Extended Security 2.0

von Kokukirin
GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Mokuba Kaiba Seto Kaiba
05.06.2020
01.08.2020
5
23.680
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01.08.2020 4.724
 
Ein unheilvolles Lied


„Leg los.“

Ein wenig nervös navigiert Mokuba den Roboter von Professorin Shibayashi zur Paketbombe. Langsam beugt sich der Gundam nach unten, positioniert seinen Arm vor dem Gegenstand, öffnet seine Hand und greift mit seinen Fingern nach dem Klebestreifen an der einen Seite des Päckchens. Behutsam lässt Mokuba den Arm nach hinten fahren, damit die umgeschlagene Falte sich lösen kann. Als der Widerstand nachgibt und sich der Klebestreifen gelöst hat, merken die jungen Männer, dass sie unbewusst den Atem angehalten haben. Nichts war passiert. Vielleicht war es die falsche Seite des Päckchens und die Drähte sind auf der anderen Seite? Ganz leise, als ob sie sonst das winzigste Geräusch verpassen könnten, atmen die Beiden aus. Langsam lässt Mokuba den Roboter die andere Lasche lösen, doch auch diesmal ist kein noch so kleiner Knall zu hören oder zu sehen. Unsicher, ob es eine Falle ist oder ob es sich um einen Blindgänger handeln könnte, sehen sich die beiden Freunde an.

„Ähm, Joey. Irgendwie passiert nichts.
„Du hast recht. Ist es ein Blindgänger? Oder ist es vielleicht gar keine Paketbombe?“
„Sollen wir nachsehen?“
„Ich weiß es nicht. Gibt es sowas wie eine Zeitverzögerung bei dem Ding?“
„Keine Ahnung.“
„Lass Deathscythe doch den Rest auspacken. Vielleicht sehen wir dann, was da drinnen ist.“
„Okay.“

Keine zehn Minuten später ist das braune Papier vollständig entfernt und ein schwarzes Kästchen kommt zum Vorschein.

„Soll ich diese Box auch öffnen?“
„Klar. Lieber in sicherer Entfernung, als dann ohne Arme im Krankenhaus zu liegen.“

Bei der Vorstellung überkommt Mokuba eine Gänsehaut. Mit einem kurzen Nicken lässt er den Deckel öffnen. Und wieder nur Stille. Ein wenig enttäuscht legt Mokuba die Fernsteuerung zur Seite und sieht den blonden Bodyguard an.

„Na los Joey, ich glaube jetzt können wir vorgehen. Mehr als die Box öffnen kann ich nicht.“
„Okay, gut.“

Wie ein Raubtier bei der Jagd schleichen sich die beiden Männer zu dem schwarzen Schächtelchen vor, welches seelenruhig und harmlos auf der Wiese liegt. Mit jedem Schritt näher, können sie eine leise Melodie hören, die stetig lauter wird. Verwirrt werfen sie sich einen irritierten Blick zu.

„Moki, ähm, spinn‘ ich jetzt, oder hörst du auch diese komische Melodie?“
„Ja, und nein, du spinnst nicht, ich kann sie auch hören.“
„Klingt irgendwie unheimlich. Aber sie kommt mir seltsamerweise bekannt vor.“

Zwei Meter vor dem Schächteln bleiben die beiden Männer stehen und schauen verdutzt hinein.

„Ich fass‘ es nicht, das ist eine Spieluhr.“
„Wow, ich habe noch nie eine gesehen.“
„Klar, für sowas bist du auch zu jung. Wobei, ich hatte selber auch nie eine.“
„Aber wer sollte Seto eine Spieluhr schicken? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er so etwas Kitschiges gebrauchen könnte.“
„Hmm…vor allem, Sheela hat selbst gemeint, dass es eine Paketbombe ist. Die irrt sich doch nicht.“
„Sieh mal Joey, da sind Drähte außen angebracht worden. Ich glaube eher, dass jemand die Schachtel als solche tarnen wollte.“
„Aber warum?“
„Aus Spaß?“
„Ein sehr komischer Humor.“
„Na ja, bei so einer Melodie kann man keinen Geschmack haben.“

Joey sieht sich den Inhalt der schwarzen Box näher an, aber bis auf die typische Walze und den kleinen Zähnchen kann er nichts Auffälliges erkennen. Kleine Falten bilden sich auf seiner Stirn, als er angestrengt nach dem Titel dieses Liedes überlegt. Tief in Gedanken tippt er sich mit dem rechten Zeigefinger auf die Lippe, aber es möchte ihm einfach nicht einfallen.

