Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Schritt für Schritt

GeschichteRomance, Familie / P16 / Het
04.06.2020
29.08.2021
66
232.093
38
Alle Kapitel
220 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
20.05.2021 3.787
 
Kapitel 51 - Ausflugsauftrag

In den nächsten Wochen veränderte sich nicht viel, abgesehen von der sich verbessernden Kommunikation bei gemeinsamen Aufträgen. Dennoch achtete Cana darauf, Laxus nicht vollständig zu beschlagnahmen. Denn die Raijinshuu waren noch immer Laxus‘ persönliches Team und sollten in den Genuss kommen, mit ihm Aufträge zu erledigen. Das waren die Tage, in denen Cana in Magnolia blieb und sich um Haushalt oder Ähnliches kümmerte. Durch die Zusammenarbeit mit Laxus waren die Aufträge ergiebiger, was die Belohnungen anging und so konnte sie es sich erlauben, nicht jeden Tag vor dem Auftragsbrett zu stehen.
Die Beziehung zwischen ihr und Laxus entwickelte sich langsam, aber stetig weiter und mittlerweile war auch Lexy nicht mehr der Meinung, sie würden sich den Großteil der Zeit streiten.
Ironischerweise war es gerade Lexy, die Canas allgemeine Zufriedenheit trübte. Genau genommen ihre Gesundheit, denn Lupitas Hypothese und Canas befürchtete Entwicklung hatte sich bewahrheitet. Lexys Magie entwickelte sich exponentiell zu ihrer Größe. Lexy hatte einen größeren Wachstumsschub durchlaufen, die Anfälle waren danach noch häufiger und intensiver. Mittlerweile konnte Lexy am nächsten Tag eines Anfalls nicht mehr zur Vorschule, weil sie zu erschöpft von der Anstrengung war. Zwar versuchten Cana und Laxus ihr Bestes, ihre Sorge und Verzweiflung zu verstecken, doch Lexy bemerkte die angespannte Stimmung, wann immer sie einen Anfall erlitt.
Der letzte Anfall hatte sich ereignet, als Laxus und Cana auf einem Auftrag gewesen waren. Zwar hatte Makarov den Großteil der Magie aufnehmen können, doch ein kleiner, verbrannter Fleck im Holzboden der Gilde zeugte von der Magie, die dort eingedrungen war.
Auch der Rest der Gilde war geschockt gewesen. Zwar hatten sie von Lexys Anfällen gewusst, doch dieser war besonders heftig und der Großteil der Magier währenddessen anwesend gewesen.
Leider hatten auch die nächsten Termine bei Lupita keine neuen Fortschritte in Bezug auf die Lacrima ergeben. Zwar wurde im Institut für Magische Forschung weiterhin an einem Prototypen gearbeitet, doch Lexys Alter und das damit verbundene Wachstum waren eine Herausforderung für die dort arbeitenden Forscher. Sowohl Sting als auch Rogue war die Lacrima weitaus später eingesetzt worden, weshalb diese geringere körperliche Entwicklungen mit der Lacrima durchlaufen hatten.
Laxus war während der Gespräche meist derjenige, der weitere Fragen stellte. Cana hingegen war mit ihrer wachsenden Panik beschäftigt, weshalb sie oftmals nur still zuhörte und aus jeder kleinen Andeutung der Heilerin neue Hoffnung schöpfte. Zumindest versuchte sie es.

Sprachlos blickte Cana zu Lexy hinab, die sie breit angrinste.
„Und deshalb müssen du und Papa einen Ausflug allein machen, damit du nicht immer die Stirn runzelst. Tante Ever hat gesagt, das gibt Falten und dann bist du nicht mehr hübsch.“
Cana verkniff sich eine Antwort auf den zweiten Satz. Lexy hatte angefangen, Evergreen als „Tante“ zu bezeichnen, und wider Erwarten war diese völlig angetan von dieser Bezeichnung. Eigentlich hatte Cana eher damit gerechnet, eine wutschnaubende Magierin vor sich zu sehen, die lauthals verkündete, für das Tanten-Dasein etliche Jahre zu jung zu sein. Aber offensichtlich hatte sie Ever entweder falsch eingesetzt oder diese hatte Lexy inniger ins Herz geschlossen als bisher angenommen.
„Einen Ausflug?“
„Ja! Papa hat gesagt, ich soll dich dazu überreden. Wenn du aufgestanden bist, weil du dann noch müde bist und nicht richtig zuhörst.“
„Und er hat dir wahrscheinlich auch gesagt, mir das nicht zu verraten, nicht wahr?“ Cana zog amüsiert eine Augenbraue hoch, während sie ihre volle Kaffeetasse an sich nahm und ins Wohnzimmer lief.
Lexy hüpfte ihr hinterher und sprang buchstäblich auf den Sofaplatz neben ihr, während sie nickte. „Ja, hat er. Aber ich weiß, dass du weißt, warum ich dich frage. Deshalb kann ich dir das gleich erzählen. Außerdem muss das Papa nicht erfahren.“ Lexy blickte sie treuherzig an und blinzelte.
„Und was ist mit dir? Stört es dich nicht, wenn Laxus und ich ohne dich einen Ausflug machen?“
„Nein. Denn Papa hat gemeint, ich darf dann bei Gramps übernachten und mir mein Abendessen wünschen. Außerdem hat Gramps mir versprochen, mein Zimmer neu anzumalen, weil ich die weißen Wände langweilig finde. Ich darf auch die Farbe aussuchen!“
Cana nahm einen großen Schluck aus ihrem etwas abgekühlten Kaffee. Kurz genoss sie Lexys offenkundige Ungeduld, dann seufzte sie übertrieben und nickte. „Gut. Wenn das für dich okay ist, dann mache ich mit Laxus einen Ausflug.“ Zwar hatte sie keine Ahnung, was er genau vorhatte, doch mit Sicherheit würde es etliche entspannende Aktivitäten beinhalten. Immerhin hatte er erst gestern angedeutet, dass sie dringend eine Pause benötigte. Womit er vollkommen recht hatte, denn sie war angespannt. Jeden Morgen fühlte sie sich wie gerädert und das wurde über den Tag hinweg noch schlimmer, bis sie abends wie erschlagen in ihr Bett fiel. Nur, um eine unruhige Nacht zu haben, weshalb sich diese Routine tagtäglich wiederholte.
„Super! Dann wird Papa nicht mehr von Bixlow ausgelacht, weil er trocken ist. Oder so ähnlich.“
„Hat das Bixlow gesagt, Süße?“ Lexy bemerkte den Unterton in Canas Stimme natürlich nicht, was dieser ganz recht war. Denn es schien, dass sie ein ernstes Wörtchen mit Bixlow zu reden hatte, wenn ihre Tochter diese Art von Gesprächen mitbekommt.
„Ja. Zu Ever, die ihn geschlagen und gemeint hat, dass er sich benehmen soll. Freed hat nur den Kopf geschüttelt und Papa hat das nicht mitbekommen.“
„Und hat Bixlow das nicht mehr gesagt?“
„Doch. Also wenn Ever und Papa nicht da waren, dann hat er das gesagt und komisch gegrinst. Ich fand es nicht lustig und Freed auch nicht.“ Lexy sprang vom Sofa hinunter. „Wir müssen aber los, Mama. Sonst komme ich zu spät, Maly will mir und Blue etwas Wichtiges erzählen! Und du musst Gramps sagen, dass er mich abholen soll. Alle anderen Kinder finden ihn toll, weil er genauso groß ist wie sie.“
Cana verzog das Gesicht. „Sag das dem Master aber bitte nicht. Er mag seine Größe nicht so sehr.“
„Warum denn? Er kann sich ja größer machen, wenn er will.“Wahrscheinlich war Makarovs Veränderungsmagie nur durch seine geringe Körpergröße entstanden, zumindest hegte Cana seit Jahren diesen Verdacht. Doch sie würde den Master niemals darauf ansprechen. Allerdings konnte sie Laxus zu diesem Thema befragen, er wusste am ehesten über dieses Thema Bescheid.
„Wir müssen jetzt wirklich los, wenn du nicht zu spät kommen willst.“ Diese Antwort brachte Lexy sofort auf andere Gedanken.

Cana betrat die Gilde und spürte, wie leichte Nervosität in ihr aufkam. Die sie sich nicht anmerken lassen sollte, denn sie wusste offiziell nichts von Laxus‘ heutigen Plänen.
Laxus selbst stand an der Theke und unterhielt sich mit dem Master, während Mira einen Meter neben ihnen stand, zuhörte und Gläser polierte. Zumindest ahnte Cana das, denn Mira wischte halbherzig mit dem Tuch über die gleiche Stelle und schien mit den Gedanken woanders zu sein.
Cana gab sich einen Ruck und setzte sich wieder in Bewegung. Zielstrebig lief sie auf die Theke zu, woraufhin Laxus und Makarov ihr Gespräch unterbrachen und Mira ihr ein vielsagendes Grinsen schenkte. Immerhin konnte sie jetzt offen argwöhnisch sein, denn Miras Grinsen war für jedes Gildenmitglied alarmierend.
„Was habt ihr geplant?“, begrüßte sie Laxus und seinen Großvater. Dann hakte sie sich bei Laxus ein und gab ihm einen Begrüßungskuss auf die Wange.
Laxus hingegen schnaubte nur, drehte seinen Kopf ein wenig und gab ihr einen richtigen Kuss, auch wenn dieser nur ein paar Sekunden dauerte und äußerst keusch war. Was ihn eine gewisse Überwindung gekostet haben musste, wie Cana wusste. Deshalb fiel ihr Lächeln noch eine Spur breiter aus und dafür wurde sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck belohnt.
„Unser Auftrag wird heute länger gehen, deshalb holt Gramps Lexy von der Vorschule ab.“
„Lexy hat etwas in der Richtung erwähnt“, erwiderte sie schulterzuckend und verkniff sich ein Lachen, als Laxus‘ Kopf blitzschnell zu ihr herumfuhr.
„Hat sie das?“
„Ja. Allerdings war das vor meinem ersten Kaffee, zusätzlich hat sie mich aufgeweckt. Ich war also noch im Halbschlaf, also bin ich nicht sicher, was genau sie erzählt hat.“
„Gramps wird sie heute abholen, das war der wichtigste Teil.“
Cana wurde von Laxus ein Blatt in die Hand gedrückt und etwas überrascht starrte sie auf eine offizielle Auftragszusammenfassung. Genau so, wie sie am Brett hingen und von Magiern und Teams ausgesucht werden konnten.
„Hosenka?“ Bei dieser Stadt blieben ihre Augen für einen Moment hängen, ehe sie den Rest des Auftrags überflog. Mit jedem Satz wurden ihre Augen größer. „Wir sollen was tun?“
Laxus zuckte mit den Schultern. „In Hosenka sind in den letzten Tagen mehrere Übergriffe auf Frauen und Männer gemeldet worden. Da die Täter Magie benutzen, haben sie Fairy Tail beauftragt, diese ausfindig zu machen. Es klingt sehr nach schwachen Magiern, allerdings schlagen diese abends zu. Deshalb wird Lexy bei Gramps übernachten, falls sie dir das noch nicht erzählt hat. Ich lasse meinen Schlüssel bei ihm, dann können er und Lexy die Übernachtungssachen aus deiner Wohnung holen. Falls das in Ordnung für dich ist?“
Cana benötigte einen Moment, um diese Flut an Informationen zu verdauen. Dann schüttelte sie den Kopf und redete, bevor Laxus ihre Reaktion falsch verstehen konnte. „Du brauchst keinen Schlüssel hierzulassen. Der Master hat bereits einen. Für diese Fälle hat ihm Gildarts seinen Schlüssel überlassen, weil der Master immer in Magnolia ist und deshalb den Schlüssel am ehesten benötigt. Wer weiß, wann Gildarts dieses Mal wieder von einem Auftrag zurückkehrt.“ Zugegeben tauchte Gildarts nach Lexys Geburt weitaus öfter auf als früher. Sowohl bei Blue Pegasus als auch hier in Fairy Tail.
„Warum weiß ich so etwas nicht?“
„Weil es nicht deine, sondern Canas Wohnung ist. Egal, ob du sie mittlerweile auch als deine ansiehst, bei so vielen Nächte, die du dort verbringst.“
Cana klappte bei den unbekümmerten Worten des Masters der Mund auf. Offenbar schien Laxus ähnlich überrascht dreinzublicken, denn der Master brach in lautes Gelächter aus.
„Ihr habt eine Tochter, die redet wie ein Wasserfall. Denkt ihr, sie erzählt nur euch alles, was ihr gerade einfällt? Ich weiß besser über euch Bescheid, als ihr denkt. Deshalb weiß ich auch, dass ihr einen entspannten Abend verdient habt.“
„Unser Auftraggeber besitzt eines der Onsen in Hosenka. Er stellt uns ein Zimmer mit privater Quelle bereit, da wir bis spätabends unterwegs sein werden.“ Laxus‘ Erklärung lenkte Cana von der peinlichen Erkenntnis ab, ihre privaten Angelegenheiten dank ihrer Tochter doch nicht privat gehalten zu haben. Wobei sie streng genommen Lexy nicht verboten hatte, über Laxus‘ Übernachtungen zu reden.
„Ich weiß sehr wohl, wie anstrengend ein sechsjähriges Kind sein kann. Ich habe zwei davon aufgezogen, einen Sohn und einen Enkel. Also sollt ihr einmal die Gelegenheit haben, euch wirklich entspannen zu können.“
Laxus stieß sich vom Tresen ab und nickte dem Master und Mira zu. „Ich gebe Freed, Ever und Bixlow Bescheid, dass sie heute auf mich verzichten müssen. Es dauert nicht lange“, äußerte er an Cana gewandt und diese nickte. Kaum als Laxus etwas vom Tresen entfernt war, spürte Cana, wie sich lange, schmale Finger um ihr Handgelenk schlossen und sie von Mira zum Ende des Tresens gezogen wurde. Angesichts des Gesichtsausdrucks, den Mira aufgesetzt hatte, schwante Cana Übles.
„Hosenka! Bei Mavis, dieser Ort ist perfekt für euch! Dunkle Gassen, wunderschöne Gebäude und grandioses Essen. Dazu die romantische Ausstrahlung einer Yukata, die jederzeit verrutschen oder mit nur einem Handgriff vom Körper gelöst werden kann.“
„Du hast zu viele Filme gesehen, Mira.“ Cana schüttelte amüsiert den Kopf, doch die andere Magierin ließ sich nicht im Geringsten beirren.
„Du wirst schon sehen, was ich meine. Natürlich warst du bereits in einem Onsen, aber es ist etwas völlig anderes, dort mit seinem Partner hinzugehen. Ich weiß noch, als Freed und ich …“
Cana blickte verzweifelt nach links und rechts, dann presste sie einfach eine Hand auf Miras Mund, um sie zu unterbrechen. „Ich glaube, weder Freed noch ich möchten, dass du weitere Informationen preisgibst.“ Kurz wartete sie, dann nahm sie ihre Hand wieder herunter und blickte Mira argwöhnisch an.
Diese hatte sich wieder gefangen, doch das beunruhigende Glitzern in ihren Augen war geblieben. „Du wirst schon sehen“, sagte sie fast singend. „Laxus, viel Spaß euch beiden!“
Cana drehte sich wieder um und sah, dass Laxus bereits wieder auf dem Weg zu ihr war. Vom ersten Stock ertönte ein gellender Pfiff und sie musste nicht nachschauen, um Bixlow als Übeltäter zu identifizieren.
„Je schneller wir aufbrechen, desto besser“, murmelte Laxus, als er vor ihr stand. „Hier scheinen alle durchzudrehen. Oder die Frühlingsgefühle fangen schon etliche Wochen früher an als normal.“
Cana nickte und setzte sich in Bewegung, als sie eine leichte Berührung an ihrer Taille innehalten ließ.
„Der Onsen-Inhaber wird uns mit allen notwendigen Dingen ausstatten, es ist ein sehr edles Onsen. Normal muss man etliche Wochen im Voraus einen Raum buchen, um dort überhaupt eingelassen zu werden. Nun, eigentlich ist es eher eine Herberge mit einem traditionellen Onsen, aber diese Kleinigkeit stört niemanden.“ Laxus hielt ihr auffordernd den Arm hin und Cana hakte sich zum zweiten Mal an diesem Tag ein, auch wenn sie dieses Mal weitaus mehr Magenflattern verspürte. Denn dieser Auftrag würde besonders werden, das spürte sie.

