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Story of a broken Angel 1- A Light far away

von Chaohrem
GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
Angel Dust
05.06.2020
27.08.2020
4
12.116
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05.06.2020 1.720
 
"Also, heute ist der alles entscheidende Tag! Ich habe dich so  gut darauf vorbereitet. Wird Zeit, dass wenigstens du unserer Familie Ehre bringst! Anthony, warte nicht auf uns
und bleib diesmal gefälligst im Haus! Deine Anwesenheit, mangelnde Beherrschung und Disziplin ist das letzte, was wir jetzt gebrauchen können!"

Mit diesen Worten knallte die Tür laut ins Schloss. Ich zuckte merklich zusammen und mein Körper verkrampfte sich zunehmend.
Da saß ich nun. Allein und zurückgelassen in meinem kleinen, heruntergekommen Zimmer. Eigentlich wie schon so oft in den Vergangenen... Jahren. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, ich würde glauben, es sei nur eine Art Phase, die vorübergeht. Dass sich alles ändern würde.
Das würde es nie. Sie würden es nie. Er würde es nie...
Mein Vater war Meister darin, einen sich mit nur wenigen Worten oder gar Blicken absolut wertlos fühlen zulassen. Er demonstrierte mir täglich, wie sehr er mich wirklich hasste.
Warum? Ich suche bis heute eine Antwort darauf. Ob ich sie jemals finden würde? Ich bezweifle es. Ebenso wenig, wie ich
jemals seine Anerkennung bekommen würde.
Die Wahrscheinlichkeit steht in etwa gleich mit der, dass mein Dad jemals das Trinken und sein Geschäft aufgeben wurde. Er war zum Arschloch geboren. Vielleicht war ich dazu geboren, um seine miese Laune an schlechten Tagen mit meinem Leid zu
erheitern-also immer...

Miserable Stimmung, Drogen, Alkohol. Die normale Tagesordnung. Diese und der Drang, Macht und Kontrolle weiter auszubreiten und im Ansehen noch weiter aufzusteigen.
Wie konnte auch nur ein lebender Mensch auf so jemanden wie ihn herauf blicken? Ich als sein Sohn werde das niemals
können... Aber das ist wohl auch  nicht sein Ziel.
Für ihn bin ich sowieso nur eine  Last. Dass er mich noch nicht erschossen hat,
grenzt für mich schon an ein Wunder. Obwohl.... wenn ich mich genau erinnere... Mehr als einmal hatte er mir gedroht, es zu tun und ich dachte wirklich für einen
Moment, die Kugel würde augenblicklich durch meine Schläfe in meinen Schädel durchbrechen. Ich sah mein miserables
Leben schon an mir vorbeiziehen...
Doch es hätte mir nichts ausgemacht- eher im Gegenteil. Ich glaube wirklich, er hätte es getan. Und wie er das hätte... Mein angsterfülter Blick war eine reine  Erheiterung für ihn.
Er hätte es getan... Wenn Molly nicht gewesen wäre...
Die einzige in der Familie, welche Güte und Barmherzigkeit inne trug.
Molly- meine kleine Schwester, welche immer zu mir hielt.
Es war ein Zufall, dass sie gerade nach Hause kam. Ein Zufall, der mir möglicherweise das Leben rettete.
Mein Dad hatte mich gegen die Wand gedrückt, den Ellbogen in meine Rippen gedrückt.
Die Waffe bedrohlich und bereit zum
Schuss an meiner Schläfe. Mein Kopf dröhnte und meine Brust
schmerzte höllisch. Ich erinnere mich noch genau, wie ich nach
Luft schnappte, ihn anflehte, mich loszulassen.
Mein ganzer Körper zitterte und das Gefühl von stetig steigender Panik und
Angst hielt mich bei Bewusstsein.

Ich wusste wirklich nicht, was ich getan hatte. lch saß zu Hause in meinem Zimmer, schaute ein wenig fern. Mein Dad kam spät abends nach Hause. Wenige Sekunden später riss er meine Tür
auf, zerrte mich vom Bett und schrie mich an.
Ich weiß nicht, was mich mehr überrannte. Seine plötzliche, aggressive Haltung
oder die betäubende Alkohofahne, welche mir bei jedem weiteren Wort mehr und  mehr den  Lebensgeist auszutreiben
Schien.
Seine Worte waren leicht abgehackt, er nuschelte  ab und an auch etwas vor sich hin. Es war nicht zu verkennen, dass er
betrunken war. Dennoch hatte er seinen Körper noch perfekt unter Kontrolle und sein Griff um meinen Arm schien mir
diesen schon fast auszukugeln oder zu brechen.


