Schlaflos in Wolfratshausen

von awdur
OneshotAllgemein / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller
06.06.2020
06.06.2020
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06.06.2020 3.235
 
Autor: awdur
Geschichte: Schlaflos in Wolfratshausen
Disclaimer: Leider nicht meine, hab sie nur ausgeliehen :)
Inhaltsangabe: Meine Version von Schlaflos in Wolfratshausen.

Viel Spaß, ich hoffe mein Oneshot gefällt euch! Der Anfang ist ziemlich orginalgetreu der Folge, doch bald geht sie seinen eigenen Weg. :) Und hoffentlich ist die Geschichte schlüssig, ich hatte die Folge noch gut im Gedächtnis, als ich sie geschrieben habe, deshalb könnten manche Handlungen unlogisch sein.
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„Anja, könntest mal kurz nach dem Lutz schauen?“
Am anderen Ende der Leitung seufzte Anja. „Mal kurz nach dem Lutz schauen. Du, I bin frei kei Krankenschwester.“
„Jaa, auf der Station geht keiner ans Telefon hi.“
„Dann probiers einfach noch amal in fünf Minuten.“
Hubert drehte sich zu seinen versammelten Kollegen im Konferenzraum um. „Was hab I gsagt? Sie machts ned.“
Offensichtlich schien ihn Anja durch das Handy gehört zu haben, denn kurz darauf hörte man ein genervtes: „Ja, ich machs!“
Hubert legte wieder auf und nahm auf dem mittem im Raum stehenden Stuhl Platz.
Das Revier gab gerade ein wirklich groteskes Bild ab. Er selber saß nebem Staller mitten im Zimmer, Girwidz und Riedl hockten an dem kleinen Tisch und Sonja kniete davor, nervös an ihrer Wasserflasche fummelnd.
Schließlich meldete sich Girwidz wieder zu Wort.
„Fräulein Wirt, möchten Sie sich nicht wieder in die Zentrale setzen? Man bekommt ja gar nicht mehr mit wer denn so ein- und ausgeht, nich.“
Die junge Polizistin schaute hoch. „Wer soll denn um diese Uhrzeit ein- und ausgehen?“
„Mh, ja verstehe schon. Die Nerven liegen blank. Dann nehmen Sie eben den Riedl mit.“, beordete Girwidz.
„Na, das ist ja beruhigend.“
Da klingelte Hubsis Handy wieder.
„Ja? Was?“
Seine Kollegen schauten ihn angespannt an.
„Der Bischoff ist nimmer in seinem Bett? Ja. Anja? Anjaa?“
Er hob es weg vom Ohr. „Scheiße, kein Netz.“
„Ja wahrscheinlich, weil du des wieder ned richtig aufgladen hast.“, schnauzte ihn Staller an.
„Bei mir ist auch kein Netz.“, erwiderte Sonja.
Das gleiche stellten auch Girwidz und Staller fest.
„Ich schau mal beim Festnetz.“, meinte Sonja und verschwand in der Zentrale, gefolgt von Hubert und Staller.
Riedl, der auch schon Anstalten machen wollte zu gehen, wurde von Girwidz aufgehalten.
„Riedl, Sie bleiben hier! Sie bewachen die Tür vom Verhörraum.“
„Wie? Ganz allein?“
„Ja natürlich ganz allein!“
Damit verschwand auch der Polizeirat in die Zentrale.
„Auch nichts.“, murmelte Sonja. „Internet geht auch nicht.“
„Wir sind also praktisch von der Außenwelt abgschitten.“, stellte Hubert fest.
„Vielleicht an umgestürzter Sendemast?“, schlug Staller vor.
„Ich hab mal gehört, das bei einem Meteoritenanschlag die ganzen Kommunikationswege ausfallen.“, warf Girwidz ein. „Ich versuchs bei meinem Telefon nochmal.“
Sonja rollte mit den Augen und sie folgte mit ihren beiden älteren Kollegen dem Polizeirat.
Gerade als alle aus der Zentrale raus waren, klirrte die Fensterscheibe und ein Apfelgroßer Stein krache auf den Boden.
„Des war glaub koi Meteorit.“, meinte Hubert.
„Ach du Scheiße.“, flüsterte Sonja.
Girwidz lief voran zum Verhörraum.
„Ääh, was war des gerade?“, fragte ein verwirrter Riedl.
