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Story of a broken Angel 1- A Light far away

von Chaohrem
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Angel Dust
05.06.2020
27.08.2020
4
12.116
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27.08.2020 2.446
 
„Willst du noch weiter in Träumereien schwelgen oder nun eintreten?“
Monoton wie immer hallte die tiefe Stimme durch die Gänge und riss mich vehement aus den Gedanken der Vergangenheit. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie er schon das Büro geöffnet hatte, am Türrahmen lehnte und mich abwartend mit seinen Blicken fixierte.
Ich spannte meine gesamte Muskulatur an, nickte ihm nur zu und betrat den Raum. Er unterschied sich weitestgehend von allen anderen Räumen in diesem Haus. Überall prunkten aufwendig aussehend geschnitzte Schränke und Regale, welche mit unzähligen Büchern, Ordnern oder Gegenständen ausgestattet waren, welche sofort mein Interesse und Neugier weckten. Der Boden war mit einem roten samtenen Teppich ausgelegt, auf dem verschieden Farbige, ebenfalls prunkvolle Muster gestickt waren. In der Mitte des Raumes stand ein großer, Ebenholzfarbener Tisch, ebenfalls an den Kanten und Beinen reich mit Schnitzereien verziert. Ein funkelnder Kronleuchter hing direkt darüber. Ich drehte mich um die eigene Achse. Ich war einfach nur erstaunt, wie prunkvoll alles aussah, es schien mir, in eine völlig neue Welt getreten zu sein.
Ob nun Einbildung oder nicht, aber ich glaubte, ein leichtes glucksen von meinem Vater zu vernehmen. Er ging erhabenen Schrittes an mir vorbei und setzte sich auf einen schwarzen Lederstuhl, einen tatsächlich leicht amüsierten Blick in meine Richtung werfend.
„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass dich dieser Raum mehr als nur beeindruckt- du wirst noch genug Zeit haben, ihn und die Räumlichkeiten genauer zu begutachten. Doch zunächst bitte ich dich, Platz zu nehmen!
Er deutete auf einen Sessel gegenüber von ihm. Ich war unsicher. Zum ersten Mal in meinem Leben behandelte er mich nicht wie sonst. Er war zuvorkommend, ruhig... Ich fühlte mich wichtig, beachtet... Wie sein Sohn.
Ich konnte mir ein freudiges Lächeln nicht verkneifen. Ich setzte mich in Bewegung, nicht ohne noch einmal die vielen Regale und Requisiten zu begutachten, welche überall wie kleine Schätze ihren Platz in den großen Regalen bekommen hatten.
Ich begutachtete noch einmal den ledernen Sessel genau, bevor ich mich setzte. Noch nie zuvor hatte ich auf etwas so bequemen Platz genommen. Man versank regelrecht in ihm und es fühlte sich schon fast so an, als würde man von Wolken umfangen werden.
Mein Blick wanderte kurze Zeit später wieder zu meinem Dad, welcher mich amüsiert beobachtete.

