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Hassliebe mit Zucker

von Neenee-B
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
04.06.2020
06.05.2021
28
127.875
9
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11.04.2021 4.244
 
-pov Naoi-

Der Herbst brach an und färbte die Bäume bunt. Rote und gelbe Blätter säumten die Straßen und die Temperaturen sanken. Was auch immer mit Luke los gewesen war, war offensichtlich verschwunden. Die Augenringe unter seinen Augen waren verschwunden und er war so aufgekratzt und leicht reizbar wie eh und je. Es freute mich, dass die leblose Puppe, aus der Luke zwischenzeitlich bestanden hatte, verschwunden hatte und unser bester Freund zurück war, auch wenn das bedeutete, dass ich nicht erfahren, warum er zwischenzeitlich so komisch gewesen war. Wir alle waren froh, dass es ihm wieder besser ging.
Dafür schwirrte jedoch mein eigener Kopf. Nach dem Kuss war Neil mir weitestgehend aus dem Weg gegangen und ich konnte es verstehen. Ich versuchte ebenso mit allen Mitteln, ihm auszuweichen, so gut es ging. Es klappte jedoch nicht immer und wenn wir uns sahen, sammelten sich gemischte Gefühle in meinem Bauch. Zum einen hatte ich Angst vor ihm, zum anderen war da aber noch etwas anderes, was ich nicht zuordnen konnte. Ich verstand einfach nicht, was mit mir los war und ich ertappte mich des Öfteren dabei, ihn anzustarren, wenn ich ihn im Sportunterricht beim Basketballspielen mit seinen Freunden auf dem Weg nach Hause sah. Er schien mich gar nicht zu bemerken, zu sehr war er in sein Spiel vertieft und beobachtete konzentriert jede Bewegung seiner Gegner.
Als ich ihn mal wieder beobachtete, da meine Freunde nicht da waren, um es zu bemerken, kam mir eine wahrscheinlich ziemlich dumme Idee. Ich ging hinter einigen Büschen in Deckung und beobachtete, wie Ben Neil den Ball zupasste. Als er sprang, sein Handgelenk sich abknickte und der Ball sauber im Korb landete, konnte nicht anders, als das Spiel seiner Muskeln bei seinem Absprung bewundern. Schweiß glänzte auf seinem Gesicht in der brennenden Sonne, die einen der letzten warmen Tage erzeugte. Als er sich am Handgelenk, an dem ein Schweißband hing, über das Gesicht wischte, verfolgte ich die Bewegung seines Armes und biss mir auf die Lippe. Was tat ich da eigentlich? Ich saß hinter einem Busch und begaffte die Könige der Schule. Ich musste verdammt tief gesunken sein. Doch ich konnte einfach nicht widerstehen. Was konnte ich denn bitte dafür, dass er so gut aussehen musste?
Irgendwann legten sie eine Trinkpause ein und ich duckte mich tiefer in das Gebüsch, als Ben sich mir näherte, doch er nahm nur seine Wasserflasche, die er vor meinem Gebüsch neben die Bank gestellt hatte, ließ sich auf Besagte sinken und trank mit großen Schlucken aus der Flasche. Ich wagte es kaum, zu atmen, in der Angst, er könnte es hören.
„Ich weiß, dass du da bist“, hörte ich ihn schließlich leise sagen. Niemand außer mir war in der Nähe, um ihn zu hören und in Kontext auf jemand anderen als auf mich, machten seine Worte nicht den geringsten Sinn. Er konnte nur mit mir sprechen. Aber woher wusste er, dass ich da war? Und wie sollte ich ihm antworten, ohne dass man mich bemerkte? Dieses Problem wurde mir jedoch abgenommen, als er weitersprach.
„Ich habe dich vorhin gesehen. Vielleicht solltest du dein unauffälliges ins Gebüsch schleichen trainieren sollen. Ich glaube aber nicht, dass irgendjemand sonst etwas gemerkt hat. Warum bist du aber überhaupt noch hier? … Nein, warte, antworte nicht. Schreib mir deine Antwort lieber“, flüsterte er, während er so tat, als würde er trinken. Ich nahm mein Handy heraus, wog es in den Händen, dann tippte ich ein paar Wörter.
//Du// 13:53
Und warum sollte ich dir das sagen?
Er grinste auf meine Nachricht hin. Wenn ich ihm nicht ins Gesicht sehen musste, sondern meine Antworten schreiben konnte, war ich um einiges mutiger. Es hatte etwas von dem Leichtsinn der Anonymität, selbst wenn er wusste, dass ich direkt hinter ihm saß. Er setzte wieder die Flasche an seine Lippen, um zu trinken.
„Guter Punkt. Ich bin aber mal so arrogant, zu behaupten, dass ich ein Recht darauf habe, zu erfahren, warum du uns beim Sport zuschaust. Oder viel eher anstarrst“, erwiderte er, weiterhin grinsend und ich spürte, wie ich rot anlief. Ich konnte nur froh sein, dass er mich nicht sehen konnte und schob mir mein Handy bis unter die Augen. Wie peinlich, dass er es gemerkt hatte.
//Du// 13:54
Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig! :(
Bei der Nachricht musste er sich sichtlich das Lachen verkneifen, doch es funktionierte nicht so wirklich und seine Freunde blickten ihn ziemlich seltsam an. Dann war die Trinkpause jedoch auch wieder vorbei und sie spielten weiter. Etwas vorsichtiger blickte ich durch die Zweige, nachdem ich wusste, dass Ben mich bemerkt hatte. Und doch konnte ich nicht verhindern, dass mein Blick an Neils muskulösen Oberarmen klebte. Es war einfach faszinierend, anzusehen, wie sich anspannten, wenn er den Ball zugepasst bekam, ihn weiterpasste oder einen Korb warf. Wie er schwer atmete und… Meine Güte, wenn ich ihn weiter so anstarrte, lief mir noch der Sabber aus dem Mund. Beschämt lenkte ich meinen Blick auf meine Hände. Was tat ich da nur?
Als es zum Ende des Sportunterrichts klingelte und sie reingingen, traute ich mich aus meinem Versteck heraus. Niemand war mehr da und der Basketballplatz leergefegt. Vorsichtig ging ich ein paar Schritte, doch dann normalisierten meine Schritte sich wieder, da niemand in der Nähe zu sein schien. Falsch gedacht.
„Warte“, ertönte eine Stimme hinter mir und ich erstarrte, als wäre ich durch eine plötzliche Windböe zur Eisskulptur eingefroren. Vorsichtig drehte ich den Kopf und erblickte Ben, der auf mich zugelaufen kam. Irgendetwas an seiner Art machte mir plötzlich keine Angst mehr. Seine gesamte Ausstrahlung hatte sich verändert. Ich fragte mich, wieso. Er kam außer Atem vor mir zum Stehen und stützte seine Hände auf den Knien ab.
„Du hast mir noch keine Antwort darauf gegeben, warum du uns während des Sportunterrichts beobachtet hast. Man könnte fast meinen, du wärst ein Spanner“, meinte er grinsend und legte fragend den Kopf schief. Ich spürte, wie mir die Röte in den Kopf schoss und ich biss mir verlegen auf die Lippe, während ich eingehend meine Schuhe betrachtete.
„Ich… also… ich hatte keinen Unterricht“, war meine lahme Ausrede. Das war nicht einmal eine richtige Ausrede, sondern viel eher eine Tatsache. Ben hatte die Augenbrauen hochgezogen, als ich das nächste Mal hochsah. Warum musste ich denn immer stottern?
„Ach, wirklich? Ich hätte natürlich gedacht, dass du den Unterricht schwänzt“, erwiderte er sarkastisch, es war jedoch nicht gemein, abwertend oder spöttisch, nein, es war irgendwie versöhnlich. Als versuchte er, möglichst normal mit mir zu reden. Was war mit ihm los? Er war schon länger netter als gewöhnlicherweise, aber das war jetzt doch eine Schippe zu viel.
„Irgendwie bist du seltsam“, stellte ich fest und vergaß darunter auch ganz, peinlich berührt zu sein. Er sah etwas ertappt aus, dann fuhr er sich nervös durch die verschwitzten Haare. Er schien über etwas nachzudenken, dann besann er sich offensichtlich und blickte wieder zu mir, denn ich stand, immer noch auf eine Antwort wartend, vor ihm.
„Wir sehen uns“, meinte er dann nur, wirbelte herum und spurtete zurück zur Turnhalle. Ich stand da und war unendlich verwirrt. Ich hatte doch nur das Offensichtliche in Worte gefasst, warum ergriff er denn die Flucht? Vor MIR? Irgendetwas stimmte da ganz gewaltig nicht. Nicht, dass ich es nicht genoss, mal nicht das Opfer zu sein, es war nur merkwürdig.
