Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
37
Alle Kapitel
219 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.06.2021 3.369
 
Kapitel 56 – Der letzte gemeinsame Morgen

Cana öffnete die Augen und starrte orientierungslos die Decke über ihr an, die nicht die ihres Schlafzimmers war. Das Rascheln einer Bettdecke neben ihr richtete ihre Aufmerksamkeit neben sie. Dann grinste sie, denn dieser Oberkörper konnte nur Laxus gehören. Dafür sprach auch die Tatsache, dass trotz der kühlen Temperaturen die Bettdecke nur die untere Hälfte seines Körpers bedeckte. Cana beneidete ihn um diese unmenschliche Eigenschaft, nicht zu frieren. Wobei es auch für sie perfekt war, denn sie hatte ihren ganz persönlichen Ofen, wann immer ihr kalt war. Und Laxus schien es nicht zu stören, wenn sie ihn regelmäßig als Wärmequelle für ihre kalten Hände oder Füße nutzte.
So wie jetzt, denn obwohl ihr nicht kalt war, strömte Laxus‘ Körper eine einladende Hitze aus, weshalb sie näher an ihn heranrückte.
Mittlerweile hatte sie auch Laxus‘ Schlafzimmer erkannt. Lexy hatte darauf bestanden, beim Master zu übernachten, weil sie das so lange nicht mehr getan hätte. Seit dem ersten Mal war sie regelrecht besessen davon, einmal in der Woche bei ihm zu schlafen. Makarov störte es nicht, ganz im Gegenteil. Und Cana genoss diese Abende, in denen sie mit Laxus allein war.
So wie gestern. Bei dem Gedanken daran, wie genau sie den Abend verbracht haben, verspürte sie abermals ein wohliges Kribbeln in ihrer Magengrube. Insbesondere, weil es nicht geplant gewesen war, denn sie hatten eigentlich essen gehen wollen. Kurzfristig hatten sie Essen bestellt, weil sie es nicht geschafft hatten, auch nur vor die Wohnungstür zu treten.
Cana wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sich Laxus bewegte und mit seiner Fingerspitzen ihre Seite entlangfuhr, offenbar noch im Schlaf. Sie hingegen spürte die Berührung wie eine Spur von prickelnden Flammen, die die dortige Haut zum Glühen brachte. Ein angenehmer Schauer durchlief ihren gesamten Körper bis in ihre Finger- und Zehenspitzen.
Laxus schien tief und fest zu schlafen, seine Gesichtszüge waren entspannt und ließen ihn etliche Jahre jünger erscheinen. Nur seine Narbe, die sich über sein rechtes Auge zog, störte dieses perfekte Bild.
Cana streckte ihre Hand aus und legte ihre Hand an seine Wange, an der sie die ersten Bartstoppeln spürte. Als sie ihn berührte, schlug er die Augen auf. Wortlos zog er sie näher an sich heran und vergrub das Gesicht in ihren Haaren, während er ein Brummen ausstieß.
„Du bist zu früh wach.“ Seine Stimme war vom Schlaf noch belegt.
„Ich war wohl nicht so müde wie du.“
Mit diesem einen Satz veränderte sich die Stimmung von entspannt zu elektrisiert. Nicht, dass Cana etwas dagegen gehabt hätte, denn Laxus würde heute zu seinem längeren Auftrag aufbrechen. Etwas, das ihr Bauchschmerzen bereitete, auch wenn sie es vor ihm und allen anderen nicht zugab.
„Oder du willst so viel von mir mitnehmen, wie es nur geht.“ Es war faszinierend, wie schnell Laxus diesen einen Tonfall angeschlagen hatte, wenn er sie verführen wollte. Zugegeben bedurfte das wenig bis keine Überredungskunst.
„Vielleicht“, murmelte sie. „Wie du gesagt hast, es ist noch früh.“ Vorsichtig löste sie sich etwas von ihm, um ihren Arm anzuwinkeln und den Kopf auf ihre Hand abzustützen. Dann lächelte sie. Nicht verführerisch, denn das weckte nur peinliche Erinnerungen an Barbesuche zu ihrer Teenagerzeit. Aber vielsagend, sodass kein Raum für Vermutungen blieb, und Laxus‘ schlagartig angespannter Miene nach schien es zu funktionieren.
Im nächsten Moment lag sie auf dem Rücken und blickte überrascht in Laxus‘ Gesicht, der sich mit seinem Oberkörper über sie gebeugt hatte. Nun fühlte sie auch an ihrem Oberschenkel, dass er alles andere als unbeeindruckt war.
