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Schritt für Schritt

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P16
Cana Alberona Gajeel Redfox Laxus Dreyar Levy McGarden
04.06.2020
21.01.2021
34
116.215
24
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09.07.2020 3.263
 
Kapitel 6 – Befreiendes Gewitter

Cana öffnete erst den Mund, als sie und Laxus allein im Büro des Gildenmeisters waren.
„Es ist nicht so, wie du denkst ...“, fing sie an, doch Laxus schaute sie weiterhin mit diesem Blick an, bei dem sie verstummte und am liebsten die Flucht ergreifen würde.
„Wer ist Lexys Vater?“
Ihr blieb die Luft weg. Mit allen möglichen Fragen und Anschuldigungen hatte sie gerechnet, doch nicht mit dieser. Verzweifelt öffnete sie den Mund, doch ihr fielen keine Worte ein. Sie schloss ihn wieder und schüttelte langsam den Kopf. Das konnte sie ihm nicht sagen. Nicht in diesem Augenblick, wenn er schon so gereizt war. Er würde es nur negativ aufnehmen. Sie musste es ihm zu irgendeinem anderen Zeitpunkt sagen, wenn er dazu bereit war. Das war definitiv nicht heute oder die nächsten paar Tage, denn sie merkte selbst, wie anstrengend es für sie beide war. Von den ewigen Spannungen ganz zu schweigen, die zwischen ihnen lagen.
„Nun, für mich ist die Sache eindeutig klar“, stieß Laxus erbittert hervor. „Du hast damals Panik bekommen - und schau mich nicht so an, du weißt selbst, was damals kurz vor deiner Flucht zwischen uns passiert ist!“
„Wie könnte ich das denn vergessen?“, antwortete sie, nun den Tränen nahe. Immerhin stand ihr das Ergebnis jeden Tag vor Augen und erfüllte ihre Welt mit so viel Glück, wie sie es nie für möglich gehalten hätte. Nur war es nicht perfekt gewesen. Dafür hatte der Partner gefehlt, der all diese wunderschönen Erfahrungen mit ihr geteilt hätte.
„Anscheinend schon! Ich wollte damals mit dir reden, sobald ich von meinem Auftrag zurückgekommen war! Das habe ich dir sogar direkt in dein Gesicht gesagt. Das war nur ein paar Wochen später! Ein paar Wochen, nachdem ich dir noch vor meiner Abreise gesagt habe, mit dir über uns beide reden zu wollen! Aber was erfahre ich, als ich wieder zurückgekehrt bin? Du bist einfach abgehauen, in einer Nacht- und Nebelaktion! Niemand konnte mir irgendetwas erzählen, weder den Grund noch den genauen Zeitpunkt. Gramps ist allen Fragen ebenfalls ausgewichen, egal wie sehr ich auch -“ Er brach ab und fasst sich an die Nasenwurzel, wie um sich zu beruhigen und sich zu sammeln.
Derweil kämpfte Cana immer mehr gegen die Tränen an, die unaufhaltsam in ihr aufstiegen. Er musste es ihr nicht schildern, sie hatte dieses Gespräch nach ihrer gemeinsamen Nacht oft genug innerlich wiederholt und sich daran festgehalten, wenn ihr Lexy zu viel wurde. Ihr Verschwinden war das Richtige gewesen, davon war sie immer noch überzeugt. Aber wie konnte etwas Richtiges so viel Schmerz und Leid verursachen? Bei Mavis, wieso hatte es so kommen müssen? Wieso musste alles in ihrem Leben so kompliziert sein, wieso konnte nichts ohne Probleme geschehen?
„Du hast keine Ahnung, was du damit angerichtet hast.“ Laxus‘ Tonfall war noch bitterer geworden. „Und anscheinend hat es dir auch nichts ausgemacht, wenn ich mir den Zeitpunkt deiner Flucht anschaue und deine Tochter. Du hast dich gleich in die Arme des Nächstbesten gestürzt, nicht wahr? Ohne auch nur einen einzigen Gedanken an meine Bitte verschwendet zu haben. Ich bin nicht blind: Ich sehe doch die Ähnlichkeiten zwischen Lexy und diesem Womanizer.“
Vor Schock versiegten die Tränen. Cana schaute Laxus fassungslos an. Glaubte er ernsthaft, Hibiki ...? Doch in seinen Augen sah sie die bittere Gewissheit. Sie konnte nicht sagen, ob sie erleichtert oder verletzt sein sollte. Hibiki hatte zwar grünbraune Augen und eine dunkelblonde Haarfarbe. Aber davon auf Lexys Vaterschaft zu schließen, reichte ihm das aus? Dann fiel ihr ein, dass Laxus vor ihrem Verschwinden von ihren Verhütungstränken gewusst hatte, nicht jedoch von dem vergessenen Trank an diesem Tag. Aber das war jetzt nebensächlich. Im Moment konnte sie mit Laxus‘ Annahme über die Vaterschaft von Lexy leben, auch wenn er sie dafür offensichtlich zu verachten schien. Doch was war, wenn es an der Zeit war, ihm die ganze Wahrheit zu erzählen? Sie brauchte ihn. Nicht für sich, sondern für Lexys Wohlergehen. Noch hatte sie etwas Zeit, zumindest hatten ihr das die Heiler gesagt. Doch wie lange sie noch Zeit hatte, das hatten sie ihr nicht genau sagen können. Vielleicht Monate oder Jahre, aber auch nur noch Wochen wären möglich, hatte Heiler Alvarez auf ihre verzweifelte Frage geantwortet. Auf jeden Fall früher oder später, das war Gewissheit.
Doch Laxus war noch nicht fertig. „Du warst kurz vor deinem Verschwinden für den Master bei Blue Pegasus, nicht wahr? Lass mich raten: Es hat ein einziger Abend für Hibiki gereicht, um dich komplett um den Finger wickeln zu können. Das kann er nämlich am besten: Frauen innerhalb kürzester Zeit  zu bezirzen, bis sie ihm vollständig hörig sind. Ich hatte auch schon das Vergnügen, auf ihn zu treffen. Aber eigentlich hätte ich nicht gedacht, du würdest ihm ebenfalls so schnell zu den Füßen liegen. Doch wie man sieht, hat es hervorragend funktioniert und ihr habt sogar eine gemeinsame Erinnerung an eure - Was auch immer ihr da habt!“
Cana schüttelte betäubt den Kopf. „Nein ... Laxus, es ist -“
Doch der Blitzmagier schnitt ihr das Wort ab, indem er bitter auflachte. „Und ich habe gedacht ... Aber egal. Offensichtlich war das nie der Fall und es wird auch nie dazu kommen. Eines solltest du dir merken: Egal ob du zur Gilde gehörst oder nicht, ich verachte Personen wie dich. Ob du bleibst oder nicht, kann mir völlig egal sein. Wobei, das ist es noch nicht einmal. Du kannst in meinen Augen gar nicht wieder schnell genug verschwinden.“ Mit diesen Worten marschierte er mit wütenden Schritten aus dem Raum.
Cana sank auf den nächstbesten Stuhl und vergrub das Gesicht in den Händen. Sie fühlte sich schlicht und ergreifend ausgelaugt. Nicht nur wegen des Streits mit der Person, die sie in der nächsten Zeit brauchen würde, sondern wegen der letzten Wochen, die ihr all ihre innere Stärke geraubt hatten. Laxus würde sich wieder beruhigen, doch es war schwierig, den Zeitpunkt einzuschätzen. Sie kannte nur den früheren Laxus, mit dem Jetzigen konnte sie nicht viel anfangen. Sie konnte nur hoffen, er würde sich beruhigt haben, bevor Lexy und sie seine Hilfe brauchen würden.