„Seltsam, der Typ. Was war das gerade?“, murmelte ich in mich hinein, während ich den Weg nach Hause antrat. Ben war ein Mysterium für sich und ich hatte definitiv wichtigere Dinge, über die ich mir Gedanken machen sollte. Zum Beispiel, warum ich Neil so gottverdammt attraktiv fand. Er warf mir auf den Gängen wütende Blicke zu, doch ich merkte, dass diese Blicke nur eine Fassade für etwas waren. Zuvor hatte ich zu viel Angst gehabt, um seinen Körper zu bewundern, doch seit diesem Kuss hatte sich irgendein Schalter bei mir umgelegt. Ich hatte immer noch große Angst vor ihm, doch irgendwie nahm ich seinen Körper mehr als einen menschlichen Körper war als zuvor. Oder vielleicht auch unmenschlich. Konnte so ein Körper überhaupt noch einem Menschen gehören? Musste er nicht einer übermenschlichen Lebensform angehören? Einem Dämon vielleicht? Einem attraktiven Dämon. Ich verdrängte den Gedanken. Ich sollte Angst vor ihm haben, verdammt! Ich wusste, zu welch kräftigen Schlägen diese Muskeln in der Lage waren und wie kalt diese grünen Augen waren. Gerade ich sollte nicht so über Neil denken. Und dennoch kam ich nicht umhin, zu verstehen, warum ihm derart viele Mädchen zu Füßen lagen. Wenn ich doch schon einmal bei dem Thema war, ich hatte ihn in den letzten Wochen nicht mehr mit einem Mädchen gesehen. Überhaupt konnte ich gar nicht wirklich einen Zeitpunkt benennen, an dem ich ihn das letzte Mal mit einem Mädchen gesehen hatte. Das war mir zuvor gar nicht aufgefallen, ich hatte zu viel mit meiner Angst zu kämpfen gehabt. Wann hatte er aufgehört, die ganze Schule durchzugehen?
In meinen Gedanken hatte ich gar nicht bemerkt, dass ich immer langsamer geworden war, bis ich Stimmen hinter mir vernahm. Ich hatte das Schulgelände noch nicht verlassen, also konnten es nur Schüler der Schule sein. Und sie kamen direkt auf mich zu. Mist. Meine Schritte beschleunigten sich, doch die Schülergruppe bog in diesem Moment um die Ecke und als sie mich erblickten, wurden ihre Schritte nur unnormal schnell. Ich begann zu rennen und sie ebenfalls. Ein Blick nach hinten verriet mir, dass sie aufholten. Ich hatte schon beinahe das Schultor erreicht, als sie mich eingeholt hatten. Einer von ihnen griff nach meinem Handgelenk.
„Na. Wen haben wir denn hier?“, fragte einer von ihnen hämisch grinsend, während sich seine Kumpel im Kreis um mich herum aufstellten. Ich wand mein Handgelenk über die freie Seite an seinem Daumen aus seinem Griff, indem ich meine Hand nach innen von ihm wegdrehte. Manchmal kam es mir doch zugute, dass ich mir Selbstverteidigungsvideos ansah.
„Versuch gar nicht erst zu fliehen. Du magst deine Karate-Tricks haben, wir sind aber viel mehr und stärker als du. Völlig aussichtslos“, sagte der Typ, der mich gepackt hatte mit gefährlich amüsierter Stimme. Die anderen lachten gnadenlos, als hätte der Typ einen super Witz rausgehauen. Mir wurde schlecht. Leider stimmte das, bis auf den Part mit den „Karate-Tricks“. Ich verzichtete auf den Hinweis, dass Selbstverteidigung ein eigenes Spektrum war.
„Hm, ich hatte heute noch keine gute Prügelei und echt Lust auf eine“, meinte ein anderer Typ mir gegenüber und knackte bedrohlich mit seinen Fingerknöcheln. Er war fett und stiernackig, ich zweifelte echt daran, dass der Kerl noch Schüler war, doch schwieg weiterhin. Bloß keine Bewegung. Ich wollte nicht der Auslöser für eine Prügelei sein, also versuchte ich, ihnen so wenig Anlass wie möglich zu bieten. Sie waren zu sechst und ich war allein. Hoffnung darauf, dass sie mich einfach so laufen ließen, hatte ich keine.
