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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
38
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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29.08.2021 1.301
 
Epilog – Eine neue Perspektive

Laxus erwachte allmählich aus seinem leichten Schlaf und öffnete langsam die Augen, um für ein paar Augenblicke an die Decke zu starren. Einmal mehr hatte er so gut geschlafen wie … Noch nie, zumindest soweit er sich erinnern konnte. Doch in den letzten Monaten war für ihn Schlaf zu dem geworden, was er eigentlich sein sollte: Erholung und Entspannung, um am nächsten Tag wieder neue Energie zu haben. Was bei ihm jahrelang nicht funktioniert hatte, da ihn nachts regelmäßig die Gedanken heimgesucht hatten, die er sich tagsüber verbat. Jetzt hingegen hatte er seinen inneren Frieden gefunden, was hauptsächlich an zwei Personen lag. Von denen eine mit ihm sein Bett teilte.
Wie von selbst glitt sein Blick zu seiner linken Seite, wo Cana nach wie vor selig schlummerte. Unter der dünnen Bettdecke – es war mittlerweile Frühling – sah er deutlich ihren gewölbten Bauch. Ein Anblick, der ihn nach wie vor mit sprachlosem Stolz erfüllte. Sein Kind. Nein, ihr Kind. Ihr zweites gemeinsames Kind, dessen Geschlecht sie nicht wussten. Sie hatten sich bewusst dagegen entschieden, um Lexy die Vorfreude nicht zu nehmen. Denn diese bestand darauf, erst bei der Geburt zu erfahren, ob sie eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder bekam.
In den letzten Monaten war einiges geschehen und waren es durchweg positive Dinge gewesen. Endlich einmal. Lexy war nach ihrer Operation drei Tage später aus dem Krankenhaus entlassen worden und seitdem ging es ihr blendend. Teilweise zu blendend, denn mit ihrer Genesung hatte sie an Energie gewonnen und es war schwer, die energiegeladene Sechsjährige zu stoppen. Insbesondere für Cana, die immer mehr mit ihrer Schwangerschaft zu kämpfen hatte. Zwar ließ sie es sich nicht anmerken, doch sie war sehr empfindlich bei Essen, von Gerüchen und Geräuschen ganz zu schweigen. Laxus hatte sie schon oft dabei beobachtet, wie sie kurz innehielt und blass wurde, bevor sie tief durchatmete und sich ein Lächeln auf die Lippen zwang. Was jedes Mal für eine neue Welle an Liebe in ihm sorgte, auch wenn er kein Freund davon war, dass sie ihre Unbehaglichkeiten so überspielte. Doch er wusste um diesen Charakterzug und achtete deshalb genau auf Canas Reaktionen. Was Cana hingegen nicht verbergen konnte, war ihre schnelle Erschöpfung, wenn sie sich körperlich betätigen musste. Das betraf sowohl alltägliche Dinge wie längere Strecken als auch ihr Sexleben, doch darauf verzichtete Laxus unter diesen Umständen gern.
Laxus spürte, wie sich ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete, als er über seine Freundin nachdachte. Cana war eine Kämpferin und er war froh darum. Sonst wären sie vermutlich nicht zusammengekommen oder zusammen geblieben. Er machte sich keine Illusionen über sein Mitwirken in dieser Angelegenheit. Ihre Beziehung, die für ihn bis ans Ende ihrer Tage bleiben würde, war hauptsächlich Cana zu verdanken. Der wunderschönen, erwachsenen, reifen, zu selbstkritischen und zu selbstaufopfernden Cana, die in seinen Augen die beste Mutter der Welt war.
Seine Gedanken flogen zu dem Ring, den er vor einigen Tagen bei einem Juwelier entdeckt hatte, als Lexy auf die gleichen Oberarmreifen bestanden hatte, die Cana noch immer trug. Da er Lexy diesen Wunsch nicht abschlagen konnte, waren sie in diesem Laden gelandet, der auch Verlobungs- und Hochzeitsringe verkaufte. Lexy hatte ihn regelrecht gezwungen, diese anzuschauen, und tatsächlich hatte ihm einer gefallen. Gekauft hatte er ihn trotzdem nicht.
Cana und er hatten nie über eine mögliche Ehe geredet. Er wusste nicht, wie sie darüber dachte. In den letzten Wochen hatten sie den Großteil ihrer Zeit mit der Einrichtung ihres neuen Hauses in einem ruhigen Randbezirk von Magnolia verbracht. Mit anderen Worten war keine Zeit gewesen, tiefgründige Gespräche über eine Hochzeit anzufangen.
Lexy hatte von ihrem zukünftigen Status als große Schwester direkt nach ihrer Entlassung erfahren. Indem sie, im Gegensatz zu ihm, Canas veränderten Geruch erkannt und richtig gedeutet hatte, was Laxus noch immer insgeheim frustrierte. Ihre Begründung war Malys Stiefmutter gewesen, deren Geruch ähnlich gewesen war. Laxus vermutete, dass Kinder intuitiver waren als Erwachsene, oder weibliche Dragon Slayer intuitiver als ihre männlichen Vertreter. Auf jeden Fall war Lexy euphorisch gewesen und diese Freude hatte keinen Tag nachgelassen. Natürlich hatte es sich Lexy nicht nehmen lassen, diese Neuigkeiten bei der nächsten Gelegenheit lauthals in der Gilde zu verkünden, doch er und Cana waren darauf vorbereitet gewesen. Immerhin war eine Sechsjährige relativ einfach zu durchschauen.
Neben ihm stieß Cana ein undeutliches Murmeln aus und er fuhr ihr mit seiner Hand durch die Haare. Sie seufzte und veränderte ihre Kopfhaltung etwas, nur um friedlich weiterzuschlafen. Laxus gönnte es ihr, denn längeres Schlafen war für Cana schwierig und sie hatte angedeutet, dass sich das noch verschlimmern würde. Deshalb waren sie und auch er um jede längere Nacht froh.
Laxus spürte abermals, wie sich in ihm der innere Frieden ausbreitete, nach dem er sich jahrelang gesehnt hatte. Dieses Gefühl hatte er das letzte Mal als Kind verspürt und erst nach Canas Rückkehr war es sporadisch wieder aufgetaucht. Wann immer er mit ihr und Lexy zusammen war, war es aufgetreten. Seit Lexys Operation und der Ankündigung des weiteren Nachwuchses war es ein beständiges Gefühl geworden. Es schwebte stets im Hintergrund seiner mentalen Welt und machte jede noch so anstrengende Situation erträglich. Selbst hirnlose un unsinnige Diskussionen in der Gilde, die ihn früher über alle Maßen gereizt hatten, ließen sich nun einfach ignorieren.
Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. Sein Leben hatte sich in den letzten Monaten vollkommen verändert und obwohl er mit Veränderung normal nicht umgehen konnte, war diese das Beste gewesen, was ihm je passiert war. Inzwischen war er so zufrieden mit seinem Leben, wie er nur sein konnte. Er hatte eine wunderbare Freundin, eine für ihn perfekte Tochter und bald ein zweites Kind von der Frau, die er mehr als alles andere auf der Welt liebte.
Alles, was in den letzten Jahren aus den Fugen geraten war, hatte sich Schritt für Schritt wieder zusammengefügt. Es war so, wie er sich seine Zukunft insgeheim immer vorgestellt hatte.
Mit diesen glücklichen Gedanken legte er sich wieder hin, zog Cana in seine Arme und ließ sich abermals vom Schlaf übermannen.
+++

