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Untergrabene Kreativität

OneshotAllgemein / P12
06.06.2020
06.06.2020
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Alles ist grau.

Ich sah keine Farben, keine Menschen, keinen Himmel.

Alles was ich sah ist grau. Hellgrau, Mittelgrau, Dunkelgrau.

Dunkle graue Schatten und helles graues Licht, graue Blumen und graue Menschen.

Mein Farbgefühl ging mir auf dem Weg verloren, wohin es ist, das weiß ich nicht.

Es gab eine Zeit, da konnte ich Farben sehen, doch diese ist lange vorbei.

Alles ist eintönig, eine einzige graue Masse.

Ohne Zeit, zeitlos, und doch vergeht sie rasend schnell.

Ich habe vergessen, wohin die letzten Jahre sind. Alles zog an mir vorbei, schwimmend, tropfend oder fließend. Und ich bin untergegangen in dieser grauen Welt.



Ich zähle bereits erwachsene Jahre, erinnern kann ich mich kaum an etwas aus dieser oder bereits vergangener Zeit.

Die Schule, meine Freund und Familie, mein Leben, alles lief an mir vorbei und ich betrachtete es durch diese graue Wand, unfähig zu sehen, zu agieren oder zu genießen.

Woher die graue Welt kam, das wusste ich.

Eine graue Welt, erzeugt durch mich selbst, aus Schutz, aus Mangel an Vertrauen in mich selbst, aus ständiger Frustration und Einengung. Ich passte nie.



Ein spezieller Mensch mit einem speziellen Geist, ein Freigeist, zum übermäßigen Maß an Liebe fähig und Vertrauen denen zu schenken, die es nicht schätzen würden.

Eine Quelle an unermüdlicher Fantasie, Geschick und Energie, bereit zu lernen und zu leben.

Als Kind wurde ich zur Kreativität ermutigt, wurde besser und liebte diese Quelle meines Wesen. Ein sprudelnder Quell an Wesen, Figuren und Farben, unermüdlich und stetig wachsend.

Doch viele Menschen sehen Kreativität und Freigeist nicht gerne, wollen diese Kreativität auf „das Wichtige“ begrenzen, alles drum herum ausdünnen und versiegen lassen.

Lange zwölf Jahre von stupiden Methoden, Unverständnis für andere Gedankengänge, Ablehnung von Kreativität und Leidenschaft.

Doch die Quelle in mir sprudelte weiter und weiter, war unersättlich daran, den Menschen um mich mitzuteilen, was für phantastische Ideen mein Kopf bereithielt.

Aber während dieser Zeit sank der Rückhalt und ich wurde eher belächelt als respektiert, abgelehnt anstatt Zugehörigkeit zu finden, in die Schublade „die Komische“ gesteckt.

Und plötzlich versiegte meine Quelle der Freude und Kreativität.

Ich war nicht mehr länger fähig, schöne und besondere Dinge zu produzieren, wurde überrollt von Einsamkeit und Schwäche.

Und plötzlich war alles grau.

Ich ertrank in Einsamkeit, in Angst, in Ablehnung durch andere und in Freudlosigkeit.

Die graue Welt war geschaffen, die mich einengte, weiter in die Tiefe zog, nicht mehr freigab, egal wie sehr ich kämpfte.

Und diesen Kampf gab ich auf, ließ mich ertränken, sank zu Boden und betrachtete die Welt durch einen grauen Schleier und blieb alleine.



Wenn man als kreativer Mensch nicht mehr die Quelle hat, aus der man seine Energie schöpfen kann, dann geht man daran zugrunde.

Die Schönheit, die mich umgab, war verschwunden.

Und kein Licht war zu sehen, das mir aus diesem grauen Tunnel helfen konnte.



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Die Wahrnehmung und Wirkung des grauen „Schleiers“ hat sich in den letzten zwei Jahren verändert und ist schwächer geworden.