„Wäre das nicht irgendwie schade um sein hübsches Gesicht?“, fragte der Typ hinter mir spöttisch, als er nah an mich herantrat und strich mit einer Hand über meine Wange. Ich wagte es nicht, zu atmen und mein Körper begann wieder unkontrolliert zu beben. Ein Schutzmechanismus, der mir sagen wollte: „Renn, verschwinde“. Doch ich hatte nirgendwo hinzuverschwinden. Es gab keinen Ausweg aus dieser Situation.
„Also erst vergewaltigen und dann zusammenschlagen? Wer ist der Erste?“, fragte einer der anderen und wenn ich nicht so sehr damit beschäftigt gewesen wäre die Luft anzuhalten, da war ich mir sicher, hätte ich mich in eben diesem Moment erbrochen. Der Typ hinter mir lachte und ließ seine Hand, die zuvor noch meine Wange gestreichelt hatte, von oben in mein Hemd wandern.
„So ist es“, flüsterte er mir verhängnisvoll ins Ohr und ich fühlte mich, als wäre gerade mein Todesurteil unterschrieben worden und ich nun auf dem Weg zum Galgen. Ich betete zu Gott und all seinen Engeln, dass irgendein Wunder geschehen und sie mich auf wundersame Weise laufen ließen… Und meine Gebete wurden erhört.
„Sagt mal, ist das eure bevorzugte Freizeitaktivität? Den Streber belästigen? Wie langweilig“, kommentierte eine mir nur allzu vertraute Stimme und die Missetäter blickten erschrocken zu dem Neuankömmling, der ganz lässig dastand und desinteressiert eine Zigarette rauchte. Ich hatte nicht gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich war so unglaublich froh, Neil zu sehen.
„Mit so etwas verschwendet ihr eure Zeit?“, fragte er in abfälligem Ton und blickte mich bei den Worten „so etwas“ ganz genau an. Ich konnte nicht umhin, als bei den harten Worten verletzt zu sein. Doch warum störte es mich überhaupt, wenn er mich zu einem Objekt degradierte? Es sollte mir egal sein.
„Stimmt. Lasst uns gehen. Welch Zeitverschwendung“, stieß einer von ihnen aus und sie liefen tatsächlich davon, einer von ihnen spuckte vor mir auf den Boden, aber sie gingen und ließen mich in Ruhe. Diese Hierarchie, die Art, wie sie vor ihm spurten wie Diener vor ihrem König. Die Absurdität dieser Tatsache ließ mich beinahe auflachen. Bis sie weg waren bewegte weder Neil noch ich sich einen Zentimeter.
Als sie schließlich verschwunden waren, blickte Neil mich nur ausdruckslos an und wandte sich dann zum Gehen. Ich sah ihm nach, bis er bei dem Tor angelangt war, dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.
„Neil?“, bei seinem Namen hielt er inne, drehte sich jedoch nicht zu mir um. Die Zigarette ließ er auf den Boden fallen und trat sie dort mit seinem Schuh aus. Ich biss mir auf die Lippe und versuchte, meine Nervosität zu überspielen.
„Danke“, war alles, was ich noch herausbrachte und er warf schließlich doch einen Blick zurück, sah mich prüfend an. Dann nickte er jedoch nur und lief wieder los, offensichtlich, um zu den Parkplätzen zu gehen. Ich sah ihm nach, bis er verschwunden war, dann seufzte ich. Warum rettete er mich eigentlich immer aus solchen Situationen?

-pov Seno-

Ich hasste shoppen. Insbesondere, wenn man es mutterseelenallein mit einem handgeschriebenen Zettel tun musste. Meine Mutter hatte diesen geschrieben, damit sie ins Krankenhaus zu meiner Oma fahren konnte. Diese war mit Hirntumor diagnostiziert worden und die Ärzte gaben ihr nicht mehr allzu viel Zeit. Ein halbes Jahr. Das war nicht lang. Und deswegen wollten meine Eltern sie so oft wie möglich besuchen, um so viel Zeit wie möglich zu verbringen, besonders meine Mutter, dessen Mutter meine kranke Großmutter war. Natürlich hatte ich wie ein braver Junge gesagt, dass ich für sie shoppen gehen würde, doch das machte die Sache nicht besser. Mein Handy vibrierte in meiner Tasche und ich zog es heraus.
//Liam// 15:35
Na, wie geht es meinem Bücherfreak?
