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Story of a broken Angel 1- A Light far away

von Chaohrem
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Angel Dust
05.06.2020
27.08.2020
4
12.116
3
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Dieses Kapitel
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24.08.2020 1.370
 
W-was machst du denn hier?“
Seine Miene veränderte sich kein Stück. Ein leerer, emotionsloser Gesichtsausdruck. Ich konnte absolut keine Gefühle darin deuten. War er wütend? Enttäuscht? Beides zu gleichen Teilen? Würde er mich hier und jetzt zur Strecke bringen? Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Ich wusste, wie er normalerweise reagierte, doch ich hatte keine Angst mehr.... Nicht, wie sonst... Es war mir egal, was jetzt passieren würde. Er hätte alles machen können- mir alles antun können. Es wäre mir gleich gewesen. Ich wollte einfach nur, dass dieses innerlich mich zersetzende Gefühl endlich verschwand...
Er zerrte an meinem Handgelenk, zog mich hoch und mit holprigem Schritt wurde ich rasch an den Schultern gepackt und regelrecht vor ihm positioniert.

„Sieh mich gefälligst an!“, rief er nun, sein Tonfall mehr als erzürnt und er rüttelte unsanft an mir herum.

Wie von einem Blitz getroffen, durchströmte es meinen Körper, als würde sich seine ganze Wut und Enttäuschung in mir verbreiten.
Ich blickte ihn direkt an.
„Dad.... Es ….“
„Tut dir leid?! Tut es das wirklich?!“
Ich versuchte es zu unterdrücken, doch unausweichlich liefen mir die Tränen die Wange herunter...
„J-ja...“
Er verpasste mir einen harten Schlag und meine Nase durchfuhr ein ziehender Schmerz.
„Reiß dich gefälligst zusammen und benimm dich wie ein Mann! Das bist du doch, oder? Oder, Anthony!“
Ich riss die Augen auf. Er grub seine Finger tief in meine Schultern.
Ich nickte hastig.
„J-Ja.“
Zugegeben, es war eine kläglich klingende Antwort meinerseits. Mein Dad gab sich damit bei Weitem auch nicht zufrieden.
„Antworte wie ein richtiger Mann und nicht wie ein aufgeschrecktes Karnickel! Und es heißt ´Ja, Sir´! Verstanden?“
Ich nickte erneut, schluckte den dicken Klos in meinem Hals hinunter und schaute ihn entschlossener denn je an.
„Ja, Sir!“
„Geht das auch lauter?“
„Ja, Sir!“, schrie ich schon fast, und meine Kehle brannte; doch es schien Wirkung zu zeigen. Er lockerte seinen Griff allmählich und ließ von mir ab.
„Pack das Zeug zusammen! Wir gehen nach Hause!“
Damit wandte er sich auch schon ab und machte klar, dass er nicht auf mich warten würde. Eilig tat ich, was er mir geheißen hatte und beeilte mich. Ich sah schon, wie er um die nächste Kurve lief und ich eilte ihm hinterher. Wir beide sprachen während der gesamten Zeit kein einziges Wort miteinander.  Die Stille war kaum auszuhalten, doch ich bemühte mich stehts mir nichts anmerken zu lassen und so gelassen wie es ging neben ihm zu laufen. Zu Hause angekommen, riss er mir das Päckchen aus den Händen.

„Und, hat er versagt? Hab ich´s nicht gleich gesagt?“ Arackniss trat uns entgegen, verschränkte die Arme und lachte herzhaft. Sein Blick fiel auf das Päckchen, das eher nur noch einem zusammengeschnürten Knäuel aus Papier und Schnur glich. Er lachte erneut auf.
„Oh, Anthony! Du solltest die Ware doch nur abholen und nicht gleich -“
„Geh auf dein Zimmer, Arackniss! Deine Anwesenheit wird hier nicht verlangt! Ich komme später noch zu dir!“
Mein Bruder zuckte mit den Schultern und machte kehrt. Er würde später bestimmt wieder in mein Zimmer platzen und mir dort seinen Vortrag halten...
„Anthony!“
Ich zuckte zusammen.
„Ja, Da - …. Sir?“
„Ich hoffe dieser Tag war dir eine Lehre! Du bist noch nicht so weit! Geh und wisch dir das Blut aus dem Gesicht! Die Mafia ist kein Ort für Träumer! Du willst dazu gehören?“
Ich schaute ihm in die Augen und nickte. Ja, das wollte ich wirklich. Ich wollte wie mein Bruder sein. Stark, selbstbewusst....  Ich wollte die Aufregung … Das Risiko! Und vor allem die Anerkennung meines Vaters.
„Dann solltest du zuerst lernen, wo dein Platz ist, Anthony!“
Mit diesen Worten ließ er mich stehen und machte sich auf in sein Büro. Ich seufzte und ging langsamen Schrittes in mein Zimmer. Die kahlen Betonwände begrüßten mich schon mit ihrer eisigen Kälte.

Mein Zimmer war wirklich nicht der Rede wert... Wände, welche auch genauso gut in einem Gefängnis so errichtet worden werden  können. Der Boden auch nicht wirklich besser und keinerlei genauerer Beschreibung wert. Um es wenigstens etwas gemütlicher zu machen, hatte ich ältere Kleidungsstücke und Handtücher verteilt. Ein Bett hatte ich nicht, nur eine alte, staubige Matratze... Was deren Vorgänger mit dem Ding gemacht hatten, wollte ich gar nicht so genau wissen. Meistens schlief ich auch gar nicht darauf. Ich hatte noch einen kleinen, von Motten zerfressenen Sessel, auf dem ich mehr Zeit verbrachte, als auf der fleckigen, schäbigen Matratze. Die alten Holzmöbel drohten auch, jederzeit auseinanderzufallen. Auf meinem Schreibtisch und oberhalb auf einem großen Regal reihten sich einige Bücher. Ich las sehr viel in meiner Freizeit und im Gegenzug zu Arackniss ging ich verhältnismäßig auch gerne zur Schule. Auch wenn ich keine wirklichen Freunde hatte... Um ehrlich zu sein so gut wie gar keine.... Vielleicht lag es an dem Ruf, den Arackniss verbreitete? Als sein jüngerer Bruder, fiel alles auf mich zurück und ich bekam mit, wie die anderen häufig über mich und meine Familie redeten. Was genau, konnte ich nie sagen... Aber das war nicht notwendig - ich wusste auch so, dass wir als seltsam, auf gewisse Art und Weise Gewalttätig und unmenschlich betitelt wurden. Arackniss war schon dutzende Mal auffällig geworden. Dass sie ihn noch nicht der Schule verwiesen hatten, grenzte an einem Wunder. Oder Dad hatte auch mehr als nur leicht mitgewirkt.
Molly ging auf eine andere Schule. Um genau zu sein eine Mädchenschule. Sie war auch mehr als gut und half mir oft bei manchen Dingen. Sie verstand sehr schnell und war ebenso wissbegierig wie ich. Zumindest in manchen Dingen...  Sie war aufgeschlossen und engagiert.

Während ich mich meist zurückzog, lebte Molly das Leben in vollen Zügen – und dafür beneidete ich sie wirklich mehr als alles andere. Sie hatte viele Freunde, mit denen sie auch nach der Schule immer viel Zeit verbrachte. Klar, sie hatte auch ihre Regeln, an die sich sich zu halten hatte und Dad warf ein genaues Auge darauf, aber dennoch... Ich hatte das Gefühl sie war wesentlich freier in manchen Hinsichten.
Wenn ihr aber denkt, dass sie immer nach den Regeln spielt und brav auf Daddys kleines, braves Mädchen macht- verwerft den Gedanken wieder! Molly konnte eine wahre Rebellin sein. Spätestens als ihre Klassenkameradinnen und Freundinnen angefangen hatten, sich zu schminken. Dad konnte das überhaupt nicht ab- er hasste es regelrecht und verbot ihr strikt, sich zu schminken oder aufreizender zu stylen und kleiden. Sie vertraute mir an, dass sie sowohl ihre Klamotten in der Schule wechselte, als sich auch ab und an von ihrer Freundin schminken ließ. Ich hatte darüber nie ein Wort verloren. Ich bewunderte meine Schwester einfach nur. Ihre Stärke und Willenskraft. Ich verbrachte gerne Zeit mit ihr- Abends zogen wir ab und an auch öfters mal um die Häuser. Leider hatten Dads Leute ihre Augen und Ohren überall. Tja, die Mafia ist überall und so mussten wir manchmal schneller vor unseren Vater treten und unser Fehlverhalten erklären. Molly jedoch schaffte es jedes Mal ihn so um ihre geschickten Finger zu wickeln, dass er die Strafe walten ließ oder zumindest verringerte. Sie war immer für mich da und wich nie von meiner Seite.

„Na, hast du deine Lektion endlich gelernt?“
Die harsche Stimme riss mich aus meinen Gedanken. Ich wusste, dass er noch diesen Abend hier stehen würde.
„Du hast hier einfach nichts zu suchen, Tons! Wie ich es sagte, die Mafia ist nichts für Schwächlinge wie dich!“
Ich sah ihn nur an, Wut stieg in mir auf.
„Arackniss!“, zischte ich. „Wenn du deine Langfinger nicht auch im Spiel gehabt hattest. Diese zwei Jungs... Sie haben auch von dir gesprochen. Ich kann mir gut vorstellen, dass du sie auf mich angesetzt hast!“
„Ich muss niemanden auf dich angesetzt! Mit deinem Auftreten in der Öffentlichkeit wirst du automatisch schon zum Most Wanted Number One!“ Er lachte höhnisch.
„Ich bin mir sicher, dass du das alles mehr als nur sabotiert hast! Auch wenn ich es nicht beweisen kann! Aber du wirst schon sehen. Eines Tages, werde ich auch in der Mafia sein und dazu gehören!“
„Hmpf- eher noch bringt Dad dich wirklich zur Strecke!“
Er machte kehrt und schlenderte in aller Ruhe in sein Zimmer zurück.
Meine Entschlossenheit zunehmend gestärkt, allen zu beweisen, dass sie sich irrten- und ihnen genau das zu beweisen... Irgendwann...
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