Extended Security 2.0

von Kokukirin
GeschichteHumor, Romanze / P18 Slash
Katsuya Jonouchi / Joey Wheeler Mokuba Kaiba Seto Kaiba
05.06.2020
01.08.2020
5
23.682
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
05.06.2020 4.389
 
Autorin: Hallo ihr Lieben. Endlich geht meine neueste Fanfic los. Sie ist, auf Wunsch meiner Leser, die Fortsetzung von „Extended Security“ (welch Wunder bei dem Namen ^^“). Da ich keine Ahnung habe, wo mich diese Reise hinbringt, werde ich sicher nicht so regelmäßig Kapitel hochladen können, wie ihr es von mir gewohnt seid. Aber ich freue mich schon sehr darauf und bin selber richtig gespannt, was Seto und Joey diesmal alles so erleben werden. Viel Spaß mit Extended Security 2.0!

Eine schicksalshafte Ankündigung


„Hey sieh mal, ist das nicht der Gastgeber Seto Kaiba?“
„Du hast recht. Sieht der nicht toll aus? Aber wer ist dieser gutaussehende Mann neben ihm?
„Gute Frage. Das würde mich auch interessieren. Ist das sein Stellvertreter?“
„Oder vielleicht sein Berater.“
„Nein, glaube ich nicht. Er sieht nicht aus wie jemand, der den Schreibtisch hüten würde.“
„Ist ja auch egal. Ich würde jedenfalls beide nicht von der Bettkante schubsen.“
„Definitiv nicht.“

Fast zehn Jahre ist es her, dass diese zwei gutaussehenden Männer, die den Frauen auf dem Galaabend den Kopf verdrehen, sich dem selbsternannten Spielemaster stellen mussten. Würdevoll schreiten Seto Kaiba und Joey Wheeler durch den Saal und ziehen somit die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Während Seto sich um seine ehrenwerten Gäste kümmert und jeden persönlich begrüßt, begleitet ihn sein blonder Sicherheitschef mit einem Lächeln und wachsamen Auge.

Nach den traumhaften Weihnachtsferien von vor neun Jahren, schlossen wie vereinbart Seto und Joey die Schule ab. Joey hielt sich auch an sein Versprechen, sich beim Lernen anzustrengen, was ihn am Ende einen Notendurchschnitt unter 1,5 bescherte. Als Belohnung für seine Mühen, hat ihm Seto einen Wunsch erfüllen wollen, doch der Musterschüler hat ihn bis heute nicht eingelöst. Nach der Schule stürzten sich beide in ihre Ausbildungen. Während der Firmenchef sein Imperium weiter ausbaute und sich nebenbei für diverse Fernstudien zur digitalen Sicherheit angemeldet hatte, nahm Joey Privatunterricht bei einem Kampftrainer, der sich auf den Personenschutz spezialisiert hat. Nachdem Tristan aus Amerika zurückgekehrt war und von der ganzen Aufregung um Seto Kaiba erfahren hatte, wollte er mitmischen. Joey fand diese Idee hervorragend, da er wusste, dass er sich auf seinen alten Kumpel verlassen konnte, doch sein Arbeitgeber fand sie nicht so berauschend. Viele Stunden Überredungsarbeit waren notwendig, um Seto von dem Gedanken zu überzeugen, Tristan wenigstens eine Chance zu geben. Glücklicherweise, oder besser gesagt leider, waren keine besonderen Vorkommnisse, die einen zweiten Sicherheitsbeauftragten an Setos Seite gerechtfertigt hätten. So musste Tristan auf die Reservebank und auf seine Gelegenheit warten.

Die Jahre verstrichen und die beiden Männer machten riesige Fortschritte. Das Wissen, welches sich Seto in den Studien angeeignet hatte, gab er sofort seiner Sicherheitsabteilung weiter. Natürlich ließ es sich der Firmenchef trotzdem nicht nehmen, die Fäden in der Hand zu halten und ein wachsames Auge über sein Sicherheitssystem zu behalten. Joey hingegen hatte nicht nur seine Kampftechniken verfeinert, sondern auch gelernt, Körpersignale zu deuten und das strategische Entwerfen von Notfallplänen. So kam es, dass Beide, bis zum heutigen Tag, ein relativ gefahrenfreies Leben geführt haben.

