Extended Security 2.0

von Kokukirin
GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Mokuba Kaiba Seto Kaiba
05.06.2020
01.08.2020
5
23.682
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12.07.2020 5.301
 
Ein heiß ersehnter Roboter


Euphorisch fahren Joey und Mokuba zur technischen Universität, um sich Hilfe bei der Entschärfung der Paketbombe zu holen. Damit diese nicht unkontrolliert explodieren kann, haben sie sie in einem Geräteschuppen nicht weit von der Villa versteckt. Für gewöhnlich finden an einem Samstag keine Vorlesungen statt, doch der eine oder andere Professor sucht in den leeren Gebäuden Ruhe für Korrekturen von Arbeiten oder für die Vorbereitung der nächsten Vorlesungen und Lehrstunden. Auch viele Studenten treffen sich in den Studierräumen oder bei schönem Wetter draußen in den Parks, um gemeinsam zu lernen oder an ihren Forschungen zu arbeiten.

„Joey, hier entlang. Die Robotikabteilung befindet sich dort hinten.“
„Glaubst du, dass wir jemanden dort antreffen werden?“
„Klar, an Wochenenden wird alles gemacht, wofür man unter der Woche keine Zeit oder Lust hatte.“

Mit einem verstehenden Grummeln seitens des Blonden schreiten die beiden über den Kampus, bis sie vor dem besagten Gebäude stehen. Jetzt ein wenig verloren, da Mokuba noch nie in dieser Ecke unterwegs war, fragen sie sich zum leitenden Professor durch. Zu ihrem Glück scheint dieser gerade in seinem Büro zu sein. Jetzt etwas zielstrebiger gehen sie auf die leicht geöffnete Tür zu. Vorsichtig klopft der junge Kaiba an, steckt seinen Kopf hindurch und entschuldigt sich schon im Voraus für die Störung.

„Entschuldigen Sie bitte, sind Sie der leitende Professor der Robotikabteilung?“

Ein Ende 50-jähriger Mann sieht von seinen Unterlagen auf und mustert die beiden jungen Männer. Genervt nimmt er seine Lesebrille ab, damit er die entfernten, unscharfen Gestalten besser erkennen kann. Erst jetzt ändert sich das griesgrämige Gesicht zu einem freundlichen Lächeln.

„Ja, der bin ich. Wie kann ich euch helfen?“
„Mein Name ist Mokuba Kaiba und das hier…“
„Kaiba? DER Mokuba Kaiba aus der Programmierung?“
„Äh, genau, vermutlich, ja.“
„Entschuldige, ich habe dich unterbrochen. Bitte, fahr‘ fort.“

Verwirrt wirft der Student seinem Freund einen Seitenblick zu.

„Das neben mir ist Joey Wheeler. Wir brauchen…“
„Was? Der Joseph Jay Wheeler? Der Lebenspartner von Seto Kaiba?“
„…ja, genau…“
„Ich fühle mich so geehrt. Wie komme ich zu diesem hohen Besuch?“

Um seine Geduld nicht zu verlieren, atmet Mokuba noch einmal tief ein und aus, bevor er seine Bitte vorträgt.

„Wir wollten Sie fragen, ob Sie uns weiterhelfen könnten. Wir benötigen einen Bombenentschärfroboter.“
„Interessant. Darf ich fragen wieso?“
„Wir….äh… wir wollen herausfinden, wie man ihn hacken und die Fernsteuerung übernehmen kann.“

Verwirrt wirft Joey dem Studenten einen Seitenblick zu, lässt sich aber nichts anmerken.

„So so. Naja, da muss ich Sie enttäuschen. Solche speziellen Roboter haben wir hier natürlich nicht lagernd, aber vielleicht kann Ihnen mein Assistent weiterhelfen. Leider ist er heute nicht an der Universität. Er wollte am Montag um neun Uhr wieder hier sein.“
„Könnten Sie uns seine Handynummer oder seine Adresse geben? Wir stehen ein wenig unter Zeitdruck. Seine Freundin, Mai Valentine, ist eine sehr gute Freundin von uns.“
„Wenn sie so eine gute Freundin ist, dann müssten Sie doch ihre Anschrift haben.“
„Leider haben wir uns vor vielen vielen Jahren aus den Augen verloren, weshalb ihre Kontaktdaten nicht mehr stimmen.“

Skeptisch beäugt der Mann seine Gäste. So sehr er auch schusselig und aufgekratzt wirkte, sensible Daten scheint er nicht leichtfertig herauszurücken. Mokuba und Joey wird immer unwohler in ihrer Haut. Der prüfende Blick des Professors scheint sie zu durchbohren, um nach dem wahren Grund ihrer Bitte zu suchen. Nach einer folternden Minute scheint der Mann zu einem Entschluss gekommen zu sein.

„Ich werde Herrn Shibayashi anrufen und um Erlaubnis fragen. Warten Sie bitte kurz.“

Routiniert sucht er die passende Handynummer aus den zuletzt gewählten Kontakten heraus und wartet geduldig auf die Stimme seines Assistenten. Keine zwei Freizeichen später scheint sich jemand zu melden.