„A Meteorit.“
„Sparen Sie sich ihrem Sarkasmus, Hubert!“
Schwungvoll stief Girwidz die Tür auf und schleuderte das Essen von Lutz in die Ecke.
„SCHLUSS MIT DEN MÄTZCHEN!“, schrie er.
„Sie erzählen uns jetzt sofort, was da los ist.“ Sagte Hubert und stellte sich neben Girwidz.
„Ich hab ihnen doch erklärt, dass die beiden ein falsches Spiel spielen.“
Seelenruhig biss Lutz in das Schnitzel, das er noch in der Hand hielt.
„S kann doch ned sei, dass sich a einzelner Mann mit am ganzen Revier anlegt.“, regte sich Staller auf.
„Kommt ganz auf das Revier drauf an.“, lächelte Lutz.

„Wir müssen uns verbarrikadieren.“
„Ah, ge Hansi, des san doch viel zu viele Fenster.“, warf Hubert ein.
„Ich habs!“, fuchtelte Girwidz mit erhobenen Zeigefinger. „Wir bringen den Gefangenen weg. Im Streifenwagen.“
„Was wir gehen da raus?!“ Riedl schaute den Polizeirat entsetzt an.
„Ja. Wer immer da draußen ist, wirft mit Steinen, will aber sicher nicht eine Schießerei mit fünf Polizisten anfechten.“
Die Entscheidung war gefallen und die Polizisten liefen mit dem Lutz in Handschellen in der Mitte zum Ausgang.
„Und ich krieg nix zum Überziehen?“, fragte der Verbrecher.
„Riedl, besorgen Sie ihm was.“
Schnell kam besagter wieder mit einer Decke angerannt.
„Also, das muss jetzt schnell gehen.“ Girwidz schaute in die Runde. „Riedl, Sie gehen in den Kofferraum, Hubert und Staller sie sitzenneben dem Lutz auf der Rückbank, Sie, Frau Wirt kommen auf den Beifahrersitz und ich fahre. Alles klar? Wo ist Staller?“
„So, bin bereit.“ Staller kam mit zwei Schusssicheren Westen um die Ecke gerannt.
„Staller, was soll das?“
„Ja, wenn der Lutz das Ziel ist und ich und er Hubsi neben ihm sitzen, dann kann doch sein, dass da mal a Kugel… Hier Hubsi.“ Er hielt seinem Kollegen eine hin.
„Naa, danke.“
„I dät die scho nehmen.“, meldete sich Riedl.
„Riedl, du sitzt im Kofferraum!“, sagte Hubert.
„Ja, aber grad den erwischts immer.“ Staller hielt ihm eine Weste hin.
„Also, los geht’s.“
Die fünf Polizisten sprinteten zum Streifenwagen, allerdings kamen sie nicht weit, bis die ersten Schüsse fielen.
„RUNTER!“, brüllte irgendjemand.
Riedl, der als letzter rauskam, drehte auf dem Absatz um und versteckte sich wieder im Revier, gefolgt von Sonja.
Plötzlich sank der Lutz getroffen zu Boden und blieb regungslos liegen.
Hubert kauerte mit Staller hinter dem Streifenwagen, als auch noch Girwidz seine Beine in die Hand nahm und im Revier verschwand.
„Scheiße Hubsi, was machmer jetzt?“
„Auf drei einfach los?“, schlug Hubert vor.
„Eins, zwei…drei!“
Hubert rannte dicht nach Staller los, doch plötzlich wurde ihm der Boden unter den Füßen weggerissen. Ehe er sichs versah, lag er auf dem Rücken, als er jedoch Anstalten machte wieder aufzustehen, schoss ihm ein unglaublicher Schmerz durch das rechte Bein und ihm wurde kurz schwarz vor Augen.
Staller bemerkte schnell, dass niemand mehr hinter ihm lief. Er drehte sich um und sah ein Schreckensbild; Hubsi lag auf dem Rücken und war bewegungslos.
„Hubsi!!“ Er rannte zurück zu seinem Kollegen, der dabei war sich aufzurichten.
„Komm.“ Staller packte ihn unterm Arm und half ihn auf die Füße. „Hubsi, allein schaff I des ned.“ Verzweifelt probierte Staller den halb bewusstlosen Hubert zu bewegen, ohne das beide stolperten.
Ganz langsam schafften sie es, seltsamerweise hatte der Kugelhagel gestoppt.
„Na endlich, da sind Sie ja!“, begrüßte Girwidz sie, stoppte jedoch als er Hubert sah.
„Hubert, alles in Ordnung mit ihnen? Der, der blutet ja aus dem Bein!“
Schnell kamen auch Riedl und Sonja angelaufen. „Oh Gott, Hubsi!“
„Jetzt, helfts mir halt amal.“, schnaufte Staller, der seinen Kollegen immer noch alleine mit einem Arm um seine Schultern schleppte.
„Riedl, Sie nehmenihn auf der linken Seite. Und ab in den Konferenzraum mit ihm!“
Dorf angekommen legten sie den nun vollkommen bewusstlosen Hubert auf dem Boden ab und Staller tätschelte ihm besorgt die Wangen. „Hubsi. Hubsi, aufwachen.“
„Wir können ja nicht mal nen Krankenwagen rufen.“, stellte Riedl verzweifelt fest.
Sonja rannte auf einmal wortlos davon.
„Äh, Fräulein Wirt?“
„Das ist das einzige, was wir tun können.“, sagte sie und hielt einen Erste-Hilfe-Kasten hoch.
Sie kniete neben Hubert und schnitt ihm die Hose bis zur Einschussstelle am Schienbein auf.
„Ah, unser Fräulein Wirt.“ Girwidz freute sich offensichtlich, dass jemand das Kommando übernommen hatte. Er selbst stellte sich mit einem angeekeltem Blick etwas weiter weg, als die Wunde zum Vorschein kam.“
„Glatter Durchschuss.“, meinte Sonja. Sie begann stramm eine Mullbinde um die Wunde zu legen.
Nun schien auch Hubert langsam wieder zu sich zu kommen, Staller bemerkte als Erster, wie die Augenlider von Hubsi flatterten.
„Hubsi, hallo?“ Er wedelte mit seiner Hand vor dem Gesicht seines Kollegen herum.
So kurz er seine Augen offen hatte, so schnell kniff er sie vor Schmerzen auch wieder zusammen. Seine Hand packte das Nächstbeste – Stallers Hand – und klammerte sich fest.
„Sorry Hubsi, das muss so fest sein.“
„..Klar…“ Das war alles was er zwischen zusammen gebissenen Zähnen sagen konnte.
„Was machmern jetzt?“, fragte Riedl in die Runde.
Sonja war fertig und Hubert wollte sich aufsetzten. Er würde hier nicht vor versammelter Truppe wie ein lätschiges Toastbrot auf dem Boden liegen bleiben!
„Hubert, bleiben Sie liegen.“
Doch der ignorierte die Anweisung von seinem Chef und fragte stattdessen: „Wo istn der Lutz?“
Schweigen breitete sich aus.
„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“, regte sich Girwidz auf.
„Ja, Sie ham doch auch ned dran dacht.“ , rief Staller. „Und außerdem ist der doch auch angschossen worden, der kann ned weit sein.“
„Wie, der Lutz? Angeschossen? Den müssen wir hier sofort reinholen.“, meinte Girwidz.
„Nochmal raus?!“, warf Riedl ängstlich ein.
„Hubsi!!“, schrie Sonja auf und alle drehten sich zu ihr um.
Sie saß immer noch neben ihm, und fing Hubert, der fast wieder das Bewusstsein verloren hatte gerade noch auf, bevor er auf dem Parkett knallte.
„Was sollen wir…“
Der Rest von Girwidz´ Satz ging unter, denn in dem Moment schoss eine Kugel durch das Fenster und blieb in der gegenüberliegenden Wand stecken.
Staller, Girwidz und Riedl ließen sich synchron auf den Boden fallen.
„Scheiße man…“, entfuhr es Riedl.
„Herr Girwidz, wir müssen in ein anderes Zimmer.“, flüsterte Sonja.
„Ja und wohin?“
„Der Verhörraum hat keine Fenster.“
Da niemand etwas einzuwenden hatte, gingen Girwidz und Riedl schon mal vorraus. Sonja und Staller hingegen versuchten Hubsi dabei zu helfen auf die Beine zu kommen. Staller packte seinen linken Arm und Sonja dem Rechten. Gemeinsam liefen sie so ein paar Meter, bis Hubert plötzlich sagte: „Wartets kurz.“
Hubert zitterte und auch seine Wunde hatte wieder zum bluten angefangen. Er schloss kurz die Augen und atmete tief durch. „Okay.“
Es dauerte fast fünf Minuten bis die drei im Konferenzraum ankamen.
„Wir haben solange die Eingangstür abgesperrt. Dann kann da immerhin niemand mehr hereinkommen.“, berichtete Girwidz.
Hubert hatte sich währenddessen wieder den Boden gesetzt und stützend an die Wand gelehnt. Sonja wollte nicht, dass er auf einem der dann doch bequemeren Stühle hockte, falls er wieder umkippte.
Sein Bein fühlte sich so an, als würde jemand immer wieder mit einem Gasbrenner dagegen stoßen. Er merkte, dass er schwitzte, auch wenn es im Raum relativ kühl war. Hoffentlich ging es Anja gut, schoss ihm plötzlich durch den Kopf. Das Letzte was er gehört hatte war, wie sie nach ihm gerufen hatte.
„Ich schau jetzt nach dem Lutz.“, meldete sich Sonja und verschwand aus dem Verhörraum, bevor einer ihrer Kollegen etwas erwidern konnten.
Wenige Minuten später erschien sie wieder. „Er ist weg!“
Girwidz blickte auf. „Wie, er ist weg? Ich dachte, der wurde angeschossen!“
„Na keine Ahnung, jedenfalls liegt er da nicht mehr.“
„Hrmpf.“
„Herr Girwidz, vielleicht können wir ja mit ihrem Auto mitm Hubsi ins Krankenhaus fahren?“, meinte Riedl.
Der Polizeirat warf Hubert einen Blick zu, der sich sichtlich unwohl fühlte, im Mittelpunkt zu stehen.
„Das geht nicht.“, murmelte Girwidz auf den Boden schauend.
„Wie meinen Sie das?“, schaltete sich nun Staller ein.
„Naja, mein Wagen springt nicht an.“
Staller hob überrascht die Augenbrauen.
„Ja, im Nachhinein kommt mir das auch komisch vor!“
Girwidz stapfte aus dem Raum in Richtung Toilette, während Staller unruhig auf und ab lief. „I geh da glei naus, zur nächsten Telefonzelle!“
„S is…scho oke, Hansi“, sagte Hubert schmerzverzerrt.
Aufgeregt kam Girwidz wieder hergelaufen.
„Staller, da…da an der Decke vom Klo, da könnte jemand hereingekommen sein!“
Entsetzt schauten sich die Kollegen einen Moment an, bevor Staller eifrig seinem Chef folgte.
„Da, schauen Sie.“ Er deutete auf die Decke, wo eine Platte leicht zur Seite geschoben worden war.
Plötzlich fing die Deckenbeleuchtung kurz an zu flackern, bis sie endgültig versagte.
Girwidz schluckte und warf Staller einen Blick zu, den die plötzliche Dunkelheit gar nicht zu stören schien.
„Wartens, das ham wir gleich raus.“ Staller stieg auf den darunterliegenden Klodeckel. „Ahaa, was is des?“
Er hielt ein kleines Gerät in der Hand, ähnlich einem Funkgerät. „A Funkgerät?“, fragte er planlos.
Sonja, die den beiden älteren Kollegen gefolgt war, nahm ihm das Ding aus der Hand und schaute er prüfend an. „Quatsch, das ist ein Störsender! Schaut her.“  Sie legte einen kleinen Schalter an der Rückseite des Geräts um und auf einmal ging das Licht wieder an.
„Das Netz müsste jetzt auch wieder funktionieren.“
Girwidz kramte sein Telefon heraus. „Tatsächlich! Sehr gut, Fräulein Wirt, sehr gut.“
Eilig ging er voran, zurück ins Verhörzimmer.
„Hubert, gute Nachrich…was ist denn mit dem los?“ Girwidz schaute Riedl an.
Hubert lag flach auf dem Boden, die Augen geschlossen und auf seiner Stirn einen Schweißfilm.
„Ich, ich hab nix gmacht.“, verteidigte sich Riedl.
„Hubsi…?“
„Geht mal beiseite.“ Sonja schob ihre Kollegen aus dem Weg und drückte ihre Finger an seinen Hals. „Mh, ziemlich schneller Puls. Keine Ahnung, vielleicht hat sich die Wunde entzündet.“
Girwidz drehte sich um. „Riedl, Sie rufen jetzt sofort den Krankenwagen!“
„Jawohl!“

Etwa 15 Minuten später erklang die Sirene des Krankenwagens, der in die Einfahrt zum Revier hereinfuhr.
Im Polizeirevier warteten alle schon gespannt darauf, dass endlich Hilfe kommen würde. Hubert war nur einmal kurz aufgewacht und nach etwas zum Trinken gefragt, jetzt allerdings lag er wieder bewusstlos da.
Sonja wollte gerade aufspringen und den Sanitätern die Tür aufhalten, als ein sehr junger blonder Rettungssanitäter hereinstürmte.
„Ich…hilfe…Mein Kollege, er ist angeschossen. Oh mein Gott…“
„Was sagen Sie da?“ Sonja zog die Brauen zusammen. Konnte es sein, dass der Lutz mit seinem Komplizen die ganze Zeit dort draußen gewartet hat, bis jemand sich aus dem Revier regte? Und jetzt wurde der Sanitäter getroffen!
„Wir…wir müssen ihn sofort ins Krankenhaus bringen! Kommen Sie mit, Sie müssen fahren!“
Überwältigt stand Sonja im Gang und drehte sich zu ihren Kollegen um, die alles mit angehört hatten. Staller hielt ihr zwei Schusssichere Westen hin, eine für sie, eine für den jungen blonden Sanitäter. „Schau ihn dir wenigstens mal kurz an.“
„Hansi, ich bin doch keine Ärztin!“, sagte sie panisch.
„Des kannst scho und ich glaub der Hubsi hält das durch, ist schon oke wenn du mit dem jungen Burschen da ins Krankenhaus fährst.“
Sonja nickte leicht, gab die zweite Weste weiter und folgte dann dem Mann.
Der andere Sanitäter war ungefähr 40 Jahre alt und lag rücklings auf dem Boden und blutete stark aus einer Wunde nah am Herz. Sonja erkannte schnell, dass der Mann schlimmer verletzt war wie Hubsi und willigte ein, mit dem anderen Sanitäter ins Krankenhaus zu fahren, damit er währenddessen seinen Partner hinten erstversorgen konnte.

Staller fuhr herum, als es im hinteren Bereich des Reviers laut klapperte.
„Was warn des?“
„Hoffentlich kommt der Lutz jetzt nicht hier rein und will uns umlegen…“, fürchtete Riedl.
„Quatsch, i schau mal nach.“
„Ich komm mit.“ Riedl eilte seinem älteren Kollegen hinterher.
Staller zog seine Waffe und schlich zur Tür hinter der es immer noch leise polterte.
„Hände hoch, Polizei!“ Er warf die Tür auf und zog der Person, die dahinter stand mit dem Lauf der Pistole kräftig eins über.
„Staller spinnst jetzt komplett?!“, ertönte eine wütende Frauenstimme.
Erschrocken starrte Staller auf Anja und den auf dem Boden liegenden Bischof.
„Ja, woher soll i den gwusst ham…“, verteidigte er sich.
„Na klar, woher auch!“
„Aber gut das´d da bist. Wir könnten dich gut gebrauchen…als Ärztin.“
Arlamiert schaute Anja ihn an, sagte aber nichts.
„Komm mit.“
Staller führte sie ins Verhörzimmer, wo Hubert sich mittlerweile auf einen Stuhl gehockt hatte und jemand – wahrscheinlich Girwidz – ihm ein Wasserglas hingestellt hatte.
„Oh gott!“
„Anja!“, rief Hubsi aus. „Zum Glück geht´s dir gut!“
„Was..istn passiert?“ Wie gebannt starrte sie auf sein aufgeschnittenes Hosenbein und sein halb mit Blut durchtränkten provisorischen Verband.
„Der Lutz hat ihn angeschossen.“, informierte Girwidz die Ärztin.
Gerade dann kam Riedl stützend mit dem Bischof herein, der sich ein Kühlpack an die Stirn hielt.
„Wo…wo ist der Lutz jetzt?“
Girwidz räusperte sich einmal verlegen und schaute hilfesuchend zu Staller, der allerdings ganz konzentriert auf Anja und Hubsi starrte.
„Ähm, ja also…der Lutz…“
„Sie wollen mir nicht sagen, dass der Lutz entkommen ist, oder?“
Der Bischof schüttelte fassungslos den Kopf.
Währenddessen kümmerte sich Anja liebevoll um Hubsi, dem sie befohlen hatte, sich auf den Boden zu legen, damit sie seine Wunde besser untersuchen konnte.
„Habt ihr hier irgendwo Desinfektionsmittel?“, fragte sie unvermittelt in die Runde.
Riedl sprang davon und brachte ihr sogleich eins.
Damit sprühte sie einen frischen Verband aus dem Erste Hilfte Kasten ein und wickelte den stramm um die Wunde.
Anja konnte spüren, wie sich Hubsi verkrampfte und die Zähne auf einander biss. Desinfektionmittel in einer frischen Wunde; das brannte wie Hölle.
Sie nahm vorsichtig seine Hand und er umschloss die ihre. Obwohl er seine Augen geschlossen hatte, meinte sie, dass seine schmerzverzerrten Gesichtszüge ein Stück weicher geworden waren…oder?
„Und die…die Beute?“, hörte sie wieder den Bischof reden.
Stumm schaute Girwidz auf seine Schuhe.
„Die haben Sie auch nicht, oder wie?“ Bischof atmete laut aus. „Das kann doch nicht wahr sein…“, murmelte er.
„Was hätten Sie denn gemacht, wenn von allen Seiten Schüsse kommen?“
Entnervt setzte sich Girwidz auf einen der Stühle im Verhörraum.
„Herr Polizeirat, vielleicht…hat des ja was…mit seinem Anwalt zu tun?“, druckste Riedl herum.
„Mit welchem Anwalt?“
„Na den, den der Lutz angerufen hat.“ Jetzt schaute Riedl wirklich so aus, als wünschte er sich ein Loch ihm Boden, in dem er versinken konnte.
„RIEDL, DAS IST SO WAS VON DÄMLICH!!“
Anja hielt sich schmerzend ein Ohr und schaute den Polizeirat strafend an.
„Fakt ist, Hubsi muss ins Krankenhaus. Und zwar sofort!“ Fragend blickte sie in die Runde. „Und ich werde hier nicht wie die Hühner in der Ecke warten!“
„Ja…ja, da haben Sie natürlich Recht, Frau Dr. Licht.“, stammelte Girwidz. „Aber der Lutz…“
„Hansi, hilft mir mit´m Hubsi zu meinem Auto zu kommen?“ Er schaute den Bischoff an. „Und Sie kommen sicherheitshalber auch noch mal mit.“
So liefen die fünf – Hansi und Anja in der Mitte Hubsi stützend und Riedl mit dem Bischoff – nachdem sie auf Bestehen von Girwidz Schusssichere Westen angezogen hatten zu Anja´s SUV. Sie spürte, wie Hubsi, der nur halb bei Sinnen war, sich trotzdem mehr auf Stallers Seite lehnte, damit sie nicht so viel Gewicht tragen musste. Oh Hubsi, als ob das jetzt mein größtes Problem war, dachte sie besorgt.
Riedl schickten sie wieder ins Revier, Staller blieb hartnäckig bei seinem Freund und Anja wusste, dass sie ihn nicht davon abbringen konnte mitzufahren.
Hubsi, der neben ihr auf dem Beifahrersitz saß, schien kurz was sagen zu wollen, aber dann ließ er es doch und schenkte ihr einen dankbaren Blick, bevor er sich erschöpft gegen die Lehne sinken ließ.
Anja gab Gas und schon 15 Minuten später fuhren sie in die Einfahr der Notaufnahme von ‚ihrem‘ Krankenhaus.
Staller stieg schnell aus und rannte durch den Eingang der Notaufnahme, um Hilfe zu holen.
Anja half Hubsi solange aus dem Auto aufzustehen, was mit einem Bein nicht so einfach war.
Er war auf dem anderem, gesunden Bein wackelig und klammerte sich an Anja fest, ähnlich, als ob sich beide umarmen würden. Hubsi fühlte sich so kaputt, am liebsten hätte er hier und jetzt auf dem Asphalt geschlafen. Anja half ihm, sich zumindest ein bisschen gegen ihr Auto zu lehnen, allerdings schien Hubis lieber an ihr als an dem Auto zu lehnen. Kurz musste sie schmunzeln.
Einen Arm um ihre Schultern geschlungen, legte er vorsichtig seinen Kopf auf den ihren und flüsterte: „Danke, dass´d gekommen bist.“
Anja drückte als Antwort seine Hand.

***

                               The  
                           - E•N•D -
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