Der heutige Galaabend wird veranstaltet, um die Technik- und Spieleriesen zu vereinen und sich über die neuesten Entwicklungen auszutauschen. Außerdem ist es für den Firmenchef der Kaiba Corporation eine gute Gelegenheit, seine Macht und Autorität zu demonstrieren. In letzter Zeit häuften sich die Gerüchte, dass der einst so eiskalte und unnahbare Seto Kaiba Schwäche zeigte und die Kontrolle über seine Firma verlieren würde. Woher diese absurden Vermutungen kommen und wer sie in die Welt gesetzt hat, konnte bis jetzt nicht herausgefunden werden. Unter dem Vorwand, diese Gerüchte zu zerstören, wurde in erster Linie diese Feier organisiert.

Unbeeindruckt von der Menschenmasse und den hohen Tieren der Technik- und Spieleindustrie, bahnt sich Seto mit Joey an seiner Seite durch die Persönlichkeiten. Hier wird einmal die Hand geschüttelt und dort ein paar Worte gewechselt. Immer wieder wird der Firmenchef auf diese Gerüchte angesprochen, doch dieser lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortet gelassen und kühl nach klassischer Kaiba-Art. Joey bekommt langsam ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Etwas oder jemand lässt ihn nervös die Menschenmenge beobachten. Unscheinbar beugt er sich näher zu Seto, um ihn zu warnen. Doch vor was eigentlich?

„Du, Seto.“
„Hm?“
„Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich habe ein ungutes Gefühl.“
„Aha. Und warum?“
„Keine Ahnung, aber sei vorsichtig.“

Äußerlich gelassen, steigt die Nervosität innerlich ins unermessliche. Er kann deutlich eine mörderische Absicht im Raum fühlen.

//Da! Der Typ da hinten in dem dunkelblauen Anzug und schwarzen Haaren. Diese bohrenden, starren Augen. Er steht leicht abseits im Raum, um nicht gestört zu werden und doch gut getarnt in der Menge. Aber was hat er vor?//

Anscheinend unbeeindruckt von dieser Erkenntnis folgt Joey weiter seinem Schutzobjekt. Auch wenn er den Anschein erweckt, sein Ziel aus den Augen gelassen zu lassen, so ruht seine Aufmerksamkeit stets in dieser Richtung. Plötzlich setzt sich der Mann in Bewegung. Routiniert verlangsamt Joey seinen Puls, der vor wenigen Sekunden noch am liebsten durch die Decke gehüpft wäre. Mit seinem charmanten Lächeln hält er seine Fassade aufrecht und beobachtet weiter die Gäste, vor allem diesen Mann, der sich gerade durch die Leute drückt, um näher an Seto heranzukommen. Wie ein Raubtier hat diese Person den Firmenchef im Auge und verfolgt jede seiner Bewegungen.

„Seto, der Mann auf zehn Uhr, dunkelblauer Anzug, schwarze, kurze Haare. Er bewegt sich gerade in unsere Richtung. Sei vorsichtig.“

Ein leises Brummen bestätigt Joey, dass Seto ihn gehört und verstanden hat. Ihr weiterer Weg wird plötzlich vom stellvertretenden Geschäftsführer einer konkurrierenden Spielefirma blockiert.

„Herr Kaiba, vielen Dank für die Einladung zu diesem hervorragenden Galaabend.“
„Herr Nikaido, freut mich, dass Ihnen der Abend gefällt.“
„Jetzt sind wir schon so lange in diesem Geschäft und trotzdem schaffen wir es nicht, an Ihren Einfluss heranzukommen. Wie machen Sie das nur?“
„Das ist ganz einfach Herr Nikaido. Man muss einfach nur mit der Zeit mitschwimmen. Die Leute sagen einem, was sie gerade wollen.“
„Aber…“
„Ihre Techniken sind einfach zu veraltet. Sie können Ihre Tradition nicht aufgeben, doch die interessiert niemanden mehr.“

Während Seto die Geschäftspraktiken seines Konkurrenten weiter kritisiert, hat sich der dubiose Gast bis auf zehn Meter hervorgewagt. Ohne seinen Blick vom Firmenchef zu nehmen, greift er langsam hinter sein Jackett und scheint etwas herauszuziehen. Alarmiert spannt Joey seine Muskeln an und macht sich kampfbereit. Die umstehenden Gäste nehmen nichts von der Spannung war, die beim Blonden alle Alarmglocken läuten lassen.

„Nun dann, Herr Nikaido, genießen Sie den weiteren Abend.“

Gerade als Seto weitergehen will, treffen sich die Blicke der Beiden. Während der Jäger abrupt in seiner Bewegung inne hält, um nicht aufzufallen, geht der Firmenchef angeblich nichts ahnend los und nickt hier und dort einigen Personen zu. Ein kurzes Zucken der Augenbrauen und schon schließt der Mann zügig die letzten Meter zu Seto auf. Schnell schreitet Joey zwischen die Beiden und hält den Arm des Unbekannten nach unten, den er bereit war zu heben. Leise, aber bedrohlich flüstert er ihm lächelnd ins Ohr.

„Was immer Sie auch vorhaben, ich würde es nicht tun. Wir wollen hier doch keine Panik auslösen. Dürfte ich Sie bitten, mit mir nach draußen zu kommen?“
„Lassen Sie mich sofort los.“
„Da ich den Verdacht hege, dass Sie meinem Vorgesetzten etwas antun wollen, kann ich das nicht zulassen.“
„Ihrem Vorgesetzten? Das ich nicht lache. Ihresgleichen müssen ausgerottet werden.“
„Wie bitte? Unseresgleichen?“
„Ihr seid eine Schande für die Menschheit. Ihr gebt euch gleichgeschlechtlicher Lust hin und verdirbt das Volk und unsere Kinder. Und gerade so jemand stellt Spiele her und ist in den Medien präsent. Echt widerlich!“

Der Mann wird immer lauter und lockt langsam die ersten Zuhörer an. Seto scheint sich mit jemanden zu unterhalten, hört aber jedem Wort genau zu. Freundlich entschuldigt er sich bei seinem Gesprächspartner und geht auf seinen Verächter zu.

„Verzeihen Sie, wenn ich mich in dieses Gespräch einmische, aber ich habe das Gefühl, dass es hier um meine Wenigkeit geht. Ich habe keine Ahnung, woher Sie diese Information haben, aber ich denke nicht, dass dieser Ort geeignet ist für so eine Unterhaltung. Wenn Sie etwas gegen meine persönliche Lebenseinstellung haben, so folgen Sie mir doch bitte in den angrenzenden Raum, um dieses Problem zu lösen.“

Mit sanfter Gewalt führt Joey den Mann in Begleitung von Seto in den Nebenraum. Kaum schließt sich die Tür, reißt sich der Unbekannte aus Joeys Griff und stürmt auf Seto zu. Reflexartig reißt der Blonde ihn rechtzeitig am Handgelenk zurück und drückt ihn gegen die Wand. Klirrend fällt ein kleines Messer zu Boden.

„Hey, nicht so schnell. Schön hier geblieben.“
Der Firmenchef hat während dem Angriff nicht einmal mit der Wimper gezuckt.
„Joey, lass ihn los. Ich will hören, was er zu sagen hat.“

Widerwillig lässt der blonde Bodyguard den Mann, der um die 40 Jahre sein musste, los, ohne nicht jede kleinste Regung genauestens zu beobachten.

„Also Herr…?“
„Tun Sie nicht so großspurig. Ihre Scheinheiligkeit können Sie sich in ihren gepuderten Arsch stecken.“
Setos Lippen kräuseln sich zu einem verheißungsvollen Lächeln.

//Oh je, dieses Grinsen kenne ich. Seto hat Blut geleckt. Er ist gerade auf Konfrontationskurs.//

