbeantworter von Michael-“, frustriert hängt Christina auf und betritt das Depot, sowas passiert echt nur ihr.
Genervt versucht sie ihren Weg durch das dunkle Depot zu meistern, denn das Licht anzuschalten wäre unnötig.
So benutzt sie die Hilfe der Taschenlampe, um nicht irgendwo dagegen zu knallen.

Die Tür hinter ihr fällt zu und sie bleibt stocksteif stehen, irgendwas hat sich in den letzten Minuten hier verändert.
Der Raum erscheint plötzlich so groß, aber warum genau kann sie auch nicht sagen.

Unsicher tastet sie an der Wand nach dem Lichtschalter, nun möchte sie doch ein wenig mehr sehen, denn sie fühlt sich seltsam beobachtet.
Eigentlich kommt man ohne Schlüssel hier nicht rein, aber hier scheint ein Diebstahl vorzulegen.

Anstatt auf ihren normalen Menschenverstand zu hören und die Polizei anzurufen versucht sie ihre Umgebung im Blick zu behalten.
Kein Dieb wäre wieder so schnell weg, wahrscheinlich befindet sich dieser in der Garderobe, denn grade jetzt hört man nichts.

Ihre Finger ertasten zitternd die Wand und als sie etwas findet, zieht sie diese schreckhaft zurück, es war sehr warm und hart, fühlte sich jedoch wie ein Finger an.

Erschrocken dreht sie sich um und scheint mit ihrem Handy auf das Ertastete.
Ein junger Mann steht da und hält sich eine Hand schützend vor sein Gesicht, Christina lässt vor Schreck das Handy fallen und macht sich zur Flucht bereit.

„Hilfe!", ein kläglicher Schrei entflieht ihrem Mund, mit viel Glück befindet sich jemand noch irgendwo in einem Depot und hört sie.
Ein Fremder, ein Dieb, befindet sich hier und sie weiß gar nicht, ob er nicht sogar bewaffnet ist.

Ihren Fluchtversuch wird sehr schnell ein Ende gesetzt, mit einem Knall geht sie zu Boden.
Im Dunklen kann man sich in diesem Depot schon kaum orientieren, aber dazu noch panisch und die nächste Säule ist schnell übersehen.

Schmerz, Schwindel, Übelkeit.
Genau das nimmt sie grade wahr, weiß nicht was sie grade am meisten verflucht.
Jetzt kommt ihr Ende, der Fremde wird sie bestimmt nicht einfach so gehen lassen.

Das Licht geht an und Christina kneift ihre Augen zusammen, es brennt und ihre Augen sind grade mehr als nur empfindlich auf das Licht, welches sie immer so an Krankenhaus erinnert.

„Oh nein...", die Stimme ist tatsächlich besorgt, die junge Frau fragt sich, wer sich dahinter befindet und ob sie diesen Ort noch lebend verlassen wird.
Ihr Körper zittert aus Angst, die Schmerzen werden noch stärker und ihre blutende Nase lässt kaum Platz, um richtig zu atmen.

„Ich werde Ihnen nichts tun, Christina", ganz langsam nähert er sich nur, würde er eine zu ruckartige Bewegung machen könnte sich die junge Frau nur noch mehr verletzen.
Ein schlechtes Gewissen überkommt ihn, so hatte er es überhaupt nicht geplant, eigentlich war er der Meinung sie erst am nächsten Tag weiser zu sehen.

„Woher kennen Sie mich?!", die junge Dame setzt sich ruckartig auf, das Protestieren ihrer Nase versucht sie zu ignorieren.
„Ganz ruhig, Sie sind verletzt und brauchen jetzt erstmal Hilfe", schnell sucht er nach einem Tuch und nimmt einen weißen Waschlappen, der sauber zu sein scheint.