„Zerbrich dir nicht den Kopf Köter, dafür warst du noch zu klein, um es kennen zu können.“

Erschrocken drehen sich die selbsternannten Bombenspezialisten um und erblicken einen schelmisch lächelnden Seto, der mit verschränkten Armen hinter ihnen steht. Leicht wütend schiebt Joey seine Unterlippe vor und schmollt.

„Als ob du so viel älter bist als ich. Du kannst das Lied ja dann wohl auch nicht kennen.“
„Doch.“
„Ach so, und woher Mister Alleswisser?“
„Schließlich bin ich in dieser Branche groß geworden.“
„Welche Branche denn? Manipulierende Lobbyisten?“
„Respekt, hätte nicht gedacht, dass du diese Worte kennst aber nein. Außerdem ist ein Lobbyist zu sein keine Branche. Ich meine die Spielebranche, du Blitzbirne.“

Mokuba ignoriert mal wieder den zärtlichen Liebesaustausch der beiden Streithähne und überlegt, aus welchem Spiel er diese Melodie kennen könnte.

„Na dann sag uns doch, allwissender Meister, aus welchem Spiel stammt diese Melodie?“

Bei dieser Betitelung wächst Setos Lächeln und Joey bemerkt erst zu spät, wie er seinen einstigen Erzfeind genannt hat. Langsam geht der Firmenchef auf das schwarze Lackkästchen zu, hebt es auf und sieht sich den Inhalt genauer an.

„Ich wusste gar nicht, dass so etwas hergestellt wurde. Vielleicht ist es aber auch eine Auftragsarbeit gewesen… Dieses Lied ist aus dem Computerspiel »Heaven’s Falling«. Es ist sehr alt und wurde Ende der 80er auf den Markt gebracht.“
„Aber dieses Spiel kenne ich nicht Seto.“
„Natürlich nicht, schließlich warst du noch nicht geboren und später war das Spiel schon viel zu alt, als dass du es kennen könntest.“
„Was musste man in diesem Spiel tun?“
„Es war sehr stupide, wie jedes zu seiner Zeit. Es war ein Side Scroller, wobei sich der Bildschirm ständig nach rechts bewegt hat. Vom Himmel sind unterschiedlichste Gegenstände gefallen oder Art von Niederschlägen. Man musste denen ausweichen, während der Bildschirm einen nach vorne gedrängt hat. Außerdem musste man verschiedenen Hindernissen ausweichen, um nicht stecken zu bleiben.“
„Klingt ja sehr simpel.“
„Selbst dieses Spiel wäre zu schwer für dich gewesen, Flohschleuder.“
„Hör auf damit! Seit wann sind wir wieder an diesem Punkt angekommen? Ich habe einen Namen!“

Spöttisch sieht Seto seinen Freund an, der jetzt ernsthaft wütend geworden ist. Natürlich gibt es Zeiten und Tage, an denen der Firmenchef die Arschlochkarte spielt, aber so gemein war er schon lange nicht mehr. Normalerweise fallen seine verhassten Spitznamen nur einmal in einem Gespräch, doch diesmal ist zweimal, einmal zu viel. Mit einem abfälligen Schnaufen drückt Seto Joey die Spieluhr in die Hand, nimmt seine Sonnenbrille ab und sieht ihm böse funkelnd in die Augen.

„Nimm es und untersuch es nach Wanzen, Fingerabdrücken oder was du sonst noch so herausfinden könntest. Ich will wissen, wem ich ein Dankesbrief schicken darf.“

Ohne auf die Antwort zu warten setzt er in der Drehung seine Sonnenbrille auf und verschwindet kurz darauf in der Villa. Völlig perplex sieht Joey den kleinen Bruder dieses Vollidiotens an. Dieser schenkt ihm mit zuckenden Schultern ein aufbauendes Lächeln, bevor er den Gundum aufhebt und sich ebenfalls Richtung Haus begibt.

//Was ist denn mit dem Spinner heute schon wieder los? Hat wohl schlechte Nachrichten bekommen oder was? Oh Gott, wie mich diese Laune bei ihm immer aufregt! Wie ein kleines Kind. Kaum geht mal was nicht nach seiner Nase, muss er immer gleich ausfallend werden. Zum Kotzen! Und ich muss mal wieder alles zurechtbiegen. Das ist SEINE scheiß Schachtel. Soll ER sich doch darum kümmern!//

Wütend stapft Joey Mokuba hinterher, doch in seinen Gedanken verflucht er Seto weiter und wirft ihm alle erdenklichen Schimpfwörter an den Kopf. Im Eingang trennen sich ihre Wege. Der Blonde sprintet die Treppen hinauf und stürmt, ohne zu klopfen, ins Arbeitszimmer. Der Firmenchef hat sich wieder hinter seinen Laptop verschanzt und funkelt seinen ungebetenen Gast böse an.