Ich musste lächeln, als ich seine Nachricht las. Liam und ich waren seit ungefähr zwei Wochen zusammen und ich war glücklich, ihn an meiner Seite zu haben. Schnell tippte ich eine Antwort und steckte mein Handy dann wieder weg.
Ich war gerade auf dem Weg zu einer Pause an einem Bubbletea-Laden, als ein blitzender, schwarzer Bonzewagen an der Straßenecke des Bubbletea-Ladens hielt. Ich kannte mich nicht mit Autos aus, aber vorne am Kühler blitzte mir das Logo, welches wie zwei Flügel aussah, entgegen. Was auch immer das für eine Automarke war, ich wollte es sicher gar nicht wissen.
Die Tür schwang auf und heraus trat- wie ja zu erwarten- mein persönlicher Horror. Als er mich bemerkte, zuckte eine seiner Augenbrauen, doch sonst blieb sein Gesicht vollkommen unleserlich. Meine Wut auf ihn kochte wieder hoch, doch ich schwieg, ebenso wie er. Ich hätte ihn einfach ignorieren können. Das war zumindest mein Gedanke, als ich loslief, um in den Laden zu laufen, doch eine Hand, die sich um mein Handgelenk schloss, verhinderte, dass ich weiterlaufen konnte.
„Was willst du von mir?“, fauchte ich ihn mit unterdrückter Wut an und musste mich zunehmend zusammenreißen, nicht auf offener Straße laut loszuschreien. Auf ein schaulustiges Publikum konnte ich echt verzichten. Er hatte nur wieder eine Augenbraue hochgezogen und schwieg und das trieb mich schier zur Weißglut. Als ich kurz davor war, zu platzen, entschied er sich jedoch doch noch, etwas zu sagen.
„Mir ist langweilig“, meinte er nur und ich starrte ihn fassungslos an. Ihm war langweilig? Und deswegen ging er mir auf die Nerven? Wieso war das denn mein Problem, wenn ihm langweilig war? Ich war sowieso schon genervt, dass ich dieses Shopping erledigen musste, doch er schaffte es wirklich beinahe, dass ich explodierte. Herzlichen Glückwunsch.
„Was interessiert es mich, dass dir langweilig ist? Lass mich doch einfach in Ruhe“, schnaubte ich verächtlich und riss mich heftig aus seinem Griff. Er machte wenigstens nicht noch einmal Anstalten, mich anzufassen und ich versuchte, mich abzureagieren, denn ich wusste, würde er noch ein falsches Wort sagen, wäre es vorbei mit meiner Selbstbeherrschung.
„Tja, ich habe einfach nur nach Abhilfe gesucht“, erwiderte er teilnahmslos und das gab meiner Contenance den letzten Schubs, den sie gebraucht hatte, um im Sankt Nimmerleinstag zu verschwinden. Abhilfe? Hatte er sie noch alle? Abhilfe klang für mich stark nach „und du bist jetzt mein Opfer“. Nicht mit mir!
„Ja, dann such dir woanders ‚Abhilfe‘ und lass mich gefälligst in Ruhe!“, schrie ich ihn an und bemerkte, dass sich die ersten Leute schon neugierig nach uns umdrehten. Ihn beeindruckte das jedoch wenig und er lehnte sich nur mit verschränkten Armen an sein Auto. Oh, allein diese Art, dass ihn absolut nichts kümmerte! Ich wollte ihm am liebsten den Hals umdrehen!
„Warum sollte-“, begann er, wurde jedoch durch die Stimme eines Mädchens unterbrochen und ich bemerkte, dass sich sein Blick so sehr verdunkelte, dass man meinen konnte, er stünde dem Teufel höchstpersönlich gegenüber. Sein Teufel war allerdings eine Dreiergruppe, bestehend aus einem Mädchen und zwei Jungs.
„Hallo Jay. Trouble in paradise?“, fragte sie spottend, während sie demonstrativ die Hand eines der Typen neben ihr ergriff. Ihre Haare waren schwarz, nur in ihrem Pony hatte sie eine rote Strähne. Die dunklen Augen, mit denen sie Jay fixierte, drückten Überheblichkeit, Arroganz und Geringschätzung aus. Ihre Begleiter hatten genau so einen Blick drauf. Der kleinere der Jungen trug eine rote Beanie auf ebenso schwarzen Haaren, der Größere, dessen Hand das Mädchen ergriffen hatte, hatte genauso schwarze Haare und einen genauso fiesen Blick.
„Li-Yen“, gab Jay nur zurück und als ich wieder zu ihm sah, war sein Blick so voller Hass und Abscheu, wie ich es noch nie gesehen hatte. Wirklich noch nie. Das Mädchen lachte höhnisch auf und warf sich die Haare über die Schultern. Egal, wie unglaublich sauer ich auf Jay war, diese Gruppe ekelte mich über alle Maßen an.
„Na, hast du mich vermisst? Ich wette, du hast Nächte geweint, hoffst jede Nacht, dass ich zu dir zurückkomme“, stichelte sie und mit jedem einzelnen Wort, welches ihre perfekt mit rotem Lippenstift nachgezogenen Lippen verließ, konnte ich sie weniger leiden. Wie konnte ein Mensch nur so ekelhaft sein?
„Ehrlich gesagt nicht, ich habe mein Leben ohne dich wirklich genossen und jetzt geh mir aus den Augen“, knurrte Jay, die Augen zu Schlitzen verengt. Er schien kurz davor, zu explodieren, doch das Mädchen machte sich einen Spaß daraus. Wow, und ich hatte gedacht, Jay wäre schlimm. Was war das denn für ein Monster?
„Warum sollte ich? Du solltest vor mir kriechen. Du bist nichts weiter als wertloses Ungeziefer, welches beseitigt werden sollte. Dein Geld hilft dir da auch nicht weiter, Fuckboy. Hast dich durch die ganze Schule gefickt, wie ich gehört habe, nur um mich zu vergessen. Du musst ganz schön verzweifelt sein“, ihre Stimme hatte den spielerischen Spott verloren und triefte nur so vor Bosheit. Okay, sie war definitiv schlimmer als Jay. Ich rechnete ihm hoch an, dass er es schaffte, seine Gelassenheit zu waren und ihr nicht schon längst eine reingehauen hatte. Ich hätte es an seiner Stelle getan.
Seine Hand schloss sich eisern um mein Handgelenk und noch ehe ich reagieren konnte, hatte er die Autotür aufgerissen und mich grob hinein geschubst. Ich landete unsanft halb auf der Handbremse und bemerkte, dass seine Schultern vor Zorn bebten. So wütend hatte ich ihn noch nie erlebt, doch das änderte nichts daran, dass ich immer noch genauso wütend auf ihn war.
„Was soll das?“, fuhr ich ihn an, doch er antwortete nicht und knallte die Autotür so heftig zu, dass ich sogar zusammenzuckte. Er lief um das Auto herum, riss die Fahrertür auf und schlug die genauso heftig zu, bevor er den Schlüssel in das Schlüsselloch rammte und es aggressiv herumdrehte, um es zu starten. Ich verstand, dass er sich nicht mehr länger hätte beherrschen können und deshalb floh er lieber.
„Anschnallen“, schnauzte er mich so wütend an, dass ich gar nicht auf die Idee kam, Widerspruch einzulegen. In diesem Moment hatte ich sogar leicht Angst vor ihm, doch was mich primär dazu verleitete, zu gehorchen, war eher eine Art Instinkt. Niemals würde ich ihm aus Angst gehorchen. Viel zu schnell jagte er die Straße mit dem Auto entlang und ich war froh, dass ich mich angeschnallt hatte. Das war lebensgefährlich! Meine Hände krallten sich in das Leder des Sitzes, ich schloss die Augen und wünschte mich weit, weit weg. Das Tempo war mit Sicherheit nicht erlaubt. Als wir langsamer wurden- mit Sicherheit hatte er einige rote Ampeln überfahren- waren wir an dem Wolkenkratzer, in dem er lebte und er bog in die Garage ein. Ich fragte mich echt, wie wir das überlebt hatten. Innerlich hatte ich schon mein Leben an mir vorbeiziehen sehen.
„Mach. Das. Nie. Wieder“, flüsterte ich außer Atem als wäre ich einen Marathon gerannt und mein Körper zitterte noch von dem Schock. Sein Körper dagegen zitterte noch immer aus Wut und seine Hände krallten sich so fest an das Lenkrad, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Dann schlug er so heftig auf eben jenes, dass ich zusammenzuckte. Ich schob es auf die Nachwirkungen dieser Mörderfahrt.