„Notfalls komme ich einfach zu spät.“ Mit diesen Worten fing Laxus an, sich langsam an ihrem Hals entlang zu küssen. Cana stieß ein leises Seufzen aus und streckte sich seinen Berührungen entgegen. Als er an diesem einen Punkt unter ihrem Ohr angekommen war, verwandelte sich ihr Seufzen in ein abgehacktes Stöhnen. Seine Lippen hielten einen Moment inne, dann spürte sie, wie er an ihrem Hals grinste.
„Lass … dir ruhig … Zeit“, keuchte sie und spürte die Vibration seines Lachens an ihrem Hals.
„Habe ich vor.“ Diese Worte setzte er in die Tat um und ließ sich von ihrem Flehen nach einiger Zeit nicht im Mindesten beeindrucken. Stattdessen schien er ihre mühsam aufrechterhaltene Beherrschung mit immer nachdrücklicheren, ausgedehnteren Berührungen und Bewegungen gänzlich in sich zusammenfallen lassen zu wollen, was ihm am Ende auch gelang.

Cana wusste nicht, wie lange sie erschöpft, aber vollkommen zufriedengestellt nebeneinanderlagen und die harmonische Stille genossen.
„Danke.“ Laxus war es, der das Schweigen brach und Cana drehte ihm nur ihren Kopf zu, da sich ihre Gliedmaßen noch anfühlten, als ob sie mit Blei gefüllt wären.
„Hm?“
„Für deine Unterstützung bezüglich meines Auftrags. Ich wusste nicht genau, wie du darauf reagieren würdest, wenn ich auf unbestimmte Zeit nicht hier bin. Obwohl Lexys Zustand kritischer wird. Eigentlich hatte ich mich auf eine Auseinandersetzung eingestellt, wenn ich ehrlich bin.“
Cana seufzte. „Wir sind beide Mitglieder einer Gilde. Wenn ein Auftraggeber dich und dein Team haben möchte, dann kannst du das schwer ablehnen. Außerdem bin ich nicht allein. Der Master ist hier, Wendy und auch Porlyusica ist innerhalb von wenigen Stunden in Magnolia, falls etwas passiert. Das bedeutet nicht, ich sei glücklich über deine Abreise, aber ich habe Verständnis dafür. Vielleicht ist es auch einmal umgekehrt und es wird bei einem Auftrag ausdrücklich nach mir verlangt. Würdest du mich dann davon überzeugen, diesen nicht anzunehmen?“
„Nein. Auch wenn ich nicht sicher bin, wie überzeugt ich von meinen Fähigkeiten als vorübergehend alleinerziehender Vater bin.“
„Allein deine Unsicherheit, dem Ganzen gewachsen zu sein, zeigt mir, wie fähig du dabei wärst. Man hört nie auf, unsicher bei jeder neuen Situation oder Konfrontation zu sein. Aber das ist völlig normal. Und du hast auch etliche Ansprechpartner. Makarov ist das beste Beispiel, außerdem haben Bisca und Alzack diese Phasen mit Asuka bereits durchgestanden.“
„Ich weiß nicht, ob ich ausgerechnet diese beiden fragen würde. Du hast sie in den letzten sieben Jahren nicht erlebt. Ich hingegen schon. Unter anderem viel intimer, als ich sie jemals sehen wollte.“ Die Matratze bebte, als sich Laxus kurz schüttelte.
Cana presste die Lippen zusammen, um nicht in Gelächter auszubrechen. Diese Aussage in Bezug auf das Ehepaar Connell hatte sie nicht zum ersten Mal gehört und sie war froh, vor diesem Anblick verschont worden zu sein.
Laxus setzte sich auf und Cana genoss den Anblick seiner nackten, schweißglänzenden Brust samt den Tribaltattoos und dem Gildenzeichen. Er fuhr sich durch die verschwitzten Haare und verzog das Gesicht.
„Ich muss duschen, bevor ich gehe.“
Cana unterzog ihrem Körper eine kurze Duftprobe und rümpfte die Nase. „Keine schlechte Idee. Außerdem solltest du die benutzten Kondome wegwerfen, damit du bei deiner Rückkehr keine unangenehmen Überraschungen erleben musst.“
„Erinnere mich nicht daran. Aus persönlicher Erfahrung kann ich dir sagen, dass dieser Geruch für einen Dragon Slayer noch nach Wochen in der Wohnung zu riechen ist. Zum Glück war das damals weder mein Kondom noch meine Wohnung. Und nein, ich werde dir nicht verraten, wer davon betroffen war.“ Laxus stand auf, lief um das Bett herum und ergriff Canas Hand, um sie ebenfalls vom Bett hochzuziehen.