In Hosenka angekommen, gingen sie zu ihrem Auftraggeber. Wobei sich Laxus eher schleppte, denn er hatte noch mit den Auswirkungen der längeren Zugfahrt zu kämpfen. Entsprechend fahl war sein Gesicht, als er ein paar leise Worte mit dem Rezeptionisten im Onsen wechselte, eher dieser ihm einen Zettel zuschob. Laxus überflog diesen, nickte und unterschrieb ihn. Dann lief er wieder zurück zu Cana, die den Austausch neugierig verfolgt hatte. Ihre Schuhe hatten sie bereits im Eingangsbereich ausgezogen und jeder hielt sein Paar in den Händen. Zu Canas Freude schien der gesamte Boden beheizt zu sein, denn der hölzerne Boden war angenehm warm unter ihren Füßen.
Dieses Onsen war ein paar Preisklassen höher als die, in denen sie ein paarmal zu Gast gewesen war. Das hatte sie bereits am weitläufigen Garten und der prunkvollen Eingangshalle erkannt. Wo meist nur Holz und Papier vorherrschten, konnte sie hier etliche metallische Verzierungen an den Wänden und Ecken entdecken. Meist in einem goldenen Farbton gefärbt, bildeten sie einen schönen Kontrast zum rotbraunen Holz und den cremefarbenen Papiereinsätzen.
„Ihr Zimmer befindet sich am anderen Ende des Hauses. Wenn Sie mir bitte folgen würden.“ Wie aus dem Nichts stand eine Angestellte in traditioneller Kleidung vor ihnen und wartete Canas und Laxus‘ Nicken ab, bevor sie sich in Bewegung setzte.
Während sie ihr folgten, musterte Cana interessiert die Wände aus Papier und der typischen Holzverstrebung, die man in Onsen immer fand. Auch hier erkannte sie Unterschiede, denn die rechteckigen Papierfelder waren vereinzelt mit Bildern verziert worden. Lampen erhellten in regelmäßigen Abständen den Flur, der mit Tatamimatten ausgelegt war, denn für die Wände war dickes Papier genutzt worden, das kein Licht durchließ.
Nach einigen Minuten blieb die Angestellte vor einer der Schiebetüren stehen.
„Im Zimmer finden Sie alles, was Sie benötigen. Falls Sie andere Dinge anfordern wollen, melden Sie sich bitte an der Rezeption.“
Laxus schob die Tür auf und bedeutete Cana, einzutreten. Während sie in den Raum lief, bemerkte sie hier die aus dünnem Papier bestehenden Shoji-Türen zum Außenbereich, durch die das Tageslicht hindurchschien.
Am Rand erkannte sie zwei aufgestapelte Futonbetten, während in der Mitte des Raums ein niedriger Tisch stand. Auf diesem stand eine Teekanne, aus der Dampf aufstieg sowie zwei Tassen. Auch zwei flache Sitzkissen lagen auf zwei gegenüberliegenden Seiten des Tisches.
„Wow“, murmelte Cana beeindruckt und schob die Tür zum Außenbereich zur Seite. Dort sah sie eine schmale, hölzerne Veranda, von der aus drei Stufen hinunter in den Garten führten. Der Weg zur kleinen Quelle ein paar Meter von der Veranda entfernt bestand aus einzelnen, ovalen Steinen. Der überwiegende Teil des Gartens war von Rasen bedeckt, wenn man von den einzelnen Blumenrabatten, Büschen und Bäumen absah. Diese standen vor allem um den Bambuszaun herum und boten zusätzlichen Sichtschutz vor den daneben liegenden Quellen.
Nach ein paar Minuten, in denen sie sehnsüchtig auf die dampfende Quelle geblickt hatte, wurde ihr zu kalt und sie zog die Türen wieder zu. Laxus hatte sich neben sie gestellt und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
„Nun, das wird eindeutig sehr erholsam werden.“
„Wenn wir mit unserem Auftrag fertig sind“, erwiderte Cana.
Doch zu ihrer Überraschung grinste Laxus. „Es gibt keinen Auftrag.“
„Was?“ Bei Canas Fassungslosigkeit zuckte Laxus unbekümmert mit den Schultern.