„Herr Professor, guten Tag. Ist alles in Ordnung?“
„Ja ja, Raizou, alles in Ordnung. Vor mir stehen gerade Mokuba Kaiba und Joseph Wheeler. Sie wollen sich einen Bombenentschärfsrobotor ausleihen, allerdings besitzen wir so etwas nicht. Scheinbar scheint es nicht bis Montag warten zu können, weshalb sie dich jetzt persönlich sprechen wollen. Darf ich deine Nummer weitergeben?“
„Einen Bombenentschärfroboter? Für was brau….“
„Sie wollen ihn hacken und Fernsteuern. Wahrscheinlich ein Projekt von Herrn Kaiba.“
„Klingt interessant. Klar, ger…“
„Okay, dann gebe ich die Nummer weiter. Wir sehen uns dann am Montag.“
„Gut, dann bis Mo….“

Noch bevor der Assistent fertig gesprochen hat, legt der Professor auf und wendet sich den beiden Gästen zu.

„Nun gut, hier ist die Nummer von Raizou Shibayashi. Er ist Experte für Robotik für den militärischen Einsatz.“
„Vielen herzlichen Dank für Ihre Hilfe. Dürfte ich fragen, ob Herr Shibayashi verwandt ist, mit Frau Shibayashi aus der Programmierung?“
„Ahh, natürlich, Sie kommen ja aus diesem Gebiet. Ja, ja, Raizou ist der jüngere Bruder von Megumi. Sie alle stammen aus einer Technik affinen Familie. Soweit ich weiß, war der Vater beim Militär, deshalb das ganze Interesse an Kampfrobotern und so ein Kram.“

Nach einem kurzen Geplauder über Maschinen und deren Einsatz in Krisengebieten, verabschieden sich Joey und Mokuba und verlassen gestresst das Büro. Das ständige Unterbrechen und die Euphorie des Professors über das Thema hatte die Beiden sehr mitgenommen.

Draußen auf dem Kampus wählt Mokuba die neue Nummer, worauf kurz danach sich eine freundliche Stimme meldet.

„Ja, bitte? Hier spricht Shibayashi.“
„Schönen guten Tag Herr Shibayashi, mein Name ist Mokuba Kaiba.“
„Ah, Herr Kaiba, natürlich. Der Professor hat mir bereits Bescheid gegeben, dass Sie mich anrufen werden.“
„Genau. Es tut mir sehr leid, dass ich sie am Wochenende störe.“
„Nein, nein, bitte, alles in Ordnung. Wie kann ich behilflich sein?“
„Wie Sie wahrscheinlich schon erfahren haben, benötigen Joseph Wheeler und ich einen Bombenentschärfroboter für mein Projekt. Können Sie uns da weiterhelfen?“
„Das ist eine sehr ungewöhnliche Bitte.“
„Das ist mir bewusst, aber es ist leider sehr dringend.“
„Lassen Sie uns das nicht am Telefon besprechen. Was halten Sie davon, wenn wir uns in einer Stunde am Kampus treffen.“
„Sehr gerne. Wenn es für Sie nicht zu umständlich ist.“
„Nein, überhaupt nicht. Dann bis gleich.“

Mit einem triumphierenden Lächeln sieht Mokuba zu seinem Begleiter, der ihn fragend ansieht.

„In einer Stunde ist er hier. Was machen wir so lange?“
„Lust auf einen Kakao?“

--------------

Seto versucht seit der Störung von seinem Freund und seinem Bruder sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, aber dieses unbekannte Paket lässt ihm keine Ruhe. Immer wieder schweifen seine Gedanken ab und kreisen um das explosive Objekt und um diese Unruhe stiftenden Zeitungsartikel. Gerade, als er sich wieder beim Grübeln ertappt, läutet sein Telefon. Anhand der anrufenden Telefonnummer erkennt er, dass ihn einer seiner Vorstandsmitglieder anruft. Genervt hebt Seto den Hörer ab.

„Was gibt’s?“
„Entschuldigen Sie Herr Kaiba, dass ich Sie stören muss, aber ich wollte Ihnen mitteilen, dass am Montag um 11 Uhr eine Besprechung mit allen Vorstandsmitgliedern angesetzt worden ist.“
„Um was geht’s?“
„Hauptthema wird die weitere Leitung der Kaiba Corporation sein, deren Entwicklung, sowie…“
„Um die weitere Leitung? Hören Sie auf, um den heißen Brei herumzureden, es geht um die dämlichen Gerüchte und um Joseph Wheeler.“
„Diese zwei Themen werden auch angesprochen, ja.“
„Na dann fahrt mal all eure Geschütze auf. Ich werde sämtliche, unberechtigte Einwände zerschlagen.“

Wütend knallt Seto den Hörer zurück auf die Station und funkelt das Gerät böse an. Genervt lehnt er sich nach hinten und schließt die Augen.

//Weitere Leitung der Firma... Das ist nicht lache! Was bilden sich diese Lackaffen ein? Wollen die mich wirklich herausfordern? Na wartet, ich werde euch bei der Versammlung die Hölle heiß machen. Wenn nur einer es wagen sollte, meine Autorität in Frage zu stellen, wird er hochkant rausgeworfen. Keiner nimmt mir meine Firma weg. Keiner!//

Nachdem sich Seto in Gedanken immer mehr in Rage gebracht hat, stützt er sich resigniert mit den Ellbogen am Schreibtisch ab und vergräbt sein Gesicht in den Händen.