„Nun gut, Herr Unbekannt. Wie ich vorher mitbekommen habe, sind Sie mit meiner privaten Lebenseinstellung nicht zufrieden. Mein Bettgefährte scheint Ihnen zu missfallen und dass es deswegen unsere heilige Jugend vergiftet.“
„Ganz richtig. Solche Menschen sind verdorben und sollten in keiner mächtigen Position stehen.“
„Verstehe. Dann haben Sie sicher auch schon die Film- und Literaturindustrie zerstört.“
„Bitte?“
„Nun ja, also so wie ich es verstehe, haben Sie eine Abneigung gegen homosexuelle Personen. Da kommen mir natürlich zuerst die vielen Reklamen zu Anime, Manga, Film und Literatur in den Sinn, in der die Männer und Frauen wollüstig über ihresgleichen herfallen.“
„Hören Sie auf so vulgär zu sprechen.“
„Wieso? Sagen Sie mir, haben Sie jetzt jeden Mangaka, jedes Animationsstudio, jeden Autor und jeden Regisseur erstochen?“
„Sie sind doch verrückt.“
„Ich glaube nicht, dass Sie in der Position sind, das zu behaupten. Warum wollen Sie den Firmenchef eines harmlosen Spieleimperiums ermorden, der nicht einmal ansatzweise etwas in diese Richtung veröffentlicht?“
„Ihre Spiele sind mir gleichgültig. Es geht um ihre Person.“
„Verstehe. Da frage ich mich aber, woher Sie zu wissen glauben, welches Geschlecht ich in meinem Bett bevorzuge?“
„Das…das spielt hier keine Rolle.“
„Eigentlich schon, denn ich habe meinen Lebensgefährten bis heute nie erwähnt. Deswegen verraten Sie mir doch, woher Sie es zu wissen glauben?“
„Tja, vielleicht sind Sie doch nicht so vorsichtig wie gedacht, Herr Seto Kaiba.“

Ein gefährliches Glänzen breitet sich in Setos Augen aus. Sein Grinsen verzieht sich immer mehr in ein diabolisch lächelndes, was auf Vernichtung aus ist.

„Nun gut. Da Sie nicht in der Position sind, ihren Hass mir gegenüber auszuüben, werde ich Ihnen zeigen, wie man jemanden richtig demütigt. Bitte folgen Sie mir. Joey, würdest du den Herren bitte begleiten. Wir werden eine kleine Ansprache halten.“

Joey wird auf einmal ganz unwohl bei dem Gedanken, eine Ansprache vor so vielen Leuten von Seto zu hören, nachdem er in den Zerstörer-Modus gefallen ist.

//Was meint er mit „demütigen“? Lieber Himmel, was hat Seto denn jetzt schon wieder vor? Bitte, lass ihn keine Dummheiten machen, die wir später bereuen werden.//

Bestimmt packt Joey den Mann am Oberarm und führt ihn hinter Seto aus dem Nebenzimmer.
Als die drei Männer den Saal wieder betreten, verebben langsam die Gespräche und die ganze Aufmerksamkeit ruht auf ihnen. Es war schnell aufgefallen, dass der Gastgeber und Initiator der ganzen Veranstaltung gefehlt hat.

„Wie schön, dass ich Sie alle nicht mehr um Ihre Aufmerksamkeit bitten muss. Bitte verzeihen Sie die Unterbrechung, aber ich habe eine wichtige, außerplanmäßige Ankündigung zu machen. Der nette Herr hier neben mir bat mich, endlich den Schleier um meine Person fallen zu lassen und dieser Bitte möchte ich gerne nachgehen.“
„Seto, du…“
„Der junge Mann neben mir, Herr Joseph Jay Wheeler, ist seit langer Zeit mein persönlicher Bodyguard und nebenbei auch für die Sicherheit meines Anwesens und die der Firma zuständig. Doch darüber hinaus verbindet uns viel mehr, als eine einfache Arbeitsbeziehung. Ich denke, Sie, meine Damen und Herren, wissen schon, auf was ich hinaus möchte.“

Ein leises Flüstern und Gemurmel erfüllt den Saal. Eine Mischung aus Erstaunen, Abneigung und Entzückung ist zu vernehmen. Joey fühlt sich mit einem Schlag ganz unwohl in seiner Haut. Auf diese Weise im Rampenlicht zu stehen, gefällt ihm nicht. Ein Blick zu Seto bestätigt ihm, dass diese Aufmerksamkeit ihn absolut kalt lässt und dem Geflüster keinerlei Beachtung schenkt. Der Unterkiefer des unbekannten Mannes klappt perplex nach unten und starrt den Firmenchef ungläubig an.

„Wie ich sehe, haben Sie meine Andeutung verstanden. Allerdings will ich keine Missverständnisse oder Spekulationen provozieren, weshalb ich es ihnen noch einmal ausdrücklich erklären will. Herr Joseph Wheeler und ich befinden uns in einer festen Beziehung, die mir überaus wichtig ist. Ich hoffe, Sie freuen sich auch so sehr darüber wie ich. Und wenn ich schon gerade dabei bin, möchte ich ein unliebsames Gerücht endgültig aus der Welt schaffen. Schon mehrere meiner werten Gäste, haben mich diesbezüglich angesprochen und ich muss gestehen, dass es mich langsam nervt. Ich betone noch einmal ausdrücklich, dass es mir und meiner Firma hervorragend geht und Ihre Sorgen unbegründet sind.“

Für den letzten Satz seiner Ansprache verfinstert sich Setos Gesicht und er sieht mörderisch in die Gruppe vor ihm.