Leider waren ihre Beine noch nicht voll einsatzfähig, weshalb sie nach vorne stolperte und gegen seinen Oberkörper fiel. Kurzerhand nahm er sie auf seine Arme und setzte sie wieder auf das Bett.
„Vielleicht solltest du dich noch etwas erholen und sammeln, während ich duschen gehe.“ Sein breites Grinsen verriet seine innere Befriedigung und Cana rollte mit den Augen.
„Dann geh, oh gottgleicher Liebhaber.“
„Das gefällt mir. So etwas darst du auch gern in der Gilde erwähnen“, rief er ihr über die Schulter zu und verschwand im Badezimmer.
„Das hättest du wohl gern“, murmelte Cana, kaum als das Rauschen der Dusche ertönte und er sie nicht mehr hören konnte. Solche Dinge waren für sie Privatangelegenheiten und nichts, was man in der Gilde vor den anderen laut herumposaunte. Das hieß nicht, dass sie gegenüber ihren Freundinnen nichts verlauten lassen würde – aber auf deren Schweigen konnte sie sich verlassen. Mehr oder weniger, aber eigentlich waren die anderen in dieser Hinsicht ähnlich gestrickt wie sie. Von Juvia einmal abgesehen, aber meist geriet diese in einen Redefluss und plauderte alles aus, ohne vorher darüber nachzudenken. Weshalb man sie verstummen lassen konnte, indem man ihr einfach kurz den Mund zuhielt und ihr damit Gelegenheit gab, über ihre letzten Worte nachzudenken.
Nach ein paar Minuten, in denen sie ihren Gedanken nachgehangen war, stand sie vorsichtig auf und bemerkte zufrieden, dass ihr Stand weitaus sicherer war als vorher. Da sie im Bad noch immer Wasser laufen hören konnte, schüttelte sie kurzerhand die Bettdecke und die Kissen auf, um sich zu beschäftigen. Denn die Dusche hatte sie ebenfalls eingeplant, allein weil sie mittlerweile etwas fror. Zwar war es in Laxus‘ Schlafzimmer nicht wirklich kalt, doch so ganz ohne Klamotten wurde es etwas kühl.
Zu ihrer heimlichen Erleichterung ging die Badezimmertür auf und sie wurde von einer Wolke warmer Luft umhüllt. Das nahm sie als Einladung, weshalb sie kurz darauf im Badezimmer stand. Und wie jedes Mal von einem kleinen Anflug Neid erfasst wurde, denn Laxus‘ Badezimmer war unzweifelhaft luxuriöser als das ihre. Ganz abgesehen von der nahezu doppelten Größe hatte er neben einer großen Badewanne auch eine begehbare Dusche, in der zwei Personen stehen konnten, ohne sich auch nur berühren zu müssen.
Laxus stand, ein Handtuch um die Hüften, am Waschbecken und rasierte sich. „Hast du dich wieder erholt?“, fragte er mit einem hörbaren Grinsen in der Stimme und wenn er keine scharfe Klinge in der Hand gehalten hätte, wäre Canas Reaktion nicht nur ein Augenrollen gewesen.
„Wenn du etwas sanfter gewesen wärst, hätte ich diese Probleme nicht.“ Erst als Laxus schallend zu lachen anfing, bemerkte sie die Zweideutigkeit in ihren Worten. „Ich meinte damit dein Aus-dem-Bett-Ziehen! Bei Mavis, Männer und ihre Gedankengänge.“ Der letzte Satz war eher an sie gerichtet, während sie ihr Haargummi aus einer der Schubladen im Badezimmerschrank kramte. Das hatte sie irgendwann einmal hier vergessen. Oder Laxus hatte es ihr aus den Haaren gezogen, er mochte offene Haare mehr. Doch da sie hier nur duschte und ihre Haarpflege bei sich zu Hause durchführte, hatte sie das Haargummi hier gelassen. Ansonsten hätte sie sich jetzt ihre Haare nicht hochbinden können, damit diese während des Duschens halbwegs trocken blieben.
