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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
21.01.2021
34
116.215
24
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23.07.2020 3.164
 
Kapitel 8 – Wichtige Gespräche

In den nächsten Tagen verbrachte Cana ihre Zeit überwiegend in der Gildenhalle, vor allem, um die letzten Jahre aufzuholen, die sie verpasst hatte. Lexy war ebenfalls dabei, jedoch war sie mehr als nur ein bisschen gelangweilt von den ganzen Gesprächen, die sie nicht interessierten. So lief sie durch die Gildenhalle, um abwechselnd mit Happy, Charles sowie Pantherlily zu spielen. Dabei kam überraschenderweise Lily am besten mit ihr klar. Sein Argument war, er hätte früher auf den Prinzen von Edolas aufgepasst, seit dieser laufen konnte, was nicht nur von Gajeel mit einem ungläubigen Lachen kommentiert wurde. Da man Mystogan jedoch nicht mehr fragen konnte, glaubte man dem Exceed gezwungenermaßen. Cana zumindest war froh über die Beschäftigung, da sie Lexy in sicheren Händen wusste, denn sie hatte wirklich viel aufzuholen.
„Und da hast du es Natsu ins Gesicht gesagt? Einfach so, direkt vor einem Auftraggeber, der dich die ganze Zeit über angeschmachtet hat?“
Lucy lachte glockenhell, bevor sie einen Blick zu Natsu warf, der mit verschränkten Armen neben ihr saß und beleidigt dreinblickte. „Er ist puterrot angelaufen und hat kein einziges Wort mehr herausgebracht, sondern nur gestottert“, meinte sie. „In der Zwischenzeit habe ich die Belohnung abgeholt und bin aus dem Restaurant gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich wieder erholt und ist hinter mir her gestürmt. Doch bis zum nächsten Morgen kam keine Erwiderung. Ich habe schon gedacht, er hätte es einmal mehr falsch verstanden. Wobei ich nicht weiß, was man an ‚Natsu, ich liebe dich‘ falsch verstehen kann. Vor allem, wenn der dritte Gesprächspartner ebenfalls den Schock seines Lebens bekommt.“
Natsu machte nur ein „Hmph“, dann stand er auf, um sich zu Happy zu gesellen, der einmal mehr versuchte, Charles‘ Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch diese war damit beschäftigt, Lily und Lexy zu beobachten, wie sie miteinander Memory spielten. Lexy war um Welten besser als Lily, was die weiße Exceed auch lauthals kommentierte.
„Ich hoffe, du hast schneller begriffen, um was es geht“, meinte sie an Gray gewandt, der lässig mit den Schultern zuckte.
„Juvia war von Anfang an nicht gerade schüchtern in ihren Zuneigungs-Bekundungen“, sagte er, während die Wassermagierin verlegen auf den Tisch starrte. „Eigentlich hatte ich gedacht, es würde sich mit der Zeit legen und wollte erst einmal abwarten. Aber irgendwann fiel mir auf, Juvia ist abgesehen von diesen merkwürdigen Anwandlungen, eigentlich eine süße, hübsche Person. Also habe ich sie kurz nach dem zweiten Sieg der Magischen Spiele gefragt, ob sie nicht mit mir essen gehen würde.“
„Juvia hat gedacht, ihr Herz würde stehenbleiben“, fiel die Wassermagierin ihm ins Wort, „aber Gray hat die Frage nochmal wiederholt, damit sie absolut sicher sein konnte. Natürlich hat sie ja gesagt!“