„Was willst du?“
„Was ist denn heute mit dir los? So miese Laune hattest du ja schon lange nicht mehr.“
„Ich habe keine miese Laune, das ist meine Grundstimmung.“
„Natürlich…“
„Also, willst du was von mir oder darf ich weiterarbeiten?“

Genervt überwindet Joey die letzten Meter zum Schreibtisch, klappt den oberen Teil des Laptops zu und sieht Seto mit herausforderndem Blick an. Überrascht von dieser Dreistigkeit steht der Firmenchef auf, greift über den Tisch und zieht den Blonden am Kragen zu sich.

„Wie kannst du es wagen? Hast du in all den Jahren nichts dazugelernt? Mach so etwas nie wieder!“
„Lass mich los.“

Provokativ zieht Seto Joey noch näher heran. Geschickt verdreht der geübte Bodyguard das Handgelenk des Angreifers und befreit sich mühelos aus seinem Griff. Um sich der Blöße nicht auszusetzen, setzt sich Seto mit einem arroganten Schnauben in seinen Sessel, überschlägt seine Beine und sieht seinen Freund kalt in die Augen. Joey hingegen richtet sein T-Shirt und verschränkt seine Arme.

„Also, da wir das jetzt geklärt hätten, magst du mir sagen, was dir über die Leber gelaufen ist?“
„Hmpf…“
„Fein, dann behalte es für dich, aber lass deine schlechte Laune nicht wieder bei mir aus.“
„…“

Mit einem schweren Seufzen lässt sich Joey auf die Couch fallen.

„Fällt dir jemand ein, den du mit diesem Spiel in Verbindung bringst? Irgendwas? Oder vielleicht mit der Melodie?“
„Nein.“
„Hast du dieses Spiel selber mal gespielt?“
„Ja, aber nur kurz, nie bis zum Ende. Es war langweilig, schließlich war »Heaven’s Falling« damals schon sehr alt und es gab schon viel bessere Spiele auf dem Markt.“
„Woher kanntest du so ein Spiel überhaupt?“
„Schon vergessen? Gozaburo hat mich adoptiert. Die Kaiba Corporation?“
„Okay...“
„Also was soll das Verhör?“
„Ich will nur herausfinden, ob dir wieder irgend so ein Verrückter aus deiner Vergangenheit nach dem Leben trachtet.“

Mit einem verächtlichen Schnauben klappt Seto seinen Laptop wieder auf und tippt etwas auf der Tastatur herum. Tief in Gedanken beobachtet der Blonde den Firmenchef für eine kurze Zeit, als ob er sich eine Antwort davon erhofft, doch die bleibt aus. Leise steht er von der Couch auf und will schon den Raum verlassen, als Seto ihn davon abhält.

„Joey.“

Ohne sich umzudrehen oder darauf zu antworten hält der Angesprochene in seiner Bewegung inne.

„Halte mich auf dem Laufenden, solltest du was Wissenswertes herausfinden.“
„Du mich auch.“

Scheinbar unbeeindruckt verlässt der Bodyguard das Arbeitszimmer und lässt einen planlosen Firmenchef zurück. Ihm ist bewusst, dass er gerade Mist gebaut hat und das wurmt ihn.

//Was sollte das Seto, du Holzschädel. Wolltest du nicht mit ihm über Montag reden? Außerdem solltest du ihm über deinen Gefängnisbesuch erzählen. Scheiße, warum nagt das Gespräch mit Namizono so sehr an mir? Joey hat nichts mit diesen Gerüchten zu tun! Ich bin verantwortlich für meine Taten und nicht er. Verdammt! Seit wann interessiert es mich, was andere denken? Soll die doch der Teufel holen! Joey würde mich nur auslachen, wenn er mich jetzt denken hören könnte. Reiß dich zusammen, Mann!//

Mit einem resignierten Schnauben fährt er sich durch die Haare und lässt sich in seinen Sessel zurückfallen. Er muss schnellstens sein Gedankenwirrwarr lösen.

Der restliche Abend verlief ereignislos. Mokuba setzte Rai noch über die Spieluhr in Kenntnis und versicherte ihm, dass dem Gundam seiner Schwester nichts passiert sei. Joey hingegen versuchte etwas aus der Spieluhr herauszufinden, doch weder seine Recherchen im Internet, noch der Gegenstand an sich offenbarte ihm etwas Brauchbares.

Gerade als Mokuba sich ins Bett legen will, fällt ihm Kaya und ihr Strandbesuch morgen ein. Allein bei dem Gedanken an ihrem Gespräch im Auto, fängt sein Herz wie auf Knopfdruck schneller zu schlagen an. Ihm ist bewusst, dass sie eine gewisse Spannung zwischen ihnen spüren können und keiner scheint abgeneigt zu sein, diese zuzulassen, aber irgendwie geht es Mokuba ein bisschen zu schnell. Zwar kennen sie sich schon ein paar Semester, aber so intensiven Kontakt wie in den letzten 48 Stunden hatten sie noch nie. Plötzlich fällt ihm wieder sein Sicherheitsprojekt ein und dass er den ganzen Tag nicht daran gearbeitet hat. Auch wenn Kaya ihm hilft, er ist sich nicht sicher, ob er sich zukünftig in ihrer Gegenwart konzentrieren kann. Wahrscheinlich ist es besser, schnell die Fronten zu klären, damit sie ihren Fokus wieder auf ihre Aufgabe richten können. Mokubas Gedanken driften ständig zwischen der Frau und seinem Programm hin und her. Unbewusst vergehen die Minuten, bis der junge Kaiba nach einer Stunde verzweifelt seufzt und seinen Kopf zwingt, endlich mit dem Grübeln aufzuhören, denn schließlich kann er morgen unmöglich unausgeschlafen erscheinen. Nach weiteren quälenden Minuten driftet er doch endlich in einen erholsamen Schlaf.

Müde reibt sich Mokuba den Sand aus den Augen, als er die Küche betritt. Seto und Joey sind bereits beim Kaffee, oder in Joeys Fall beim ausgiebigen Frühstück, und scheinen in einem ernsten Gespräch vertieft zu sein.

„Das glaubst du doch echt nicht, oder?“
„Natürlich nicht Joey, für wie blöd hälst du mich?“
„Gar nicht, deswegen wundert es mich, dass du es überhaupt in Betracht ziehst.“
„Das tue ich nicht.“
„Und warum haben wir dann diese Diskussion hier?“
„Weil…“
„Weil du von deiner eigenen Überzeugung nicht überzeugt bist. Schon blöd, wenn dein Herz dir was anderes sagt als dein Verstand.“

Seto erkennt den leicht verletzten Ausdruck auf Joeys Gesicht. Er versteht nicht, warum es ihn so mitnimmt. Genau aus diesem Grund hat der Firmenchef seinem Freund das Gespräch mit Herrn Namizono erzählt und seine wirren Gedankengänge dazu.

„Seto, es ist in Ordnung. Glaub nicht, dass ich wegen einem so dummen Gespräch irgendwie ins Zweifeln gerate. Dein ganzes Leben lang, arbeitest du für deine Firma und opferst alles, was auch immer nötig ist. Natürlich bist du hin und her gerissen zwischen der Kaiba Corporation und mir. Aber vergiss nicht, du kannst beides haben. Das eine schließt doch das andere nicht aus.“

„Hör auf mit dieser Moralpredigt, das weiß ich selber!“
„Ja?“
„Ja!“
„Guten Morgen ihr beiden. Was für düstere Themen besprecht ihr denn schon in der Früh?“

Erschrocken drehen sich beide zu Mokuba um. Während Joey ihm ein freundliches Lächeln entgegenwirft, ist sein Bruder noch zu sehr in seinen Gedanken vertieft.

„Guten Morgen Moki. Tut mir leid, wir wollten den Tag nicht so starten lassen, aber Seto steckt in einer kleinen Krise und musste sich aussprechen.“

„Ich stecke in keiner Krise, Köter.“

Mit wissenden, hochgezogenen Augenbrauen sieht Joey den Jungen an und seufzt ergeben.

„Ach stimmt ja Moki! Na, bist du schon aufgeregt? Du triffst dich heute ja mit deiner Freundin.“

Provokativ nimmt Joey den Jüngeren in den Schwitzkasten und wuschelt ihm durch die Haare. Halbherzig versucht sich dieser aus dem Griff zu befreien, aber er weiß genau, dass selbst mit seiner ganzen Kraft er keine Chance gegen den Blonden hätte.

„Kollegin, Joey, sie ist eine Unikollegin. Jetzt lass mich los!“

Mit einem breiten Grinsen lässt er sein Opfer los und schlägt ihm brüderlich auf die Schulter.

„Man, ich bin so stolz auf dich.“
„Du triffst dich mit deiner Unikollegin?“

Mühsam versucht Mokuba seine sowei so schon zerzauste Mähne zu bändigen.