„Und wenn es irgendjemand wagen sollte, das zu ändern und mich oder etwas, was mir gehört, anzugreifen, dann werde ich, ohne mit der Wimper zu zucken, den Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft ziehen.“

Unbeeindruckt von der aufgebrachten Menge mischt sich Seto wieder mit einem professionellem Unschuldslächeln unter seine Gäste. Joey, der noch nicht verarbeitet hat, was gerade passiert ist, folgt ihm mechanisch und zieht den Mann hinter sich her, der mindestens genauso überfordert ist wie er. Langsam realisiert Joey, was sein Freund gerade angerichtet hat und schleift ihn daraufhin in eine ruhige Ecke des Saals.

„Bist du von allen guten Geistern verlassen? Warum lässt du dich von diesem Typen da provozieren?“
„Das ist nicht, was ich beabsichtigt habe, sie ignoranter Mistkerl. Wenn das jetzt unsere Kinder gesehen haben, dann…“
„Dann was, Herr Unbekannt?“

Seto baut sich zur vollen Größe auf und drängt den Mann gegen die Wand, ohne ihn zu berühren. Eingeschüchtert macht dieser ein paar Schritte zurück.

„Mir ist es vollkommen egal, was ihre Absichten sind und ich lasse mich sicher nicht einschüchtern oder erpressen. Ich nötige Sie nicht dazu, meine Produkte zu kaufen, ihr Geld habe ich nicht notwendig. Aber sich in meine Geschäftspraktiken oder in mein Privatleben einzumischen, ist unverzeihlich.“

Joey kann in den Augen des Mannes die Wut, gepaart mit einer hilflosen Angst genau erkennen. Diese Person ist gerade zu allem fähig. Sein Attentat wurde verhindert, seine Würde geraubt und die ganze Lage wurde damit im Grunde nur verschlimmert.

„So, nun sagen Sie mir Herr Unbekannt, was…“
„Hören Sie auf mich so zu nennen.“
„…was soll ich mit Ihnen machen? Da Sie ein Messer bei sich trugen, wollten Sie mit mir sicher nicht über die neuesten Spiele reden. Joey, ruf die Polizei. Wir haben hier einen versuchten Mord.“
„Jawohl.“
„Warten Sie, ich…“
„Und nimm den Herren gleich mit, bis die Polizei eingetroffen ist.“
„Natürlich.“

Sanft, aber bestimmt, packt Joey den Attentäter am Oberarm und geleitet ihn aus dem Saal, während er sein Handy zückt und die Notrufnummer wählt. Mit einem schweren Seufzen fährt sich Seto durch sein Haar, bevor er sich wieder in die Menge begibt.

Nachdem die Polizei alle Aussagen aufgenommen und den Übeltäter mitgenommen hat, verlief der restliche Abend unspektakulär. Seto und Joey wurden von allen Seiten auf die Ankündigung des Firmenchefs angesprochen. Unter ihnen fanden sich Gratulanten, aber auch Kritiker, die Seto ins Gewissen reden wollten. Doch ihn interessierten weder die einen noch die anderen. Langsam genervt von der Veranstaltung, verlässt er, ohne ein Wort an seine Gäste zu richten, die Veranstaltung. Draußen wartet schon Roland, der die beiden müden Männer in die Kaibavilla chauffiert. Inzwischen ist es schon zwei Uhr nachts und Mokuba hat sich bereits in sein Zimmer verkrochen. Erledigt von dem heutigen Abend begeben sich beide ins Schlafzimmer. Bis jetzt hat Joey kein Wort über die Ankündigung verloren und Seto scheint es wie immer völlig egal zu sein. Als sie beide im Bett liegen, kann der Blonde seine Gedanken nicht mehr für sich behalten.