+++


Die anderen Fairy Tail Magier sahen Laxus wutentbrannt aus der Richtung des Büros stürmen, doch er schenkte ihnen keinen einzigen Blick, sondern verschwand innerhalb von Augenblicken aus dem Gildengebäude. Fast so, als ob er seine Magie eingesetzt hätte.
Mira runzelte besorgt die Stirn. „Lucy, Juvia, wir schauen nach Cana.“ Die beiden nickten und eilten bereits voraus. Dann richtete die Magierin das Wort an den versammelten Rest. „Wer von euch kann am besten mit Laxus umgehen?“
Die Raijinshuu warfen sich gegenseitig Blicke zu, doch Grays und Natsus Blicke blieben an einer rothaarigen Magierin hängen. Mira schien fast denselben Gedanken zu hegen.
„Erza, geh du mit Freed Laxus hinterher. Verwickelt ihn in kein Gespräch, beobachtet einfach nur sein Verhalten. Er wird zwar kaum nach außen hin seine Wut ablassen, sondern sich in seiner Wohnung austoben, aber sicher ist sicher. Ich bin nicht sicher, inwiefern ihn Cana aufgewühlt hat, geschweige denn, was sie gesagt hat. Wenn wir weitere Informationen haben, schicken wir euch Happy mit diesen.“
Erza nickte. „Falls und Laxus etwas erzählt, werden wir uns direkt etwas überlegen. Laxus und Cana brauchen einander, auch wenn das jetzt unmöglich aussieht. Und Lexy braucht einen Vater, das ist am wichtigsten.“ Ihr Blick schweifte kurz das kleine Mädchen, das Gildarts gestenreich eine Geschichte erzählte und zum Glück nichts von der Situation mitbekommen hatte. Gildarts warf Erza einen prüfenden Blick zu, nickte aber, als er ihre Miene bemerkte. Sie hatte bemerkt, wie er alles mitbekommen hatte, doch er würde Lexy weiterhin ablenken. Natürlich hatte er ebenfalls nur das Beste für seine Enkeltochter im Sinn und das war nun einmal der fehlende Elternteil.

Lucy war die Erste, die die Bürotür erreichte. Mit einem Blick erfasste sie die Situation: Cana, die auf einem Stuhl saß wie ein Häufchen Elend und das Gesicht in den Händen vergraben hatte. Dazu das wutentbrannte Fortstürmen von Laxus. Sie konnte sich an zwei Fingern abzählen, was ihr Streitpunkt gewesen war.
„Cana?“, fragte sie behutsam und trat langsam zu ihrer Freundin, Juvia und Mira dicht hinter ihr.
Cana schaute hoch und die drei erschraken bei der Hoffnungslosigkeit, die in ihrem Blick lag. Von den geröteten Augen ganz zu schweigen, die einen drohenden Tränenüberfluss ankündigten. „Er ... Laxus ist der Meinung, Hibiki wäre ... Oh Mavis, was soll ich nur machen?“ Die letzten Worte klangen wie ein Schluchzen.
Sofort wurde sie von ihren drei Freundinnen hochgezogen und tröstend in die Arme genommen. Dort fing Cana erst einmal an, bitterlich zu schluchzen. Die ganze Anspannung durch die Situation mit Laxus seit den letzten Jahren und vor allem seit ihrer Rückkehr, brach jetzt mit aller Gewalt aus ihr heraus und ließ sie auch nicht so schnell wieder los. Es dauerte lange, bis sie ihren Gefühlsausbruch halbwegs unter Kontrolle brachte. Doch die anderen wichen keinen Zentimeter zurück, sondern ließen sie in vollem Umfang ihre Emotionen ausleben.
Irgendwann hatte sie sich wieder beruhigt und Juvia reichte ihr schweigend ein Taschentuch, mit dem sie sich die Spuren ihrer Tränen von den Wangen wischte.
Mira ergriff dieses Mal das Wort. „Laxus ist also der Meinung, Lexys Vater sei Hibiki?“
Cana nickte wortlos und unterdrückte ein erneutes Schluchzen. Sie hatte genug Tränen vergossen. Jetzt hieß es, sich zusammenreißen und den anderen alles zu schildern, was sich zwischen ihr und Laxus zugetragen hatte.
„Ich ... Er hat Lexy gerettet. Also Laxus. Vorher, bevor wir uns hier ... Wo soll ich überhaupt anfangen?“, fragte sie hilflos in den Raum.
Juvia, die in solchen Situationen am besten klar denken konnte, legte ihr beruhigend die Hand auf den Arm. „Juvia ist der Meinung, Cana sollte mit der ersten Begegnung mit Laxus anfangen.“
Mira nickte bestätigend. „Wir haben mitbekommen, dass Laxus dich und Lexy schon vor der Gilde irgendwo getroffen hat. Anscheinend war da noch alles gut - bevor er von unserem neuen Gastmagier erfahren hat.“
Die Kartenmagierin atmete tief durch. „Lexy ist auf die Straße gerannt und wäre beinahe von einem Wagen überfahren worden.“ Die drei wurden blass bei dem Gedanken, doch Cana lächelte versonnen. „Auf einmal war Laxus da. Er stand mit ihr auf dem Gehweg auf der anderen Seite. Mavis sei Dank ist seine Geschwindigkeit durch seine Magie um ein Vielfaches höher als meine. Ich hätte Lexy niemals rechtzeitig erreicht. Er hat mich vorher bereits gesehen ... Und als er Lexy erkannt hat, war er zwar geschockt, aber nicht wütend.“ Ihr Gesicht verdunkelte sich, als sie leiser weitersprach.„Ich habe wirklich gedacht, es würde ihm nichts ausmachen. Er war zwar deutlich überfordert, doch er hat nichts gegen mich oder Lexy gesagt und ich hatte gehofft, es würde einfacher werden als befürchtet. Doch dann erfuhr er von Hibikis Besuch und ich habe ihm erzählt, die ganze Zeit bei Blue Pegasus gewesen zu sein. Seine Reaktion kennt ihr“, meinte sie mit belegter Stimme.
„Wieso Hibiki? Blue Pegasus besteht aus mehr als einem gut aussehenden Mann“, fragte Lucy nachdenklich.
„Hibikis Aussehen“, antwortete die Brünette bitter. „Er hat zwar hellbraune Haare und grünbraune Augen, aber das reichte Laxus als Beweis.“
Mira schüttelte den Kopf. „Er wird schnell dahinterkommen. Es ist immerhin Laxus und nicht Natsu.“
„Hey“, warf Lucy ein. „Natsu hat sich gebessert.“
„Natsu hat sich nicht in allen Bereichen verbessert“, entgegnete Juvia und zu Canas grenzenloser Überraschung lief die Stellarmagierin scharlachrot an. Doch abgesehen von einer hochgezogenen Augenbraue ließ sie keine Reaktion zu. Im Moment hatte sie andere Probleme als eine eventuelle romantische Krise zwischen ihrer Freundin und dem Feuer Dragon Slayer.
„Du solltest warten, bis sich Laxus wieder beruhigt hat und er wieder mit dir reden kann, ohne gleich Lexy in seinem Kopf zu haben.“ Miras Aussage machte Sinn, doch Cana war verzweifelt.
„Ich habe nicht unbegrenzt Zeit. Lexy hat nicht unbegrenzt Zeit, um genau zu sein“, meinte sie wieder den Tränen nahe. „Wenn es zu spät ist, dann ... Lexy ist mein Leben, ich kann nicht lange warten, bis ich es ihm sagen muss! Ich brauche Laxus, damit Lexy -“ Sie brach ab und schluckte trocken, sich der verwirrten Blicke ihrer Freundinnen bewusst. Doch sie konnte es noch nicht sagen. Neuigkeiten dieser Art würden nie lange ein Geheimnis bleiben und so war es nur eine Frage von Tagen, bis diese Laxus erreichen würden. Und sie musste sich seiner Unterstützung sicher sein, bevor sie es ihm beichtete.
„Du kannst es nicht sagen“, erkannte Juvia die Situation und Cana nickte etwas ängstlich. Sie würde es ihnen sagen, aber erst im passenden Augenblick. Dieses Wissen war keine kleine Bürde und das würde sie ihren Freundinnen nicht antun. Das war etwas, was sie selbst regeln musste, da sie an der ganzen Situation Schuld war. Wenn sie damals nicht geflüchtet wäre, würde sie dieses Problem nicht haben, sondern im besten Falle mit Laxus zusammen ihre Tochter aufziehen. Und Lexy hätte nie nach ihrem Vater fragen müssen. Sie hätte nicht nur einen Großvater gehabt, sondern sogar einen Urgroßvater. Sofort verbot sie sich diesen Gedankengang. Sie war diese Theorie schon zu oft durchgegangen, um sich erneut darüber den Kopf zu zerbrechen, ob sie damals die richtige Entscheidung getroffen hatte. Zu viele schlaflose Nächte hatte sie bereits deswegen verbracht und die Vergangenheit konnte man nicht einfach ändern, egal wie sehr man es sich wünschte.
„Warte einfach, bis es sich zwischen euch wieder etwas abgekühlt hat. Laxus ist in den sieben Jahren auch reifer geworden, er wird sich in den nächsten Tagen beruhigen“, meinte Mira zuversichtlich. Cana konnte diese Zuversicht nicht ganz teilen, doch im Gegensatz zu Mira kannte sie den Laxus der Gegenwart nicht. Und wenn sie an den Vorfall mit Lexy zurückdachte, hatte sie dort schon erwartet, dass er ausflippen würde. Vielleicht würde sich alles ohne Probleme ineinanderfügen. Laut den Fachleuten hatte Lexy noch mindestens ein Jahr, bevor die Situation wirklich brenzlig wurde. Jetzt hieß es nur noch abwarten und hoffen.

+++


Erza und Freed waren währenddessen Laxus gefolgt. Sie hatten nicht wirklich auf Tarnung geachtet, sodass der Blitzmagier sie mit Sicherheit bemerkt hatte. Doch er machte keine Anstalten, sie abzufangen, sondern lief weiter zu seiner Wohnung.
„Laxus ist reif genug, um mit der Situation umzugehen“, raunte Freed Titania zu, doch diese war nicht ganz überzeugt.
„Bis zur Wohnung folgen wir ihm noch. Wenn dort auch nach einiger Zeit nichts Auffälliges passiert, können wir wieder gehen. Ich weiß, du vertraust ihm. Doch du weißt ebenfalls, wie er schon immer auf Angelegenheiten reagiert hat, in die Cana verwickelt war.“
Freed nickte mit düsterem Gesicht, denn jedem in der Gilde war Laxus‘ verzweifeltes Suchen noch gut in Erinnerung.

An der Haustür drehte sich der Blitzmagier zu beiden um und sie erschraken angesichts des leeren Gesichtsausdruckes.
„Wollt ihr auch mit hineinkommen, damit ich nichts Unüberlegtes anstelle?“, fragte er mit einem gezwungenen Lachen. „Zumindest nicht mehr, als ich ohnehin schon getan habe?“
Rasch tauschten die beiden einen Blick und nickten einhellig.
„Wir lassen dich nicht allein. Nicht um deiner Wohnung Willen, sondern wegen dir“, anwortete Erza entschieden. Laxus hob den Kopf und schaute sie entgeistert, aber mit dankbaren Augen an. Sie sah die unausgesprochene Frage in diesen und lächelte.
„Du gehörst ebenso zur Familie wie all die anderen, auch wenn du dich eher im Hintergrund hältst und in den letzten Jahren fast nie in Magnolia warst. Glaube nicht, auch nur einer deiner Gildenkameraden habe nicht mitbekommen, wie du immer wieder nach Cana Ausschau gehalten hast. Manche zeigen ihre Emotionen nicht mit Worten, sondern durch Taten und das war eine klare Aussage für uns alle. Wir haben alle mit dir mitgelitten und werden dir so lange zur Seite stehen, bis alles zwischen dir und Cana geklärt ist.“
Auf Laxus‘ Gesicht zeigte sich nun reine Dankbarkeit. Wortlos ging er in den Gang des Hauses und hielt ihnen auffordernd die Tür auf.
Freed und Erza nahmen die Einladung ebenso schweigend an. Beiden war bewusst, dass Laxus normalerweise nie Besucher mit in seine Wohnung nahm. Das Mitglied der Raijinshuu war ein paarmal, Titania noch nie in seiner Wohnung gewesen.
Die Wohnungseinrichtung sah relativ neu, aber unbenutzt aus. Überraschend für Erza war die freundliche Ausstrahlung, die die hellen Holzmöbel hatten. Zusammen mit dem dunklen Holzboden und den cremefarbenen Wänden war sie behaglich. Sie hatte nicht gedacht, dass der Enkel des Masters einen Sinn für Inneneinrichtung hatte. Wenn sie da an ihre chaotischen vier Wände in Fairy Hills dachte ... Nun, sie war kein Mensch, der sich groß Gedanken um Möbel und zueinander passende Farben gemacht hatte. Kurz erinnerte sie sich an Canas altes Zimmer in Fairy Hills und musste schmunzeln. Die Kartenmagierin hatte anscheinend einen ähnlichen Geschmack wie Laxus, was Möbel anging und Laxus‘ Wohnung war groß genug für zwei weitere Mitbewohner.
Freed, der sich auskannte, bedeutete ihr, sich auf das hellbraune Sofa zu setzen, während Laxus hinter einer der Türen verschwand. Sie konnte Gläser klirren hören, das musste die Küche sein. Bestimmt war sie ebenfalls neu und relativ unbenutzt.
Gerade als Laxus zurückkam, fiel ihr Blick auf den Kamin, der sich an der Wand zur Küche befand. Genauer genommen fiel ihr Blick auf das mit filigranen Ornamenten versehene Metallband, das oben auf dem Kaminsims lag. Sie kannte das Armband, auch wenn sie es seit etlichen Jahren nicht mehr gesehen hatte.
Laxus räusperte sich. „Es ist mir zu klein geworden, als ich sechzehn war.“ Ihm war ihr Blick aufgefallen. Erza schaute ihn mit großen Augen an und er fuhr sich verlegen durch die Haare.
„Cana hat es mir zu meinem vierzehnten Geburtstag geschenkt, gewissermaßen als Gegenleistung für ihre Oberarmspangen und die silbernen Armringe.“
„Cana hat ihre ebenfalls noch“, meinte sie, ohne Nachzudenken. Dann erstarrte sie und schaute den Blitzmagier vorsichtig an, doch der lachte nur bitter auf.
„Erinnerungen an alte Zeiten“, meinte er. „Ich sehe ja, was in ihrem Leben im Moment aktuell ist.“
Nun ergriff Freed, der sich auf den Sessel gegenüber von Erza gesetzt hatte, das Wort. „Cana ist wieder da, das allein zählt.“
„Sie hat ein verdammtes Balg mit diesem Schönling von den Trimens“, kam die hasserfüllt geknurrte Antwort.
„Magst du Lexy nicht?“ Auf Freeds betont neutrale Frage vergrub der Blitzmagier das Gesicht in den Händen. Er rührte sich etliche Augenblicke nicht mehr, während ihn die anderen beiden regungslos betrachteten und gespannt auf seine Reaktion warteten. Dann hob er den Kopf und seufzte.
„Lexy ... Sie ist ein Teil von Cana. Natürlich mag ich sie, sie sieht genauso aus wie Cana als Kind, nur -“ Er stockte, legte die Ellenbogen auf seinen Oberschenkeln ab und starrte ins Leere. „Wie kann man ein Kind hassen, nur, weil man mit der Wahl des Vaters nicht einverstanden ist?“
Die erleichterten Blicke, die sich seine Gäste zuwarfen, bekam er nicht mit. Erza räusperte sich wieder. Anscheinend war doch nicht alles so schlimm, wie sie und der Rest der Gilde befürchtet hatte. Das hier klang nach erheblich verletztem Stolz, aber nicht nach einer generellen Abneigung gegen das angebliche Kind mit einem anderen Mann. Jetzt war es an der Zeit, ihm etwas sehr Wichtiges klarzumachen, was er in seinem Emotionschaos offensichtlich vollkommen übersah.
„Cana ist ohne Lexys Vater zurückgekommen. Heißt das für dich gar nichts?“

+++

Nun ja, ein erster Zusammenprall war zu erwarten. Mich interessiert eure Meinung über Laxus' Reaktion: Ist sie okay bzw. gerechtfertigt oder doch überzogen?
Ich habe es bis jetzt immer vergessen zu erwähnen (Schande über mich): Vielen, vielen Dank für die Rückmeldungen! Mich freut es wahnsinnig, eure Meinungen und Überlegungen zum weiteren Verlauf der Story zu hören. Und gleichzeitig gibt mir jedes Review unglaublich viel Motivation, fleißig weiterzuschreiben, damit ich regelmäßig uploaden kann und so langsam finde ich auch einen durchgängigen Boden bis zum Ende der Story.
Da wir bei Bogen sind: Irgendwie lande ich bei den Kapiteln ständig bei Anspielungen auf Laxus' Magie - wie findet ihr das? Ich bin gerade am Überlegen, ob ich das weiterhin versuchen soll oder auch andere Überschriften suche.
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