„D-Dad?"

„Schweig gefälligst!"

Die Hand kam so schnell, dass ich sie gar nicht realisiert hatte- bis diese mit einem lauten Knall auf meiner Wange aufschlug.
Der Schmerz durchfuhr mich augenblicklich. Ich riss die Augen auf und starrte ihn nur an. lch wolte mich zurückziehen,einfach nur weg...Doch sein Griff war zu fest.

„Bist du jetzt still, ja? Gut...Ich will keinen Ton mehr von dir hören, hast du verstanden?"

Ich nickte hastig- versuchte, mich von ihm wegzudrehen.
Jedoch reichte eine ruckartige Bewegung schon aus, um mich ihm wieder näher heranzuziehen.

„Du gehst nirgendwohin!"

Er packte mich am Kragen meiner verdreckten Bluse und starrte mich finster an. Ein Blick, der einem den Tod und viele, elendige Qualen versprach. Ich schnappte hörbar nach Luft, konnte und traute mich nicht, den Blick abzuwenden.

„Du bist eine Schande für diese Familie! Warum ich mich mit dir noch abplage, ist mir noch immer ein Rätsel. Mit dir kann man nichts anfangen! Sich nicht einmal auf der Straße sehen lassen! Arackniss kümmert sich wenigstens um unser  Wohl und Bestehen. Er wird in Zukunft meine Position vertreten. Molly hat ihren Abschluss mehr als nur gut bestanden und steht auch schon auf festen Beinen. Und du?"

Er musterte mich von oben bis unten. Abwertend.

„Du hast deinen Platz hier nicht einmal annähernd verdient! Für dich muss ich mich schämen. Was habe ich nur falsch gemacht. Kannst du mir das sagen?"

Ich schluckte. Ich hätte einiges zu sagen gehabt. Wirklich einiges. Meine Gedanken überschlugen sich und nur einmal hätte ich ihn zu gerne gesagt, was ich wirklich fühle oder denke... nur einmal....
doch stattdessen senkte ich den Blick, schaute wie ein scheues, aufgeschrecktes Reh zu Boden und schwieg. Instinktiv schüttelte ich leicht den Kopf.

„Hmpf- natürlich kannst du das nicht! Der einzige Fehler, der sich hier je eingeschlichen hat, bist du! Aber weißt du auch, was das einfachste ist, was man mit Fehlern machen kann?"

Wieder schüttelte ich nur leicht den Kopf.

„Man kann sie ganz leicht beseitigen!"

Ich zuckte bei diesen Worten merklich zusammen, mein Kopf fuhr hoch und ich sah in seine kalten, leeren Augen, welche sich tief in meinen Verstand einzubohren schienen.
Im Augenschein konnte ich sehen, wie er etwas dunkel matt aber doch leicht glänzendes aus seiner Jackentasche zog. Ich weitete meine Augen.
Eine Pistole?!

Er würde doch nicht? Panisch versuchte ich, mich abermals aus seinem harten Griff zu befreien. Zappelte, japste und die Tränen flossen geradewegs meine Wangen herunter auf den Boden.

„Dad- was? Aber.... nein, b-bitt..."

Ein erneuter, harter Schlag auf der anderen Wange, welcher
sich noch tiefer einzubrennen schien, als der vorige.

„Ich sagte, du sollst still sein! Ich will kein Wort mehr von dir hören! KEIN WORT!"

Er packte mich an den Haaren, zerrte an mir, als sei ich nur ein nutzloses Objekt- bereit entsorgt zu werden.

Ich hatte Angst. Panische Angst. Er würde mich doch nicht wirklich u-umbringen? Seinen eige nen Sohn? Owbwohl... das
war ich ja nie wirklich für ihn...