„Also“, setzte er betont an und ich schenkte ihm auch schon meine gesamte Aufmerksamkeit, „Ich habe in letzter Zeit häufig über einige Dinge nachgedacht. Anthony, du bist bald 19 Jahre alt. Bevor du weiter hier herumlungerst und deine Zeit vergeudest, als potentielles Opfer für deinen Bruder herzuhalten, biete ich dir einen anderen Weg an. Als du 17 Jahre warst, stellte ich dich bereits vor eine Aufgabe; du erinnerst dich sicher noch an deinen ersten Auftrag.“
Ich nickte stumm und schaute ihm in die Augen. Wollte er mir doch noch eine zweite Chance geben?“
„Ich habe dich die letzten Jahre immer wieder vor kleinere Aufgaben gestellt. Diese hast du gewissenhaft ausgeführt. Du bist mit den einzelnen Revieren vertrauter geworden, aber um dich mit den erfahreneren Jungs anzulegen.... Nun, ich denke du weißt selbst, dass du dafür noch nicht weit genug geschweige denn bereit bist!“
Ich nickte abermals, ich denke er konnte meine Trauer und Enttäuschung nur allzu gut in meinen Augen ablesen.
„Dies war wohl auch mein verdienst, Anthony! Zugegeben, ich habe dich in dieser Hinsicht etwas streng behandelt, anstatt dir jemals richtig die Chance dazu zu geben. Ich habe Arackniss angefangen auszubilden, als er 13 war.
Eine Sache hast du ihm voraus- du lernst schnell und kannst schnell die nötigen Informationen und Einflüsse umsetzen.
Das heißt nicht, dass ich zeitnah mehr an Sympathie für dich entwickelt hätte. Ich denke, das weißt du jedoch selbst! Wenn du etwas aus dir machen willst und dich sowohl Arackniss, als auch mir noch immer beweisen willst, so biete ich dir hier und jetzt die Chance dazu. Ich werde dich lehren, und solltest du meinen Anforderungen gerecht werden, dich als Teil der Mafia aufnehmen.
Denke nicht, dass es leicht ist. Schwächlinge und Heuchler haben dort nichts zu suchen. Aber wenn du mir beweisen kannst, dass du doch mehr bist, dass du mehr sein kannst, hast du eine Familie, die zu dir steht und dich beschützt.
Die Mafia ist eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Füreinander! Sie ist eine große Familie, ein großes Netz! Und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Stell es dir wie ein großes Spinnennetz vor. Stark, widerstandsfähig, weit gewoben – für außenstehende jedoch tödlich!
Die Mafia hat ihre Finger mehr im Spiel, als du vielleicht denken magst. Sie regiert wesentlich mehr Lokale, Unternehmen und Gebiete, als du dir zurzeit vorstellen kannst. Jeder für sich, und doch zusammen! Du wirst mit der Zeit mehr darüber lernen, solltest du dich dafür entscheiden. Es ist eine Entscheidung für immer, Anthony!“
Ich starrte ihn an. Ungläubig, ob das alles gerade der Realität entsprach. Mein Vater bot mir im Prinzip eine zweite Chance an. Eine neue Gelegenheit, mich endlich zu beweisen... Dazuzugehören!

„I-Ich würde mich wirklich freuen, wenn...“
„Anthony! Hör auf, wie ein kleiner, unwissender Schuljunge zu sprechen! Anstand und Disziplin sind zum einen auch mehr als bedeutende Faktoren, die zu erfüllen sind! Dein erster Eindruck ist entscheidend, auch was deine Aussprache angeht.“
Ich räusperte mich leicht. An der Aussprache sollte es jetzt noch nicht scheitern. Im Gegensatz zu meinem Bruder war Anstand etwas, was ich tatsächlich zum Ausdruck bringen konnte. In diesem Moment wunderte ich mich wirklich, wie sich mein Bruder in der Mafia halten konnte. Ich hatte ihn noch nie auch nur Ansatzweise mit Anstand reden gehört. Ob er so etwas überhaupt besaß? Anstand? Vielleicht gab es auch Seite an meinem Bruder, die ich bisher nicht kannte...

„Ich werde mir die größte Mühe geben, den Anforderungen gerecht zu werden. Ich nehme dieses Angebot mehr als dankend an und werde die Erfordernisse mit größter Sorgfalt angehen und gewissenhaft ausführen.“

Ja, mit Sprachen war ich gut. Auch, wie ich respektvoll mit meinem Gegenüber umzugehen hatte. Offenbar hatte ich auch meinen Vater beeindruckt. Seine Augen glänzten, und das, so war ich sicher, diesmal nicht vom Alkohol. Mir war, als wäre kurz ein leichtes Lächeln über seine Lippen gehuscht.
Er nickte mir zu.
„Freitag Abend habe ich ein kleines Meeting. Du wirst mich zusammen mit Arackniss dorthin begleiten! Alles weitere wird sich dort noch entscheiden. Mit der Zeit wirst du mehr Erfahren, auch wie es mit unserer momentanen Lage weitergehen wird. Aber genug für jetzt... Mit Arackniss solltest du dich ebenso aussprechen. Wenn du zur Mafia gehören willst, solltest du nicht unter ihm stehen und dich vor allem auch gegen ihn beweisen können! Es sei denn du willst als unterwürfiger Schwächling dastehen!“

„S-selbstverständlich nicht!“
Mir graute es etwas davor, sich mit ihm ausführlich darüber zu unterhalten. Alles, was Arackniss wollte, war mich in der Mafia zu sehen... Ich sah mich jetzt schon offiziell unter der Erde elendig verreckend. Doch ich hatte auch Hoffnung. Mein Vater schien wohl doch etwas in mir zu sehen. Und ich würde diesmal wirklich alles daran setzen, ihn nicht wieder zu enttäuschen.

„So denn... Du kannst gehen! Sei unbesorgt, du wirst bestimmt in Zukunft auch etwas mehr Zeit finden, dir hier alles genauer ansehen zu können. Du wirst wesentlich mehr erfahren, als dir vielleicht sogar lieb ist.“

Zögerlich erhob ich mich vom Sessel. Sein Blick wandte sich nicht von mir ab. Ein unwohliges Gefühl breitete sich in mir aus. Doch ich versuchte dies zu überspielen. Er verfolgte jeden meiner Schritte genau. Ich spürte, wie sein Blick auf mir haftete, während ich zur Tür lief und diese langsam öffnete.

„An deiner Haltung werden wir auch noch arbeiten. Aber alles zu seiner Zeit. Morgen früh um 6 erwarte ich dich und deinen Bruder wieder hier in meinem Büro.“

„Ja, Sir.“

Damit schloss ich die Tür hinter mir und lehnte mich leicht gegen diese. Hörbar atmete ich aus und versuchte mich wieder etwas zu entspannen. Ich hatte wirklich Angst gehabt. Angst, was er sagen oder gar gemacht haben können... Er hätte mich wirklich umbringen können, mir alles antun können. Ich war mehr als erleichtert, dass es nur beim Reden geblieben war. Ich schaute den langen Flur entlang. Noch immer unscheinbar in die Länge gezogen, aber bei Weitem nicht mehr so bedrohlich. Dad schien mich wohl doch endlich als Teil der Familie zu sehen.... Wenn auch nur ein wenig. Aber dies genügte mir schon. Was auch immer ihn dazu bewegt hatte... Ich konnte es mir nicht erklären, doch das brauchte ich in diesem Moment auch nicht.

Ich richtete meinen Körper auf, atmete noch einmal tief ein, ein leichtes Grinsen legte sich über mein Gesicht. Ja, ich würde mit Arackniss reden. Und es würde ihm nicht gefallen.

__
Als ich vor seiner Tür stand, zögerte ich doch kurz. Diese Unsicherheit hielt jedoch nicht lange an und wich schon bald der immer stetig wachsenden Entschlossenheit. Ohne zu klopfen riss ich die Tür auf und trat ein.
Ein dumpfer Schlag ertönte.

„Ach du scheiße?! Was um alles in der Welt machst du hier?“
Arackniss zuckte merklich zusammen. Er saß in einer Ecke des Raumes mit dem Rücken zu mir und neben ihm lag eine silbern glänzende Pistole, welche wohl vor kurzem noch in seiner Hand gelegen hatte. In der anderen Hand hielt er ein kleines Tuch.
„Noch nie was von anklopfen gehört, du Arsch?!“

„Du doch auch nicht! Wieso sollte ich mir also die Mühe machen?“

„Fuck, man... Du bist echt wahnsinnig! Sei froh, dass die hier nicht geladen ist, sonst hättest du schon längst eine Kugel zwischen deinen verfluchten Augen!“
Zur Demonstration hielt er seine Waffe hoch.
Ich schaute Arackniss weiterhin in die Augen. Es beeindruckte mich keineswegs. Ich war es mehr als gewohnt, dass er mit seinen Waffen hantierte. Und dass seine Sammlung immer größer wurde, schockierte mich auch immer weniger. Ich weiß nicht, was es war, aber ich befürchtete nicht, dass er jeden Moment aufspringen und mir an die Kehle rennen würde. Er schien meine Entschlossenheit zu bemerken, und dass es mir egal war, wie er mir entgegnete.

„Was willst du?!“, fauchte er mich regelrecht an.
„Tja, ob du es glaubst oder nicht... Aber du wirst mir mir wohl häufiger deine Zeit verbringen müssen! Und ob es dir passt oder nicht, du wirst dagegen auch nichts einrichten können. Sieht aus, als ob du nicht mehr gut genug für Dad bist und er nun nach neuem Potential strebt.“
Arackniss starrte mich fassungslos an. In seinen Augen bildete sich der Zorn, während er sie bedrohlich auf mich richtete. Er wollte etwas sagen, doch ich schnitt ihm das Wort ab.
„Lass gut sein. Spar dir deine Hassreden. Ich habe mit Dad gesprochen – und er hat mir eine zweite Chance gegeben! Jetzt bist du derjenige, der sich zusammenreißen sollte! Bald werde ich auch ein Teil der Mafia sein und du mit mir gleichgestellt!“
Ich grinste ihn an.
„Such dir einen neuen Bastard, den du massakrieren kannst! Ich denke, da du schon länger in der Mafia bist, solltest du besser wissen, dass Familie und Zusammenhalt inner dieser einen hohen Stellenwert hat.“
Ich wandte mich von ihm ab und legte meine Hand um den Türknauf. Ein letztes Mal drehte ich den Kopf in seine Richtung.
„Morgen um 6 in seinem Büro!“
Damit schloss ich die Tür hinter mir und während ich zurück in mein Zimmer lief, rechnete ich damit, dass Arackniss jeden Moment aus seinem Zimmer, den Flur entlang stürmen würde. Doch zu meiner Überraschung tat er es nicht. Das einzige, was mich kurz zusammenzucken ließ war ein lautes Poltern und ein Fluchen aus seiner Richtung.
Ich versenkte die Hände in meinen Hosentaschen und grinste leicht.
Ja, er hatte die Botschaft sehr gut aufgefasst...


Ich machte es mir ein meinem schon dem Zerfall ausgesetzten Sessel bequem.
Ich ließ die letzten Minuten wie einen Film erneut vor meinem inneren Auge abspielen. Was hatte mich dazu verleitet, so mit meinem Bruder zu reden? Mein Verhalten sprach gegen all das, was mich bisher ausmachte. Es gefiel mir zwar... Selbstbewusster, stärker und... Zielstrebiger.
Doch ob ich damit weit kommen würde? Was hatte mich nur dazu verleitet?
Lag es wirklich an dem Vertrauen, dass mir mein Vater auf einmal offenlegte? Diese Chance... Das Gefühl, einmal nicht wertlos zu sein? Dazuzugehören? War es das, was ich so sehr stärkte? Was auch immer es war, ich wollte es beibehalten.
Eine Familie... Mehr hatte ich mir nie gewünscht. Eine Familie, der man vertrauen kann, die füreinander einsteht. Einen Vater und einen Bruder, die hinter einem stehen... Vielleicht würde sich das alles ändern. Ich musste ihnen nur beweisen, dass ich gut genug war! Dass ich genauso stark wie sie sein konnte! Dass mein Platz auch in Mafia war, genau wie ihrer! Dass ich kein Fehler war, sondern ein Teil von ihnen! Dass ich so viel mehr sein könnte...

Ich sah auf, als ich etwas vor meiner Tür vernehmen konnte.
„Arackniss?“
Ein kleiner Zettel wurde durch meine Tür geschoben. Ich atmete einmal aus, dann lachte ich leise auf.


Hatte ich ihn so sehr in seinem kümmerlichen Ego verletzt, dass er nicht einmal mehr wie sonst, meine Tür aufreißen konnte? Vor mich stellen und im diktatorischen Ton den Finger erheben und mich zurechtweisen würde? Meine plötzliche Sinneswandlung musste ihn mehr verwirrt oder schockiert haben, als ich je gedacht hätte. Ich richtete mich auf und faltete das Papier auseinander.

„Nur weil Paps dir eine weitere Chance gibt, musst du nicht denken, dass du jemals akzeptiert wirst. Du bist und bleibst nichts weiteres als räudiger Abschaum! Ich mach dich morgen fertig, dass du darum beten wirst, er hätte dich darauf niemals angesprochen und stattdessen erschossen!“

Ich faltete den Zettel wieder zusammen und stöhnte leicht auf. Vielleicht stellte ich mir das alles wirklich viel zu einfach vor. Ich träumte von einer heilen Welt, die so niemals existieren könnte...
„Freu dich auf morgen, Tons! Dann gebe ich dir einen Vorgeschmack darauf, wie sich die Hölle anfühlen wird!“
Arackniss schlug einmal heftig gegen meine Tür und ich schreckte zurück. Er konnte es einfach nicht lassen. Ich knüllte den Zettel zusammen und warf ihn in eine Ecke meines Raumes. Ich versuchte, mir über den morgigen Tag keinerlei Gedanken zu machen, doch das versucht man sich selbst nur immer wieder einzureden, dass alles nur halb so schlimm werden würde, nur um seine Aufregung und.... Ja, auch Angst, etwas zu mildern. Ich hatte Angst... Angst zu versagen, Angst vor den Konsequenzen. Dad war konsequent; und ich wusste, nein, fühlte es instinktiv. Wenn ich diesmal wieder versagen würde, ihn wieder enttäuschen würde... Dann hatte Arackniss wohl recht, was auf mich zukommen würde.
Ich rollte mich auf meiner Matratze zusammen. Was würde er dann mit mir tun? Ich bemerkte, wie mir immer kälter wurde und zeitgleich die Hitze in mir unkontrolliert immer wieder neu entfachte. Mein Körper bebte. Der morgige Tag würde alles entscheiden... Und vielleicht auch alles verändern.
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