Christina blickt panisch auf den Fremden, dieser versucht alles, um der Verletzten auf keinen Fall noch mehr Angst zu machen.
Ein unangenehmes Gefühl überkommt ihn, er selbst kämpft auch mit der Angst.
Er könnte noch fliehen, sich verstecken bevor sie große Suche nach ihm beginnt, aber es liegt nicht in seiner Natur jemanden zu verletzen und dann gar liegen zu lassen.

„Es hat mich schwerer getroffen als gedacht", murmelt sie und tastet ihren Kopf nach einer Wunde ab.
Doch anscheinend hat ihre Nase am meisten Schaden davon getragen, aber sie fantasiert, denn vor ihr steht etwas menschenähnliches, etwas woran sie noch nie geglaubt hat.

„Nein, ich bin keine Einbildung. Christina wir müssen uns erstmal um Sie kümmern, später können wir reden und dann werden Sie auch Erklärungen bekommen", verspricht die Gestalt und lächelt aufmunternd.
Die junge Frau lässt es einfach zu, wahrscheinlich hat sie sich doch den Kopf ebenso angedonnert und nun schwebt sie zwischen Ohnmacht und Wachsein.

Vorsichtig tupft er das Blut weg und überlegt wie er ihr nachher alles erklären könnte.
Wahrscheinlich wird es eine lange Nacht, ob sie ihm überhaupt zuhören wird?

Christina beobachtet den Fremden und merkt das dieser ihr wirklich kein Unheil antun möchte.

„Damit würde ich am besten noch zum Arzt gehen, ich kann nicht sagen, ob da etwas durchgebrochen ist, aber ob Sie da alleine hinkommen... ", murmelt er konzentriert und blickt in die Augen der Frau.

„Wer sind Sie?", fragt Christina unsicher, denn es ist nicht das angenehmste Gefühl von einem Fremden versorgt zu werden.
Außerdem scheint dieses etwas sie zu kennen und das ist noch unheimlicher.

„Rusty, Rusty McCoy", sagt er kurz angebunden und richtet sich wieder auf.
Christina lässt ihren Blick über ihn schweifen, der Name passt und desto länger sie ihn mustert wird sie erstaunter.

Am liebsten würde sie sich über die Augen reiben, aber sie will ihr Gesicht nur möglichst wenig anfassen.

„Christina wir müssen nun wirklich uns um Sie kümmern, darf ich Ihnen aufhelfen?", fragt er höflich nach.
„Woher kennen Sie mich, Mister McCoy?", fragt sie unsicher, wer oder was ist diese seltsame Gestalt?

„Bitte nennen Sie mich doch Rusty, sagen wir ich bin ein Freund, kommen Sie", er streckt ihr helfend seine Hände hin und Christina ergreift diese langsam.
„Okay, Rusty, dann hör du auch auf mich zu siezten", meint die junge Dame und der Fremde nickt.

Der Schmerz ihrer Nase lässt nicht nach und sie hat das Gefühl das Blut läuft literweise aus ihrer Nase raus.
„In der Garderobe von Ihnen, ehm dir, gibt es fließend Wasser. Wir sollten das Blut wegwischen und dann vielleicht ein kaltes Tuch auf die Nase, danach können wir reden", sagt Rusty und hilft ihr aufzustehen.

Wackelig steht die junge Dame da und ist froh, dass ihr geholfen wird zu stehen, denn sie hat das Gefühl ihre Beine werden jede Sekunde ihren Dienst aufgeben.

Christina bemerkt wie warm dieser Rusty ist, als würde sie grade neben einer Heizung stehen und nicht neben einer sonstigen Spezies.

„Na komm", ganz langsam macht Rusty einen Schritt vorwärts, erst dann fallen ihr die Rollschuhe an Rustys Füssen auf.
Langsam fängt es ihr an zu dämmern mit was sie es zu tun hat, aber wahrhaben will sie es nicht.