„Scheiße...“

Für weitere fünf Minuten scheint sein Kopf leer zu sein. All seine zornigen Gedanken, einfach weg. Wie hochmütig war er an dem Galaabend, als er Joey provokativ als seinen Lebensgefährten vorgestellt hat. Natürlich war ihm bewusst gewesen, dass er damit nicht nur auf Verständnis stoßen würde, aber mit dieser gehässigen Wendung hatte er nicht gerechnet. Er ist doch noch immer der unnahbare, eiskalte und unberechenbare Seto Kaiba…oder? Hat ihn die Beziehung mit Joey wirklich verweichlicht? War er sanftmütiger, nachlässiger oder gar netter geworden? Wenn ja, dann wäre es doch mit jeder anderen Person, in der er sich verliebt hätte, doch auch passiert. Und wenn er sich wirklich verändert hat, dann wäre es doch nicht schlimm, oder? Wie oft hat die Presse sich ihr Maul zerrissen, dass der gefühlskalte Seto Kaiba Angst und Schrecken auslöst, wenn er den Raum betritt. Wie unmenschlich kühl seine Ausstrahlung sei und er niemanden an sich heranlassen würde. Und jetzt? Jetzt wo er angeblich handzahm geworden ist, ist es auch nicht recht.

Müde entflieht Seto ein tiefes Seufzen. Langsam sieht er auf seine Armbanduhr, nur um festzustellen, dass es schon kurz nach drei Uhr nachmittags ist. Am Bildschirm des aufgeklappten Laptops lachen ihn Entwürfe zu einer neuen Spieletechnologie an, aber dafür hat er gerade keine Nerven. Lustlos schlägt er den oberen Teil des Gerätes mit einem leisen Knall nach unten.

//Ich muss mit Joey reden. Wir müssen für Montag eine gute Strategie entwickeln. Und ich muss herausfinden, wer hinter dem ganzen Schwachsinn steckt. Ich glaube, ich werde mal Herrn Unbekannt im Gefängnis besuchen. Vielleicht kann mir der Typ weiterhelfen.//

Mit neuem Elan setzt Seto seine Sonnenbrille auf und fährt ausnahmsweise selber mit seinem Auto zur Gefängnisanstalt nahe Domino City.

-----------------------

„Joey! Mokuba!“

Mit schnellen Schritten nähert sich Mai ihren Freunden, die mit leeren Bechern in den Händen auf einer Bank im Schatten des Campus sitzen. Voller Freude umarmt sie zuerst den Blonden, den sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Einige Meter hinter ihr kommt ein außer Atem geratener Mann zum Stehen, der seine Hände auf die Knie stemmt und nach Luft ringt.

„Ich bin eindeutig nicht der sportliche Typ.“

Mit einem großen Lächeln dreht sich Mai um und sieht zu dem schwarzhaarigen Mann, der sich jetzt die schmerzende Seite hält.

„Ach komm schon Rai, du tust so, als ob du gerade einen Marathon gelaufen wärst.“
„Für meine Verhältnisse war es das auch. Ich baue Maschinen, die für mich solche Dinge übernehmen.“
„Beachtet ihn nicht Jungs, der ist immer so. Keine Ahnung, wie so einer aus einer Militärsfamilie stammen kann.“

Joey und Mokuba können sich ein Lachen nicht mehr verkneifen. Der Anblick von einer zankenden Mai, die ihren armen Freund, der verzweifelt versucht, seine Haltung wieder zu erlangen, zurechtweist, weckt Erinnerungen.

„Schön dich wiederzusehen Mai. Wie ich sehe, hast du dich kein bisschen gebessert.“
„Was willst du damit sagen, Joey? Hast du in all den Jahren immer noch nicht gelernt, wie man mit einer Frau richtig umgeht?“
„Anscheinend nicht. Deswegen habe ich mir Seto geangelt.“
„Ach ja, stimmt! Mokuba hat mir davon erzählt. Ich kann es echt nicht fassen, dass ihr zwei Streithähne euch zusammengerauft habt. Grautliere!“
„Danke…denke ich…“
„Wieso denkst du?“
„Seto hat seit der Ankündigung einige Probleme.“
„Ach so?“
„Ja. Er wurde beim Galaabend angegriffen und seitdem tauchen immer wieder so blöde Artikel auf, dass seine Firma dem Ruin nahe ist.“
„Was!? Das ist ja furchtbar! Geht es ihm gut?“
„Na ja, den Umständen entsprechend, würde ich sagen. Er versucht den Grund für diese abstrusen Gerüchte und Spekulationen zu finden, aber ohne Erfolg. Es nimmt ihn mehr mit, als er zugeben würde.“

Die ganze Zeit hat Raizou den drei Freunden ruhig zugehört und überlegt, wie er helfen könnte.

„Entschuldigt, dass ich stören muss, aber kurz zu uns. Warum braucht ihr einen Entschärfroboter? Doch sicher nicht zum Hacken? Nach allem, was ich da gerade gehört habe, würde ich eher auf eine Bombe tippen, die Seto Kaiba erhalten hat, oder?“

Mai sieht erschrocken die beiden jungen Männern an. Auch wenn ihr Freund nicht der sportlichste ist, so ist sein Verstand messerscharf. Ertappt wechseln Mokuba und Joey einen Blick, bevor der junge Kaiba mit der Wahrheit herausrückt. Auch diesmal hört Raizou ruhig zu und verzieht keine Miene, als Mokuba die Briefbombe erwähnt. Nachdem der Student geendet hat, legt der Assistenzprofessor seinen Kopf schief und sieht beide Männer verwundert an.

„Ihr wollt mir echt weiß machen, dass ihr einen Teodor wollt, um eine Briefbombe zu entschärfen?“
„Einen … einen Teodor?“
„Ja. Das ist die Abkürzung für einen Überwachungsroboter, der Gegenden auskundschaften und Explosivstoffe entschärfen kann. Er wird zum Beispiel von der Polizei eingesetzt. Aber mal ganz ehrlich, für so eine Kleinigkeit braucht man keinen Entschärfroboter. Abgesehen davon habe ich keinen.“
„Was sollen wir dann tun?“
„Zündet die doch einfach an einem sicheren Ort.“
„Das wollen wir ja, aber wer soll es machen, ohne sich zu verletzen?“
„Schon mal an die Polizei gedacht?“
„Mein Bruder will nicht, dass es öffentlich wird und auf lästige Fragen hat er auch keine Lust…“
„Ist bei euch immer alles so kompliziert?“

Entmutigt lässt Joey seinen Kopf hängen. Der Job als persönlicher Bodyguard hat ihn schon oft die letzten Nerven geraubt, weil sein Schutzobjekt zu stur oder arrogant war. Bei jeder heiklen Situation begegnet Seto sein Gegenüber mit Provokationen. Schon öfters hat Joey mit ihm ein ernstes Wörtchen reden müssen, doch diese wurden nie zu Herzen genommen. Der Blonde hat seinem Drachen auch immer wieder beteuert, dass er nicht ständig auf ihn aufpassen kann. Mit einem etwas demütigeren Verhalten hätten viele brenzlige Begegnungen vermieden werden können. Natürlich hat sich Joey nicht umsonst weiterentwickelt und an unzähligen Ausbildungsseminare und Schulungen teilgenommen, aber jeder Trainer hat ihm eingetrichtert, dass der beste Bodyguard solche Situationen erst nicht aufkommen oder zur Eskalation kommen lässt. Doch leichter gesagt als getan bei so einem trotzigen Kleinkind als Schutzbefohlenen. Noch einmal seufzt Joey auf, bevor er Raizou eine ehrliche Antwort auf seine Frage gibt.

„Leider ja. Seto macht mir nicht gerade das Leben leicht. Herr Shibayashi, darf…“
„Nennt mich ruhig Rai. Raizou ist so ein altertümlicher Name…total peinlich.“
„Okay, danke. Also Rai, ich bitte dich, kannst du mir mit der Paketbombe helfen, ohne Behörden zu involvieren?“

Kurz sieht Raizou die beiden jungen Männer mit runzelnder Stirn an und überlegt, wie weit seine Hilfsbereitschaft gehen soll. Nach kurzer Überlegung und einem bittenden Blick von Mai, lässt er sich doch in dieses Schlamassel mitreinziehen.

„Na gut. Als ob ich da nein sagen könnte. Ich habe zwar keinen Teodor parat, aber meine Schwester hat einige fernsteuerbare Roboter, die wir sicher nutzen können. Wir treffen uns in zwei Stunden bei der Bombe. Gibt mir die Adresse und ich werde mit einem passenden Roboter da sein.“

Unendlich dankbar verbeugen sich Joey und Mokuba mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

„Rai, ich werde auch mitkommen.“
„Nein Mai, du bleibst zu Hause. Ich will dich da nicht mit reinziehen.“
„Ach komm schon, was soll schon groß passieren?“
„Nein Mai, dein Freund hat recht. Setos Feinde sind leider mit allen Wassern gewaschen. Wenn uns jemand dabei beobachtet und dich sieht, dann kannst du ins Kreuzfeuer geraten.“
„Ach, und bei mir habt ihr damit keine Probleme?“
„Tut mir leid Rai, so war das nicht gemeint, aber ohne deine Hilfe schaffen wir es nicht.“

Eingeschnappt sieht Raizou zwischen den beiden jungen Männern hin und her.

„Na gut, egal. Also Mai, bleib zu Hause. Es reicht, wenn ich mich involvieren lasse.“
„Echt jetzt? Kommt schon! Wenn sie es wirklich auf dich abgesehen haben sollten, dann wird es nicht lange dauern, bis sie auch seine Freundin oder seine Familie ins Visier nehmen.“

Kurz überlegt Joey.

„Tja, die Frau ist vielleicht blond, aber sicher nicht blöd. Da hast du wohl recht. Dann müssen wir es so machen; Rai, du besorgst uns den Roboter und wir holen ihn bei euch oder bei Frau Shibayashi ab, den Rest machen wir alleine. So seid ihr alle aus dem Schneider.“

Unwohl sieht Mai ihren Freund an. Nach Joeys Verhalten zu schließen, ist die Situation mit Kaiba doch ernster zu nehmen als gedacht. Besorgt mustert sie ihren blonden Freund.

„Du, sag‘ mal Joey, hat deine Vorsicht was mit dem Vorfall von vor neun Jahren zu tun? War dieser Spielemaster wirklich so skrupellos?“

Bei der Erwähnung des Namens verfinstert sich Joeys Blick.