„Ich wecke Lexy, falls sie nicht bereits wach ist.“ Laxus‘ Stimme drang durch das plätschernde Geräusch des Wassers zu Cana.
„Tu das“, antwortete sie mit geschlossenen Augen, während sie ihr Gesicht in den Wasserstrahl streckte. Das Klickgeräusch der schließenden Badezimmertür verriet ihr, dass sie allein war. Kurzerhand beschloss sie, ihre Dusche noch etwas zu verlängern, damit Laxus länger Lexys uneingeschränkte Aufmerksamkeit genießen konnte. Denn auch wenn er es nicht ausgesprochen hatte, er würde Lexy unheimlich vermissen. Und andersherum ebenfalls. Lexy war nicht begeistert gewesen, als sie ihr den längeren, auf unbestimmte Zeit ausgelegten Auftrag eröffnet hatten. Es hatte eine tränenreiche Diskussion vonseiten Lexy gegeben, doch auch die größten Krokodilstränen hatten nichts an der Tatsache verändern können, dass es sich um einen Auftraggeberwunsch handelte. Und solche hatte man als Gilde zu erfüllen, wenn man seinen Ruf wahren wollte.
Cana lächelte unwillkürlich, als sie an Lexys Einfall zurückdachte, Heilerin Lupita einzuweihen und Laxus so an seinem Auftrag zu hindern. Doch die Heilerin hatte nur darauf bestanden, etliche Lacrima von Laxus füllen zu lassen, damit im Fall eines Falles seine Magie in die Lacrima für Lexy übertragen werden konnte. Aus reiner Vorsicht, damit es keine zeitlichen Verzögerungen gab. Das hatte einen neuen Tränenausbruch von Lexy zur Folge gehabt, doch dieser war nicht ganz so ausgedehnt gewesen wie der erste. Wahrscheinlich hatte die Anwesenheit der Heilerin Lexys Tränen etwas gehemmt. Oder Lexy hatte sich in der Zwischenzeit damit abgefunden, auf ihren Vater länger verzichten zu müssen. Cana konnte sie verstehen, denn sie wusste genau, wie sich das anfühlte. Nur konnte Lexy im Gegenzug offenkundig ihre Abneigung dagegen zeigen, während sie damals nur im Stillen dagegen sein konnte. Wobei es Gildarts‘ häufige Abwesenheit mit der Zeit einfacher gemacht hatte, weil sie sich daran gewöhnt hatte. Es war eher verwunderlich, wenn er längere Zeit in der Gilde war.
Weiterhin in Gedanken versunken, beendete sie ihre Dusche und trat in das letzte Handtuch gewickelt das Schlafzimmer, um ihre Kleidung anzuziehen. Ebenso wie Laxus bei ihr ein paar Kleidungsstücke hatte, hatte sie in seinem Schrank ebenfalls ein Fach. Nur lagen hier weitaus weniger Sachen als seine bei ihr, was an ihren seltenen Übernachtungen in seiner Wohnung lag.
Die Schlafzimmertür war nicht vollständig geschlossen, deshalb konnte sie Lexys helle Stimme und das dunkle Brummen von Laxus hören, ohne einzelne Worte zu verstehen. Beide klangen normal, was Cana beruhigte. Denn da heute vorerst der letzte Morgen war, an dem Lexy die Gesellschaft ihres Vaters genießen konnte, war eine gedrücktere Stimmung nicht allzu abwegig gewesen.
Als sie sich angezogen und sich um ihre dank Laxus sehr verknoteten Haare gekümmert hatte, stieß sie zu den beiden. Sie saßen in Laxus‘ großer Küche am Küchentisch, jeder mit einer vollen, dampfenden Tasse vor sich. In Lexys hing ein Teebeutel und der Geruch nach gerösteten Kaffeebohnen in der Luft verriet Cana, dass Laxus wie immer Kaffee trank. Er hatte sogar eine zweite Tasse bereitgestellt, die in diesem Moment von der Kaffeemaschine mit der wundervollen schwarzen Flüssigkeit gefüllt wurde, die Cana jetzt benötigte.
Sie begrüßte Lexy mit einem Kuss, während diese nur gähnte. Cana schüttelte amüsiert den Kopf und lief zur Kaffeemaschine, um sich ihre Tasse abzuholen und sich zu den beiden an den Tisch zu setzen.
„Kann Papa mich heute allein zur Vorschule bringen?“ Lexy blickte sie bittend an.
Kurz war Cana irritiert, doch dann verstand sie und nickte. Lexy wollte Laxus‘ uneingeschränkte Aufmerksamkeit bis zur letzten Sekunde. Und da Cana ihn noch in der Gildenhalle sehen würde, bedeutete das für sie keine große Umstellung. Doch aus den Augenwinkeln sah sie, wie Laxus den Mund öffnete, und sie beschloss, dieser Diskussion vorzubeugen.
„Laxus trifft mich dann in der Gildenhalle, nicht wahr?“ Den drohenden Blick, den sie ihm zuwarf, konnte er nicht missverstehen und so sah sie zufrieden, wie er seinen Mund wieder schloss und widerstrebend nickte. Wahrscheinlich wollte er ebenso wenig wie sie eine Diskussion an diesem Morgen anfangen, ganz egal, wie kleine diese auch gewesen sein mochte. Lexy reagierte nach wie vor empfindlich auf jede Auseinandersetzung, weshalb sie diese in ihrer Anwesenheit weitestgehend vermieden. Den Unterschied zwischen einfachen Wortgefechten und einer Diskussion hatte sie mittlerweile verstanden. Oder es lag an den Tonfällen, die Cana und Laxus dabei an den Tag legten, ganz zu schweigen von dem ständigen Lächeln oder Grinsen, das die Sätze stets begleitete.
„Wenn Lexy pünktlich zur Vorschule soll, solltet ihr euch allmählich auf den Weg machen.“ Bei Canas Aussage nach einer Viertelstunde schläfrigem Schweigen schaute Lexy panisch auf.
„Aber … Ich habe noch nichts gegessen!“
„Wir gehen dir etwas in einem Café holen. Etwas Gesundes“, antwortete Laxus und sofort strahlte Lexy. Natürlich war sie begeistert davon, sich etwas aussuchen zu dürfen. Wie jedes Kind in diesem Alter.
Cana lächelte versonnen. Laxus‘ Idee löste zwei Probleme: Zum einen bedeutete das ein Frühstück für Lexy und zum anderen war es etwas Besonderes für diese, denn ein gekauftes Frühstück war eine Seltenheit.

Laxus und Lexy hatten sich direkt nach der kleinen Unterhaltung auf den Weg gemacht. Doch nicht, bevor Cana Lexy das Versprechen gegeben hatte, sie heute von der Vorschule abzuholen. Was ohnehin geplant war, aber Lexy war durch Laxus‘ Auftrag etwas nervöser und unsicherer als normal. Nach dem Versprechen von Cana entspannte sie sich wieder deutlich und winkte vergnügt zum Abschied, während Cana in Laxus‘ Wohnung blieb und noch die Tassen abspülte. Zwar würde Laxus noch einmal hierher kommen, bevor er aufbrach, doch sein Auftragsgepäck hatte er bereits gestern zusammengepackt und würde es nur abholen kommen. Deshalb hatte sich Cana um die geringe Menge an Geschirr gekümmert, bevor sie zur Gildenhalle aufgebrochen war.
Vorher hatte sie noch einen kurzen Abstecher in eines der Cafés gemacht, denn auch sie hatte beschlossen, sich heute ein Frühstück von außerhalb zu gönnen. Wobei der Hauptgrund war, dass Laxus so gut wie keine verderblichen Lebensmittel mehr in der Wohnung und sie keine Lust hatte, Haferflocken mit Wasser als Frühstück zu verspeisen.
Die Papiertüte mit einem Sandwich und einem Zimtring in der Hand, setzte sie sich an ihren gewohnten Tisch und packte ihr Frühstück auf einen Pappteller, den sie ebenfalls bekommen hatte.
„Cana, guten Morgen! Du hast uns Frühstück mitgebracht? Das ist wirklich sehr nett von dir!“ Eine Hand tauchte in Canas Blickfeld auf und griff zielstrebig nach dem Zimtring. Zumindest versuchte sie es, doch Cana riss den Pappteller blitzschnell an sich. Gleichzeitig schlug sie nach der Hand, die sich schlagartig zurückzog.
„Du gönnst mir aber auch gar nichts.“ Bixlow ließ sich mit diesen Worten neben sie auf die Bank fallen, grinste dabei aber unbeeindruckt. „Man könnte meinen, Laxus färbt mit seinem Verhalten auf dich ab. Früher hast du gern dein Essen mit mir geteilt.“
„Früher war ich noch nicht schnell genug, um dir rechtzeitig auf die Finger zu schlagen.“ Auf Canas Konter hin erklang leises Lachen aus zwei Mündern und die anderen beiden Raijinshuu setzten sich ihr und Bixlow gegenüber.
„Laxus bringt Lexy in den Kindergarten, nehme ich an?“
„Natürlich tut er das. Sonst würde Cana hier nicht allein sitzen, sondern an ihm kleben.“ Bei Evers Aussage verzog Cana das Gesicht. So früh am Morgen war die Direktheit von dieser unerträglich. Deshalb begnügte sie sich damit, den ersten Bissen von ihrem Sandwich zu nehmen und den Geschmack von Käse, Salat und Tomate zu genießen.
„Ever, du hast versprochen, dich zusammenzureißen.“ Freeds Stimme drang an ihre Ohren.
„Ich habe versprochen, es zu versuchen. Das heißt nicht, dass ich mich perfekt benehmen kann.“
„Du willst es eher nicht, weil genau das die Eigenschaft ist, die dich für Elfman interessant macht.“ Bixlows Tonfall war trocken, doch Evergreen schnaubte nur. Mit Sicherheit, weil Bixlow vollkommen richtig mit seiner Aussage lag.
„Was genau wollt ihr von mir? Ihr setzt euch nicht ohne Grund an meinen Tisch, ohne dass Laxus irgendwo in der Nähe ist.“ Cana schob ihr Frühstück zur Sicherheit noch etwas weiter von Bixlow weg, auch wenn dieser sich nicht mehr dafür zu interessieren schien.
„Dir versichern, Laxus so schnell es geht wieder zurückzubringen. Ohne sich dabei umzubringen.“
Cana blinzelte bei Freeds Antwort und sie wurde verlegen. „Oh. Es ist nicht so … Ich meine, es ist schon …“
„Laxus wird alle Risiken eingehen, um seine Rückkehr zu beschleunigen. Du weißt, wie wenig er dann auf sich selbst achtet. Deshalb haben wir den Master gebeten, ihn zu begleiten, auch wenn nur nach ihm verlangt wurde. Was er dir natürlich nicht erzählt hat, du kennst ihn ja.“ Freeds Analyse war wie immer nachvollziehbar.
„Damit sich der Trottel nicht selbst ins offene Messer stürzt, dürfen wir also seinen Verstand spielen.“
„Du musst dir also keine Sorgen um ihn machen.“
„Das mache ich auch nicht. Es geht mir eher um Lexy, denn wie sie auf eine längere Abwesenheit reagieren wird, weiß ich nicht.“ Cana biss sich auf die Lippen, denn Lupita hatte auch etwas von psychischen Faktoren gesprochen, was Lexys Anfälle anging. Magie reagierte auf Emotionen, ganz besonders Dragon Slayer Magie. Deshalb würde sich diese verstärken, wenn Lexy innerlich in einem Aufruhr war. Wut oder Sorgen waren die beiden maßgeblichen Faktoren dafür. Und wenn Laxus untypisch lange fortbleiben würde, wäre Sorge vorprogrammiert.
„Wir schaukeln das Kind schon“, sagte Bixlow und klaute sich doch den Zimtring, ohne auf Canas empörtes „Hey!“ Rücksicht zu nehmen. Stattdessen sprang er auf und leckte den Zimtring einmal komplett ab. „Willst du ihn wieder zurück?“
Ever machte ein überzeugendes Würgegeräusch. „Bixlow, du bist widerlich. Und wir sollten gehen, Laxus steht an der Tür. Er wird sich von Cana ohne Mithörer verabschieden wollen. Bei unserer Rückkehr wirst du Cana einen neuen Zimtring kaufen, wenn du nicht versteinert werden willst.“
Die Rajinshuu standen auf und ließen Cana zurück, die Bixlows Rücken wütend anstarrte. Doch als Laxus an ihren Tisch trat, rückte ihre Wut über Bixlows Verhalten in den Hintergrund. Sie hasste Verabschiedungen, wenn sie nicht wusste, wann die andere Person wieder zurückkam.

+++

Ein paar von euch haben es bereits vermutet: Dieser ominöse Auftrag von Laxus startet und er wird Magnolia für unbestimmte Zeit verlassen. Falls ihr ein ungutes Gefühl dabei habt, liegt ihr nicht unbedingt falsch. Aus welchen Gründen hingegen ... Da dürft ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen, gern auch per Review. Ich schaue, inwiefern ich die Vermutungen bestätige.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast