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A Thousand and one Nights

von grantaire
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
06.06.2020
07.06.2020
4
6.297
 
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06.06.2020 1.087
 
Scheherazades Sicht
☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Seit fast zwei Monaten lebte ich jetzt schon hier, im Harem des Sultan. Außer mir lebten noch fünfzehn andere Frauen hier. Die meisten davon hatte der Sultan nicht einmal angeschaut bestand aber trotzdem darauf, dass sie ihm treu blieben. Nur Aleika, Kareena, Lalitya, Mayuri und ich wurde hin und wieder in sein Bett gerufen. Das Leben im Harem war wie ein goldener Käfig aus dem es keinen Ausweg gab. Der Harem befand sich in einem zweistöckigen Gebäude seitlich des Hauptpalastes. Wenn auch von bescheidener Größe stand der Harem dem Hauptpalast in nichts nach. Hier herrschte eine Pracht wie ich sie bisher nicht gekannt hatte und doch war der Harem im Grunde nur ein Gefängnis jedenfalls war er das für mich. Vor jeder Tür nach draußen standen eine oder mehrere Wachen und der prachtvolle Garten war von hohen Mauern umgeben und stark bewacht. Von hier zu flüchten war unmöglich ich hatte es oft genug versucht und war jedesmal erwischt worden. Doch anstatt mich für meine Fluchtversuche zu bestrafen lächelte der Sultan nur und rief mich in sein Schlafgemach wo ich ihm beiliegen musste was für mich im Grunde schon Strafe genug war. Jede Nacht wenn der Sultan mich in seinem Armen hielt dachte ich an ihn, ihn den Mann den ich wirklich, über alles liebte und dessen Kind in mir wuchs. Jafar den Wesir des Sultans. Doch seitdem mich der Sultan vor zwei Monaten in seinen Harem gebracht und Jafar vor meinen Augen ausgepeitscht worden war da er sich geweigert hatte mich dem Sultan zu überlassen hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Ich hatte lediglich in Erfahrung bringen können dass Jafar vom Sultan zum Wesir ernannt worden war. Ach, wäre ich doch niemals mit in den Palast gekommen dachte ich traurig dann wäre ich jetzt bei Jafar und wir würden zusammen auf die Geburt unseres ersten Kindes warten. Besonders in den Nächten vermisste ich Jafar so sehr. Seine Nähe und seine Liebe die mich auch in der kältesten Nacht gewärmt hatte alles an ihm fehlte mir so sehr. Niemals würde ich einen anderen Mann so lieben können wie ich Jafar liebte. Für ihn war es am wichtigsten gewesen wie ich mich fühlte und wie es mir ging. Er hatte mich buchstäblich auf Händen getragen und war so zärtlich und liebevoll gewesen wann immer wir uns geliebt hatten. Dem Sultan dagegen, ging es nur um sein Vergnügen und seine Sprüche, sein Verhalten, ja sein ganzes Wesen war mir zuwider. Besonders seine Soldatenspiele mit kleinen Zinnsoldaten mit denen er berühmte Schlachten nachspielte die er stets gewann, widerten mich an und dann noch die Worte mit denen er mich für sich zu gewinnen suchte. Der Sultan war im Grunde nichts anderes als ein Kind im Körper eines erwachsenen Mannes. Was auch immer er verlangte, musste ihm sofort gebracht werden bekam er es nicht... nun ja angeblich waren schon Menschen hingerichtet worden weil sie das Gewünschte nicht schnell genug herbeigeschafft hatten. Im Augenblick war meine zärtlich Gunst das was er verlangte doch ich war nicht bereit ihm diese zu erweisen fügte mich aber damit Jafar nicht für meine Weigerung bestraft wurde. Dem Sultan gehörte mein Körper doch mein Herz und meine Liebe gehörten einem anderen Mann. Jafar würde für immer der einzige Mann sein den mein Herz und meine Liebe als meiner würdig auserwählt hatten. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Schon als ich ihn damals im Palast getroffen hatte und er sich so zärtlich um meine Verwundung kümmerte hatte ich gespürt dass er der richtige für mich war. Jeder Tag mit ihm war wie ein Märchen gewesen doch jetzt hatte man uns die Zukunft gestohlen und das neue Leben dass in mir wuchs war alles was mir von Jafar geblieben war.
Der Sultan glaubte dass das Kind was in mir wuchs das seine war und freute sich bereit auf seinen Thronfolger. Wenigstens hielt die Schwangerschaft ihn davon ab mir beizuliegen dachte ich erleichtert. In den Monaten seitdem man mich hierher gebracht hatte hörte ich die anderen immer wieder darüber tratschen wie weit es der neue Wesir des Sultans doch gebracht hatte und wie gerne sie doch einmal von einem solchen Mann geliebt werden würden. Während ich ihnen zuhörte erfüllten mich Stolz und Liebe für Jafar, anscheinend schaffte zumindest er es seine Träume zu verwirklichen und dieses Land zu einem besseren Ort zu machen.


Sechs Monate später
☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
Schmerzen... etwas anderes konnte ich nicht mehr spüren. Seit dem vorherigen Abend lag ich in den Wehen und versuchte mein Kind auf die Welt zu bringen. Vor dem Palast auf dem Dach der Moschee wurde in diesem Augenblick die zwölfte Stunde des neuen Tages ausgerufen. Nach einer endlosen Zeit des Schmerzes und der Qualen konnte ich Kindergeschrei hören. In diesem Augenblick wünschte ich mir nichts sehnlicher als dass mein geliebter Jafar an meiner Seite sein und sein Baby sehen sollte. Die Heilerin die mir während der Geburt beigestanden hatte legte mir das Neugeborene in den Arm und verließ den Raum um dem Sultan von der Geburt seines Thronfolgers zu berichten. Mein Kind war das einzige was in diesem Augenblick für mich zählte. Es brach mir nur das Herz dass Jafar, ich und Jasmin, wie ich meine Tochter genannt hatte, niemals eine Familie sein würden. "Bitte..." flehte ich Jafar in Gedanken an als ich spürte wie mich meine Kräfte immer mehr verließen. "Lass sie nicht im Stich, sie hat nur noch dich". Tränen rollten mir über die Wangen während ich meiner Tochter zum ersten und letzten Mal in die Augen schaute. Die Augen meines kleinen Engels waren haselnussbraun genau wie die Augen meines geliebten Jafars den ich in diesem Leben niemals wiedersehen würde. Auch sonst glich Jasmin mehr ihrem Vater als mir. Während ich noch träumend in die Augen meiner kleinen Jasmin schaute und ihr leise etwas vorsang wich das Leben aus meinem Körper. Doch dass helle Licht was laut den Geschichten jetzt eigentlich erscheinen und mich ins Jenseits geleiten sollte blieb aus. Als der Sultan in Begleitung der Hebamme wenige Minuten später den Raum betrat begann mein Körper bereits zu erkalten und Jasmin, meine kleine perfekte Tochter schrie sich die Seele aus dem Leib. Ich versuchte sie zu berühren, zu trösten doch meine Finger glitten einfach durch sie hindurch. Da erst wurde mir klar dass ich zwar gestorben aber nicht ins Jenseits gekommen war. Stattdessen war ich zu einem Geist geworden, dazu verdammt auf dieser Erde zu wandeln bis ich erledigt hatte was immer mich hier festhielt.







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