------------------------

Nachdem Seto im Gefängnis angekommen ist und den nötigen Bürokratiekram hinter sich gebracht hat, wartet er geduldig im Besuchsraum auf den Häftling. Inzwischen hat er erfahren, dass sein Herr Unbekannt auf den Namen Takumi Namizono hört. Gelassen sitzt Seto auf dem Stuhl, die Beine überschlagen, die Arme verschränkt und den Blick starr geradeaus. Desinteressiert hört er den anderen Besuchern zu, die über den Alltag, die Kinder oder über die sonstigen Verwandten sprechen. Keine fünf Minuten später, erkennt er das Gesicht seines Angreifers, welches ihm jetzt ein wenig schmaler erscheint. Die Augen von Takumi Namizono blitzen böse auf, als sie seinen Besucher erblicken. Widerwillig setzt er sich Seto gegenüber und schweigt.

„Guten Tag Herr Namizono. Schön, dass ich endlich Ihren Namen kenne, Herr Unbekannt.“

Bis auf ein Schnauben erhält Seto keine weitere Reaktion des Häftlings.

„Was macht Ihr wertes Befinden?“
„…“
„Ich verstehe, Sie haben kein großes Interesse mit mir zu reden, allerdings würde ich mich sehr darüber freuen, wenn Sie mir ein paar Fragen beantworten könnten.“
„Ich hatte damals nichts zu sagen und heute ebenso wenig.“
„Auch nicht, wenn ich Ihnen im Gegenzug etwas anbieten könnte?“
„Sie haben nichts, was mich interessieren könnte.“
„Nein?“

Mit einem siegessicheren Lächeln sieht Seto sein Gegenüber an. Kurz kann der Firmenchef ein Funken Hoffnung, oder Sehnsucht, in den Augen von Takumi Namizono erkennen, bevor dieser wieder sein Pokerface aufsetzt.

„Nein.“
„Das heißt, sie wollen nicht frühzeitig entlassen werden? Oder doch lieber Unterstützung für Ihre Familie?“
„Natürlich möchte ich das, aber nicht zu so einem Preis.“
„Also ich finde, der Preis ist mehr als angemessen, schließlich will ich nur Antworten.“
„Lassen Sie mich raten. Sie wollen wissen, woher ich die verabscheuungswürdige Beziehung mit Ihrem Freund weiß.“
„Zum Beispiel, ja.“

Ein freudloses Lachen entflieht den Lippen des älteren Mannes. Mit einem angewiderten Ausdruck im Gesicht beäugt er seinen Besucher, der arrogant auf dem Stuhl sitzt und auf eine Antwort wartet. Nach einer langen Minute des Schweigens, beginnt er doch an zu erzählen.

„Irgendwie machen die Medien über Sie mehr Wind, als Ihnen zusteht. So großartig und unberechenbar sind Sie gar nicht.“
„Wie bitte?“
„Zur Zeit des Duel Monsters waren Sie wirklich ein eingebildeter Kotzbrocken. Das jemand wie Sie Unterhaltungselektronik erfindet, wenn auch großteils rund um diese Spielekarten, ist echt unbegreiflich. Skrupellos, gefühlskalt und gnadenlos. Das waren Ihre drei Persönlichkeitsmerkmale. Und jetzt schauen Sie sich an. Sitzen hier vor mir, ängstlich und unwissend und verkehren mit einem Mann, der sie verführt und zu Fall bringen wird.“

Scheinbar unbeeindruckt lässt Seto den Mann weitererzählen.

„Es ist einfach widerlich, wie sie beiden in der Öffentlichkeit herumstolzieren, wie die Medien überschwänglich über Ihre Geschäftspraktiken berichten und Sie so ein glamouröses Leben frönen können. Die Welt ist derart verdorben, dass sie ohne Sie besser dran ist.“
„Das ist ja alles schön und gut, aber Sie haben mir immer noch nicht meine Frage beantwortet.“
„Glauben Sie echt, dass es diese dumme Ansprache gebraucht hat, um der Welt zu zeigen, dass Sie es mit diesem blonden Abschaum treiben? Hat Ihnen der Vorfall von vor neun Jahren so zugesetzt, dass Sie keine Ahnung mehr haben, wie Sie auf die Mitmenschen wirken?“
„Ach ja, wie denn?“
„Sie sind schwach und ungeeignet als ehrbarer Mensch bezeichnet zu werden. Ohne diesen Wachhund schaffen Sie keinen Schritt mehr in die Öffentlichkeit und lassen sich von ihm flachlegen.“

Ungläubig starrt Seto seinen einstigen Angreifer an. Hat Joey ihn echt so verweichlicht? Hat der Vorfall mit dem Spielemaster ihn so aus der Bahn geworfen, dass er nicht mitbekommen hat, wie er an Ansehen eingebüßt hat? Hat er sie denn eingebüßt? Er fühlte sich nicht anders als zuvor. Natürlich genießt er jetzt die familiäre Nähe zu seinem Bruder und zu Joey viel mehr und auch der körperliche Kontakt zu seinem Hündchen tut ihm gut. Als Schwäche hätte er es nie abgestempelt. Schließlich sagt man doch, dass die Liebe einen stark macht und nicht schwach, aber trifft es bei ihm auch zu? Eigentlich kam er immer gut alleine zurecht und die Streitereien mit Joey waren eine gute Übung für seinen scharfen Verstand. Jetzt, wo sie zusammenlebten, kommt es zwar immer noch zu Reibereien, aber längst nicht mehr zu solchen Wortgefechten wie damals. Ist Joey an all den Gerüchten schuld?

Bei dem Gedanken muss Seto leise auflachen. Ein Kaiba lässt sich nicht manipulieren. Er selber zieht die Strippen und kein anderer. Joey hat damit nichts zu tun.

„Ich muss es Ihnen lassen, sie hätten es fast geschafft, mich zu überzeugen.“
„Das ist keine Überzeugung, dass ist die Wahrheit. Und solange Sie das nicht erkennen, solange wird nicht nur Ihr Ansehen darunter leiden, sondern auch Ihr Unternehmen. Aber darauf warte ich ja nur.“
„Und warum wollten Sie mich dann erstechen? Sie hätten ja in Ruhe darauf warten können.“
„Das wollte ich auch, aber dieses Geturtel auf dem Galaabend war nicht mehr zu ertragen.“
„Geturtel?“
„Ihre Ignoranz ist unerschütterlich. Die Räumlichkeiten sind vielleicht gut isoliert, aber sicher nicht schalldicht.“

------------------------------ Flashback --------------------------

Der Galaabend beginnt in einer knappen Stunde. Seto und Joey gehen noch einmal den Ablaufplan und die Sicherheitsmaßnahmen durch, bevor sie die ersten Gäste in Empfang nehmen. Während sie durch den großen Saal und die angrenzenden Räumlichkeiten schreiten, begutachten sie alle Vorbereitungen. In einem kleinen Zimmer nebenan, welches als Arbeitszimmer oder als Rückzugsort vorgesehen ist, kommen sie zum Stehen und schnaufen noch einmal durch. Nachdem Seto den Raum betreten hat, schließt Joey die Tür, um ungestört reden zu können.

„So wie es aussieht, dürfte alles für den heutigen Abend vorbereitet sein.“
„Hmmm.“
„Alles in Ordnung Seto?“
„Ja, ja, alles in Ordnung.“

Unsicher nähert sich Joey seinem Freund und sieht ihn fragend an. Dieser lehnt sich an den Tisch und verschränkt die Arme vor seiner Brust. Beim Blick des Blonden runzelt Seto die Stirn.

„Was ist?“
„Das wollte ich dich fragen. Du siehst so besorgt aus.“
„Ich überlege, wie ich diesen unterbelichteten Idioten klar machen kann, dass ich immer noch der alte Seto Kaiba bin und es niemand wagen sollte, mich in Frage zu stellen.“

Joeys Mundwinkel zieht sich auf einer Seite lächelnd nach oben. Das war mal wieder typisch Seto. Sein Ruf steht nach seiner Familie wahrscheinlich als nächstes. Den zu ruinieren gleicht einem Selbstmord. Amüsiert stellt sich Joey vor seinen Freund, entknotet seine verschränkten Arme und legt die Hände um seine Hüfte. Seine eigenen Hände finden sich hinter dem Nacken des Brünetten wieder, um den Kopf notfalls festzuhalten, falls er den Blickkontakt unterbrechen sollte. Joey sieht seinem Drachen tief in die Augen. Sie scheinen ihn kalt und unnahbar anzustarren, doch er kann einen kleinen Schimmer von Unsicherheit erkennen. Keine Angst, sondern Bedenken, wie er diesem Gerücht Herr werden kann. Vielleicht auch eine Spur von Wut.

Seto versucht in Joeys Augen eine Antwort zu finden, für all diese zermarternden Gefühle, die er in letzter Zeit versucht, zu unterdrücken. Wann hat das alles begonnen? Seit wann steht er auf diesem Prüfstein, wo gefühlt die ganze Welt nur darauf wartet, dass er scheitert? Warum jetzt auf einmal? Waren seine Spieleentwicklungen nicht beliebt? Kinder, Jugendliche und Eltern standen in aller Herrgottsfrühe vor den geschlossenen Läden Schlangen, nur um als erstes an die neuesten Produkte heranzukommen. Warum also jetzt der Sinneswandel? Natürlich schreibt die Kaiba Corporation noch immer schwarze Zahlen, aber in den Medien wird er behandelt wie ein korrupter Schwerverbrecher, der entlarvt worden und dem Untergang geweiht ist. Warum hat niemand ein gutes Wort für ihn übrig? Nur eine kleine Nettigkeit, ein freundliches Interview, ein stummer Aufschrei gegen diese Ungerechtigkeit. Alles was ihm bleibt ist auf seine Disziplin zu vertrauen und auf seine Familie. Auf Mokuba. Auf Joey.

Ein sanfter Kuss auf Setos Stirn befördert ihn wieder zurück in die Realität.

„Hör auf deine Stirn zu runzeln. Sie entstellt dein schönes Gesicht.“

Genau solche Kleinigkeiten sind der Antrieb für Setos Standhaftigkeit und Verbissenheit, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Langsam löst sich eine Hand Setos von Joeys Hüfte und findet ihren Weg zu seiner Wange. Vorsichtig schreicht er mit dem Daumen über diese und sieht ihn mit einem kleinen Lächeln gutmütig an.