„Ihre Schwärmerei ist auch wirklich zurückgegangen“, murmelte Lucy in Canas Ohr. „Mittlerweile ist sie fast normal geworden, selbst wenn es um Gray geht. Sie hat sogar aufgehört, ihn immer ‚Gray-sama‘ zu nennen, das rutscht ihr nur ab und zu heraus. Selbst wenn es erst nach fast zwei Jahren war, daher haben wir Hoffnung.“
Die Kartenmagierin verschluckte sich an ihrem Drink und hustete. Nachdem sie wieder einigermaßen Luft bekam, auch dank Grays kräftigem Schlag auf den Rücken, der sie fast nach vorne kippen ließ. Dafür schenkte sie ihm einen genervten Blick und Juvia seufzte. Anscheinend war sie nicht die erste Person, die dank seiner Hilfe fast auf die Tischplatte knallte.
„Also sind alle vergeben? Wirklich alle?“ Das war die Frage, die sie eigentlich interessierte. Vor allem die offensichtlichen Pärchen, bei denen es schon vor ihrem Weggang gefunkt hatte, weckten ihre Neugierde. Doch das war anscheinend die falsche Frage, denn die Anwesenden am Tisch seufzten. Cana setzte sich auf und schaute sie entgeistert an.
„Elfman?“
Mira, die ebenfalls mit am Tisch saß, schüttelte den Kopf. „Ever und er sind so gut wie verlobt. Freed und ich sind ebenfalls länger zusammen, selbst Bixlow hat ein Mädchen in Magnolia gefunden. Lisanna hat im Moment kein Interesse an einer Beziehung, nachdem ihr Exfreund sie betrogen hat. Frag nicht weiter, er wird nie wieder einen Fuß nach Magnolia setzen, allein aus Angst vor Natsus Rache an ihm, die Lisannas Ex von mehreren Seiten aus prophezeit wurde.“
„Ich war damals nicht da, als dieser Kerl aufgeflogen ist“, knurrte der Dragon Slayer mit dunkler Miene. „Ich habe nur Lisannas Tränen mitbekommen.“
Cana biss sich auf die Lippen, um nicht zu lachen. Anscheinend hatten sich manche Dinge nicht geändert. Natsu hatte noch nie Tränen sehen können. Vor allem wenn eine Frau weinte, war er stets ratlos gewesen und nach kurzer Zeit panisch geworden. Direkt gefolgt von dem dringenden Bedürfnis, den Schuldigen ausfindig zu machen und notfalls mit Magie klarzumachen, dass man seine weiblichen Bekannten nicht ohne Folgen zum Weinen bringen konnte.
„Wer dann?“, murmelte sie zu Lucy. Erza nicht, das ahnte sie aufgrund der Erzählungen der anderen. Auch wenn sie sich hütete, Titania persönlich danach zu fragen. Ansonsten gab es von damals nicht so viele Pärchen, Laki und Max hatte sie bereits mitbekommen. Wobei sie keine Ahnung hatte, wie das passiert war. Andererseits wollte sie es auch nicht wissen, wenn sie an Lakis merkwürdige Äußerungen dachte, die Max jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wie sie genau zusammengefunden hatten, das hatte nichts mit Herzchen und rosa Brille zu tun. Laki war schon immer extrem gewesen, egal in welcher Situation. Eine einfache Liebeserklärung würde sie nicht vom Hocker reißen, ganz im Gegenteil. Das wäre ihr viel zu langweilig gewesen.
Doch die Reaktion der anderen überraschte sie, aber nicht positiv. Lucy und Juvia starrten auf den Tisch, Gray stieß ein Schnauben aus und selbst Natsu schaute nicht begeistert. Mira sah aus, als ob sie kurz vor einem Tränenausbruch stehen würde, doch da sie in Liebesangelegenheiten immer sehr empfindlich war, registrierte Cana das weniger. Was sie jedoch registrierte, war Erzas sturmumwölkte Stirn und das ließ sie schlucken. Wenn Titania diesen Gesichtsausdruck hatte, war etwas völlig schiefgelaufen.
„Levy.“
Cana klappte die Kinnlade herunter.

+++


Anscheinend war es ein ganz normaler Tag gewesen – Mira hatte es sich mal wieder in den Kopf gesetzt, Kupplerin zu spielen und heute waren Levy und Gajeel an der Reihe. Niemand hatte gedacht, es würde schiefgehen. Immerhin waren die beiden seit mehr als drei Jahren umeinander herumgeschlichen und hatten keinen anderen auch nur aus den Augenwinkeln angeschaut. Daher hatte keiner damit gerechnet, dass Miras Plan nicht nur fehlschlagen, sondern völlig nach hinten losgehen würde. Doch genau das tat er und zwar nicht wenig.
Kurz gesagt, aus der versuchten Kuppelei war ein Streit geworden, der die Gildenhalle erschütterte. Vor allem, da es Levy war, die das gesamte Gebäude zusammenschrie. Gajeel hatte am Anfang nur die Augen verdrehte, doch irgendwann die Nerven verloren und zurück gebrüllt, wie es nur ein Dragon Slayer konnte. Das hatte das Gebäude wirklich zum Beben gebracht, dann war Makarov eingeschritten. Der Dragon Slayer hatte dann fluchtartig das Gebäude verlassen, kurz bevor Levy zusammensackte und haltlos in Tränen ausbrach. In der groben Zusammenfassung gesagt, hatte sie ihn immer noch als den kalten, grausamen Magier bezeichnet, der er bei ihrem ersten Zusammentreffen gewesen war. Was ihn wiederum natürlich an das Zusammentreffen erinnert hatte. Bei dem hatte er sie mit ihren beiden Teamkameraden Jet und Droy zusammengeschlagen, mit Metallklammern im Stadtpark von Magnolia an einen Baum geheftet und die Nacht über hängen gelassen. Das war der Punkt gewesen, an dem er ausgerastet war, weil er es sich augenscheinlich immer noch nicht verziehen hatte. Er hatte sie als klein, schwach und vor allem mädchenhaft bezeichnet. Levys Körper hatte sich in den fünf Jahren noch immer kein bisschen verändert und sie war damals noch genauso unsicher darüber gewesen wie in ihrer Jugendzeit. Das war dann der Grund für die völlige Eskalation gewesen, bei der keiner der Umstehenden auch nur ein Wort verstanden hatte, was sie die beiden gegenseitig an die Köpfe warfen. Der Großteil der Gilde war darüber auch froh gewesen, bis der Eisen Dragon Slayer eben wutschnaubend aus der Gilde gestürmt war. Levy war entschlossen gewesen, sich am nächsten Tag zu entschuldigen und ihm ihre Gefühle zu offenbaren, denn sie war schon damals bis über beide Ohren in ihn verliebt gewesen.
Nur tauchte Gajeel am nächsten Tag nicht alleine auf, sondern in Begleitung einer Frau. Einer ehemaligen Kameradin aus Phantom Lord, die sich mit ihm anscheinend schon die letzten Monate über getroffen hatte, weil sie eine neue Gilde suchte und dabei in Magnolia gelandet war.  
Das hatte Levy das Herz gebrochen. Gajeel hatte gleich nach der Vorstellung der Frau ihre Beziehung bekannt gemacht, die angeblich schon seit mehreren Wochen gelaufen war und die etwas Ernstes werden sollte. Bis jetzt waren die beiden auch immer noch zusammen, selbst wenn es im letzten Jahr immer stärker gekriselt hatte. Zwar deutete alles darauf hin, dass diese Beziehung nicht mehr allzu lange halten würde. Doch Levy hatte es nicht mitbekommen, da sie ab diesem Tag den Dragon Slayer völlig ignorierte.

+++


„Selbst Jet und Droy, die es am Anfang gar nicht so schlimm fanden, hoffen mittlerweile, Gajeel und – ich kann mir ihren Namen nicht merken – würden endlich getrennte Wege gehen. Levy ist äußerlich zwar immer noch dieselbe, doch in Fairy Hills hört man sie nachts immer wieder durch die Gänge schleichen, weil sie mit einem weiteren Weinkrampf aufgewacht ist. Scheinbar hat sie Alpträume, auch wenn sie es nicht zugibt“, murmelte Erza. Mittlerweile hatte der komplette Tisch seine Köpfe zusammengesteckt, denn selbst wenn Gajeel am anderen Ende der Halle saß, unterschätzten sie seine Hörfähigkeiten nicht.
„Noelle heißt sie“, warf Juvia ein und zog dann den Kopf ein, als Erza sie gereizt anblickte. „Aber das ist nicht wichtig“, beeilte sich die Wassermagierin zu sagen.
„Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet diese beiden immer noch nicht zusammen sind, obwohl es so offensichtlich war“, sagte Cana gedankenverloren.
„Ja, wir haben Wetten abgeschlossen, wer länger dafür braucht: Levy und Gajeel oder du und Laxus“, meinte Natsu unvermittelt.
Sofort war die Skript-Magierin vergessen, als wieder der altbekannte Schmerz durch ihren Körper schoss, der sich anfühlte wie das Durchbohren mit einem Degen. Die Kartenmagierin unterdrückte ein Keuchen, während sie zu einer Statue erstarrte.
„NATSU!“, brüllte Lucy und schlug ihm mit aller Gewalt auf den Hinterkopf, eine halbe Sekunde bevor Erza dasselbe tat. Mit ihrer in Eisen gekleideten Hand, was einen dumpfen Laut hinterließ und Natsu k.o. gehen ließ.  
„Manchmal ist er genauso kurzsichtig wie früher“, seufzte Gray und blickte ohne Mitleid auf seinen bewusstlosen Gildenkameraden.
Juvia hingegen wandte sich besorgt Cana zu und blickte sie mit ihren blauen Augen besorgt an.
„Alles okay?“, fragte sie sie vorsichtig. Kurz warf Cana einen Blick auf Lexy, die Lily beim Memory spielen anscheinend abzog, dann zuckte sie mit den Schultern.
„Ich weiß nicht, was länger dauern wird“, versuchte sie leichtfertig zu antworten, doch es misslang gründlich. Dann seufzte sie. „Zumindest werde ich ihm alles beichten müssen. Schon allein um Lexys Willen.“
„Damit sie weiß, wer ihr Vater ist?“ Die Frage von Gray erweckte in ihr einmal mehr Schuldgefühle, doch darum ging es in diesem Fall noch nicht einmal.
„Ja, aber nicht nur. Sie hat eine Affinität zu Laxus‘ Magie, ganz im Gegensatz zu meiner, mit der sie sich nie verbunden gefühlt hat.“ Sie fuhr sich müde mit der Hand über die Augen.
Erza und Mira versteiften sich, als sie die Reichweite dieser Aussage begriffen. „Lexy braucht die Magie ihres Vaters“, flüsterte Mira mit bleichem Gesicht und warf einen Blick auf Lexy. Diese feierte in dem Moment jubelnd ihren Sieg im Memory gegen Lily. Dann rannte sie zu Gildarts, um ihm alle gefundenen Kartenpaare zu präsentieren.
Gray war der Einzige, der ebenfalls verstand, während alle anderen mehr oder weniger ratlos dreinblickten. Bis auf Natsu, der auf Weiteres ausgeknockt sein würde. „Deshalb bist du zurückgekehrt“, meinte er langsam und blickte sie prüfend an. „Nur deshalb?“
Die Kartenmagierin schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, auch wenn es deshalb früher war als geplant“, gestand sie mit gesenktem Blick. „Wenn die Situation eine andere wäre, hätte ich länger gewartet, bis Lexy damit umgehen kann, ihr Vater würde vielleicht ... Nun, dass sie trotzdem nur eine Mutter hat, die sich um sie kümmert ... Aber eigentlich habe ich immer gewusst, das wird nicht eintreffen. Dafür hat Laxus zu sehr mit seinem eigenen Vater zu kämpfen gehabt, um das seiner Tochter anzutun. Ich hatte einfach Angst. Doch jetzt ist es genauso schwierig, wie ich es mir ausgemalt habe. Aber dennoch bei Weitem nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.“ Sie blickte alle der Reihe nach an, während sie lächelte. „Ich habe nie bedacht, was es heißt, den Rückhalt der Gilde zu genießen. Die ganze Zeit war ich überzeugt, es würde nur um drei Personen gehen: Laxus, Lexy und mich. Doch eigentlich geht es hier um die komplette Gilde, was die gesamte Sache um ein Unendliches leichter macht.“

+++


Lexy blickte hinüber zu ihrer Mutter und sah, wie diese in einer Art Gruppenumarmung versunken war, an der sich der ganze Tisch beteiligte. Sie runzelte die Stirn, dann blickte sie zu ihrem Großvater auf.
„Jii-jii, was macht Mama da?“ Sie zeigte mit dem Finger auf den Haufen, der sich immer noch nicht voneinander gelöst hatte, sondern sich noch fester zusammenzuziehen schien. Zu ihrer Überraschung lächelte Gildarts überglücklich. So hatte Lexy ihn das letzte Mal gesehen, als Cana ihm eröffnet hatte, nach Magnolia zurückkehren zu wollen.
„Deine Mutter ist nun endgültig wieder zu Hause.“

+++


Hibiki begleitete Cana abends nach Hause, wo sie ihn kurzerhand auf einen Drink einlud. Eigentlich war Lexy der Grund, denn sie wollte unbedingt, dass er bei ihr blieb, bis sie eingeschlafen war. Das war in Blue Pegasus eine wöchentliche Tradition gewesen und solange der Trimens Gastmagier in Fairy Tail war, bestand Lexy immer noch darauf.
Cana war das recht, denn sie hatte mit ihm noch ein paar kleine Dinge zu klären. Also setzten sie sich, nachdem Lexy eingeschlafen war, zusammen auf die kleine Couch im Wohnzimmer. Beziehungsweise Hibiki setzte sich, während sich Cana quer hinlegte, sodass ihre Beine über seinem Schoß lagen. Das war die Position, die sich bei ihnen bei ernsten Gesprächen eingeprägt hatte, egal wie irritierend sie auf die Umstehenden gewirkt hatte.
„Wann willst du mit Aufträgen anfangen?“, begann Hibiki das Gespräch, denn er wusste, in welche Richtung dieses laufen würde. Das war der Hauptgrund, warum er überhaupt den Antrag als Gastmagier gestellt hatte.
„Ich weiß es noch nicht. Vielleicht übermorgen“, murmelte sie und starrte an die weiße Holzdecke. „Irgendwie muss ich es Lexy beibringen. Sie kennt das nur von euch, ich war ja immer in der Gilde hinter der Theke und habe da meine Jewel verdient. Dass ich nun auch öfters weg bin, wird sie noch lernen müssen.“
„Ich kann den Tag über auf sie aufpassen.“  
Sie lächelte ihn an. „In der Gildenhalle wird sie beschäftigt sein, daher sollte das nicht allzu anstrengend werden. Ich mache mir hauptsächlich Sorgen, wenn ich über Nacht wegbleiben sollte. Gildarts mag zwar vieles sein, aber mit einer weinenden Enkeltochter ist er immer noch heillos überfordert.“ Sie lachte kurz. „Tränen und männliche Magier passen in Fairy Tail nicht zusammen. Ich kenne keinen, der dieser Situation gewachsen ist.“
Hibiki zuckte unbehaglich mit den Schultern. „Jeder muss Schwachstellen haben“, murmelte er.
Cana wusste genau, dass auch er Probleme mit weinenden Frauen hatte und verkniff sich ein Lachen. „Ich werde die nächsten Tage nach einem geeigneten Auftrag schauen.“
„Du kannst dir gleich überlegen, wie du es Laxus erklären willst, während du den Kopf frei hast. Er wird dir später helfen müssen. Du weißt genau, du kannst es dir nicht leisten, wenn er zu diesem Zeitpunkt nicht gut auf dich zu sprechen ist. Du weißt selbst, was für ein wechselhaftes Wesen Magie haben kann, wenn man negative Gefühle gegenüber jemandem hegt, der einem am Herzen liegt.“
Sie starrte blicklos in die Leere. „Ich kann es ihm nicht sagen, ohne dass er es negativ aufnehmen wird. Wenn du auf einmal erfahren würdest, dir wurde eine fünfjährige Tochter die ganze Zeit verheimlicht, würdest du auch nicht ohne Enttäuschung und Wut reagieren.“
