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Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
38
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27.05.2021 3.820
 
Kapitel 52 – Empfang nach Art der Raijinshuu

Cana blinzelte gegen die Helligkeit an, die auf einmal in ihren Raum drang. Sie spürte einen leichten Luftzug und blickte mit zusammengekniffenen Augen in Richtung der Shoji-Türen. Gegen die morgendlichen Sonnenstrahlen sah sie die Silhouette von Laxus, der in eine Yukata gekleidet in der Tür stand und in den Garten blickte.
„Wenn du mir erzählst, dass die letzte Nacht ein Fehler war, erwürge ich dich“, murmelte sie mit müder Stimme, doch in ihren Worten lag keine Panik. Sie wusste genau, wie wenig ihre Aussage zutraf. Doch das, was sie erreichen wollte, trat ein. Laxus drehte sich um und lief zurück zu ihrem gemeinsamen Futon, wo er sich wieder unter die Bettdecke legte und einen Arm um Canas Taille schlang.
„Würde ich niemals“, murmelte er gegen ihre Halsbeuge, während sein Atem direkt auf ihren Hals traf und eine Gänsehaut auslöste. Das leise Lachen bewies ihr, dass ihre Reaktion nicht unbemerkt blieb, auch wenn sich Laxus nicht rührte.
„Wir haben gestern nicht wirklich viel von Hosenka gesehen.“ Cana drehte sich auf die andere Seite, um Laxus ins Gesicht blicken zu können. Dessen Blick richtete sich erst auf ihr Gesicht, dann glitt er weiter nach unten. Cana tat es ihm gleich und unterdrückte ein Seufzen. Im Gegensatz zu ihm hatte sie keine Yukata an, weshalb sie ihm in ihrer Position einen vollständigen Einblick gewährte. Mit einem Schnauben zog sie die Bettdecke um sich herum zurecht, sodass ihr Körper auch von Laxus‘ Position aus bedeckt war. Wobei das aufgrund der Kälte war.
„Du kennst Hosenka. Außerdem war es hier weitaus interessanter als in der Stadt. Und wir waren essen, falls du das vergessen hast.“
„Es war kein besonders gemütliches Essen, das weißt du.“ Was auch ihre Schuld war, denn das Essen war eine unwillkommene Unterbrechung gewesen. Doch Hunger ließ sich leider nicht unterdrücken, wenn er wirklich groß war. Und das war gestern der Fall gewesen. Danach waren sie wieder zurück in ihren Raum gegangen und hatten sich weiterhin ihren Körpern gewidmet, bis beide zu müde für irgendetwas gewesen waren.
„Wir können jetzt gemütlich essen gehen. Du wirst nicht in der Lage sein, eine Runde Morgensex zu überstehen. Protestiere nicht, ich kenne die Grenzen des weiblichen Körpers ebenso gut wie meine eigenen.“ Laxus grinste vielsagend und richtete sich wieder auf. „Außerdem habe ich wirklich Hunger. Ein ausgedehntes Frühstück vor unserer Abreise klingt doch gut, nicht wahr?“
Cana, die bei Laxus‘ ersten Sätzen protestierend den Mund geöffnet hatte, schloss diesen wieder und nickte. Laxus hatte recht, so ungern sie das auch wahrhaben wollte. Bisher hatte sie nur ein etwas unangenehmes Gefühl, doch dank Lexys‘ Geburt wusste sie, wie schlimm Schmerzen im Unterleib werden konnten. Dann blieb sie lieber vernünftig und wartete, bis sich ihr Körper wieder erholt hatte. Zugegeben überraschte sie es nicht, dieses wunde Gefühl zu verspüren, denn es war gestern nicht bei einer Runde Sex geblieben. Unterbrochen von längeren Pausen, in denen sie über alles Mögliche geredet hatten, hatten sie mehrmals miteinander geschlafen. Gewissermaßen, um die letzten Monate aufzuholen, ganz zu schweigen von all den Jahren davor.
Cana lächelte unwillkürlich. Ihr war es nie bewusst gewesen, doch in ihrer Beziehung hatte dieses letzte bisschen gefehlt. Jetzt, wo sie auch den letzten Schritt getan haben, fühlte sich alles noch einmal anders an. Sie waren sich körperlich näher gekommen, doch auch in ihrem Innern fühlte sie sich Laxus mehr verbunden.
„Brauchst du Hilfe beim Anziehen?“ Laxus‘ gute Laune schien sich noch einmal gesteigert zu haben, trotzdem schüttelte Cana nachdrücklich den Kopf, auch wenn sie auflachte.
„Das bekomme ich gerade noch so hin.“ Ungeachtet ihrer Nacktheit, stand Cana auf und lief zum Nebenraum. Laxus hatte alles an ihr gesehen und sie schämte sich nicht für ihren Körper. Noch nicht einmal für die Schwangerschaftsstreifen, auch wenn das einige Zeit gedauert hatte.
Auf halbem Weg umschlang sie ein Arm von hinten und sie wurde zum unzähligen Mal seit letztem Abend an einen muskulösen Oberkörper gezogen.
„Ich mag das“, murmelte Laxus in ihre Haare und Cana wusste, was er meinte. Dieses ungestörte Zusammensein, ohne die Befürchtung, dass ein Kind jederzeit hineinplatzen könnte, hatte ihr ebenfalls gefehlt. Obwohl sie es nicht gemerkt hatte, bis zum gestrigen Abend.
„Wenn wir auf längere Aufträge gehen, wird das öfter geschehen“, antwortete sie und Laxus brummte zustimmend. Dann knurrte sein Magen und sofort war die Stimmung zerstört, denn Cana brach in Lachen aus. „Trotzdem solltest du mich jetzt loslassen, denn offenbar verhungerst du gerade.“
Laxus schnaubte, gab ihr einen Kuss auf das Haar und ließ sie los. „Leider hast du recht. Ich habe Hunger, die letzte Nacht war etwas anstrengender als normal.“
„Nur etwas, ja?“ Cana schoss direkt zurück, während sie sich im Nebenraum ankleidete. Bei offener Tür, denn das war ihr gerade egal. Es wäre eher merkwürdig, wenn sie diese schließen würde, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Außerdem hatte sie trotz ihres veränderten Kleidungsstils weiterhin keine Probleme damit, viel Haut zu zeigen, wenn es nicht gerade der Bauch war. Erst recht nicht, wenn es ihr Partner und Vater ihres Kindes war.
Die Yukata benötigte nur wenige Handgriffe, bis sie saß und sie den Gürtel gebunden hatte. Die weiche Baumwolle fühlte sich gut auf ihrer Haut an und auch das Blütenmuster gefiel ihr, obwohl sie nicht der Typ für Blumen auf Kleidungsstücken war.
Das schien auch Laxus zu denken, denn er nickte mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck, während Cana ihre Haare bürstete, diese zu einem nachlässigen Knoten zusammenfasste und sich ihr Gesicht wusch. Allmählich bekam sie ebenfalls Hunger und nach dem hastigen Abendessen freute sie sich auf ein ausgedehntes, gemütliches Frühstück.

Sowohl das Frühstück, das nochmalige Eintauchen in die Quelle sowie die Rückfahrt waren angenehm gewesen. Wobei die Rückfahrt nur für Cana erholsam gewesen war, denn Laxus hatte einmal mehr gegen seine Reisekrankheit angekämpft. Die gesamte Zugfahrt über hatte er die Augen geschlossen gehalten und war in seinem Sitz versunken, während seine Gesichtsfarbe innerhalb von Sekunden ungesund blass geworden war.
Cana hatte währenddessen etwas gelesen und Laxus regelmäßig prüfende Blicke zugeworfen, doch ihm ging es unverändert schlecht bis zu ihrem Halt in Magnolia.
Um Laxus etwas Zeit zur Erholung zu gönnen, lief Cana etwas langsamer als gewöhnlich aus der Bahnhofshalle hinaus, was nicht unbemerkt blieb.
Denn dafür wurde ihr ein gereizter Blick zugeworfen. „Ich sterbe nicht, wenn wir schneller laufen.“
Sie rollte nur mit den Augen, beschleunigte ihre Schritte aber. „Tut mir leid, ich wollte nur zuvorkommend sein.“
Eine Hand schloss sich um ihr Handgelenk und sie wurde in Laxus‘ Arme gezogen. „Tut mir leid. Ich mag es nur nicht. Sowohl meine … kleine Unannehmlichkeit sowie die Rücksichtnahme darauf. Und außerdem geht es mir schon besser. Du riechst sehr gut, übrigens.“
Sofort war der kleine Funke an Gereiztheit in Cana verschwunden und sie lehnte ihren Kopf an seine Brust. „Du bist manchmal ein Riesenidiot. Deine Reisekrankheit ist nichts, das verschwinden wird, also akzeptiere das endlich. Ebenso wie die Rücksichtnahme, zumindest die von mir. Außerdem vergisst du, dass Lexy ebenfalls Probleme damit bekommt. Also kannst du es sogar auf sie schieben, wenn du dich dann besser fühlst.“
„Du und deine Logik.“
„Dafür liebst du mich doch. Auch.“
„Natürlich. Und du mich auch wegen meiner Unfähigkeit, Hilfe anzunehmen.“
„Da ist es eher ein ‚trotz‘, aber ich will nicht so sein.“
„Die Turteltäubchen sind zurück und noch immer glücklich!“ Bixlows Stimme unterbrach die harmonische Stimmung.
Cana spürte, wie sich Laxus versteifte, und sie löste sich seufzend von ihm, um die Arme zu verschränken und Bixlow genervt anzublicken. Was sie unterließ, nachdem sie das komplette Trio von Laxus‘ Team erblickte, alle mit mehr oder weniger ausgeprägtem Grinsen im Gesicht.
„Euch auch einen guten Morgen.“ Laxus seufzte und schlang einen Arm um Canas Schultern. „Warum stört ihr mich?“
„Oh, ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ihr mitten in Magnolias Straßen steht und einen auf frisch verliebtes Paar macht? Seid froh, dass wir euch gefunden haben und nicht jemand anderes. Mira oder Juvia zum Beispiel, denn beide wären bei diesem Anblick durchgedreht. Nichts für ungut, Freed.“ Ever besaß immerhin den Anstand, ihren Teamkameraden entschuldigend anzublicken.
Freed zuckte jedoch nur mit den Schultern, denn er kannte Mira ebenso gut wie jeder andere.
„Wir können auch einfach zur Gilde gehen“, sagte Cana. „Ich werde sowieso Rede und Antwort stehen müssen, bevor ich heute irgendetwas tun kann. Miras Gesichtsausdruck gestern hat mir das prophezeit und ihre Befragung wird nicht kurz werden, das weiß ich.“
„Nun, dann könnten wir tatsächlich zur Gilde und dich Mira ausliefern“, antwortete Ever mitleidlos.
Cana schnitt eine Grimasse, doch Laxus runzelte irritiert die Stirn.
„Du könntest zumindest versuchen, etwas netter zu Cana zu sein, Evergreen.“
Cana stieß ihm nach dieser Aussage den Ellenbogen leicht in die Seite. „Ich kann sehr gut für mich allein sprechen, Laxus. Außerdem ist Evergreen schon immer so zu mir gewesen, dir ist das bloß nie aufgefallen.“
Ever nickte ihr zu, dann lächelte sie Laxus süßlich an. „Es ist schön zu sehen, wie sehr der Beschützerinstinkt in dir herauskommt. Doch Cana ist kein kleines Kind und meine einmalige Art gewohnt. Wenn ich zu jemandem nett bin, dann ist es zu Lexy, denn sie ist wirklich süß.“ Das war für Ever eine Liebeserklärung und Cana bemühte sich, ihre Erheiterung nicht anmerken zu lassen.
„Also können wir endlich zur Gilde? Wir blockieren fast die Hälfte der Straße, auch wenn sich niemand traut, uns das zu sagen.“ Bixlow verschränkte die Hände hinter dem Kopf.
Freed räusperte sich. „Es wäre tatsächlich das Beste, in die Gilde zurückzukehren. Der Master möchte mit dir über einen Auftrag reden, Laxus. Deshalb sollten wir dich hier abfangen, bevor du und Cana …“ Er brach ab und errötete leicht, während Bixlow nur in lautes Gelächter ausbrach. Die irritierten Blicke der nicht-magischen Bewohner von Magnolia kümmerten ihn dabei nicht im Geringsten.
„Bevor ihr euch weiter vereinigt, möchtest du das sagen, Freed?“ Cana danke Ever im Stillen für diese Umschreibung, auch wenn es nicht weniger unangenehm war.