„Verzeih, ich war in Gedanken.“
„Wie es aussieht, bin ich nicht darin vorgekommen. Das muss ich sofort ändern.“

Zärtlich gibt Joey seinem Drachen diesmal einen Kuss auf die Lippen. Federleicht, aber mit all seinen Gefühlen, die sich in den ganzen Jahren angesammelt haben. Seto kann spüren, wie die Liebe seines Hündchens durch seinen Körper strömt und seine Sorgen ein wenig lindert. Genießerisch schließt er die Augen und stellt sich vor, wie diese Energie jede Zelle und jede Faser befreit und in ein warmes Licht einhüllt. Joeys Hand streicht sanft über die Haare seines Freundes, während er den Kuss leicht intensiviert. Er ist nicht gierig, nicht verlangend, einfach nur leidenschaftlich. Seto merkt, dass der Blonde ihn einfach bedingungslos liebt. Nicht sein Aussehen, nicht seine Firma, nicht sein Geld und nicht sein Einfluss, einfach nur ihn. Den sturen, selbstbeherrschten und schlagfertigen Mann, der ihm das Leben anfangs zur Hölle gemacht hat. Wieder einmal zeigt ihm Joey, das seine eigenen Prinzipien nicht immer von Erfolg gekrönt sein müssen. Er muss nicht immer stark und unnahbar sein, um sich Autorität zu verschaffen. Er muss nicht ständig mehr Macht und Geld akquirieren, um erfolgreich zu sein.

Langsam löst Joey den Kuss und sieht seinem Freund nochmal tief in die Augen.

„Du grübelst immer noch. Ich glaube, ich muss härtere Geschütze auffahren, hm?“

Ertappt schweift Setos Blick nach unten. Zuversichtlich, den Firmenchef auf andere Gedanken zu bringen, nimmt Joey ihn bei der Hand und führt ihn zum Sofa. Mit sanfter Gewalt drückt er ihn in eine sitzende Position. Geschickt setzt er sich breitbeinig auf seinen Schoss. Ohne Gegenwehr beobachtet Seto, was sein Hündchen vorhat. Als sich dieser vorbeugt, um ihm am Hals zu küssen, packt der Brünette mit beiden Händen an den Po seines Freundes und dreht sich um 180 Grad. Mit einem erschreckten Laut plumpst Joey auf die Couch. Seine blonden Haare liegen vereinzelt auf seinem Gesicht, die sofort von feingliedrigen Fingern auf die Seite gestreicht werden.

„Endlich wieder deine Lebensgeister aktiviert?“
„Mehr als das. Sie wollen gefordert werden.“
„Das lässt sich einrichten.“

Stürmisch prallen ihre Lippen aufeinander und fordern diesmal mehr als eine zärtliche Liebkosung. Joey kann spüren, wie sein Freund mit seinem ganzen Gewicht auf ihn liegt, aber das ist ihm noch nicht genug. Verlangend drückt er ihn noch näher an sich heran, um jeden angespannten Muskel, jede Hebung und jede Senkung seines Brustkorbs spüren zu können. Ein wenig unbeholfen wegen der kleinen Couch, versucht Joey, die Beine um Setos Unterleib zu schlingen, muss aber schnell kapitulieren, als der Brünette anfängt, Joeys Brustwarzen mit seiner Hand zu verwöhnen. Ein leises Stöhnen unterbricht ihren Kuss, was der Drache sofort nutzt, um die Halsbeuge des Blonden zu liebkosen. Joey spürt, dass Seto mindestens genauso erregt ist wie er. Ihm ist bewusst, dass sie nicht viel Zeit haben und sie sich bald wieder vorzeigefähig herrichten müssen, um die ersten Gäste zu begrüßen, aber das muss jetzt warten. Schnell stellt Joey seinen rechten Fuß auf den Boden und drückt somit seine Hüfte näher an Setos Unterleib. Ein tiefes Brummen löst sich aus dessen Kehle. Auch der Bodyguard ist von der Intensität seines Vorhabens überrascht, und krallt sich stöhnend in den weichen Haarschopf seines Freundes.

„Joey, wir haben keine…Zeit….wir…“

Nicht gerade überzeugend küsst Seto trotz seines verbalen Widerstands das Schlüsselbein seines Freundes. Genauso wenig kooperativ zieht Joey das Hemd aus der Hose des Firmenchefs, um mit seiner Hand den Rücken zu verwöhnen.

„Sind deine Lebens…geister…schon befriedigt?“
„Die schon…aber ich…nicht.“

Erneut stemmt sich Joey Seto entgegen, der diesmal seine Aktion mit einem lustvollen Stöhnen quittiert.

Während beide ihre süße Zeit vor dem Galaabend genießen, geht gerade draußen ein älterer Mann am Fenster vorbei, welches leicht geöffnet ist. Der zugezogene Vorhang dahinter offenbart nicht das Geschehen im Zimmer, allerdings sprechen die Geräusche, die daraus hervordringen, für sich. Das Gestöhne, die Liebesbekundungen und die geseufzten Namen verraten Takumi Namizono, was gerade in dieser Räumlichkeit geschieht. Angewidert verzieht er sein Gesicht, dreht auf seinem Absatz um und plant seinen heutigen Abend noch einmal um.

---------------------- Flashback Ende -------------------------

„Ich verstehe. Das erklärt natürlich einiges, aber hätte ich das gleiche mit einer Frau gemacht, wäre es in Ordnung gewesen?“
„Sie verhalten sich wie triebhafte Karnickel. Das ist einfach schändlich. Selbst mit einer Frau ist dieses Benehmen unerhört, aber durchaus natürlich. Sie…“
„Natürlich!?“

Langsam spürt Seto, wie eine unbändige Wut in ihm hochsteigt. Ihm ist es egal, ob jemand ihn oder Joey persönlich nicht ausstehen kann, aber solche Grundsatzdiskussionen sollten eigentlich nicht mehr geführt werden müssen.

„Sie sind ein konservativer, alter Greis, der den Wandel der Zeit verpasst hat. Jeglicher Versuch, Ihnen Vernunft beizubringen, ist vergeudete Liebesmüh‘.“
„Halten Sie den Mund! Von Ihnen brauche ich mir überhaupt nichts beibringen zu lassen! Eher sollten Sie Anstand und Würde lernen.“
„Ich glaube, diese Diskussion weiterzuführen hat keinen Sinn mehr. Vielen Dank für das Gespräch.“
„Was ist mit unserer Abmachung?“
„Abmachung? Ich kann mich an keine erinnern. Weder an einen Handschlag noch an einen unterschriebenen Vertrag.“
„Sie elender…“
„Ja, ja, dieses Thema hatten wir schon. Ich wünsche noch einen schönen Tag.“

Gerade als Seto aufstehen will, greift Takumi Namizono über den Tisch und hält ihn am Unterarm fest. Unbeeindruckt sieht Seto hinunter, nur um mit einem noch tödlicheren Blick aufzusehen.

„Hände weg.“
„Sie werden ihr Verhalten noch bereuen. Glauben Sie mir, ich bin nicht der Einzige, der sie am Boden sehen möchte.“

Wütend reißt Seto seinen Arm aus dem Griff des Häftlings, setzt seine Sonnenbrille auf und verlässt den Besuchsraum.

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Nach knapp drei Stunden stehen Joey und Mokuba wieder vor ihrer Paketbombe, doch diesmal mit einem Roboter von Frau Shibayashi. Die Professorin war selber nicht anwesend, als die beiden Männer ihn bei Rai abgeholt haben, doch ihr kleiner Bruder meinte, dass sie ihnen einen Roboter im Design von Gundam Wings Deathscythe schweren Herzens überlässt, sofern Mokuba ihr einen Gefallen erweist. Freudig nahm der junge Kaiba die Maschine entgegen und die beiden Männer verabschiedeten sich vom Assistenzprofessor.

„Du Mokuba, hast du eine Ahnung wie man den benutzt?“
„Joey, du redest mit dem wohl süchtigsten Zocker der Weltgeschichte. Da sollte so etwas kein Problem darstellen.“

Der Blonde bricht in schallendes Gelächter aus.

„Da hast du wahrscheinlich recht. Aber schon irgendwie schade um diesen Roboter. Der sieht richtig cool aus.“
„Das stimmt. Vielleicht haben wir ja Glück und es passiert ja gar nichts.“
„Na gut, Mokuba. Du bleibst hier stehen. Ich lege die Bombe und den Roboter jetzt, sagen wir, fünfzig Meter entfernt auf den Rasen hin. Sobald ich bei dir bin, kannst du mit dem Öffnen anfangen.“
„Okay, verstanden.“

Ein wenig nervös geht Joey los und sieht hin und wieder unsicher auf das Päckchen und zurück zu Mokuba, der ihn mit seinen großen Augen verfolgt. Leise murmelt sich der Blonde Mut zu und schickt ein Stoßgebet nach oben, mit der Bitte auf eine explosionsarme oder sogar -lose Öffnung. Kaum berühren beide Gegenstände den Boden, dreht Joey auf seinen Fersen scharf um und rennt in einem Wahnsinnstempo zu seinem Freund zurück. Völlig außer Atem sieht er Mokuba mit gerunzelter Stirn an.

„Wenn das mal gut geht. Glaubst du fünfzig Meter sind genug?“
„Keine Ahnung. Lass uns doch lieber in den Schuppen gehen.“
„Das ist eine gute Idee.“

Nachdem beide die kleine Hütte betreten und die Tür geschlossen haben, sehen sie gespannt aus dem Fenster.

„Nun gut Kleiner, leg mal los.“
„Wollen wir mal sehen….“

Interessiert sieht er auf die Fernsteuerung hinunter und betätigt den Powerknopf. Ein grünes Licht zeigt ihm an, dass die Verbindung zum Roboter steht. Mit dem rechten Joystick kann Mokuba den Gundam steuern, während der linke den Körper drehen, beugen und strecken kann. Weitere Hebel lassen jeweils einen Arm heben, senken oder drehen. Hoch konzentriert versucht der junge Kaiba, den Roboter flüssig bewegen zu können, doch es will ihm auf Anhieb nicht gelingen. Geduldig rennt er mit der Maschine im Garten herum, bis er ein Gefühl für die Steuerung bekommt.

„Okay, jetzt sollte ich es drauf haben. Wollen wir?“
„Leg los.“