„Ich verstehe es nicht.“
„Was denn?“
„Warum hast du das, nach all den Jahren, verkündet?“
„Warum denn nicht?“
„Es freut mich ja, dass du zu unserer Beziehung stehst, aber meinst du nicht, dass sich die Probleme jetzt nur anhäufen?“
„Welche Probleme?“
„Solche wie heute Abend? Vielleicht nutzen deine Konkurrenten diese Ankündigung auch noch aus.“
„Was sollen die denn ausnützen?“
„Keine Ahnung, vielleicht Leute wie den Mann heute oder vielleicht setzen die einen von uns mit etwas unter Druck.“
„Du machst dir zu viele Gedanken.“
„Und du zu wenige.“

Genervt seufzt Seto und dreht sich zu seinem Freund.

„Joey, jetzt hör‘ endlich auf zu jaulen. Früher oder später hätte ich es sowieso machen müssen und heute war es einfach perfekt. Nicht nur, dass ich dich endlich vorstellen konnte, ich konnte auch diesem unterbelichteten Ignoranten die Retourkutsche für sein Attentat geben. Und wer weiß, vielleicht konnte ich auch diese nervigen Gerüchte zerstören.“

„Wenn du dir damit nicht mal Feinde gemacht hast.“
„Kann mir doch egal sein. Ich habe ja dich. Du wirst das schon managen.“
„Bitte?“
„Du bist doch für meine Sicherheit zuständig.“

Mit einem süffisanten Lächeln beugt sich Seto über Joey und gibt ihm einen sanften Kuss auf die Lippen.

//Er macht es schon wieder. Jedes Mal, wenn er etwas angestellt hat, erpresst er mich mit seiner Leidenschaft. Das ist doch pure Manipulation! Dieser Mistkerl!//

Vorsichtig drückt Joey seinen Freund weg und sieht ihm besorgt in die Augen.

„Seto, auch wenn ich in den letzten Jahren viel dazu gelernt habe, so bin ich auch nur ein Mensch. Natürlich würde ich alles versuchen, um dich zu beschützen, aber…“
„…nichts aber. Lass uns endlich schlafen gehen. Du wirst sehen, dass alles halb so wild sein wird. Und selbst wenn die Leute jetzt verrückt werden, das kann uns das doch egal sein. Mach dir nicht ständig Gedanken, was die anderen von dir halten.“

Ergeben seufzt Joey und lässt das Gespräch für heute ruhen. Er ist viel zu müde, um sich gegen Setos Argumentationen zu wehren. Erschöpft nickt der Blonde seinem Freund zu und gemeinsam lassen sie diesen Tag im Reich der Träume ausklingen.

Am nächsten Morgen singen die Vögel ihr aufgeregtes Lied aufs Neue. Laut zwitschern sie vor dem Fenster, um die zwei Schlafenden damit zu wecken. Doch diesmal soll sie etwas ganz anderes aus dem Schlaf reißen. Polternd wird die Tür zum Schlafzimmer aufgerissen.

„Setoooo! Wach auf! Das musst du dir ansehen!“

Alarmiert schrecken beide Männer aus dem Bett hoch und schauen mit großen Augen zu Mokuba, der ihnen prompt ein Tablet vor die Nase hält, auf dem die Nachrichten zu sehen sind. Eine adrett gekleidete, schwarzhaarige Frau berichtet gerade über den gestrigen Galaabend.

„Die Ankündigung, dass der Firmenchef Seto Kaiba eine Beziehung zu einem Mann namens Joey Jay Wheeler pflegt, hat viele Gäste unvorbereitet getroffen. Die Social Media Plattformen gehen über mit hasserfüllten und lobenden Kommentaren. Die Gesellschaft scheint darüber sehr gespalten zu sein. Nach der Veröffentlichung über das eigene Privatleben und nach dem Statement zu den hartnäckigen Gerüchten, dass Seto Kaiba die Kontrolle über sein Spieleimperium verloren hat, ist der Gastgeber kurze Zeit später spurlos verschwunden. Was dürfen wir jetzt von der Kaiba Corporation erwarten? Wie werden sich die Aktien verhalten und vor allem, wie wird sich diese Bekanntmachung auf die Firma und ihren Ruf auswirken? So viele…“

„Siehst du Seto, ich habe es dir doch gesagt. Das hätten wir besser vorbereiten sollen.“
„Ach was. Die brauchen doch nur etwas für die Klatschpresse. Dieser ganze Hype wird schnell wieder abflachen. Wir sind doch nicht die ersten bekannten zwei Männer, die ihre Beziehung zueinander offenbaren.“
„Aber Joey hat Recht, Seto. Was hat dich überhaupt dazu gebracht, plötzlich so etwas zu verkünden? Das hat dich doch die letzten Jahre auch nicht gestört.“
„Wird das hier jetzt ein Familienaufstand?“
„Seto wurde gestern von einem Irren angegriffen, der eine Abneigung gegen Homosexuelle hat. Nachdem wir ihn zur Rede gestellt haben und er uns vorgeworfen hat, dass wir die Menschheit und die Kinder damit vergiften, hat der Vollidiot hier neben mir es öffentlich gemacht, um dem Typen eins auszuwischen.“
„Hast du mich gerade als Vollidiot beschimpft, Köter?“
„Ja, du unsensibler Eisklotz, das habe ich.“
„Und zurecht Seto. Du hättest dich echt nicht provozieren lassen dürfen.“
„Ich habe mich nicht provozieren lassen! Es war mein gutes Recht!“
„Ist ja jetzt auch egal. Was werdet ihr jetzt dagegen machen?“
„Gar nichts Mokuba. In einer Woche interessiert es sowieso keinen mehr.“
„Wenn du da mal nicht daneben liegst…“
„Jetzt ist aber Schluss ihr Beiden. Da wir alle wach sind, können wir auch gleich in die Arbeit gehen. Mokuba, musst du nicht in die Uni?“
„Ja ja, ich gehe ja schon. Meine erste Vorlesung beginnt erst um zehn.“
„Na dann, auf auf!“

Amüsiert schaut Joey dem inzwischen groß gewordenen Wirbelwind hinterher. Mokuba ist bereits so groß wie er und hat genau so einen sehnigen Körper wie Seto. Auch wenn er ein richtig gut aussehender, junger Erwachsener geworden ist, so ist die Beziehung zwischen den beiden Brüdern genauso stark wie vor neun Jahren. Seto bestand darauf, dass Mokuba eine Universität seiner Wahl besucht, damit er seine Zukunft selbst entscheiden kann. Er wollte nicht, dass sein kleiner Bruder zwingend in seine Fußstapfen treten muss, sondern gegebenenfalls sein eigenes Leben leben kann. Wenn man genau hingesehen hat, konnte man den kleinen Hoffnungsschimmer in Setos Augen erkennen, dass sein Bruder doch bei ihm bliebe und genau das hat dieser auch getan. Mokuba wohnt weiterhin in der Villa, allerdings ist er in ein Zimmer auf der anderen Seite der Treppe gezogen, damit beide Parteien mehr Privatsphäre erhalten. Die Universität seiner Wahl war die landesweit beste Technikuni, mit Schwerpunkten wie Programmierung, Robotik oder Entwicklung, aber Mokuba wollte was ganz anderes lernen. Er möchte seinen Bruder eines Tages in der Firma unterstützen, indem er die digitale Sicherheit übernimmt. Auch wenn Seto notgedrungen selber viel gelernt hat, so will er ihm diese Aufgabe abnehmen können, damit er sich voll und ganz der Führung ihres Unternehmens zuwenden kann. Das sechste Semester steht kurz vor dem Ende und der junge Mann hat noch einiges für seine Abschlussarbeit zu erledigen.

„Mokuba ist schon eine Wucht, stimmt’s?“
„Ja. Ich kann als großer Bruder nicht stolzer sein.“
„Ich bin auf euch beide stolz.“

Mit warmherzigem Blick beugt sich Joey zu seinem Freund und gibt ihm einen zarten Kuss auf die Lippen. Genießerisch schließt dieser seine Augen und nimmt das Gefühl der fremden weichen Haut auf seiner wahr. Zärtlich nimmt Seto den Kopf des Blonden in beide Hände und intensiviert den angebotenen Kuss. Durch ihr immer schneller werdendes Zungenspiel heizen sie ihre Gemüter auf und drohen sich ihrer Lust hinzugeben. Joeys Hände gehen bereits auf Wanderschaft und wollen das Oberteil des Firmenchefs auszuziehen, als ein Handy klingelt. Grummelnd greift Seto auf das Nachtkästchen, um den Störenfried zur Rechenschaft zu ziehen.

„Was gibt’s?“
„Ähm, Herr Kaiba, hier spricht…“
„Ich weiß, wer dran ist. Was ist passiert?“
„Oh, natürlich. Also, hier am Empfang stehen einige Reporter, die Sie interviewen wollen. Es geht um die Ansprache der gestrigen Galaveranstaltung.“

Als Antwort ertönt nur ein genervtes Seufzen. Nach einigen Sekunden ringt sich der Firmenchef doch eine verbale Antwort ab.

„Halten Sie die Herrschaften hin. Ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen.“
„Sehr gerne.“

Die Erleichterung ist in der Stimme der Frau ist deutlich zu hören. Müde fährt sich Seto nach dem Gespräch durch seine Haare und sieht zu seinem Freund, der fragend zu ihm hinüber schaut.

„Es war meine Assistentin. Irgendwelche Journalisten sind bei mir in der Firma und wollen mit mir sprechen. Und jetzt sag‘ bitte nicht, dass du es mir ja gesagt hast.“

Joey kann sich ein verstohlenes Lächeln nicht verkneifen.

Noch einmal seufzt Seto auf und begibt sich ins Badezimmer, um so schnell wie möglich zur Kaiba Corp. aufbrechen zu können. Gut gelaunt, weil er es vorhergesehen hatte, trottet Joey seinem Freund hinterher und begleitet ihn ins Mediengefecht.

„Da, die Limousine von Herrn Kaiba! Schnell, die Kamera.“

Wie eine Horde Piranhas drehen sich die Journalisten zum herannahenden Wagen um und ein Blitzgewitter beginnt. Gleichgültig steigen die zwei Männer aus dem Auto und stellen sich der Gruppe wildgewordenen Reporter.

„Herr Kaiba, wie weit reicht Ihre Beziehung mit Herrn Wheeler?“
„Herr Kaiba, wie lange sind sie schon zusammen?“
„Hier, Herr Kaiba, warum haben Sie diesen Moment für das heikle Thema genutzt?“
„Herr Kaiba! Herr Kaiba, haben Sie ein paar Worte zu den vielen hasserfüllten Kommentaren?“

Mit Händen und Füßen versucht Joey, Seto vor den aufgeregten Journalisten zu beschützen.  Kurz vor den Glastüren zu seiner Firma dreht er sich um, und stellt sich der Meute.

„Um Ihre Neugier zu befriedigen; Herr Wheeler und ich stehen uns schon einige Jahre so nahe. Warum jetzt alle so ein Fass aufmachen, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Dieses »heikle Thema«, wie Sie es nennen, ist inzwischen Normalität und sollte nicht mehr zu so einem Medienrummel führen. Deswegen bitte ich Sie, es zu akzeptieren und unser aller Leben dadurch einfacher zu machen, denn es lässt sich nicht ändern. Einen schönen Tag noch.“

Mit wehendem Mantel betritt Seto die Firma und lässt die schnatternden Reporter hinter sich. Zielstrebig geht er auf Frau Tanaka zu, die nervös hinter dem Tresen am Empfang steht und ihren nahenden Chef erblickt.

„Frau Tanaka, sollte ein Journalist nochmal einen Fuß in diese Firma setzen, schicken Sie ihn bitte Post wendend wieder nach draußen. Sie dürfen gerne auf unsere Security zurückgreifen, sollten sie sich widersetzen.“

„Jawohl Herr Kaiba.“
„Joey, folge mir.“

Ohne Widerworte lässt sich der Blonde bis ins oberste Stockwerk mitschleifen, in welchem sich Setos Büro befindet. Unsicher, ob er vielleicht etwas falsch gemacht hat, setzt er sich auf die Couch und beobachtet den Firmenchef, wie er sich wortlos auf den Bürostuhl setzt und seinen Laptop aufklappt. Nach geschlagenen fünf Minuten wird Joeys Nervosität zu groß, woraufhin er die erdrückende Stille durchbricht.

„Ähmm…Seto?“
Keine Antwort.
„Seto? Alles in Ordnung?“
Immer noch keine Reaktion.
„Jetzt sag doch endlich etwas!“

Leicht genervt steht Joey auf und stampft zum Schreibtisch. Beim näher kommen erkennt er, dass Setos Augen konzentriert einen Text lesen, da die Pupillen schnell von einer Seite zur anderen springen.

„Ist was passiert?“
„Scheiße…sieh dir das an.“
Mit einem unguten Gefühl umrundet der Blonde den Tisch. Ungläubig starrt Joey auf den Bildschirm.
„Oh nein…verdammt.“