„Fuck“, fluchte er laut und ich konnte ihm nur zustimmen. Ja, fuck. Er sein Blick landete auf mir, dann beugte er sich zu mir und drückte seine Lippen hart und aggressiv auf meine. Ich wollte ihn von mir stoßen, doch er ließ mich nicht, packte meine Schulter, um mich vom Zurückweichen abzuhalten, während er mich zwang, die Lippen zu öffnen, sodass er in meine Mundhöhle vordringen und mich zu einem Zungenkuss auffordern konnte. In diesem Kuss lag weder erotisches noch sanftes. Es schien einfach nur eine Kompensationsreaktion auf das, was zuvor geschehen war, zu sein. Ich schaffte es, ihn von mir zu drücken, schnallte mich ab und stürzte aus dem Auto. Jay folgte dem, knallte die Tür hinter sich zu und kam um das Auto herum. Dort drückte er mich an das Auto und ließ mir keine Möglichkeit, zu entkommen.
„Wer war das vorhin?“, fragte ich, um zumindest darüber Klarheit zu erhalten. Wenn er mir eröffnete, dass dieses Mädchen, Li-Yen, wie er sie genannt hatte, eigentlich der Dämon Lilith aus der Unterwelt war, würde es mich nicht überraschen. Der Name klang chinesisch, sie hatte aber keinen Akzent, also war sie entweder in Japan großgeworden oder in sehr frühen Jahren nach Japan gekommen.
„Das ist scheißegal“, knurrte er und drückte mir wieder gewaltsam seine Lippen auf und wieder versuchte ich ihn von mir zu stoßen. Ohne Erfolg. Während er mich küsste, öffnete er die Tür zu den Hintersitzen und löste sich dann von mir, um mich dort reinzuschubsen. Wieder einmal fiel ich in das Auto, doch dieses Mal kletterte er über mich und schlug die Tür dann zu.
„Lass mich in Ruhe, was willst du von mir?“, echauffierte ich mich und wollte ihn von mir drücken, doch er schnappte meine Handgelenke und pinnte sie über meinem Kopf an das Leder. Sein Kopf senkte sich und er hinterließ eine Spur Küsse und Bisse auf meinem Hals und ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht aufzukeuchen.
„Halt doch einfach still“, blaffte er mich an, als ich einen weiteren Versuch startete, mich aus seinem Griff zu lösen. Erst da stellte ich fest, dass ihm Tränen über die Wangen liefen. Jay Toshinobi weinte! Erschrocken regte ich mich nicht mehr, während er eine Hand unter mein T-Shirt gleiten ließ und seine kalten Finger eine Gänsehaut auf meiner Haut hinterließen. Seine Lippen drückten sich wieder unnachgiebig auf meine, doch dieses Mal wehrte ich mich nicht. Ich war noch zu geschockt von der Tatsache, dass er weinte. Ich wusste nicht, was in mich gefahren war, als ich begann, seinen Kuss zu erwidern. Er ließ meine Hände frei aus seinem Griff, der einem Schraubstock erschreckend ähnlich zu sein schien.
Wie von selbst schlangen meine Arme sich um seinen Nacken und zogen ihn an mich. Er zog an dem Stoff meines T-Shirts und ich ließ es mir über den Kopf ziehen, wenn auch etwas widerwillig. Als ich an dem Saum seines T-Shirts zupfte, verstand er sofort und wurde das lästige Stück Stoff los, bevor er sich wieder über mich beugte und Küsse auf meinem Oberkörper hinterließ. Seine Hand wanderte tiefer und ich atmete scharf ein, als Jay seine Hand in einer flüssigen Bewegung unter meine Hose wandern ließ. Warum ließ ich das nochmal zu?

**********

Uhhhhhhh, was ist denn da los? :0
Stand 11.04.21: 158 807
Jaa... ich war sehr unmotiviert in den letzten Tagen.. ich habe meine Zeit mit... anderen Dingen verschwendet, upsi... aber das macht nichts, ich habe letzte Nacht wieder angefangen zu schreiben, deswegen sind wir überhaupt vorangekommen!^^
Und außerdem habe ich so viel vorgeschrieben, dass ein paar Tage aussetzen kein großes Drama ist!^^
Was meint ihr, wer Li-Yen ist?^^ Obwohl es eigentlich recht offensichtlich ist, aber vielleicht ist dem ein oder anderen etwas entfallen... hehehe^^
Das ist leider mein letzter Ferientag, morgen beginnt die Schule wieder :(

Einen sonnigen Sonntag wünsche ich euch, auch wenn wir mit einer Wolkendecke beglückt werden!^^
Keep fighting!
- Neenee
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