Sie hat schon mitbekommen, dass es anscheinend wenige dieser speziellen Züge gibt, die irgendwie lebendig sind.
Niemand weiß woher sie kommen und wie genau sie funktionieren, nur weiß sie das diese Kreaturen still gelegt werden und dann in Museen und für Fernsehshows herhalten müssen.

„Du, du...", mehr als ein Stottern bringt sie nicht raus, zu tief liegt der Schock das sie tatsächlich einem lebendigen Zug neben sich stehen hat.
Ihr wird jetzt auch klar, wieso sie das Depot vorhin so groß wahrgenommen hat - die Lok, die sie seit vier Jahren fährt ist lebendig.

„Jetzt sei still und lass dir erstmal helfen, Christina! Ich werde dir jede Frage gleich beantworten, aber mir ist es lieber du setzt dich hin, trinken etwas und lässt mich das Blut wegwischen", sagt Rusty bestimmt und führt seine Lokführerin in die Garderobe.

Die junge Frau lässt alles wie in Trance über sich ergehen, völlig in Gedanken versunken befindet sie sich in ihren Erinnerungen.
Jetzt ergibt alles Sinn, das Chaos in ihrer Garderobe, der geplünderte Vorrat an Süßigkeiten, plötzliche Flecken die über Nacht aufgetaucht sind, an all diesem war Rusty schuld.

Manchmal hatte sie echt gedacht sie wird wahnsinnig, aber wenn jemand tatsächlich dieses Depot bewohnt kann sie sich nun einiges erklären.

Zurück in die Gegenwart wird sie von einem eiskalten Tuch in ihrem Gesicht geholt.
Erschrocken atmet sie auf und die Dampflok vor ihr lächelt entschuldigend.

„Bitte verpfeife mich erst wenn du versorgt bist, ich möchte vor allem nicht als Monster dastehen, niemals wollte ich das du dich verletzt", Rusty macht sich wirkliche Sorgen um seine Chefin.

„Was meinst du mit verpfeifen?", fragt Christina nach, aber schon wenige Sekunden realisiert sie es selbst.
Jede lebendige Lok und jeder leidige Wagon muss gemeldet werden, die meisten tun es freiwillig, denn der Besitzer bekommt ordentlich Geld ab.

„Vielleicht sehe ich so Freunde wieder...", murmelt Rusty und Christina legt ihm eine Hand auf die Schulter, die Dampflok erscheint ihr in diesem Moment recht hilflos.

„Auf keinen Fall lasse ich dich auffliegen", sagt sie aufmunternd und er sieht sie deswegen sprachlos an.

„Wenn sie es herauskriegen sind wir beide in der Patsche...", sagt die Lok unsicher und säubert noch die letzten Blutreste aus dem Gesicht von Christina.

„Bevor wir auf dieses Thema zurückkommen will ich jetzt jedoch ein paar Erklärungen, mein Mitbewohner scheint eh nicht anwesend zu sein und somit habe ich die ganze Nacht Zeit", erklärt die junge Frau und Rusty nickt.

„Nun gut, Antworten habe ich dir versprochen", sagt er darauf und atmet tief durch.

Christina versucht es sich auf der unbequemen Bank recht zu machen während die Lok sich einfach auf dem Boden niederlässt, der eigentlich sonst so kühle Raum ist durch Rusty zum ersten Mal angenehm zu ertragen.

„Na dann mal los, auf diese Geschichte bin ich mehr als nur gespannt", lächelt sie ihn an und damit nimmt die Lok erneut einen tiefen Atemzug, um dann zu beginnen.

Glückwunsch das erste Kapitel hast du geschafft.
Tut mir leid für diesen Cliffhanger, aber ich muss es ja erstmal spannend halten.

Ich hätte nicht gedacht das ich so schnell eine neue Idee für eine Starlight Story finde, aber mein Traum letzte Nacht hatte dies anders im Kopf und dann habe ich den ganzen Tag mit planen & schreiben verbracht, ich hoffe die Story wird euch gefallen! ;D
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