Ein tiefes Seufzen entfuhr dem Trimens. Diese Diskussion war schon viel zu oft aufgekommen. Keiner von ihnen beiden hatte dabei die Meinung geändert „Ich habe es dir schon immer gesagt. Du solltest es ihm beichten. Je früher, desto besser, denn es wird mit der Zeit immer schlimmer. Du siehst selbst, an welchem Punkt du jetzt angelangt bist. Laxus wird sich nicht so schnell wieder beruhigen. Dazu hat ihn deine Rückkehr viel zu sehr aus der Fassung geworfen, wenn ich das richtig durch die Reaktionen der anderen mitbekommen habe. Es wird nicht leichter, je mehr Zeit du verstreichen lässt. Tu es einfach, bevor es zu spät ist. Du brauchst nichts anderes, als seine negativen Gefühle rein auf dich zu lenken, damit er Lexy ohne Vorbehalte helfen wird. Immerhin ist sie sein Fleisch und Blut und er wird die verlorenen Jahre mit ihr aufholen wollen. Entweder mit oder ohne deiner Gesellschaft, aber das hängt allein von euch beiden ab.“
Die Kartenmagierin biss sich auf die Lippen, während sie ein weiteres Mal gegen die Hoffnungslosigkeit und Angst kämpfte, die sie bei diesen Gedanken immer zu überwältigen drohten. „Ich kann selbst nichts dagegen machen. Natürlich werde ich es ihm sagen. Aber wenn er mich dann hasst ... Ich weiß nicht, ob ich das lange durchhalten kann oder wieder verschwinde. Ihn im Ungewissen lassen war schlimm genug, aber das ist besser, als jeden Tag mit einem Blick angeschaut zu werden, der eher zu Ungeziefer passt ...“
Sie hätte noch weitergeredet, wenn sie von Hibiki nicht vom Sofa hochgezogen worden wäre. Der Blue Pegasus Magier hielt sie eine Armlänge von sich entfernt fest an den Schultern gepackt. Sein Blick war so ernst und durchdringend wie in den wenigen Momenten, wenn er etwas furchtbar Wichtiges zu verlieren hatte.
„Überwinde endlich deine Angst, die dich schon deine gesamte Existenz daran hindert, ungestört dein Leben zu genießen. Das hat dich damals schon Jahre mit deinem Vater gekostet. Willst du Lexy nur wegen deiner unglaublich törichten Angst genau dasselbe antun, damit sie so endet wie du? Immer im Ungewissen, was ihr Vater wohl von ihr halten würde? Das mag ihr jetzt noch nicht so bewusst werden, doch irgendwann wird sie sich die Frage stellen, warum sie keinen Vater hat. Sie wird sich nicht mehr mit deinen Ausflüchten zufriedengeben. Jedes Kind wird einen fehlenden Elternteil auf sich selbst schieben, ganz egal, was die Mutter einem auch erzählt. Glaube mir, ich spreche aus Erfahrung. Das wird sie im schlimmsten Fall ihre unbeschwerte Kindheit kosten. Das hat Lexy nicht verdient. Nicht, wenn sie die Chance auf eben diese Kindheit hat – mit beiden Elternteilen.“

+++

Und damit wäre das neue Kapitel auch schon wieder zu Ende. Ich weiß, Laxus kommt hier überhaupt nicht vor, aber wie die Überschrift schon verrät, gab es einige Dinge zu klären.
Ist euch die bisherige Nicht-Erwähnung von Levy aufgefallen? Und wie sehr überrascht euch die Situation zwischen ihr und Gajeel? Ich verrate gleich, in den nächsten Kapiteln wird es auch Levys Sichtweise geben.
Wie findet ihr Hibikis Einstellung zu Canas Problem? Und keine Angst, er wird als guter Freund in den nächsten Kapiteln vermehrt auftauchen ^^
Bis zum nächsten Mal!
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