Im tatsächlichen Sinne habe ich natürlich Farben gesehen, allerdings sind diese, durch den „grauen Schleier“, nicht bei mir angekommen.

Was dieser Text darstellt, ist meine Wahrnehmung einer Depression, die durch Ausgrenzung und Mobbing in der Schule durch Mitschüler, Einengung durch das Schulsystem, Leistungsdruck und die Unterdrückung des eigenen Wesens entstand.

Mittlerweile ist alles besser, weil ich die Jahre nach der Schule effektiv mir selber gewidmet habe und angefangen habe, meine Quelle der Kreativität wieder in Gang zu kriegen. Ich rede hier übrigens von meinem Kopf und meiner lebensfreudigen Einstellung.

Es gibt auch schwere Tage, an denen ein unsichtbares Gewicht auf mir lastet, das mich erdrückt und traurig macht, doch gerade an diesen Tagen habe ich den Rückhalt von den wunderbaren Menschen, die ich meine Freunde, meine Familie und meinen festen Partner nennen darf.



Ich sehe das Schul- und Leistungssystem sehr kritisch, weil es viele solcher Fälle gibt.

Fälle, in denen Jungen oder Mädchen von ihren Mitschülern, und manchmal sogar Lehrern, ausgegrenzt werden, weil sie „anders“ oder „komisch“ sind.

Weil sie eine andere Herkunft haben, weil sie anders denken, weil ihre Stärken und Interessen eben nicht in Mathe und Chemie liegen, und sie sich eben deshalb von anderen unterscheiden (und niemand kann mir sagen, dass ich außerhalb eines Mathematikstudiums nochmal Vektorenrechnung brauchen werde oder außerhalb eines Chemiestudiums eine chemische Reaktion berechnen muss).

Ich will hiermit gar nicht sagen, dass es nur ein paar „besondere“ SchülerInnen gibt, jedeR ist für sich besonders.

Allerdings konnte ich bei mir, einigen Bekannten und bei meiner Schwester, welche wohlgemerkt einige Jahre jünger ist, zusehen, wie sehr Ausgrenzung, Mobbing und nichtstuende Lehrer an ihnen gezerrt und gezehrt haben.

Viele Schulen schreiben sich auf die Fahne, dass es harmonisch ist und jeder die gleiche Unterstützung kriegt. Das dies praktisch nicht zu gewährleisten ist, das ist klar.

Aber das Lehrer bestimmte SchülerInnen bevorzugen, blöde Sprüche sogar unterstützen und die Betroffenen nicht ernstnehmen, das ist nicht akzeptabel.

Ich rede davon, dass durch dieses System manchen jungen Menschen eine Leidenschaft genommen oder eingeschränkt wird, weil es „nicht passt“. Ins System, ins Bild der LehrerInnen, egal.



Wir alle haben eine Quelle, aus der wir Energie und Motivaton ziehen, also kümmert euch drum.

Viele haben vielleicht schon mal mitbekommen, wie sich Mobbing anfühlt, also versucht es zu verhindern.

Ich möchte nicht eines Tages wie meine Eltern da stehen und meinem Kind erklären müssen, warum die anderen Kinder immer gemein sind und es nicht mitspielen kann, warum die Eltern zu jedem Sprechtag gerufen werden und zu einer eventuellen Entwicklungsstörung befragt werden oder ähnliches.

Es ist ein sehr idealistisches Bild, was ich hier vor Augen habe, wohl wissend, dass es nie so existieren wird.

Aber es kann trotzdem besser werden.

Weil Mobbing unnötig ist. Niemand sucht sich seine Herkunft, Hautfarbe, Körperform oder ähnliches aus. Jeder hat eine eigene Begabung. Und man sollte danach streben, dass man das Beste dieser Begabung sieht.







Danke, wenn ihr bis hierhin gelesen habt!

Ich freu mich über Kommentare!
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