„Mittlerweile kenne ich Lexy. Natürlich hat sie dir alles erzählt. Auch die Dinge, die sie dir nicht erzählen sollte. Deshalb habe ich mit Gramps einen angeblichen Auftrag erstellt, damit du nicht sofort weißt, was wir hier in Hosenka eigentlich tun.“
„Aber …“ Cana fiel keine Erwiderung ein, denn damit hatte sie nicht gerechnet. Wobei gerade das Laxus‘ Ziel gewesen war, weshalb sie schwach lächelte. „Du hast mich ausgetrickst.“
Laxus löste seine Hände aus ihrer Position, um sie hinter Canas Kopf erneut zu verschränken und sie zu sich zu ziehen, wenn sie nicht stolpern wollte. „Habe ich. Du brauchst dringend Ablenkung von allem, das hat selbst Lexy bemerkt. Deshalb war sie sofort bereit, bei Gramps zu übernachten, damit du deine Sorgenfalten wieder verlierst.“ Er tippte leicht gegen Canas Stirn, die sie einmal mehr runzelte.
Cana zwang sich, ihre Gesichtszüge zu entspannen, und schloss die Augen. „Mh.“ Jetzt hörte sie auch das leise Plätschern eines nahen Baches sowie Gekicher, das von draußen hereindrang.
„Bis zum Abendessen dauert es noch ein paar Stunden. Wir haben also Freizeit.“ Laxus‘ Stimme war nur noch ein leises Raunen, bei dem sich Canas Nackenhaare aufstellten. Auf eine positive Weise, auch wenn sie nervös wurde.
Es kostete etwas Überwindung, ihre Augen wieder zu öffnen, doch sie brachte es über sich. In Laxus‘ Augen, die sie intensiv beobachteten, konnte sie das Glühen sehen, das in letzter Zeit immer öfter in seinem Blick lag. Ein Glühen, das von sexuellen Bedürfnissen zeugte und in ihr ein verheißungsvolles Kribbeln auslöste. Schlagartig spürte sie, wie ihr warm wurde.
„Die heiße Quelle?“, murmelte sie mit belegter Stimme und Laxus‘ rechter Mundwinkel zuckte.
„Im Nebenzimmer liegen Handtücher bereit.“ Mit diesen Worten löste er sich von ihr und blickte sie fragend an.
Cana verstand seine stumme Frage und lächelte. „Geh du zuerst. Ich genieße derweil noch etwas die Ruhe.“
Laxus lachte leise, während er in den Nebenraum ging. Die Tür schloss er nur halb, sodass Cana sehr gut das Rascheln von Kleidung hören konnte. Wahrscheinlich war das volle Absicht, doch sie konnte es Laxus nicht verübeln. Trotz aller Unsicherheit und Vorbehalte ihrerseits spürte sie auch das Bedürfnis, mit Laxus zu schlafen.
Als Laxus die Tür wieder öffnete und nur ein kleines Handtuch um seine Körpermitte geschlungen hatte, ließ sie ihren Blick betont langsam über seinen Körper wandern, während sie an ihm vorbei in den Raum lief.
Zumindest versuchte sie es, denn Laxus packte sie ruckartig am Handgelenk und trat direkt vor sie. Cana wich unwillkürlich zurück und spürte das Holz der Wand an ihrem Rücken.
„Du weißt, was passiert, wenn du mich weiterhin mit diesem Blick anschaust.“ Laxus‘ Stimme war nicht mehr vollkommen fest, ihn ließ die Situation ebenfalls nicht kalt.
Cana legte den Kopf schief und blickte ihm fest in die Augen. Sie wusste, dass in diesen ihre Absichten sehr gut zu erkennen waren. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und zog Laxus‘ Kopf zu sich herunter, bis sie an seinem Ohr angekommen war. „Alles habe ich nicht vergessen“, murmelte sie und hörte zufrieden, wie sein Atem kurz stockte.
Sie löste sich von ihm und drehte sich seitlich weg, während sie mit einem Lachen in das Nebenzimmer lief. Laxus hatte das Vorspiel vorhin eröffnet und sie hatte es fortgeführt. Damit war eindeutig klar, was heute geschehen würde und wenn sie ehrlich war, konnte ihr das Abendessen herzlichst gestohlen bleiben.

Doch als sie an der Quelle stand, zögerte sie kurz, als sie Laxus‘ Handtuch fein säuberlich gefaltet am Rand vorfand. Natürlich wusste sie, dass man nackt in das Wasser steigen sollte. Laxus hatte die Dehnungsstreifen bereits gesehen und trotzdem ließ genau dieser Gedanke sie innehalten.
In ihre Gedanken versunken, zuckte sie zusammen, als sie unvermittelt ein Platschen hörte. Das klang, als ob Laxus aufgestanden war und in ihre Richtung watete. Krampfhaft blickte sie stur zur Seite, auch wenn ihr Verhalten selbst in ihren Augen peinlich war.
Erst, als sie Laxus nasse Hand auf ihrer Schulter spürte, drehte sie ihren Kopf und starrte Laxus ins Gesicht.
Laxus‘ Hand glitt von ihrer Schulter ihren Hals hinauf, bis sie sich auf ihre Wange legte. „Du bist wunderschön. Egal, was du dir auch selbst einreden möchtest. Außerdem sind alle Beweise deiner Schwangerschaft ein Beleg für deine Fruchtbarkeit, was dich noch attraktiver macht.“ Während dieser Worte berührte seine andere Hand den unteren Saum ihres Handtuchs.
Cana hielt kurz die Luft an, dann nickte sie sanft und Laxus gab ihr einen kurzen Kuss, der alle Zweifel in ihr beiseiteschob. Reglos stand sie da und schloss ihre Augen, während Laxus‘ Hand an ihrem Handtuch unter dieses wanderte und ihren Oberschenkel berührte. Von dort aus glitt sie gemächlich höher, bis sie ihren Bauch erreichte und einmal mehr die unebene Haut nachfuhr. Zeitgleich löste sich seine andere Hand von ihrer Wange und wanderte wieder hinab, bis zur Mitte über ihren Brüsten. Dort, wo sie das Handtuch eingeschlagen hatte. Eine Handbewegung, und ihr Handtuch fiel auf den Boden.
Laxus beachtete dieses nicht, sondern zog sie an sich und küsste sie erneut, nur inniger und leidenschaftlicher.
Cana spürte die kühle Luft um sie herum, während Laxus‘ Körper Hitze ausstrahlte und jeden Flecken Haut, den er berührte, in Brand setzte. Mit einem Seufzen schlang sie die Arme um seinen Nacken und drängte ihn in das warme Wasser zurück.
Laxus‘ Hände begaben sich auf Wanderschaft und entlockten Cana immer wieder ein Keuchen, bevor er innehielt. „Bist du sicher?“ Seine Stimme war rau vor Leidenschaft und anstatt einer Antwort küsste Cana ihn einfach erneut.
„Nicht in einer Quelle.“ Laxus‘ presste diese Worte hervor. Dann zog er sie aus dem Wasser hinaus und zur Veranda, um dort ein paar der bereitgelegten Handtücher zu schnappen und mit in ihren Raum zu nehmen. Diese wurden auf den Tatamimatten gelegt, bevor sich Cana auf diesen wiederfand. Ohne Scham ließ sie ihren Blick langsam über Laxus‘ nackten Körper gleiten, während dieser noch vor ihr stand. Als sie seinem Blick begegnete, brannte sich dieser tief in ihre Seele. Kurzerhand setzte sie sich auf, griff ungeduldig nach seiner Hand und zog ihn zu sich hinunter. Laxus schien im ersten Moment überrascht, doch er fing sich schnell und machte sich daran, jeden einzelnen Flecken ihres Körpers mit Händen und Mund zu erkunden.
Mit jeder einzelnen Sekunde verlor Cana mehr von ihrem Verstand, bis ihre gesamte Welt von Empfindungen, Emotionen und Laxus‘ Körper eingenommen wurde.

+++

Ihr könnt gar nicht erahnen, wie viel Zeit diese letzte Szene in Anspruch genommen hat. Ich tue mich unglaublich schwer damit, romantische/erotische Szenen zu schreiben. Doch es war eindeutig an der Zeit, auch wenn es keine graphische Szene ist. Denn diese habe ich noch nie geschrieben und das wird sich wahrscheinlich nicht ändern. Dafür liegen sie mir zu wenig. Deshalb bin ich über alle Verbesserungsvorschläge für diese Fluff-Momente dankbar!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast