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Anleitung zur Folter - Wie man Leser mit schlechten Geschichten quält

von Sisu
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
05.06.2020
04.06.2021
9
17.485
36
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05.06.2020 595
 
Einleitung

Tüdülu und herzlich willkommen zur Bullshit Show.

Nein, echt. Das ist, was das hier ist. Für diejenigen unter euch die zwar irgendwie und ungefähr wissen, was mit „Bullshit“ gemeint ist, aber keine ausreichend akkuraten Englischkenntnisse ihr Eigen nennen können, hier die Übersetzung:

Bull — Bulle, der
Shit — Scheiße, die

Kurz, Bullenscheiße. Nicht zu verwechseln mit Scheiß Bullen!
Das allseits beliebte LEO Wörterbuch übersetzt bullshit übrigens zu „Mist“ oder „Schwachsinn“. Auch gut find ich in diesem Zusammenhang den Ausdruck mid-tempo bullshit, was so viel heißt wie „ziemlich lahmer Blödsinn“.

Aber genug von Exkrementen und Sprachanalysis. Hier, werte Damen und Herren, finden Sie den sprichwörtlichen Senf, den ich so liebe dazuzugeben, zu all den Ausscheidungen diverser Schreiber-Hirne, die wohl Samstag nachmittags zu wenig zu tun haben oder zu viel haben, vor dem sie sich drücken wollen. Denn die braune Suppe, die dabei manchmal auf seitenweise virtuellem Papier vor sich hin brodelt und dampft, ist nicht mal gut als Dünger. Was da aus Kühen so manchmal hinten rauskommt, ist oft stylischer und sehenswerter als so mancher Schrieb, den ich lesen muss.

Ich versteh das auch nicht, liebe Freunde. Es gibt Storys, die sind so schlimm, das ich deren Erzeuger gerne die Atombomben unter den Autoren nenne. Warum? Weil sie ganze Städte voller Leser damit auslöschen könnten. Massenpanik. Massenkollaps. Massenkotzen. Massenhaft furchtbare Satzkonstellationen, wenn man sie denn so nennen will, die Lesern in allen Landen die Nackenhaare aufstellen.

Nicht aber etwa, weil der Wort-gebaute Dünnschiss so spannend ist, nein. Sondern weil man vergeblich nach richtig gesetzten Satzzeichen sucht. Weil man völlig willkürlich arrangierte Absatzsetzung erdulden muss (oder einfach überhaupt keine Absätze, weil warum nicht?). Weil ein Fünfjähriger die Grammatik besser drauf hätte. Weil völlig neue Wörter erschaffen werden durch fehlende Rechtschreib-Kompetenz, oder fehlende Aufmerksamkeit gegenüber der eingebauten Rechtschreibprüfung jedes 0815-Schreibprogramms. Weil man grottenschlechte Formulierungen ertragen muss, die im besten Fall dazu gut sind den Leser zum Lachen zu bringen. Und weil man winselnd und kauernd gegen den Bildschirm schabt, auf der nie endenden Suche nach dem Plot.

Manchmal frage ich mich, wenn ich mich mal wieder heulend durch eine Geschichte quäle, die in diese Schublade passt, ob der Autor derselbigen einfach kurz alles auf ein leeres Dokument gekotzt hat, was ihm oder ihr grad so eingefallen ist. Nur eben in schlecht.

Vielleicht sollte ich nicht so schimpfen über diese armen Leute, aber es steckt einfach zu viel Kritik in mir. Und Fremdscham. Und wenn die Betroffenen wüssten, dass sie gemeint sind, dann bekäme ich vermutlich demnächst Morddrohungen und brennende Kackebeutel vor die Tür gelegt. Mir wurde letztens erzählt, dass es Beta-Reader gibt — sprich freundliche Menschen, die über den Schrieb anderer Menschen mal drüber schauen bevor gepostet wird — die manchmal Gänsehaut bekommen, wenn sie die Werke anderer lesen.

Vermutlich denkt ihr euch jetzt: Was will die Alte denn jetzt? Uns vorschreiben, wie wir zu leben haben? Nee, will ich nicht. Macht doch was ihr wollt. Ich mach derweil das, was ich will — und am besten kann — Leute auf ihre Fehler hinweisen (damit ich nicht an meine eigenen denken muss).

Im weiteren Verlauf dieses… was ist das hier? Eine Kolumne? Ein Essay? Was immer es ist, im weiteren Verlauf dieses Ergusses meiner grauen Zellen als Mittel zur Selbsttherapie gegen Posttraumatische Belastungsstörung via Unfug werde ich weiter schimpfen. Detaillierter schimpfen. Punktgenaue Anleitung geben, wie man Leute so richtig foltern kann, literarisch.

In diesem Sinne, auf bald, liebe Henker und Folterknechte. Möge das Beil und die Guillotine immer mit euch sein, damit auch ihr bald treffsicher mit Wortansammlungen eure Leser enthaupten könnt.

Tschüssi,

eure Sisu.
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