„Ja. Nachdem ich sie Freitagnacht noch nach Hause gefahren habe, haben wir uns für heute 13 Uhr verabredet. Ich hole sie ab und dann fahren wir gemeinsam ans Meer.“

Setos rechte Augenbraue zuckt leicht nach oben. Er hat keine Ahnung, wie er mit dieser Situation umgehen soll. Klar, Mokuba ist kein kleiner, pubertierender Junge mehr, der aufgeklärt werden muss, aber es ist das erste Mal, dass sein jüngerer Bruder reges Interesse an einer fremden Person zeigt. Noch hat er nicht erwähnt, dass er diese Kaya mag oder sie als potentielle Freundin sieht, doch in seinem Alter ist es nicht auszuschließen.

„Verstehe. Seid vorsichtig und mach nichts Dummes, verstanden?“
„Ach du Griesgram! Was dein Bruder sagen will, Mokuba, ist, dass du Spaß haben sollst. Mach aber nichts, was ich nicht auch tun würde.“

Bei dem letzten Satz stößt Joey dem Jüngeren verspielt mit dem Ellbogen in die Seite. Mit geröteten Ohren schlägt dieser den Arm des Anderen weg und versucht seine Verlegenheit mit der Zubereitung seines Kakaos zu überspielen.

„Hört auf, alle beide! Es ist nur ein Tag am Strand!“

Nachdem das weitere Frühstück halbwegs normal verlaufen ist, packt Mokuba seine Strandtasche und schmeißt diese mit einer großen Decke in den Kofferraum seines Autos. Routiniert startet er den Motor und  merkt, wie er mit jedem Kilometer, den er näher an die Wohnung seiner Unikollegin kommt, nervöser wird. Kurz vor der verabredeten Zeit, fährt er vor den Wohnkomplex und wartet, mit den Finger auf das Lenkrad klopfend, bis es Punkt 13 Uhr wird. Doch noch bevor Mokuba aus dem Auto steigen kann, öffnet sich die Tür des Wohnhauses und Kaya schreitet mit einem kurzen dunkelblauen Sommerkleid heraus. Man kann erkennen, dass sie darunter bereits ihren Bikini angezogen hat, da um den Nacken dunkelrote und beige Träger zu erkennen sind.

Aufgeregt steigt Mokuba aus und begrüßt mit einem nervösen Lächeln seine Kollegin. Ob sie sich besonders aufreizend für den heutigen Tag angezogen hat, kann er nicht sagen, aber ihr Outfit macht seine Nervösität nicht besser.

„Hallo Kaya. Du bist ja überpünktlich.“
„Sagt der, der schon seit zehn Minuten draußen sitzt.“
„Oh, war das so offensichtlich?“

Mit einem süßen Lächeln übergeht sie die Frage.

„Komm, lass uns losfahren. Die Hitze ist ja jetzt schon kaum auszuhalten.“

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Nachdem Mokuba die zwei Männer in der Küche zurückgelassen hat, sieht Joey zu Seto, der wieder in seine eigene Gedankenwelt abgedriftet ist. Mit einem zarten Kuss auf die Wange holt er ihn wieder zurück.

„Jetzt schalte doch endlich mal ab. Was hälst du davon, wenn wir es uns heute auch gut gehen lassen?“

Mit einer hochgezogenen Augenbraue wartet Seto skeptisch auf Vorschläge.

„Wie wäre es mit einem kleinen Shopping Trip?“„Bei der Hitze?“
„Stimmt, das wäre Selbstmord. Dann lass uns doch in eine Ausstellung gehen, da ist es gut klimatisiert.“
„Ausstellung? Echt jetzt?“
„Okay, okay, ich verstehe Herr Miesepetrig. Du ziehst dir jetzt Sportsachen an, wir gehen trainieren. Ich glaube du musst mal ein bisschen Dampf ablassen.“
„Und wo willst du trainieren? Ich gehe sicher nicht in das stickige Dojo.“
„Nein, keine Sorge. Ich führe dich hin. Du wirst es mögen.“

Unwohl bei dem Gedanken, Joey das Ruder zu überlassen, setzt sich Seto zögernd in Bewegung und zieht sich um. Keine zehn Minuten später sitzen sie in Joeys Auto. Der kleine rote Flitzer hat ihm Seto zum 18. Geburtstag geschenkt. Zuerst hatte er überlegt, ob er seinem Freund einen stilvollen Sportwagen kaufen soll, aber da Joey mehr der sportliche Typ ist und immer einiges an Ausrüstung transportieren muss, entschied er sich für einen edlen SUV mit großem Kofferraum. Das Gesicht des Blonden war an seinem Geburtstag unbezahlbar. Die erste Reaktion war pure Begeisterung, dann kam die Ernüchterung und die Demutshaltung, dass es viel zu teuer wäre und er es nicht annehmen könnte. Zuletzt, nach langer Überredungsarbeit, schlug die Realität ein, endlich stolzer Besitzer eines so teuren Autos zu sein. Auch wenn Seto nicht der Mensch großer Emotionen ist, so freut es ihn, wenn der Blonde seine umso mehr offen zeigt. Er genießt es, die Freude, die Wut und die Trauer in seinen Augen zu sehen. Der Firmenchef muss an diese Erinnerung kurz Lächeln.

„Okay, wir sind da.“

Überrascht, dass er die Fahrzeit in Gedanken verbracht hat, sieht er sich neugierig um.

„Ein Wald?“
„Nicht ganz. Folge mir.“

Joey führt Seto zwischen ein paar Bäumen hindurch, als sich ihnen plötzlich eine kleine Lichtung offenbart. Um einen kleinen See erstreckt sich rundherum ein grüner Streifen, der anscheinend vor ein paar Tagen gemäht worden ist. Obwohl dieser Ort öffentlich zugänglich ist, verirren sich nur sehr selten Wanderer oder Badegäste, da er von all den Bäumen gut geschützt ist.

Erstaunt bleibt der Firmenchef stehen und sieht sich um. Diese Idylle lindert sein angespanntes Gemüt und er kann spüren, wie die Ruhe auf ihn übergeht. Gefasst dreht er sich zu dem Blonden, der ihn stolz angrinst.

„Du willst hier draußen trainieren?“
„Natürlich. Nirgendwo ist es besser, als in der Natur.“
„Und du verlangst jetzt von mir, dass wir uns prügeln?“

Joey beginnt schallend an zu lachen.

„Nicht prügeln, trainieren. Sparring, verstehst du? Wir beide haben ähnliche Fähigkeiten, da wird ein kleines Übungskämpfchen doch richtig spannend, oder?“

Sofort schmeißt Joey eine kleine Sporttasche, die er aus dem Kofferraum mitgenommen hat, achtlos auf den Boden und beginnt sich zu dehnen. Immer noch skeptisch beäugt Seto den Bodyguard, der routiniert die Schultern, Arme und Beine dehnt.

„Jetzt komm schon! Lass uns zwei Runden um den See laufen zum Aufwärmen.“

Da Seto keine Ahnung hat, wo sie sich gerade befinden, schließlich träumte er die ganze Fahrzeit vor sich hin, bleibt ihm nichts anderes übrig, als mitzuspielen, bis sie wieder nach Hause fahren. Kurz dreht er seinen Oberkörper mehrmals in eine Richtung, dann in die andere. Ein paar Kniebeugen, Ausfallschritte, Oberarmdehnungen und schon kann der kurze Lauf beginnen.

„Na dann los.“

Gemütlich traben beide Männer an und umrunden den See nebeneinander zwei Mal. Keine zwei Kilometer später stehen sie wieder bei Joeys Tasche und wischen sich den Schweiß von der Stirn.

„Sehr schön. Dann kann es ja losgehen.“

Mit einem herausfordernden Lächeln stellt sich Joey in Kampfstellung und wartet auf Seto, dass er es ihm gleich tut, aber es passiert nichts. Unbeeindruckt starrt der Brünette sein Wachhündchen an.

„Na was ist? Keine Lust? Angst zu verlieren?“
„Halt die Klappe. Ich finde es unsinnig, im Freien zu trainieren.“
„Sag bloß dir ist es peinlich?“
„So ein Blödsinn kann echt nur von dir kommen.“
„Was ist es dann?“
„Ich bin nicht in Stimmung.“
„Brauchst du die richtige Motivation?“
„Wage es ja nicht Joey!“
„Was denn, ich habe doch gar nichts gemacht.“
„Dein dummes Grinsen spricht Bände. Egal was du vor hast, lass es.“

Genau mit diesem dummen Grinsen sprintet Joey auf sein Gegenüber zu und versucht ihn ins Wasser zu befördern. Gerade als dieser mit einer Hand das T-Shirt greifen will, wehrt Seto sie ab und lässt Joey ins Leere laufen. Geschickt dreht sich der Blonde um und will erneut zupacken, als der Firmenchef sich zur Seite dreht und die Hand des anderen schnappt. Mit einer schnellen Bewegung will er das Handgelenk hinter den Rücken drehen, als Joey diesen Arm durchdrückt und so den Hebel auflöst. In der Drehung drückt er sich an Setos Oberkörper ab und bringt Distanz zwischen ihnen.

Erneut setzt er sein Grinsen auf und funkelt seinen Sparringpartner motiviert an.

„Na bitte, geht doch. Aber glaube nicht, dass ich dich damit davonkommen lasse.“
„Hmpf.“

Inzwischen hat auch Seto Blut geleckt und möchte seinem Freund seine Überlegenheit demonstrieren. Mit einem überheblichen Lächeln stürmt diesmal der Firmenchef auf seinen Kontrahenten zu und versucht ihn jetzt seinerseits ins Wasser zu befördern. Eine Reihenfolge von Schlägen soll den Blonden in die Defensive locken, damit er im richtigen Moment zuschlagen kann, doch dieser weicht den Angriffen mühelos aus oder blockt sie ab. Seto bemerkt, dass Joey abwartet, bis seine Kraft nachlässt, aber so weit will er es nicht kommen lassen. Absichtlich gibt der Brünette ihm eine Gelegenheit für einen Gegenschlag, den Joey sofort nutzt. Geschickt blockt der Blonde die gegnerische Faust ab und möchte schon zum Schlag ausholen, als Setos Knie nach oben schnellt. In letzter Sekunde weicht er aus und gerät ins Stolpern. Kurz vor dem See kommt er zum Stillstand. Zwei weitere Schritte und wäre hineingefallen, da an dieser Stelle der Boden nicht leicht abfällt, sondern das Gewässer abrupt mit einer gewissen Tiefe anfängt. Erschrocken über die knappe Begegnung mit dem erfrischenden Nass dreht sich Joey zu Seto und erkennt noch rechtzeitig, wie dieser wieder auf ihn zu sprintet. Schnell duckt er sich unter den Schlag hindurch. Mit einem gezielten Schubs befördert der Blonde seinen Sparringpartner Richtung See, der sich geradeso noch an dessen T-Shirt festhalten kann und ihn mit ins Wasser zieht. Mit einem leisen Aufschrei landen beide im See.

Erschrocken über ihren Sturz kämpfen sie sich an die Oberfläche und füllen ihre Lungen mit dem notwendigen Sauerstoff. Wie zwei begossene Pudel sehen sich die Männer an und versuchen gerade die Situation zu realisieren. Mit jeder verstrichenen Sekunde wandern ihre Mundwinkel weiter nach oben, bis beide in schallendes Gelächter ausbrechen. Freudentränen und Wassertropfen vermischen sich auf ihren Wangen und tropfen unaufhörlich an ihrem Kiefer hinab. Langsam verklingt das Lachen und Joey schwimmt zu seinem Freund hinüber. Liebevoll streicht er dessen Haar nach hinten und reicht ihm seine Hand als sportliche Geste. Scheinbar emotionslos sieht er auf die Handfläche hinab, bevor er mit einem verschmitzten Lächeln diese ergreift und den Besitzer mit einem kräftigen Ruck zu sich zieht. Sofort prallen die Lippen des Firmenchefs auf die seines Bodyguards und versiegeln sie fast nahtlos. Ohne darüber nachzudenken schlingt Joey seine Arme um den Nacken seines Freundes und beginnt hungrig an dessen Unterlippe zu knabbern. Gierig drückt Seto den Blonden gegen die Erdwand und verwickelt ihn in einen stürmischen Zungenkuss.

„Diese Art von Stressabbau gefällt mir viel besser.“

Joey lächelt in den Kuss hinein und zieht Seto sein vollgesogenes Shirt über den Kopf. Um es später wiederfinden zu können, schmeißt er es über sich hinweg ins Gras. Nachdem er seinen Freund von seinem Oberteil befreit hat, streift auch Joey sein T-Shirt ab und befördert es neben das andere Kleidungsstück. Als ob die freien Oberkörper einen Startschuss gegeben haben, wandert Setos Hand über die definierten Bauchmuskeln des Blonden. Jede Erhebung wird intensiv von den Fingerkuppen wahrgenommen. Unten angekommen entknotet der Brünette die Schlaufe am Hosenbund, um sie inklusiv Boxershorts ungeduldig runterzuschieben. Damit beides nicht weggespült wird, angelt Joey sie mit seinen Füßen nach oben und schmeißt die schweren, vollgesaugten Kleidungsstücke ebenfalls ins Gras. Verlangend beißt der Bodyguard seinem Schutzbefohlenen in die Halsbeuge, um hinterlistig mit seinen Händen in dessen Hose zu fassen und das bereits pralle Glied in die Hände zu nehmen. Mit einem tiefen Brummen drückt Seto seinen Unterleib näher an seinen Freund und packt energisch an den durchtrainierten Po. Verspielt tanzen die Finger des Blonden um die Eichel, den Schaft hinunter oder massiert die Hoden in seiner Hand. Doch der feste Hosenbund drückt unaufhörlich auf seine Gelenke, was sie unangenehm schmerzen lässt. Genervt wird die Kordel, die die Hose oben hält, gelöst. Mit einem letzten kurzen Kuss auf die Lippen, verschwindet der Mann unter die Wasseroberfläche. Überrascht schaut Seto seinem Freund hinterher, der ihm unter Wasser das lästige Kleidungsstück runterschiebt und …

„Was zum!?“

Perplex von der Wärme und dem Druck um sein Glied, stöhnt Seto ungehalten auf. Auch wenn er keine Probleme hat, im See zu stehen, so stützt er sich am Ufer ab, um nicht einzuknicken. Joey hat kurz vor dem Auftauchen über Setos Männlichkeit geleckt und es kurz bis zum Anschlag in den Mund genommen, um genüsslich daran zu saugen. Gerade als der blonde Schopf wieder an der Oberfläche erscheint, packt der Brünette sein Gegenüber an den Schultern, dreht ihn herum und packt dessen Glied mit einer Hand, während die andere einen Finger in sein Rektum schiebt. Stöhnend krallt sich Joey ins Gras und streckt ihm sein Gesäß verlangend entgegen. Seto kann spüren, wie das Glied seines Freundes zum Platzen gespannt ist und er weiß genau, dass es ihm nicht besser ergeht. Begierig ersetzt der Brünette seinen Finger mit seiner prallen Männlichkeit und dringt ohne Kompromisse soweit ihn Joey ein, wie er kann. Dieser drückt bei der Welle an Gefühlen seinen Rücken durch und schmeißt seinen Kopf nach hinten. Um sein eigenes Stöhnen zu unterdrücken, beißt Seto in den Nacken vor sich und saugt und leckt mit jedem Stoß daran. Joey löst eine Hand vom Ufer und fasst sich an sein eigenes Glied, um mit dem Rhythmus mitzupumpen. Beide spüren, wie eine Welle der Ektase auf sie zurollt, während das Wasser um sie herum nur durch die Stöße leicht in Bewegung gerät. Seto stößt immer fester und gnadenloser zu, bevor er mit einem unterdrückten Stöhnen die Erlösung genießt. Auch Joey kann sich nicht mehr beherrschen und erhöht den eigenen Rhythmus seiner Hand, bevor auch er das volle Ausmaß des Orgasmus zu spüren bekommt. Völlig außer Atem lehnt sich Seto neben seinen Freund an die Erdwand und schließt die Augen. Mit einem erschöpften Lächeln sieht dieser zu ihm hinüber.

„Nicht unbedingt das, was ich vorhatte.“
„Doch genau das, was ich wollte.“
„Freut mich, dass es dir gefallen hat.“

Mit wesentlich sanfteren Gesichtszügen sieht Seto zu Joey und gibt ihm abschließend einen einfühlsamen Kuss auf die Lippen bevor er sich aus dem Wasser zieht und seine Klamotten beginnt auszuwringen. Mit einem seligen Lächeln folgt der Blonde seinem Drachen und beginnt seine Klamotten zusammenzusuchen.

„Wir haben keine Ersatzklamotten mitgenommen.“
„Doch, ich habe mir schon gedacht, dass wir im Wasser landen, allerdings nicht unbedingt in dieser Art.“

Mit einem durchtriebenen Grinsen schlürft Joey in seinen nassen Schuhen zur Sporttasche und zieht trockene Boxershort, kurze Cargoshorts und Shirts heraus.

„Hier.“
„Danke.“
„Ach ja, und noch eins.“
„Hm?“
„Ich werde mich nie zwischen dir und deine Firma stellen, also wenn dich etwas stört, dann sag es mir.“
„Ich weiß.“
„Ach und noch etwas.“
„Ja?“
„Auch wenn alle meinen, dass du verweichlichst oder sonst etwas geworden bist, Mokuba und ich lieben dich genau so.“

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Autorin: es ist vollbracht, das neueste Kapitel. Ich hoffe ihr hattet Spaß. Witzig, wie manche Szenen relativ leicht von den Fingern kommen, während man sich durch andere regelrecht quält.

Ich hoffe es hat keiner nach dem Computerspiel gegoogelt, denn es ist fiktiv. Obwohl es den Roboter tEODor (telerob Explosive Ordnance Disposal and observation robot) wirklich gibt ;)