Laxus schien der gleichen Meinung zu sein, denn er stöhnte. „Dann lasst uns zur Gilde gehen. Bevor ihr noch mehr private Themen in der Öffentlichkeit ausbreitet.“
„Oh bitte“, antwortete Ever herablassend. „Die ganze Gilde weiß Bescheid, was ihr bei eurem Ausflug getrieben habt. Es ist ein offenes Geheimnis, welchen Schritt ihr bis gestern noch nicht gegangen seid. Allein an eurer Unbeholfenheit und körperlichen Anspannung hat man das gut erkannt, wenn man eine halbwegs intakte Beobachtungsgabe habt. Diese beiden Dinge sind heute auf einmal verschwunden, ihr wirkt sehr … entspannt.“
„Ever.“ Laxus‘ Warnung entlockte ihr nur ein Lachen, während sie ungerührt weiterhin zwischen Freed und Bixlow lief.
„Ever hat recht. Ihr Alternativvorschlag für heute wäre ein Einsperren in eines der Zimmer gewesen, damit ihr ungestört seid.“
„Und eingesperrt“, entgegnete Cana trocken.
„Unwichtige Details“, erwiderte Bixlow und wedelte mit der Hand in der Luft herum, als ob er eine Fliege verscheuchen wolle. „Bei Alzack und Bisca hat das laut Macao und Wakaba funktioniert, warum also nicht ein zweites Mal bei euch?“
„Ihr hättet euch ernsthaft an Tipps gehalten, die von diesen beiden kommen?“ Laxus klang vollkommen entgeistert. „Ich weiß nicht, ob mich das schocken oder erheitern soll. Eure Verzweiflung und Ideenlosigkeit müssen außerordentlich groß gewesen sein.“
„Nun, euer Ausflugsziel war meine Idee.“ Freed ergriff nun ebenfalls das Wort, nur um drei vielsagende Blicke zugeworfen zu bekommen.
„Deine Idee stammt von Mira. Denn Laxus hört nicht auf Mira, aber auf dich.“ Evers Logik klang einleuchtend und auch Freeds leichtes Erröten verriet die Richtigkeit dieser Behauptung.
„Das ist jetzt vollkommen egal. Laxus möchte euch eigentlich seinen Dank aussprechen, nicht wahr?“ Die letzten Worte richtete Cana in einem warnenden Tonfall an Laxus, denn sie wollte hier nicht weiter über ihr bis gestern nicht vorhandenes Sexleben reden.
„Natürlich. Genau das, was Cana sagt.“
Angesichts des ironischen Tonfalls löste sich Cana von Laxus und warf entnervt die Hände in die Luft. „Ich laufe vor. Ihr könnt eure teaminterne Spielchen gern weiterführen.“ Mit diesen Worten wandte sie sich erneut zum Gehen, während die anderen stehen geblieben waren und ihr nun nachblickten.
Sie konnte nach Laxus‘ Stimme hören. „Was wollt ihr eigentlich von mir? Ich dachte …“ Dann war sie außer Hörweite und atmete tief durch. Dieser kleine Wortwechsel hatte sie doch mehr gestresst, als sie angenommen hatte. Sehnsüchtig dachte sie an ein wohlschmeckendes Bier, doch dann verdrängte sie diesen Gedanken sofort wieder. Angesichts der Tageszeit konnte sie sich von Mira auch einen Kaffee geben lassen, dieser würde noch besser schmecken. Außerdem hatte sie heute erst eine Tasse getrunken, was für ihre Verhältnisse sehr wenig war.

+++


Freed beobachtete, wie sich Laxus‘ Blick widerwillig von Canas Gestalt löste und sich deutlich finsterer ihnen zuwandte.
„Was wollt ihr eigentlich von mir? Ich dachte, ihr seid auf einem Auftrag?“
„Unser Auftrag ging schneller als gedacht. Außerdem wollten wir mit dir ungestört reden.“ Bixlow war noch nie diplomatisch gewesen, was manchmal gut war. In Situationen wie diesen eher schlecht, denn Laxus versteifte sich automatisch.
„Danke, Bixlow. Das war genau das, was du nicht sagen solltest. Laxus, entspann dich, es ist nichts Dramatisches.“ Und wie immer war Ever zur Stelle, um diese Situation auszubügeln.
„Der Master schickt uns bezüglich eines Auftrags.“ Freed beschloss einzugreifen. „Es geht um einen einflussreichen Auftraggeber, der spezielle Anforderungen an die Magier stellt, die seinen Auftrag übernehmen sollen. Der Master meinte, er würde mit dir gern darüber sprechen.“
Laxus‘ Körperhaltung wurde entspannter, doch er runzelte trotzdem die Stirn. „Normalerweise bespricht er diese Dinge mit Mira oder Erza.“
„Mehr wissen wir nicht. Als lauf deiner schlechteren Hälfte hinterher und erkläre ihr das.“ Ever klang schon wieder genervt, doch das brachte ihr nur einen ungehaltenen Blick ein.
„Ihr drei habt für diese Information Cana verscheucht? Um mir zu sagen, dass Gramps mit mir sprechen möchte?“
Bixlow schüttelte den Kopf. „Eigentlich wollten wir auch so mit dir reden. Wie wäre es mit einem Kaffee? Nach der Zugfahrt könntest du bestimmt etwas benötigen, das dich wieder lebendig macht.“
„Oder etwas Farbe ins Gesicht bringt, denn du bist nach wie vor sehr blass. Außerdem hat Cana mit dem teaminternen Teil recht, so ungern ich das zugebe. Wir haben seit Langem nicht mehr außerhalb der Gildenhalle etwas zusammen unternommen, wenn man vom Training und von Aufträgen absieht.“
Kurz schien Laxus protestieren zu wollen, doch dann sackte er in sich zusammen und seufzte. „Ich gebe auf. Dann gehen wir zusammen einen Kaffee trinken, um unsere Teambande wieder zu stärken, oder so.“
Freed nickte Ever und Bixlow zufrieden zu, denn genau das hatten sie erreichen wollen. Sie wollten aus erster Hand erfahren, wie Laxus im Moment zu Cana und Lexy stand, insbesondere nach dem letzten Zerwürfnis. Und nebenbei wissen, wie der Ausflug gelaufen war, denn Cana und Laxus hatten einen äußerst glücklichen Eindruck gemacht, als sie aus der Bahnhofshalle gelaufen kamen. Zumindest für Laxus war das eine Besonderheit, denn so kurz nach der Zugfahrt hatte er nach wie vor mit Übelkeit zu kämpfen.

In einem etwas abgelegenen Café suchten sie sich einen Tisch in der hinteren Ecke. Während sich die Raijinshuu ein leichtes Mittagessen bestellten, begnügte sich Laxus mit einem Kaffee. Schwarz natürlich.
„Gibt es irgendetwas Wichtiges neben Gramps‘ Gespräch mit mir, das wir verpasst haben?“ Laxus nahm einen ersten Schluck aus seiner Tasse und schloss kurz die Augen.
„Nein. Zumindest nichts, was offiziell wichtig ist“, antwortete Ever vielsagend und warf einen überlegenen Blick in die Runde, als auch Bixlow und Freed ratlos aussahen. „Ich habe heute Morgen Levy und Gajeel gesehen. Zusammen, auf dem Weg zur Gilde. Levy hielt diesen Kaffeebecher in der Hand, von dem sie sich in letzter Zeit nicht mehr trennen kann und war am Gähnen. Da Fairy Hills durch die Bauarbeiten noch geschlossen ist, kann das nur zwei Dinge bedeuten: Entweder Gajeel holt Levy von ihrer vorübergehenden Bleibe ab, oder aber sie wohnt bei ihm.“
„Und das soll wichtig sein?“ Bixlow widmete sich weiterhin seinem Essen und Ever verschränkte verstimmt die Arme.
„Levy und Gajeel haben seit Jahren ein Drama nach dem anderen, du ungehobelter Ochse! Natürlich ist das wichtig, denn Gajeel legt noch mehr auf Privatsphäre als Laxus.“
Freed rührte gedankenverloren in seiner Suppe herum, das Kinn auf seine freie Hand gestützt. „Nach wie vor frage ich mich, warum das so lange gedauert hat. Ich meine, seit Gajeels Rückkehr war seine Faszination mit unserer Scriptmagierin deutlich zu erkennen. Ganz zu schweigen von seinen Schuldgefühlen wegen der Phantom-Lord-Geschichte.“
„Levy ist stärker, als es den Anschein hat. Die letzten Jahre waren nicht einfach für sie.“
Stille. Drei Personen waren geschockt über die Aussage, die Laxus getätigt hatte, und dieser bemerkte die Reaktion nach einem Augenblick. Seine Antwort bestand in einem nachdrücklichen Augenrollen.
„Ob ihr es glaubt oder nicht, ich bekomme Dinge mit. Und außerdem hat Cana etliche Dinge erzählt, die ihr wiederum von Levy anvertraut wurden. Ihr vergesst, dass die beiden seit ihrer Kindheit miteinander befreundet sind.“
„Jetzt sag nicht, du und Cana habt während eures Ausflugs noch Zeit gehabt, Gespräche neben dem nicht endenden Sex zu führen?“ Bixlow zuckte zusammen, als er Laxus‘ Blick begegnete, denn dieser versprach nichts Gutes.
„Was Cana und ich während unseres Ausflugs getan haben, kann dir egal sein.“
„Es weiß sowieso jeder, was ihr getrieben habt. Man muss euch beide eine Sekunde anschauen, ihr leuchtet regelrecht. Ein großer Gegensatz zur sexuellen Frustration, die du in den letzten Wochen versprüht hast, Laxus. Und widersprich mir nicht, ich weiß sehr genau, dass ich recht habe.“ Ever hob drohend ihre Gabel und Laxus schnaubte, wandte sich aber wieder seiner halb leeren Tasse zu.
Freed stieß den Atem aus, den er unbewusst angehalten hatte. Diese Art von Gesprächen waren mit Laxus immer sehr schwer, denn dieser mochte es nicht, sich über derlei Dinge zu unterhalten. Unter vier Augen war das kein Problem, jedoch nicht mit dem ganzen Team. Doch offenbar beeinflusste Cana auch diese Charakterzüge von Laxus.
„Es ist gut, dass ihr diesen Schritt gegangen seid. Euch beiden war die Ungeduld anzumerken, selbst Lexy hat eine gewisse Spannung mitbekommen. Ihr geht es übrigens blendend, sie hält den Master auf Trab. Außerdem genießt sie die Aufmerksamkeit, die sie von ihm bekommt. Du solltest ihn daran erinnern, seiner Urenkelin nicht jeden Wunsch zu erfüllen, sie wird sonst noch verwöhnter als ohnehin schon. Gildarts kann ihr auch nichts abschlagen.“
„Gramps weiß, was er tut. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass er auf ein sechsjähriges, blondes Kind mit meinem Temperament aufpasst. Er wird wissen, wann er Lexy Grenzen aufzeigen muss.“ Laxus sprach voll Überzeugung und Freed nickte nach einem Moment des Nachdenkens. Vermutlich hatte Laxus recht, er kannte seinen Großvater am besten. Und Laxus war sehr oft bei seinem Großvater gewesen. Insbesondere nach dem Zusammenbruch von Laxus‘ Mutter, die ihren Sohn nicht mehr allein ihrem Mann ausliefern wollte und den Master angefleht hatte, sich Laxus‘ seiner anzunehmen. Der Master hatte Freed eingeweiht, als sich Laxus sein Team zusammengestellt hatte. Damit Laxus von den Gildenmitgliedern verstanden wurde, die er als seine engsten Vertrauten ansah. Denn Laxus selbst hatte das Thema erst nach seinem Gildenausschluss angesprochen und auch nur grob umrissen.
„Und es schadet nicht, Cana ebenfalls aufwachsen gesehen zu haben, die auch nicht einfach war. Zumindest besagen das die Gerüchte“, murmelte Bixlow und Freed schmunzelte. Cana war eines der jüngsten Gildenmitglieder gewesen, Gerüchten zufolge hatte sie diese Stellung oft genug ausgenutzt.
Laxus grinste. „War sie nicht. Wobei ich immer den Altersbonus hatte, mir hat sie nie widersprochen.“
„Nein, das fing erst später an, nachdem sie aus ihrer Schwärmerei für dich herausgewachsen war. – Jetzt schaut mich nicht wieder wie Hundewelpen an! Wenn ihr das nicht bemerkt habt, werde ich es euch garantiert nicht jetzt ausführlich erzählen!“
„Ich weiß das“, antwortete Laxus ungerührt, doch Ever rümpfte nur die Nase.
„Natürlich weißt du das, denn Cana hat es dir erst letztens erzählt, nicht wahr? Männer. Vollkommen blind, wenn es um so etwas geht. Seid froh, dass ihr mich im Team habt, denn sonst wärt ihr verloren.“„Cana hat es mir erzählt und im Nachhinein hätte ich es erkennen können. Allerdings hat sie sich während dieser Zeit vor mir versteckt, weshalb ich kaum Kontakt zu ihr hatte.“ Laxus verstummte für einen Moment, dann atmete er tief durch. „Es läuft. Es läuft wirklich gut, ich fühle das. Selbst Lexys Geburtstag hat uns nicht geschadet.“
Freed erkannte das unausgesprochene „aber“ in Laxus‘ Worten. „Und es wird trotz deiner Befürchtungen weiterhin gut laufen. Ihr habt eine Tochter, eine stabile Beziehung und keine Scheu, über eure Gedanken und Gefühle zu reden. Zumindest nicht mehr. Vor was hast du Angst? Wie dein Vater zu werden?“
Laxus‘ Schweigen war Antwort genug und nun war es Ever, die das Wort ergriff.
„Du weißt, ich bin nicht der größte Fan von Cana, seit sie damals fortgegangen ist. Doch sie liebt dich, hat dich seit Jahren geliebt. Denkst du nicht, sie weiß genau, auf wen sie sich da einlässt? Und falls du jemals deinem Vater ähneln solltest – Meinst du, sie würde das ohne Widerstand hinnehmen? Cana mag deiner magischen Kraft vielleicht nichts entgegensetzen können. Aber sie kann sich durchsetzen, das weißt du.“
„Sie kann meine magische Kraft neutralisieren“, erwiderte Laxus und grinste zu Freeds Erstaunen breit. „Nach ihrer Rückkehr hat sie das äußerst einprägsam demonstriert, weil sie mit mir reden wollte.“
„Cana kann magische Kräfte neutralisieren? Wie genau?“ Bixlow schien ehrlich interessiert zu sein, doch Laxus zuckte ratlos mit den Schultern.
„Mit einer Kartenkombination, die sie in den Jahren bei Blue Pegasus entwickelt hat. Ich weiß allerdings nicht, ob sich das auf alle Arten von Magie bezieht oder nur auf ein paar. Das müsstet ihr sie selbst fragen.“
„Eine Kartenkombination“, murmelte Freed. Das war eine gehörige Portion Arbeit gewesen, so viel wusste er. Canas Kartenmagie war generell sehr zeitintensiv, wenn sie neue Kombinationen entwarf. Er hatte ihr früher Ratschläge gegeben, weil er aufgrund seiner Runenmagie ein paar Kenntnisse von magischen Strömen und deren Zusammenwirken hatte, was der Kernpunkt ihrer Magie war.
„Ich würde jetzt wirklich gern zu meiner Freundin zurückkehren und die letzten Stunden Entspannung genießen, bevor Lexy aus der Schule kommt.“
„Du kannst sie auch einfach in der Gildenhalle lassen, sie beschäftigt sich gern.“
Doch Laxus schüttelte bei Bixlows Vorschlag den Kopf. „Sie muss heute wieder trainieren, um ihre Kräfte zu verbrauchen. Denn Cana verliert mit jedem weiteren Anfall etwas mehr den Verstand und ich ebenfalls.“ Mit dieser ungewohnten Offenheit stand er auf und ging zur Theke, um seinen Kaffee zu bezahlen.
Freed blickte ihm mitfühlend hinterher, denn Laxus‘ Aussage zu seinen Gefühlen war untertrieben. Sie hatten ihn nach Lexys Anfall an ihrem Geburtstag überlegt, das kratzte bei ihm ebenfalls an der Substanz. Vor allem, weil er nichts anderes tun konnte, als zu warten und auf ein Ergebnis der Forscher zu hoffen.
+++

Und damit ist auch das 52. Kapitel zu Ende. Eine Zahl, mit der ich nie gerechnet hätte, ursprünglich war die Geschichte auf 35-40 Kapitel ausgelegt gewesen. Aber mit der Zeit sind mir immer mehr Dinge aufgefallen, die ausführlich behandelt werden mussten - auch dank eurer Rückmeldungen.
Deshalb einmal mehr ein riesiges Dankeschön an das Interesse, das ihr dieser Geschichte entgegenbringt. Nach wie vor sitze ich überfordert da, wenn ich mir die Stats zu dieser Geschichte hier anschaue. Über 14.000 Zugriffe mittlerweile sprechen für sich.
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