Die Tränen brannten wie Säure in meinen Augen, meine Sicht verschwamm immer mehr und ich konnte nur noch die Silhouette meines Vaters wahrnehmen. Ich hatte einfach nur
noch Angst. Und in solchen Situationen tut man nun mal unbedachte Dinge, oder? Ich blendete den ziehenden Schmerz, der mein Gesicht und meinen Arm durchfuhr aus.
Ich holte aus, trat ihm mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte in die Kniebeuge und er ließ reflexartig locker. Er keuchte auf, ich zerrte mich aus seinem Griff, wollte aus meinem Zimmer stürmen... Doch er war schneller. Ehe ich auch nur ein paar Schritte weit kam, umklammerte mein linkes Bein ein eiserner Griff, der mich mit einer weiteren Bewegung zu Fall brachte.
Meine Knie brannten höllisch beim Aufprall und ich verzog schmerzerfüllt mein Gesicht. Schon bäumte er sich über mir auf. Ich vergrub mein Gesicht in den Händen. Was auch immer
jetzt passieren würde...
Ich war mir sicher, es würde eine meiner letzten Erinnerungen
sein.

Es war vorbei.. Das war's...

Mein Körper bebte und ich konnte
mich nicht mehr länger beherrschen. Unkontrolliert schnappte
ich nach Luft, flehte um Gnade... doch diese wurde auch an diesem Abend nicht gewährt.
Er packte mich an meinen Haaren, zog mich knapp zweieinhalb Meter durch den Raum. Ich schrie auf, zappelte, doch jeder Versuch blieb zwecklos...

„Steh auf, du Schwächling!", schrie er und zog mich hoch, presste meinen ohnehin schon geschundenen Körper an die harte Betonwand. Die Pistole an meine Schläfe gerichtet. Der Ellbogen bohrte sich in meine Rippen-er schnürte mir regelrecht die Luft ab.
Instinktiv fing ich an zu husten und gleichzeitig versuchte mein Körper, hastig Luft in die Lungen zu ziehen. Meine Augen tränten unkontrolliert und mir war, als würde mich die Benommenheit mehr und mehr zu sich ziehen. Alles verschwamm um mich herum, wurde immer unklarer. Geräusche verstummten und jegliche Wahrnehmungen versagten immer mehr.

„Na, wie fühlt sich das jetzt an, hm?"
Mit der Pistole drückte er meinen Kopf noch etwas fester gegendie Wand. Meine Schläfe pochte unaufhaltsam und mein Kopf dröhnte immer mehr.

„D-dad.. Wa.. rum.. B-bitt..."
Ich war kaum noch in der Lage ein Wort herauszubekommen, jede Bewegung schmerzte, die Angst nahm mich vollends ein und ich wünschte mir nur noch eins....

„Ich werde dich für immer zum Schweigen bringen!"

Ein lautes Klick Geräusch ließ mich noch einmal leicht zusammenzucken. Ich schloss meine Augen; mein gesamter
Körper bebte und es schien mich förmlich von innen zu zerreißen...
Ein lautes, diabolisches Lachen hallte durch den Raum, nahm alles um mich herum ein.

Dann wurde alles still...

So still...
... Unerträglich und doch... befreiend?

Waren das die richtigen Worte?...
Ja...
so still...
So kalt..
So...


„Dad?! Tony? W-was machstdu da? Dad-  um Himmels Willen?! Daddy,  Leg die Waffe weg! Tony?! Was ist hier los? Was tust du da?"

Sie schloss nicht einmal die Tür hinter sich. Panisch rannte Molly auf uns, oder besser gesagt auf Dad, zu.
Irgendwie schaffte sie es, inm die Waffe aus der Hand zu reißen, wurde
jedoch hart von ihm zurück gestoßen.

„Das geht dich  nichts an, Molly Geh sofort auf dein Zimmer!"

"Dad,  du bringst ihn um! Lass ihn los, sofort!"

hre Stimme klang so panisch und doch gleichzeitig so beruhigend und  sanftmütig.

So beruhigend...
Ich erinnere mich nur noch daran, wie Dad
seinen Griff doch langsam löste, ich unsanft zu  Boden fiel und sie mit ihm diskutierte.
Danach wurde alles endgültig Schwarz
um mich herum. Nur noch eine letzte Erinnerung an diesen Abend...
Die Sanftmütigkeit und Wärme, welche mich umschloss, wie ein schützender Engel....Mein Engel....


„Alles wird gut, Tony!"
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