Und damit ist diese Geschichte wirklich beendet. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, was ich sagen soll.
Als ich angefangen habe, die Geschichte hochzuladen, war das eher ein persönlicher Tritt in den Hintern, diese endlich fertigzuschreiben. Um es etwas zu verdeutlichen: Das erste Kapitel dieser Geschichte wurde am 20.09.2013 (!) erstellt. Für die ersten elf Kapitel habe ich drei Jahre gebraucht, Kapitel 12 dauerte allein weitere drei Jahre. Erst letztes Jahr im Juni kam Kapitel 15 dazu. An dem Tag, an dem hier das erste Kapitel online ging.
Ihr merkt, wie schwer ich mich damit tue, ohne Veröffentlichungen am Ball zu bleiben. Deshalb habe ich letztes Jahr beschlossen, mich mit dem Hochladen selbst unter Druck zu setzen, um die Geschichte zu beenden. Und 66 Kapitel später ist es tatsächlich so gekommen.
Ich hätte nie gedacht, wie unglaublich gut meine Geschichte von euch angenommen wurde. Die Aufrufe, Rückmeldungen, Favoriten und Empfehlungen haben alles gesprengt. Nach wie vor weiß ich nicht, wie das so explodiert ist, denn das ist es. Am heutigen Tag verzeichnet diese Geschichte knapp 21.000 Aufrufe, damit ihr euch das vorstellen könnt und ist damit meine zweitmeist aufgerufene Geschichte. Und die andere ist sechs Jahre älter.
Vielen lieben Dank dafür, ich kann es gar nicht oft genug sagen. Auch dank eurem Interesse, ganz besonders eurem Input in den Rückmeldungen, ist diese Geschichte deutlich länger geworden als ursprünglich geplant. Ihr habt mir Details geliefert oder Fragen gestellt, die ich mit in die Geschichte aufgenommen habe.
Damit bleibt mir nicht mehr zu sagen. Die letzten eineinviertel Jahre – unglaublich, wie die Zeit vergeht – waren ein wahrer Genuss. Es war nicht immer einfach und ich habe mich durch mehrere Blockaden gekämpft, aber es hat funktioniert. Jetzt kann ich diese Geschichte als abgeschlossen kennzeichnen und mich zufrieden zurücklehnen.

Allerliebste Grüße, Angel
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